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Ferdinand von Bismarck

deutscher Rechtsanwalt

Ferdinand Herbord Ivar Graf von Bismarck-Schönhausen (* 22. November 1930 in London; † 23. Juli 2019 in Reinbek[1]) war ein Rechtsanwalt und Chef des ehemals fürstlichen Hauses Bismarck-Schönhausen. Als solcher nannte er sich seit 1975 Fürst von Bismarck.[2]

LebenBearbeiten

Ferdinand von Bismarck wurde in London als zweites von sechs Kindern des Diplomaten Otto Fürst von Bismarck (1897–1975) und dessen schwedischer Gattin, Ann Mari Tengbom (1907–1999), geboren. Er war ein Urenkel des ersten deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck (1815–1898).

Nach seiner Schulzeit in Schweden und Deutschland und dem Abitur am Internat Schloss Salem[3] arbeitete von Bismarck zunächst auf einer Kaffeefarm in Brasilien.[4]

Nach einer Bankausbildung studierte Bismarck Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Köln und Freiburg, welches er mit dem Referendarexamen beendete. Nach dem Referendariat erwarb er 1960 das Assessorexamen in Freiburg.

Er begann seine Berufslaufbahn 1961 als Jurist im Hauptverwaltungsrat der EWG in Brüssel. Später ließ er sich als Anwalt in Hamburg nieder. Anfang der 1970er Jahre etablierte sich von Bismarck auch als Immobilienunternehmer und war Eigentümer des Marbella Hill Clubs sowie des „Park Palace-Komplex“ in Monte-Carlo. Er lebte auf Schloss Friedrichsruh und verwaltete das Erbe seiner Familie. Dieses umfasst unter anderem den 6000 Hektar großen Sachsenwald sowie die Fürstlich von Bismarck’sche Brennerei GmbH in Friedrichsruh.[5][6] Ferdinand von Bismarck war Vorsitzender des Beirats der Stiftung Herzogtum Lauenburg sowie Beiratsmitglied der Dresdner Bank.

 
Fürstliches Wappen Bismarck nach dem Diplom von 1873

Ab August 1960 war er mit der aus Belgien stammenden Comtesse Elisabeth Lippens (* 1939) verheiratet, einer Tochter von Comte Léon Lippens.[7] Der Großvater seiner Frau, Comte Maurice August Lippens (1875–1956), verantwortete als Generalgouverneur die Kolonialisierung des Kongo für Belgien und war Minister unter König Leopold III.[5] Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Carl-Eduard (* 1961), Gottfried (1962–2007), Gregor (* 1964) und Vanessa (* 1971).

1975 wurde er Chef des Hauses Bismarck und ab 1994 engagierte er sich in der „Otto-von-Bismarck-Stiftung“.[8] In dieser Funktion veröffentlichte er unter anderem das Buch „Setzen wir Deutschland wieder in den Sattel“. Damit erinnert er an seinen Urgroßvater Otto von Bismarck, der 1871 formuliert hatte: „Setzen wir Deutschland, sozusagen, in den Sattel! Reiten wird es schon können“.

Am 23. Juli 2019 starb er im St. Adolf-Stift in Reinbek.

PolitikBearbeiten

Von der aktiven Politik auf Bundes- oder Landesebene hielt sich von Bismarck im Gegensatz zu seinem Vater Otto und seinem Sohn Carl-Eduard fern; er war aber seit den 1970er Jahren Mitglied der CDU und mehrere Jahre Ortsvorsitzender in Aumühle. Bismarck galt als konservativ[9] und war Schirmherr des Bismarckbunds e. V.[10]

Im Jahre 2008 machte von Bismarck mit einem an eine Vielzahl von Privathaushalten gesendeten Rundschreiben[11] auf sich aufmerksam, bei dem er „aus ernster Sorge um Deutschland“ beklagte, dass „Deutschland nach links driftet“, da die Linkspartei bei den Wahlen in Bremen, Hessen, Niedersachsen und Hamburg jeweils die Fünf-Prozent-Hürde nehmen konnte und in den Landtag einzog.

PublikationenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.tag24.de/nachrichten/ferdinand-von-bismarck-gestorben-todesfall-tot-aumuehle-schloss-friedrichsruh-sachsenwald-1146728
  2. Artikel 109 WRV (Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919) bestimmt, dass die öffentlich-rechtlichen Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes aufzuheben sind. Adelsbezeichnungen gelten nur [mehr] als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden. Im Falle der Nachkommen des ehemaligen Fürstenhauses Bismarck tragen seitdem alle Familienmitglieder den Familiennamen Graf bzw. Gräfin von Bismarck. Die auf den nicht mehr existierenden und vererbbaren Primogenituradel zurückgehende Namensbezeichnung Fürst von Bismarck unter Verwendung des Erstgeburtstitels „Fürst“ als Namensbestandteil (nur bei den Oberhäuptern der Familie) ist in solchen Fällen gemäß einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. März 1966 (Az. VII C 85.63 und StAZ 1966, S. 344) personenstandsrechtlich irrelevant, wird aber in nichtamtlichen Zusammenhängen ähnlich den Bestimmungen des Pseudonyms als Höflichkeitsform in Anlehnung an die Tradition der Familie sowohl in der Literatur als auch in der Gesellschaft überwiegend verwendet.
  3. Ferdinand von Bismarck im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  4. Star Portrait in GQ (Memento vom 12. November 2010 im Internet Archive)
  5. a b Ferdinand von Bismarck. In: Munzinger Online: Personen - Internationales Biographisches Archiv. Abgerufen am 26. Juli 2019.
  6. Fürst Bismarck - Impressum. In: www.fuerstbismarck-kornbrand.de. Fürstlich von Bismarck’sche Brennerei GmbH, abgerufen am 26. Juli 2019.
  7. GHdA, Fürstliche Häuser, Band XV, Band 114 der Gesamtreihe, Limburg an der Lhn 1997, S. 567.
  8. Köpfe der Wirtschaft in der Wirtschaftswoche
  9. Der Spiegel Online 22/1997 Blut und Eisen
  10. Ferdinand von Bismarck: Eine Lanze für meinen Urgroßvater – Schirmherr des Bismarckbunds (Memento vom 6. November 2010 im Internet Archive)
  11. Auszug aus dem Rundschreiben Bismarcks 2008 mit satirischen Anmerkungen in der Internet-Zeitung von Werner Jurga