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Ferdinand von Schirach

deutscher Rechtsanwalt und Schriftsteller

LebenBearbeiten

VorfahrenBearbeiten

Schirach ist Sohn des Münchner Kaufmanns Robert von Schirach (1938–1980) und Enkel des NS-Reichsjugendführers Baldur von Schirach und dessen Ehefrau Henriette von Schirach. Einer seiner Urgroßväter war der Hitler-Fotograf Heinrich Hoffmann, ein anderer Urgroßvater der Intendant des Nationaltheaters in Weimar und des Staatstheaters Wiesbaden Carl von Schirach. Einer seiner Vorfahren über seine Urgroßmutter Emma Lynah Tillou Bailey Middleton von Schirach ist der Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der USA, Arthur Middleton, einer der Gründerväter der USA. Ein anderer seiner Vorfahren ist der Historiker und Schriftsteller Gottlob Benedikt von Schirach, der 1781 die Zeitschrift Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und anderen Sachen gründete – eine der ersten Zeitschriften Europas.

Schirachs Mutter Elke geb. Fähndrich ist eine Enkelin des Unternehmers und NS-Politikers Fritz Kiehn, in dessen Betrieb Robert von Schirach eine Ausbildung absolviert hatte und dann zunächst als Facharbeiter beschäftigt war.[1][2]

Über das Verhältnis zu seinem Großvater Baldur von Schirach äußerte sich Schirach in einem Essay im Spiegel.[3] Über seine Großmutter Henriette von Schirach sagte er: „Dass meine Großmutter auch nach dem Krieg, nach den Bildern der Befreiung von Auschwitz, Gegenstände und Kunstwerke von den Behörden herausforderte, die jüdischen Familien geraubt wurden, erfüllt mich mit Scham und Wut. Das ist eine zweite Schuld, eine Wiederholung der furchtbaren Verbrechen, ein erneuter Raub.“[4] Er finanzierte mithilfe des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste eine Studie des Kunstbesitzes seiner Großeltern, die im April 2019 veröffentlicht wurde.[5]

Jugend, Ausbildung, anwaltliche TätigkeitBearbeiten

Er wuchs bis zum Alter von vier Jahren in München auf, wohnte danach auf dem Anwesen eines Urgroßvaters mütterlicherseits in Trossingen und besuchte ab dem Alter von zehn Jahren bis zum Abitur das Jesuiten-Kolleg St. Blasien[6], über das er anlässlich der Missbrauchsfälle im Spiegel schrieb.[7] Nach dem Abitur trat er aus der Kirche aus und ging zur Bundeswehr.[8]

Nach seinem Jurastudium in Bonn und seinem Referendariat in Köln ließ er sich 1994 in Berlin als Rechtsanwalt nieder, spezialisiert auf Strafrecht. Schirach vertrat unter anderen den BND-Spion Norbert Juretzko, ferner Günter Schabowski in den Mauerschützenprozessen.

Er machte 2008 von sich reden, als er im Rahmen der Liechtensteiner Steueraffäre Strafanzeige gegen den Bundesnachrichtendienst erstattete und als er im Namen der Familie des verstorbenen Schauspielers Klaus Kinski Strafanzeige erstattete, nachdem das Landesarchiv Berlin mit Zustimmung des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix die Krankenakte Kinskis veröffentlicht hatte.

SchriftstellereiBearbeiten

Mit 45 Jahren veröffentlichte er seine ersten Kurzgeschichten. Schirach wurde zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands, dessen Bücher weltweit zu Bestsellern wurden und ihn „zu einem international gefeierten Star der deutschen Literatur“ machten.[9] Seine Bücher erschienen in 40 Ländern.[10] In Interviews sagte Schirach, ihn interessiere der Literaturbetrieb nicht[11] und die meisten Feuilletonisten und Schriftsteller würden ihn als Fremdkörper in ihrer Welt betrachten.[12] Nach eigener Aussage ist Schirach Synästhetiker.

Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung erklärte von Schirach, dass er sich dazu nicht äußere.[13] In einem Interview mit dem SWR am 6. März 2018 gab er an, täglich vier Stunden zu schreiben, was eine Ausbeute von einer neuen Buchseite ergebe. Den Rest des Tages verbringe er mit Korrespondenz und Korrekturen. Er flaniere außerdem viel und gerne und habe ein schönes Leben.[14] Seine erste Liebe war eine Enkelin des Widerstandskämpfers Erwin von Witzleben.[15]

BücherBearbeiten

Verbrechen, 2009Bearbeiten

Im August 2009 veröffentlichte Schirach das Buch Verbrechen, das 61 Wochen auf der Bestseller-Liste des Spiegels stand.[16] Der Erzählband mit Kurzgeschichten basiert auf Fällen aus seiner Kanzlei. Die Rechte an dem Buch wurden in über 30 Länder verkauft. Verbrechen ist 2009 auch als Hörbuch, gelesen von Burghart Klaußner, erschienen.

