Fluch der Verlorenen

Film von Budd Boetticher (1952)

Fluch der Verlorenen (Originaltitel: Horizons West) ist ein US-amerikanischer Western von Budd Boetticher aus dem Jahr 1952. Der Film thematisiert die Probleme der Südstaaten nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: „Soziales und wirtschaftliches Chaos […], regionale Feindschaften und viele Tausende Kriegsveteranen, viele von ihnen heimatlos und verbittert“;[3] dies wird verknüpft mit einem Vater-Sohn-Konflikt und dem Motiv der verfeindeten Brüder.

Film
Deutscher TitelFluch der Verlorenen
OriginaltitelHorizons West
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1952
Länge 78 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1][2]
Stab
Regie Budd Boetticher
Drehbuch Louis Stevens
Produktion Albert J. Cohen
Musik Henry Mancini
Herman Stein
Kamera Charles P. Boyle
Schnitt Ted J. Kent
Besetzung
Synchronisation

HandlungBearbeiten

1865, nach Ende des Bürgerkriegs, kehren die Halbbrüder Dan und Neil Hammond mit ihrem gemeinsamen Freund und Vorarbeiter ihres Vaters Tiny McGilligan nach Hause zurück. Auf ihrer Ranch nahe Austin (Texas) werden sie von der Familie und alten Freunden herzlich empfangen.

Während Neil und Tiny das Landleben vermisst haben, hat Dan die Absicht, schnelles Geld zu verdienen. Bürgermeister Frank Tarletton verschafft Dan über den Rinderbaron Cord Hardin Zugang zu einer elitären Pokerrunde. Dan verliert nicht nur das von seinem Freund Sam Hunter geliehene Geld, er muss Hardin auch noch einen Schuldschein über 5000 Dollar ausstellen. Dieser genießt seine Überlegenheit, da ihm nicht entgangen ist, dass Dan regelmäßig mit seiner Frau Lorna flirtet.

Dan sucht eine Gruppe herumstreifender Deserteure auf. Durch Fürsprache seines ehemaligen Kameraden Dandy Taylor, der sich ebenfalls in der Gruppe befindet, wird der charismatische Dan der Anführer der Gesetzlosen.

Mit Viehdiebstahl und illegalen Geschäften mit General Escobar aus der mexikanischen Zona Libre gelangt Dan zu erstem Geld.

Als Dan seine Wettschulden begleicht, fällt Hardin auf, dass sein Land bereits mehrfach überfallen wurde, die Freunde von Hammond bisher jedoch verschont geblieben sind.

Daraufhin lässt Hardin Neil von seinen Männern abfangen und verprügeln. Lorna alarmiert Dan; dieser befreit seinen Bruder mit seinen Männern und erschießt dabei Hardin. Gestützt durch Lornas Aussage wird Dans Verhalten vom Gericht als Notwehr eingestuft. Lorna und Dan gestehen sich ihre Liebe.

Dan nutzt das momentane Chaos der Nachkriegszeit und die fehlenden Gesetzeshüter aus. Mit Hilfe des Richters sucht er Gesetzeslücken, findet Formfehler in Kaufverträgen und droht säumigen Steuerschuldnern. Dadurch vereinnahmt er einige Ländereien und gelangt zu Wohlstand und Macht.

Der Bürgermeister sieht keine weitere Möglichkeit, als Hilfe in Washington anzufordern und um Neugründung der Texas Rangers zu bitten. Er ernennt Neil zum vorläufigen Marshall.

Dan und Dandy versuchen, den Bürgermeister von seinem Plan abzubringen. Als dieser sich weigert, erschießt Dandy ihn vor der eigenen Haustür.

Als der Richter die Klage der Witwe gegen Dan, dessen Stimme sie erkannt hat, abweist, geraten die Bürger in Aufruhr. Entschlossen zur Selbstjustiz, stürmt die aufgebrachte Menschenmenge Dans Büro. Nur durch das beherzte Eingreifen Neils kann Dan gerettet werden. Der wütende Mob verfolgt die beiden Brüder bis zum Gefängnis. Dan gelingt die Flucht, indem er Tiny überlistet und erschießt. In dem anschließenden Schusswechsel wird Dandy von den Bürgern getötet. Dan gelingt die Flucht nach Mexiko.

Als Neil und sein Vater Dan in der Zona Libre stellen wollen, um ihn nach Austin zu bringen, gelingt es Dan, beide zu entwaffnen. Als er sie mit vorgehaltener Waffe auf der Straße vor sich her gehen lässt, trifft ihn ein Farmer, der ihm auflauerte; auch Lornas Warnruf konnte dies nicht verhindern. Dans letzte Worte zeigen seine Liebe zu Lorna und sein Schuldbewusstsein gegenüber seinem Vater.

Unbestimmte Zeit später beobachten Martha Hammond und Sally stolz, wie Ira und Neil losreiten, um ihre Rinder „als Erste in Texas“ mit der Eisenbahn nach Abilene zu bringen.

