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Flugplatz Frankfurt-Egelsbach

Flugplatz in Deutschland
(Weitergeleitet von Flugplatz Egelsbach)

Der Flugplatz Frankfurt-Egelsbach (Markenauftritt Frankfurt-Egelsbach Airport) ist ein deutscher Verkehrslandeplatz nahe dem Frankfurter Flughafen. Er ist als Verkehrslandeplatz klassifiziert und befindet sich auf 117 m ü. NHN in der Gemarkung der Gemeinden Egelsbach und Erzhausen im Rhein-Main-Gebiet zwischen Frankfurt am Main, Offenbach am Main und Darmstadt.

Flugplatz Frankfurt-Egelsbach
Logo Airport Egelsbach.svg
Luftaufnahme Flugplatz Egelsbach.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDFE
Koordinaten

49° 57′ 39″ N, 8° 38′ 29″ OKoordinaten: 49° 57′ 39″ N, 8° 38′ 29″ O

117 m (384 ft) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 1,5 km südwestlich von Egelsbach,
17 km südlich von Frankfurt am Main,
10 km südöstlich von Flughafen Frankfurt am Main
Straße A661 B3
Nahverkehr S-Bahn S3 S4
Basisdaten
Eröffnung 1. Oktober 1955
Betreiber Hessische Flugplatz GmbH Egelsbach
Fläche 72 ha
Flug-
bewegungen
72.016 (2015)
Beschäftigte ca. 710
Start- und Landebahnen
08/26 1400 m × 25 m Asphalt
08/26 670 m × 30 m Gras

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Zu Anfang gab es nur eine Grasstart- und Landefläche, später eine festgelegte Graspiste. Im Jahre 1956 waren bereits 37.000 Flugbewegungen zu verzeichnen, so dass 1966 eine befestigte Start- und Landebahn gebaut wurde, um etwa 100.000 Flugbewegungen im Jahr abwickeln zu können. In den 1970er Jahren stieg die Zahl der Flugbewegungen auf über 126.000.

Heute repräsentiert der Flugplatz einen wachsenden Gewerbestandort mit rund 25 Unternehmen und ca. 700 Beschäftigten und dient als Basis von Polizeihubschraubern der Hessischen Polizei, zahlreichen Luftfahrtunternehmen und luftfahrtaffinen Betrieben, Flugschulen und Vereinen.

Am 3. Juli 2004 wurde nach 15-monatiger Bauzeit die Verlängerung der asphaltierten Start- und Landebahn um 410 m auf insgesamt 1400 m in Betrieb genommen. Die Verlängerung war wegen geänderter europäischer luftverkehrlicher Bestimmungen erforderlich, um den kommerziellen Betrieb für Flugzeuge von bis zu 20 Tonnen Startgewicht aufrechtzuerhalten. Für die Verlängerung musste der Bachlauf des Hegbachs, in dem die geschützte Fischart Groppe lebt, um 700 Meter verlängert werden (im Foto erkennbar). Eine Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen den Bau wurde ebenso abgewiesen wie Einwendungen von Bürgervereinigungen aus umliegenden Gemeinden wie Erzhausen.

Aufgrund der starken Zunahme von Flugbewegungen mit schnell fliegenden Luftfahrzeugen (High Performance Aircraft - HPA) nach 2004 musste das Verkehrsmix aus schnellen und langsamen Flugzeugen entzerrt werden, um Sicherheit und flüssige Verkehrsabläufe weiterhin zu gewährleisten. Seit März 2008 verfügt der Flugplatz als einziger in Deutschland über getrennte Sichtan- und -abflugverfahren für schnelle und langsame Flugzeuge.

Im März 2009 erwarb das Unternehmen NetJets, das der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Warren Buffett gehört, 80 % der Anteile an der Hessischen Flugplatz GmbH Egelsbach von den Altgesellschaftern Beteiligungsgesellschaft des Kreises Offenbach (39,22 % Anteile) sowie Stadtwerke Offenbach (33,44 %) und Stadtwerke Langen (6,88 %)[1]. Die Gemeinde Egelsbach (11,02 %) und die Stadt Langen (9,44 %) durften aufgrund laufender Bürgerbegehren und nach einer Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs in Kassel[2] nicht verkaufen. Am 27. September 2009 fanden in diesen beiden Kommunen Bürgerentscheide statt, in denen sich jeweils eine Mehrheit der Wahlberechtigten gegen den Verkauf aussprach.[3] Nach vier einseitig von NetJets bestrittenen Kapitalerhöhungen sanken die kommunalen Anteile auf zusammen 12,27 % (Egelsbach 6,61 %, Langen 5,66 %).[4]

NetJets plante seit 2009, die Start- und Landebahn in den folgenden fünf Jahren um weitere 270 Meter zu verlängern, um einen Instrumentenflugbetrieb zu ermöglichen.[5]

Mit Erscheinen der ICAO-Karte 1:500.000 zum 31. März 2016 wurde der Sektor Luftraum D (CTR) in eine RMZ (Radio Mandatory Zone), TMZ (Transponder Mandatory Zone) und ATZ (Aerodrome Traffic Zone) umgewandelt, um der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012 (SERA) Rechnung zu tragen.