Schuld, 2010Bearbeiten

Im August 2010 erschien sein zweites Buch Schuld. Wie der Band Verbrechen enthält es Erzählungen aus dem anwaltlichen Alltag.[17][18] Sofort nach Erscheinen war es auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegels. Das von Burghart Klaußner gelesene Hörbuch gewann den deutschen Hörbuchpreis 2011.[19] Die Constantin Film kaufte die Filmrechte an diesem Buch.[20]

Der Fall Collini, 2011Bearbeiten

Im September 2011 veröffentlichte Schirach den Roman Der Fall Collini, der auf Platz 2 der Bestsellerliste des Spiegels einstieg. Das Buch erzählt vom Mord an dem Industriellen Hans Meyer, der früher NS-Offizier in Italien war. Zum Erscheinungstag zeigten die Tagesthemen einen Bericht über das Buch.[21] Die Welt sprach von einer „glasklaren Geschichte von bestürzender Amoralität“,[22] der Focus von einem „Glücksfall für die deutsche Literatur“.[23] Jörg Magenau kritisierte in der Süddeutschen Zeitung, der Roman sei aus „Sätzen zusammengefügt, die aus einem Gebrauchs-Katalog für Drehbuchschreiber zu stammen scheinen.“[24] Schirach erklärte in einem Interview mit der Zeit, dass es ihm nicht um die Frage „Wer war der Mörder?“ gegangen sei, sondern um die Frage „Was ist das Motiv?“.[25] In einem Essay im Spiegel äußerte sich Schirach erstmals über seinen Großvater Baldur von Schirach. Er schrieb, Der Fall Collini sei keine Aufarbeitung seiner Familiengeschichte, vielmehr schreibe er „über die Nachkriegsjustiz, über die Gerichte in der Bundesrepublik, die grausam urteilten, über die Richter, die für jeden Mord eines NS-Täters nur fünf Minuten Freiheitsstrafe verhängten. Es ist ein Buch über die Verbrechen in unserem Staat, über Rache, Schuld und die Dinge, an denen wir heute noch scheitern.“[26] Der Cicero schrieb,[27] Schirachs Sprache sei ausgehärtet und genau kalkuliert, er stelle sich, anders als Bernhard Schlink, vehement auf die Seite der Opfer.

Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger setzte am 11. Januar 2012 eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit im Bundesministerium für Justiz ein und verwies dabei unter anderem auf den Roman Der Fall Collini.[28] Das Wall Street Journal in New York zählte den Roman Der Fall Collini zu den „10 Best Mysteries of 2013“.[29]

Der Fall Collini wurde vom WDR zu einem Hörspiel umgearbeitet (Regie: Uwe Schareck). Die Erstausstrahlung fand am 8. März 2014 statt.[30]

Das Buch wurde unter der Regie von Marco Kreuzpaintner als Der Fall Collini verfilmt. Der Film kam am 18. April 2019 in die deutschen Kinos.[31] Das Buch wurde für den Los Angeles Times Book Prize 2014 nominiert.[32]

Tabu, 2013Bearbeiten

Im September 2013 veröffentlichte Schirach den Roman Tabu. Er stieg auf Platz 2 der Bestsellerliste des Spiegels ein.[33] Das Buch wurde unterschiedlich rezensiert. Matthias Matussek schrieb im Spiegel: „Wie wundervoll, so ein Buch, das aus lauter klaren Sätzen besteht, die schlank sind und klug, die nachschwingen und in ihrem Schönheitssog den Leser mitziehen auf eine Reise ins vorzivilisatorische Grauen. […] Dieser Roman, der mit unendlich vielen Ebenen arbeitet, ist nicht nur kunstvoll gefügt, sondern er löst sich selbst in Kunst auf.“[34] Der Focus schrieb: „Nur wenigen Schriftstellern gelingt es, ihre Besessenheit so intelligent und zugleich spannend in Literatur zu verwandeln.“[35] Der ORF meinte, Schirach habe „die literarische Aufgabenstellung bravourös gelöst“, er lasse „sich Zeit für Bilder, Szenen und Nebenschauplätze – das alles aber in der ihm eigenen Sprache: klar, scheinbar kühl und kunstvoll zum Wesentlichen destilliert“.[36] Ulrich Greiner erklärte in der Zeit, er habe das Buch nicht verstanden und Schirach könne nicht schreiben.[37] Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verglich Schirachs internationalen Erfolg mit Patrick Süskind und Bernhard Schlink und schrieb, er reihe sich mit seinen Themen Schuld und Sühne, Verbrechen und Strafe in eine große Erzähltradition ein. Gleichzeitig sei jedoch literarisch „noch reichlich Luft nach oben“.[38] Das Börsenblatt des Buchhandels nannte Tabu zusammengefasst „einen vom Feuilleton gehassliebten Roman“.[39]