Produktionsnotizen und AufführungsgeschichteBearbeiten

Der Film wurde von Mitte Februar bis Anfang März 1952 unter dem Arbeitstitel The Texas Man gedreht.[4] Während der Zeit war der Regisseur „irrsinnig verliebt“ in die gerade geschiedene Julia Adams, „die wirklich strahlend war und schön“.[5]

Im Oktober 1952 fand die Premiere statt;[4][6] am 22. Oktober 1954 startete der Film in den deutschen Kinos.[6]

SynchronisationBearbeiten

Die deutsche Synchronfassung entstand 1954 bei der Berliner Synchron GmbH unter der Synchronregie von Bruno Hartwich nach dem Dialogbuch von Fritz A. Koeniger.[7][8][9]

Eine zweite Synchronfassung entstand 1986 im Auftrag der ARD bei der Taunus Ton Bearbeitung, Frankfurt.[10][11]

Rolle Schauspieler Synchronstimme 1954 Synchronstimme 1986
Dan Hammond Robert Ryan Heinz Engelmann Joachim Kerzel
Lorna Hardin Julia Adams Marion Degler Regina Lemnitz
Neil Hammond Rock Hudson Gert Günther Hoffmann Rüdiger Bahr
Sally Eaton Judith Braun ? Katharina Gräfe
Ira Hammond John McIntire Robert Klupp Wolfgang Völz
Cord Hardin Raymond Burr Curt Ackermann Randolf Kronberg
Martha Hammond Frances Bavier ? Marianne Mosa
General José Escobar Lopez Rodolfo Acosta ? Lutz Riedel

KritikBearbeiten

Der Regisseur meinte, der Film sei nicht „besonders gut[]“ und sah ihn lediglich an als Vorläufer seines Mafia-Films J.D., der Killer; er sei für das Sujet „noch nicht reif genug“ gewesen.[5] Er lobte seine Darsteller und war „ziemlich stolz“ darauf, dass Rock Hudson, Raymond Burr und Dennis Weaver ihre Karrieren mit Fluch der Verlorenen begonnen hätten.[5] Besonders hob er die „Professionalität und das Talent [seines] Freundes Robert Ryan“ hervor.[5]

Der Selbstkritik des Regisseurs schließt sich die englischsprachige Kritik häufig an,[12] während die Urteile in der deutschsprachigen Kritik freundlicher ausfallen. So bezeichnet Kino.de den Film als „[e]benso farbenprächtig[] wie temporeich[]“,[13] Prisma konstatiert, der „realistische[] Western mit psychologischem Anstrich“ lebe „besonders vom Spiel der beiden Hauptdarsteller“[14] und das Lexikon des internationalen Films resümiert: „Hartes Revolverheldentum im Vordergrund eines actionreichen Western.“[2]

Heimkino-EditionenBearbeiten

  • Fluch der Verlorenen (= Classic Western Edition). Koch Media, [Planegg bei München] 2008 [Beiheft mit einer filmhistorischen Würdigung von Hank Schraudolph, englische Fassung und Synchronisation von 1986].
  • Fluch der Verlorenen. In: Classic Western – Collection Box – No. 1. Koch Media, [Planegg bei München] 2010 [englische Fassung und beide Synchronisationen].

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Fluch der Verlorenen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, März 2008 (PDF; Prüf­nummer: 74 91D DVD).
  2. a b Fluch der Verlorenen. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 4. August 2020. 
  3. William J. Helmer. Zitiert nach der deutschen Übersetzung in: Joe Hembus: Der Stoff aus dem die Western sind. Die Geschichte des Wilden Westens 1540–1894. Chronologie – Mythologie – Filmographie. Erweiterte Neuausgabe [von Benjamin Hembus] (= Heyne Sachbuch. Band 19/487). Wilhelm Heyne Verlag, München 1996 [erste Auflage unter dem Titel Western-Geschichte 1981], ISBN 3-453-11776-X, S. 262 f. Die Aussage steht im historischen Abriss „Ende und Folgen des Bürgerkriegs“ vor der 16 Filme umfassenden Filmographie „Western über Südstaaten-Probleme nach dem Bürgerkrieg“, die auch den Film Horizons West aufführt.
  4. a b Horizons West. In: AFI Catalog of Feature Films des American Film Institute, abgerufen am 4. August 2020.
  5. a b c d Budd Boetticher: The Western (=  A British Film Institute Education Department Dossier. Nr. 2/6). Zusammengestellt von Jim Kitses. British Film Institute, [London 1969]. Hier zitiert nach der deutschen Übersetzung einer längeren Passage in: Joe Hembus: Das Western-Lexikon. 1567 Filme von 1894 bis heute. [Mit einem Vorwort von Sergio Leone. Erweiterte Neuausgabe von Benjamin Hembus] (= Heyne Filmbibliothek. Nr. 32/207). Wilhelm Heyne Verlag, München 1995 [Erstausgabe 1976], ISBN 3-453-08121-8, S. 207 f.
  6. a b Release Info zu Horizons West. In: Internet Movie Database, abgerufen am 4. August 2020.
  7. Digitaler Anhang (Stand 07/2019) zu: Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. 3. verbesserte, ergänzte Auflage. Schüren, Marburg 2013 [1. Auflage 2001], ISBN 978-3-89472-812-0, Eintrag „Fluch der Verlorenen“.
  8. Fluch der Verlorenen. In: synchrondatenbank.de. Synchrondatenbank.de, abgerufen am 4. August 2020.
  9. Fluch der Verlorenen [1. Synchro (1954)]. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 4. August 2020.
  10. Fluch der Verlorenen (neu). In: synchrondatenbank.de. Synchrondatenbank.de, abgerufen am 4. August 2020.
  11. Fluch der Verlorenen [2. Synchro]. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 4. August 2020.
  12. Vgl.: Horizons West bei Rotten Tomatoes (englisch)Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/Wikidata-Bezeichnung vom gesetzten Namen verschieden, abgerufen am 4. August 2020.
  13. Horizons West. In: kino.de, Abschnitt „Kritikerrezensionen“, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  14. Fluch der Verlorenen. In: prisma. Abgerufen am 4. August 2020.