ZwischenfälleBearbeiten

  • Am 19. Juni 2009 gewann die mit Flugschüler und Fluglehrer besetzte einmotorige Piper PA-18 (Luftfahrzeugkennzeichen D-ESKS) nach dem Start nur wenig Höhe und kippte bei einem Notlandeversuch aus geringer Höhe über dem benachbarten Erzhäuser Sportplatz ab.[6] Während der Flugschüler mit leichten Verletzungen davon kam, musste der Fluglehrer schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden.[7] Die Maschine wurde zerstört.[8]
  • Am 7. Dezember 2009 um 16:16 Uhr Ortszeit (acht Minuten vor Sonnenuntergang) wurde ein zweimotoriges Turbopropflugzeug des Typs Beechcraft F90 King Air (Kennzeichen D-IDVK) während des Anflugs durch eine Nebelbank etwa 3200 Meter vor der Landebahn 27 mit hoher Geschwindigkeit in den Boden geflogen. Alle drei Insassen wurden getötet. Die Maschine wurde zerstört. Anscheinend war die Leistungsfähigkeit des Piloten durch Alkohol und Medikamente eingeschränkt.[9]
  • Am 18. Juni 2010 um 12:41 Uhr kippte eine einmotorige Aquila AT01 (Kennzeichen D-EHLE) während des Durchstartvorgangs nach rechts ab und stürzte etwa 180 Meter hinter der Landebahn 09 auf ein Feld. Der Pilot konnte kurz nach dem Absturz von der Besatzung eines Hubschraubers schwer verletzt aus dem Wrack gerettet werden, der Passagier verstarb an der Unfallstelle.[10][11]
  • Am 1. März 2012 um 18:58 Uhr wurde ein zweistrahliges Geschäftsreiseflugzeug des Typs Cessna Citation X (Kennzeichen N288CX) während eines Nachtanflugs bei schlechter Sicht etwa vier Kilometer vor der Landebahn 27 in den Boden geflogen. Alle fünf Insassen wurden getötet. Die Maschine wurde zerstört.[12]
  • Am 30. Juni 2015 um 10:42 Uhr stürzte ein Kleinflugzeug des Typs DA 20 Katana (Kennzeichen D-EAGQ) während des Durchstartvorgangs in die Bahnstrecke Frankfurt–Darmstadt. Lage Das Flugzeug kollidierte beim Absturz mit dem vierten Wagen des vorbeifahrenden Güterzuges. In der Folge wurde die Oberleitung auf über 1100 m Länge beschädigt. Der 64-jährige Flugzeugführer wurde schwer verletzt, seine 65 Jahre alte Frau starb noch am Unfallort. Zwölf Jahre zuvor hatte es an der gleichen Stelle einen ähnlichen Unfall während eines Anflugs bei Dunkelheit gegeben, bei dem der Pilot leicht verletzt wurde.[13][14][15][16]
  • Am 9. Juli 2017 um 09:59 Uhr stürzte eine Reims-Cessna F150L (Kennzeichen D-EEYP) in ein an den Flugplatz angrenzendes Waldstück, nachdem die 59-jährige Pilotin während des Starts einen Leistungsmangel des Motors bemerkt hatte. Die Pilotin war die einzige Person an Bord und wurde schwer verletzt. Das Flugzeug wurde durch den Unfall schwer beschädigt. Die genaue Absturzursache wird noch von Mitarbeitern der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung untersucht.[17][18][19]

GalerieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Flugplatz Egelsbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Artikel in der Online-Ausgabe der Offenbach-Post vom 25. März 2009
  2. Pressemitteilung des VGH Kassel
  3. Artikel in der Online-Ausgabe der Offenbach-Post vom 28. September 2009
  4. Artikel in der Online-Ausgabe der Offenbach-Post vom 24. April 2013
  5. Homepage NetJets (Memento vom 13. Dezember 2009 im Internet Archive) in Egelsbach
  6. BFU: Untersuchungsbericht der BFU. Abgerufen am 21. Oktober 2018.
  7. op-online.de: Absturz: Notlandung auf Sportplatz missglückt
  8. Unfallbericht PA-18 D-ESKS, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 10. Juli 2017.
  9. Unfallbericht King Air F90 D-IDVK, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 21. Oktober 2018.
  10. BFU: Untersuchungsbericht der BFU. Abgerufen am 6. Februar 2019 (deutsch).
  11. Unfallbericht Aquila AT01 D-EHLE, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 7. Februar 2019.
  12. Unfallbericht Cessna Citation X N288CX, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Oktober 2018.
  13. dpa: Bahnstrecke nach Absturz weiter gesperrt. In: hr-online.de. 30. Juni 2015, abgerufen am 2. Juli 2015.
  14. dpa: Frau stirbt bei Flugzeugabsturz in Egelsbach. In: rp-online.de. 1. Juli 2015, abgerufen am 2. Juli 2015.
  15. dpa: S-Bahnstrecke nach Flugzeugabsturz wieder frei. In: faz.net. 1. Juli 2015, abgerufen am 2. Juli 2015.
  16. Unfallbericht Katana D-EAGQ, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 10. Juli 2017.
  17. Unfallbericht Cessna 150 D-EEYP, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 21. Oktober 2018.
  18. Bulletin Juli 2017: Unfälle und Störungen beim Betrieb ziviler Luftfahrzeuge. Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, Juli 2017, abgerufen am 17. Januar 2018.
  19. hessenschau.de, Frankfurt, Germany: Cessna stürzt nahe der A5 in Waldstück | hessenschau.de | Panorama. In: hessenschau.de. 9. Juli 2017 (hessenschau.de [abgerufen am 10. Juli 2017]).
  20. Unfallbereicht Epic LT. 1. April 2019, abgerufen am 1. April 2019.