Im Ausland wurde Tabu positiv aufgenommen. In Großbritannien, wo das Buch den Titel The Girl Who Wasn’t There trägt, schrieb die Sunday Times: „Ferdinand von Schirach ist einer der gefeiertsten Kriminalautoren Europas“, es handle sich um einen „anspruchsvollen Roman über einen Mann, dessen emotionale Unberührtheit ebenso unterkühlt wie destruktiv ist“. Der Guardian erklärte, der Roman sei in „wunderbar zurückhaltendem Stil geschrieben“, der mit „der Unberührtheit des Protagonisten und seiner sehr abstrakten Sicht auf die Welt übereinstimme“. Der Observer meinte, Schirach schreibe in einer „eiskalten, mühelos eleganten Sprache“, der Roman sei „so fesselnd und exzentrisch wie sein Protagonist.“[40] Der Daily Telegraph hält Schirach für „eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur“.[41] In England erreichte The Girl Who Wasn’t There Platz 1 der Bestsellerliste der Times (The Times Saturday Review).[42] In Tokio wurde Tabu am Neuen Nationaltheater als Theateradaption aufgeführt.[43] Am 26. Februar 2017 wurde Tabu als Theateradaption in Hamburg am Altonaer Theater aufgeführt.[44] Am 15. März 2019 erfolgte die Wiederaufnahmepremiere dieser Inszenierung von „Tabu“ an den Schauspielbühnen in Stuttgart.[45][46]

Die Würde ist antastbar, 2014Bearbeiten

Im August 2014 erschienen die gesammelten Essays, die Schirach für den Spiegel geschrieben hatte, in dem Band Die Würde ist antastbar. Das Buch stieg auf Platz 2 der Bestseller-Liste des Spiegels ein. Die Rezensionen waren positiv. Im NDR hieß es, Schirachs „Ringen um klaren Ausdruck, die schnörkellosen Sätze sind der rhetorische Beweis für die Klarheit seiner Gedanken“,[47] die Hannoversche Allgemeine nannte die Texte „über den Tag hinaus gültig“.[48] In einem Interview mit dem Standard erklärte Schirach, er möge den Begriff „Intellektueller“ nicht, er habe nur ein paar Dinge aufgeschrieben, die ihm durch den Kopf gingen. „Tatsächlich ist es nur mein Unbehagen – die Welt scheint zu kompliziert für mich geworden zu sein, vieles verstehe ich einfach nicht.“ In demselben Interview sagte Schirach, er habe gerade ein Theaterstück fertiggestellt, über dessen Film- und Aufführungsrechte verhandelt werde.[49]

Die Herzlichkeit der Vernunft, 2017Bearbeiten

Im Oktober 2017 veröffentlichten Alexander Kluge und Schirach einen Gesprächsband mit dem Titel Die Herzlichkeit der Vernunft. Das Buch enthält fünf Gespräche über Sokrates, Voltaire, Kleist, Politik und Schirachs Theaterstück Terror. Die literarische Welt druckte vorab das Gespräch über Sokrates mit Modeaufnahmen von Karl Lagerfeld, was die gesamte Ausgabe des gedruckten Einlegers einnahm.[50] In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärte Schirach, das Buch sei dadurch entstanden, dass Kluge und er in den vergangenen Jahren mehrere Filminterviews und eine Reihe von Gesprächen aufgezeichnet hätten.[51]

Strafe, 2018Bearbeiten

Im März 2018 erschien Schirachs Kurzgeschichtenband Strafe, in dem zwölf Schicksale beschrieben werden. Der Stern druckte in seiner Ausgabe vom 22. Februar 2018 eine Geschichte vorab. Das heute journal stellte das Buch in der Nachrichtensendung vom 7. März 2018 vor und nannte die Texte „schonungslos, präzise, manchmal kalt distanziert, dann wieder zutiefst menschlich.“[52] In einem Interview mit dem Deutschland Radio Kultur erklärte Schirach, Strafe komplettierte die Reihe, die er mit Verbrechen und Schuld begonnen habe. Die Trilogie sei von Anfang an so geplant gewesen, sie entspreche der Prüfungsreihenfolge einer Anklage vor Gericht.[53] In einem Interview mit Nils Minkmar im Spiegel sagte Schirach zu dem Buch: „Viele Menschen in meinen Erzählungen sind einsam. Es ist das Grundgefühl, das ich mit meinen Figuren teile.“[54]

