Fiskal (Latein: fiscalis = die Staatskasse betreffend, ursprünglich: fiskus = geflochtener Korb, Geldkorb) war ein Vertreter der staatlichen Finanzverwaltung, der vor Gerichten die vermögenswerten (fiskalischen) Rechte des Kaisers oder eines Landesherrn vertrat.[1][2][3] Die ihm unterstellte Behörde war das Fiskalamt.[4]

Den Reichsfiskalen im Heiligen Römischen Reich beim Reichskammergericht und beim Reichshofrat oblag es, als Prozessvertreter aufzutreten, wenn die Gerechtsame,[5] Gesetze und Verfassung des Reichs verletzt wurden, beispielsweise gegen Missbrauch des Münzregals oder Störungen des Landfriedens.[6][7]

Aus seinen Aufgaben ergab sich auch die Stellung als öffentlicher Ankläger im Kriminalprozess. Er hieß so, weil nach dem alten System, in dem ein Verbrecher sich durch Erlegung von Bußen an den Verletzten und von Friedgeldern an den König lösen konnte, der Vertreter des königlichen Schatzes solche Straffälle als Gelegenheiten eines öffentlichen Einkommens wahrzunehmen hatte. Mit der Einführung von Staatsanwaltschaften übernahmen diese den Großteil der Aufgaben.

Im 18. Jahrhundert waren in Preußen Fiskale in fast allen Bereichen der Verwaltung tätig, diese unterstanden einem Generalfiskal. Zu dessen Aufgaben gehörte auch die Revision (Rechnungskontrolle) der Judenpolitik im aufgeklärten Absolutismus unter Friedrich II. [8] Zwischen 1769 und 1779 monierte Generalfiskal d’Anières insgesamt 698 Konzessionen, deren Empfänger nachträgliche Abgaben im Gesamtwert von mehr als 200.000 Rt. leisten sollten.[9][10]

Eine relativ unabhängige Stellung hatte der Fiskal der Französischen Kolonie zu Magdeburg.

LiteraturBearbeiten

  • Karl Bruns: Die Amtssprache: Verdeutschung der hauptsächlichsten im Verkehre der Gerichts- und Verwaltungsbehörden gebrauchten Fremdwörter. Verlag des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, 1892.
  • Jaroslav Demel: Geschichte des Fiskalamtes in den böhmischen Ländern: auf Grund archivalischer Quellen, Band 1. Wagner-Verlag, 1909.

WeblinksBearbeiten

  • Fiskal Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 631. zeno.org, abgerufen am 9. August 2020.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fiskal Wahrig Fremdwörterlexikon. wissen.de, abgerufen am 8. August 2020.
  2. Fiskal, der duden.de, abgerufen am 8. August 2020.
  3. Fiskal DWDS, abgerufen am 8. August 2020.
  4. Albrecht Cordes: Fiskal. Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Band 1.
  5. vgl. beispeisweise Das Fiskalamt Landshut im Namen des Georg Zöttl, Unterlengers in Altheim, gegen das Hofkastenamt Landshut bzw. Johann Winter, Neumayrs zu Altheim, wegen eines Wegrechts Staatsarchiv Landshut, Archivalien.
  6. Björn Rautenberg: Der Fiskal am Reichskammergericht. Überblick und exemplarische Untersuchungen vorwiegend zum 16. Jahrhundert Peter Lang-Verlag, 2008. ISBN 978-3-631-57145-3.
  7. Joseph Linden: Abhandlungen über cameral- und fiscalämtliche Gegenstände. C. Gerold, 1834. google.books.
  8. Tobias Schenk: Der preußische Weg der Judenemanzipation: Zur Judenpolitik des „aufgeklärten Absolutismus.“ Zeitschrift für Historische Forschung 2008, S. 449–482.
  9. Tobias Schenk (Hrsg.): Das „Judenporzellan:“ Eine kommentierte Quellenpräsentation zur Rechts- und Sozialgeschichte der Juden im friderizianischen Preußen (1769–1788). Einleitung: Gegenstand, Hintergrund und Aufbau der Datensammlung zur Rechts- und Sozialgeschichte der Juden im friderizianischen Preußen (1769-1788), Rdnr. 22. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 2014.
  10. Tobias Schenk: Generalfiskal Friedrich Benjamin Loriol de la Grivillière d'Anières (1736–1803). Anmerkungen zu Vita, Amtsführung und Buchbesitz als Beitrag zur Erforschung preußischer Judenpolitik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aschkenas 1992, S. 185 ff.