Das Feuilleton nahm den Erzählungsband positiv auf. Anne Siemens schrieb am 11. März 2018 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Sein neuer Band ‚Strafe‘ hat an Intensität noch gewonnen; er lässt den Leser mit aufgewühlter Seele zurück und zugleich jedoch beeindruckt, auch glücklich über die Kunst Schirachs, in wenigen Sätzen – manchmal nur in einem – große Fragen des Lebens zu fassen.“ Uwe Wittstock schrieb in der Ausgabe des Focus vom 2. März 2018: „Ferdinand von Schirach ist kein Schriftsteller des lauschigen Halbdunkels. Er schreibt eine Literatur der Klarheit, der Helligkeit, eine Literatur, die genau hinsieht, auch wenn nicht schön ist, was dabei zum Vorschein kommt.“ Die Frankfurter Rundschau urteilte: „Schirach ist ein Könner im Weglassen. Gerade seine kürzesten Geschichten besitzen, so hart sie oft sind, die Gnade des erschrockenen Schweigens.“[55] Die Abendzeitung schrieb am 5. März 2018: „Kaum ein anderer Schriftsteller kann mit so wenigen Worten so tiefe Gefühle beschreiben und auslösen. Schirach ist ein mitfühlender, zutiefst menschlicher Erzähler.“

Schirach stellte das Buch in einer Premierenlesung in der ausverkauften Berliner Philharmonie zusammen mit den Philharmonikern Guy Braunstein, Olaf Maninger und Amihai Grosz vor.[56] Der rbb übertrug die Lesung im Livestream und im Programm.[57]

Das Buch stieg in der ersten Woche auf Platz 3 der Bestsellerliste des Spiegel ein[58] und erreichte in der zweiten Woche Platz 1.[59]

Im Juni 2018 kritisierte Thomas Fischer auf der Onlineplattform meedia „die Elogen (…) über den unvergleichlich ‚präzisen‘, ‚lakonischen‘, ‚empathischen‘ Stil Schirachs“ und wies nach, dass einzelne Fälle nicht der Fallpraxis des Autors entstammten, sondern Entscheidungen des Bundesgerichtshofs nachempfunden sind.[60] Sabine Rückert hielt dem entgegen,[61] dass Schirach selbst in zahlreichen Interviews erklärt hatte, seine Geschichten seien „wahr, aber nicht in dem Sinne, dass alle so passiert sind“, sondern weil sie Literatur seien.[62]

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle sagte in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, er freue sich über den Erfolg der Bücher von Ferdinand Schirach, denn „sie zeigen auf eingängige Weise, wie vermeintlich einfache Rechtsfragen mit großen anderen Fragen verbunden sind – Schuld, Sühne, Freiheit, Gerechtigkeit, Liebe, Hass. Und dass es mitunter schwerfällt, eindeutige Antworten auf diese Fragen zu finden.“[63]

Kaffee und Zigaretten, 2019Bearbeiten

 
Von Ferdinand von Schirach signierte Buchseite in seiner Textsammlung Kaffee und Zigaretten (April 2019)

Ferdinand von Schirach gibt in 48 Kapiteln Beobachtungen aus seinem Leben wieder. Er schildert seine Depressionen, einen Suizidversuch im Alter von 15 Jahren[64], Begegnungen mit Imre Kertész, Lars Gustafsson, Michael Haneke und schreibt über seinen Großvater Baldur von Schirach. Das Buch blieb 11 Wochen auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.[65][66]

Nach einer Rezension im NDR beschwört Schirach dabei „mit feiner Ironie, untergründigem Humor, leiser Verzweiflung, was ihn verzweifeln lässt und was ihn rettet. Von Schirach ist ein Moralist ohne ausgestellte Moral. Nationalsozialismus, Deutscher Herbst und Rock ’n’ Roll, Joseph Beuys’ Fettecke, Autoren wie Hemingway, Gustafsson und Mark Twain – natürlich das Rauchen, das Entdecken der Heimat auf Reisen. Von Schirach ist ein Meister der Parabel – er erzählt fesselnd seine Geschichte, die zugleich ein Stück unserer Geschichte ist.“[67]

Arno Widman findet den Klappentextvergleich mit Kafka und Kleist, den die New York Times angestellt hat, unpassend, wirft dies aber nicht dem Autor vor. Von den 48 sehr unterschiedlichen und meist pointierten Texten, die weder für sich noch untereinander einen Zusammenhang stiften, erwähnt er die Darstellung des Großvaters des Autors Baldur von Schirach, der für seine Identitätsbildung „aus Wut und Scham“ wesentlich war. Widmann sieht im „Vielleicht“ den „Kammerton der Schirachschen Prosa“, den Schirach in Abgrenzung gegen die „mörderische Selbstgewissheit“ des Großvaters entwickelt habe. Es fehlt Widmann jedoch in den „müden“ und „umweltverträglichen“ Texten die bleibende Auseinandersetzung mit diesem Schreckbild im Innern des Autors. Schirachs Lakonie sei außerdem asexuell, der Abstand, den wir bräuchten, werde leicht zu dem, an dem wir sterben, dies führe Schirach in jeder Erzählung vor, in der er selbst das „Ausstellungsstück“ sei. Dass Schirach seine Texte „immer abstoßend durchsichtig konstruiere“, sei ihm nicht vorzuwerfen, „wenn es der einzige Wege wäre, in dem dieser Mann sich äußern, also sein Inneres nach außen schütten könnte.“[68]

Hubert Winkels hebt den ersten der nummerierten Texte hervor, einen „kursorische(n) Schnelldurchgang durch Kindheit und Jugend“, den Schirach befremdlicherweise nach dem gleichen Muster wie die Dutzende Fallgeschichten in seinen Storybänden texte. In den Gerichtsgeschichten mache sich ein Strafrechtsanwalt die Perspektive des jeweiligen Angeklagten zu eigen, in der Eröffnungsgeschichte sei der Erzähler selbst der Gegenstand, erfinde sich selbst, wobei der Leser aus zu wenigen berichtenden und auch poetisch vorgetragenen Elementen zu viel konstruieren müsse. Schirachs lakonischer Stil zeige einen „fatalistische(n) Grundkurs“. „Enttäuschung, Glücksferne, Erschrecken über die Conditio humana im Allgemeinen, über das kriegerische Menschengeschlecht und die jüngere deutsche Geschichte im Besonderen grundieren diesen so gut wie alle folgenden Texte.“ Eine Kompilation von Zitaten ergäbe nach Meinung von Winkels ein kleines Brevier des zeitgenössischen Stoizismus: „Es ist unverkennbar, er will uns Wichtiges über die Vergeblichkeit des Lebens und seiner eben daraus resultierenden Würde sagen.“[69]

TheaterBearbeiten

Im Januar 2014 wurde bekannt, dass Schirach an einem Theaterstück schreibt.[70] Das Theaterstück Terror startete mit einer Doppeluraufführung am 3. Oktober 2015 am Deutschen Theater Berlin und am Schauspiel Frankfurt. Die Filmrechte wurden an die Moovie GmbH (Oliver Berben, Constantin Film) verkauft.[71] Ein unkonventionelles Stilelement des Werkes ist, dass am Schluss das Publikum als Jury fungiert, vergleichbar dem Stück Night of January 16th von Ayn Rand. Die Deutsche Bühne schrieb (in der Ausgabe vom September 2015) über das Stück: „Das bemerkenswerteste neue Stück der Spielzeit ist zweifellos Ferdinand von Schirachs Terror.“ Deutschlandradio Kultur bezeichnete das Stück als „Anstiftung zu einem moralischen Diskurs“,[72] Die Deutsche Bühne sprach von einer „genialisch sachlichen, fast kargen Sprache“[73] und die Süddeutsche Zeitung erklärte, dass es „kein Wunder“ sei, „dass die Theater geradezu gierig nach diesem Stoff greifen – als hätte ihn ein Friedrich Schiller der Gegenwart geliefert“ und nannte den „abgründigen Moralisten“ Ferdinand Schirach den „erfolgreichsten Dramatiker dieser Spielzeit“.[74] Reinhard Tschapke urteilte für die Nordwest-Zeitung über die Aufführung des Oldenburgischen Staatstheaters: „Das ist kein Stück, sondern ein Ereignis.“[75]

Der Norddeutsche Rundfunk produzierte aus dem Theaterstück ein Hörspiel unter der Regie von Ulrich Lampen.[76]

Bisher fanden 56 Premieren des Stückes statt, darunter auch auf zahlreichen Bühnen in Österreich und der Schweiz. Premieren wurden auch in Japan und Venezuela gezeigt, weitere Aufführungen sind für Ungarn, Dänemark, Israel und die USA angekündigt (Stand: November 2016). Der Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb listet auf seiner Internetseite die Premieren und die weltweiten Abstimmungsergebnisse des Stückes auf.[77]

Nach einer Meldung in Ausgabe 28/2017 des Spiegel ist Schirachs Theaterstück eines der „erfolgreichsten zeitgenössischen Bühnenstücke“, es sei bis dato in 60 Theatern in elf Ländern gezeigt und alleine in Deutschland 1110 mal aufgeführt worden.[78] Dem Deutschen Bühnenverein zufolge war das Stück „mit großem Abstand Spitzenreiter im deutschen Schauspiel der Spielzeit 2016/2017“.[79] Es habe damit Goethes Faust als erfolgreichstes Stück abgelöst.[80] Nach seiner Werkstatistik war Schirach damit nach William Shakespeare der beliebteste Autor in Deutschland, Österreich und der Schweiz.[81] Mittlerweile wird das Stück auf allen fünf Kontinenten gespielt.[82]

Anlässlich des 500.000 Besuchers des Theaterstücks hat der Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb Stimmen von Regisseuren und Intendanten zu dem Stück veröffentlicht.[83]

VerfilmungenBearbeiten

  • Die Constantin Film kaufte die Filmrechte an den Büchern Verbrechen und Schuld.[84]
  • Doris Dörrie drehte im Jahr 2012 nach einer Geschichte daraus den gleichnamigen Film Glück.[85]
  • Sechs der Kurzgeschichten aus dem Band Verbrechen wurden im April 2013 als Mini-Serie im ZDF unter dem Titel Verbrechen nach Ferdinand von Schirach gezeigt.[86][87] Produzent ist Oliver Berben.[88] Als erste deutschsprachige Drama-Serie wurde der Mehrteiler nach Taiwan verkauft, wo Schirachs Bücher Bestseller sind.[89] Die Serie wurde 2014 für den Grimme-Preis nominiert.[90]
  • Das ZDF kündigte im Mai 2013 an, auch Kurzgeschichten aus dem Band Schuld unter dem Titel Schuld nach Ferdinand von Schirach zu verfilmen.[91] Moritz Bleibtreu spielte in der sechsteiligen Serie die Hauptrolle.[92] Nach dem Vorbild von Netflix stellte das ZDF zum ersten Mal alle Folgen vor ihrer Ausstrahlung online in die Mediathek.
  • Im Juni 2016 wurde bekannt, dass Oliver Berben und das ZDF eine zweite Staffel aus dem Erzählungsband Schuld drehen, erneut mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle.[93] Die vier neuen Folgen wurden ab dem 15. September 2017 im ZDF gesendet und zeitgleich komplett in der Mediathek veröffentlicht.[94]
  • Die ARD zeigte in Deutschland, zusammen mit ORF2 in Österreich und SRF in der Schweiz, am 17. Oktober 2016 mit Terror – Ihr Urteil eine Verfilmung des Theaterstücks Terror, mit der Möglichkeit einer Abstimmung der Zuschauer. Es gilt als das bislang größte Live-Experiment im deutschsprachigen Fernsehen.[95] Die an den Film anschließende Diskussion hart aber fair wurde von Frank Plasberg moderiert.[96] In Österreich wurden anschließend in der Sendung Am Schauplatz Gericht spezial Film und Abstimmung diskutiert.[97] In der Schweiz gab es dazu parallel ebenfalls eine nachfolgende Diskussionsrunde „Arena spezial“.[98]
Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am BGH, bezeichnete die Sendung in seiner Zeit-Kolumne als „Rechtsshow der billigsten Sorte“ und kritisierte, der Autor von Schirach verstehe vom Strafrecht nichts: „Er mag in seinen holzschnittartigen Kriminalgeschichten all die Mörder und Räuber umherschleichen lassen, wie er will, aber er sollte die Finger von ernsthaften Strafrechtsfragen lassen. Wer Rechtswidrigkeit und Schuld so verheerend durcheinanderbringt, sollte wahrlich keine Aufklärungsstücke über unzureichende Strafrechtsdogmatik verfassen“.[99] Der Medienrechtler Christian Schertz erklärte, dass die im Ansatz sicherlich berechtigte Kritik von Volljuristen wie dem „polternden“ Richter Fischer verkenne, dass es sich bei dem Film um Kunst handele. So wie die Satire massiv überzeichnen dürfe, dürfe der Schriftsteller oder Drehbuchautor mit Mitteln der Vereinfachung dramatisieren, um beim Zuschauer Emotionen hervorzurufen und ein intensiveres Nachdenken über Grundfragen des Seins anzustoßen. Es ginge darum, eine Diskussion zu elementaren Fragen anzutreten; das sei Schirach durch die kritisierte Vereinfachung gelungen und sei sicherlich auch sein Ziel gewesen.[100]
Auch der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Udo Di Fabio erklärte im heute-journal, das Bundesverfassungsgericht habe diesen Fall gerade nicht entschieden, sondern nur über die gesetzliche Grundlage geurteilt. Die Zuspitzung in Schirachs fiktivem Fall sei natürlich bewusst dramaturgisch gewählt, um den verfassungsrechtlichen Grenzfall darzustellen. Es werde durch das Theaterstück und den Film das Dilemma des Staates gezeigt, der die Bürger in dem Flugzeug und die Bürger im Stadion schützen müsse und das nicht gleichzeitig könne. Dieses Dilemma sei durch das Recht nicht eindeutig zu lösen. Die Verfassung sei ein offener Diskussionsprozess, man dürfe auch nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes darüber diskutieren, ob das Recht den moralischen Vorstellungen entspricht. Deshalb seien solche Zuschauervoten eine „spannende Äußerung des common sense“.
Nach einer Auswertung der Fachzeitschrift Blickpunkt Film war Terror – Ihr Urteil der erfolgreichste ARD-Fernsehfilm des Jahres 2016.[101] Lars Kraume gewann mit dem Film den Deutschen Fernsehpreis 2017 für die beste Regie. Der Film wurde mit der Rose d’Or 2017 ausgezeichnet.[102]
  • Am 21. Dezember 2016 sendete die ARD den bereits 2014/2015 gedrehten Film Der weiße Äthiopier (110 min). Darsteller: Jürgen Vogel, Paula Kalenberg, Thomas Thieme, Sayat Demissie; Regie Tim Trageser; Buch Heinrich Hadding. Dieser basiert auf der Kurzgeschichte Der Äthiopier des Bandes Verbrechen. Der Film gewann den Publikumspreis 2015 des Festivals des Deutschen Films und die Gold World Medal des New York Festivals.[103]
  • Am 30. August 2018 kam der in Berlin und Tokio gedrehte Film Asphaltgorillas in der Regie von Detlev Buck unter anderen mit Ella Rumpf, Jannis Niewöhner, Samuel Schneider und Kida Khodr Ramadan in die Kinos. Der Film beruht auf der Kurzgeschichte Der Schlüssel aus dem Band Schuld.[104] Die Premiere war auf dem Filmfest München am 5. Juli 2018.[105]
  • Im Juli 2018 teilte die Constantin Film mit, dass Schirachs Roman Der Fall Collini verfilmt wird, mit Marco Kreuzpaintner als Regisseur und den Schauspielern Elyas M’Barek, Heiner Lauterbach und Alexandra Maria Lara in den Hauptrollen. Der Film kam am 18. April 2019 in die Kinos.[106] Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch erklärte zu dem Film: „Der Fall Collini zeigt die Irrwege und Sackgassen der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland auf und macht das Erinnern am Beispiel einer fiktiven Geschichte auch für jüngere Generationen erfahrbar. Ein Film mit einer so bedeutenden und ausdrucksstarken Geschichte sollte von möglichst vielen Menschen gesehen werden!“[107]
  • Im Oktober 2018 wurde bekannt, dass die Constantin Film eine dritte und letzte Staffel von Schuld nach Ferdinand von Schirach drehen will. Moritz Bleibtreu wird erneut die Hauptrolle spielen. Das Format wird für das ZDF von Oliver Berben und Jan Ehlert für die Berliner Moovie GmbH produziert.[108] Im Juli 2019 hatte die dritte Staffel der TV-Serie auf dem Filmfest München ihre Premiere.[109]

BreitenwirkungBearbeiten

  • Schirach veröffentlicht Texte im Spiegel. Kurzgeschichten Schirachs erschienen auch in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch im Ausland sind Essays von Schirach erschienen, z. B. druckte die größte spanische Zeitung El País Schirachs Essay aus dem Spiegel Die Würde ist antastbar unter der Überschrift ¿Tortura salvadora? neben einem Interview ab.[110] In Japan, wo Schirachs Bücher Bestseller sind, wurden Verbrechen und Schuld am Tokyo Metropolitan Theater von dem bekannten Schauspieler Isao Hashizume in einer dramatisierten Fassung vorgetragen.
  • Ferdinand von Schirach ist einer der wenigen deutschen Schriftsteller, die international erfolgreich sind. So wurde Der Fall Collini 2013 in England öfter verkauft als John Grishams letzter Roman.[111] In Japan wurde auf dem Grand-Prix für Internationale Kriminalliteratur der Kurzgeschichtenband Verbrechen nach Der Name der Rose auf Platz 2 der 100 besten Krimis aller Zeiten gewählt.[112] Im Juni 2015 wurde der Roman Tabu in einer Theatertranskription im Tokyo Metropolitan Theater uraufgeführt.[113]
  • 2019 hielt Schirach eine vielbeachtete Rede auf der Internationalen Buchausstellung in Taipeh (Taiwan) im Rahmen des Auftritts Deutschlands als Ehrengast auf der TIBE Taipei.[114]
  • Auf 3Sat wurde im März 2019 „Dialoge in Südfrankreich“, ein Film über die dreitägige Begegnung zwischen Anselm Kiefer und Ferdinand von Schirach, gezeigt.[115]
  • Im ZDF wurde am 13. September 2019 eine einstündige Dokumentation über Ferdinand von Schirach mit dem Titel: „Die Würde des Menschen“ gezeigt.[116] Der Film zeigte unter anderem das Jesuitenkolleg St. Blasien und Zusammentreffen Schirachs mit Anselm Kiefer in Südfrankreich, Benjamin von Stuckrad-Barre in Venedig und der Influencerin Xenia Adonts in Berlin.

Vortrag und MusikBearbeiten

SchauspielBearbeiten

2016 hatte Schirach sein Debüt als Schauspieler in einer Nebenrolle in dem Kinofilm Ferien von Bernadette Knolle neben Britta Hammelstein und Detlev Buck.[122][123]

AuszeichnungenBearbeiten

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Reden

Interviews und Gespräche

Artikel

  • Was übrig bleibt. In: Der Spiegel. Nr. 6, 2010, S. 136–137 (online8. Februar 2010).
  • Die Kunst des Weglassens. In: Der Spiegel. Nr. 15, 2010, S. 118–119 (online12. April 2010).
  • Kolumne Einspruch
    • Die Würde der Fürchterlichsten. In: Der Spiegel. Nr. 23, 2010, S. 124–125 (online7. Juni 2010).
    • Vergessene Gummistiefel. In: Der Spiegel. Nr. 27, 2010, S. 108–109 (online5. Juli 2010).
    • Reine Menschen, reine Luft. In: Der Spiegel. Nr. 31, 2010, S. 110–111 (online2. August 2010).
    • Verfahren als Strafe. In: Der Spiegel. Nr. 36, 2010, S. 154–155 (online6. September 2010).
    • Wahrheit und Wirklichkeit. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2010, S. 152–153 (online25. Oktober 2010).
    • Zur Not ein Gesetz. In: Der Spiegel. Nr. 49, 2010, S. 150–152 (online6. Dezember 2010).
  • Die Bühne der Weimarer Republik. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2011, S. 134–139 (online15. August 2011).
  • Du bist, wer du bist. In: Der Spiegel. Nr. 36, 2011, S. 140–142 (online5. September 2011).
  • Weil wir nicht anders können. In: Der Spiegel. Nr. 21, 2012, S. 130–132 (online21. Mai 2012).
  • Verstehen Sie das alles noch? In: Der Spiegel. Nr. 28, 2012, S. 133 (online9. Juli 2012).
  • Die Würde ist antastbar. In: Der Spiegel. Nr. 38, 2013, S. 138–141 (online16. September 2013).

Hörspiele

  • 2014: Der Fall Colloni – Regie: Uwe Schareck (Hörspiel – WDR)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hartmut Berghoff, Cornelia Rauh-Kühne: Fritz K. - ein deutsches Leben im zwanzigsten Jahrhundert. 2000, ISBN 3-421-05339-1, S. 291; Hartmut Berghoff: Zwischen Kleinstadt und Weltmarkt: Hohner und die Harmonika 1857–1961. 2. Aufl., 2006, ISBN 978-3-506-72984-2, S. 592
  2. Verlobung des Druckereikaufmanns Robert Benedict Wolf von Schirach (23) in München mit Fräulein Elke Fähndrich (19) Der Spiegel, 1. August 1962; abgerufen am 14. September 2019.
  3. Ferdinand von Schirach: ESSAY: Du bist, wer du bist. In: Spiegel Online. Band 36, 5. September 2011 (spiegel.de [abgerufen am 18. April 2019]).
  4. Deutsches Zentrum Kulturgutverluste – Pressemitteilungen – Ferdinand von Schirach lässt historische Familiensammlung auf NS-Raubgut prüfen. Abgerufen am 18. April 2019.
  5. Deutsches Zentrum Kulturgutverluste – Meldungen – Ferdinand von Schirach lässt historische Familiensammlung auf NS-Raubgut prüfen. Abgerufen am 18. April 2019.
  6. Eintrag in Munzinger
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