Ferdinand Karl von Österreich (1868–1915)

Erzherzog von Österreich, (1868–1915)

Ferdinand Karl Ludwig Joseph Johann Maria (* 27. Dezember 1868 in Wien; † 10. März 1915 in München) aus dem Haus Habsburg-Lothringen, war bis 1911 Erzherzog von Österreich, danach nannte er sich „Ferdinand Burg“.

Erzherzog Ferdinand Karl (1908)

LebenBearbeiten

Ferdinand Karl Ludwig war ein Sohn von Erzherzog Karl Ludwig von Österreich (1833–1896) und Prinzessin Maria Annunziata von Neapel-Sizilien und ein Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand.

Ferdinand Karl war zeitlebens literarisch und musikalisch interessiert und fühlte sich seit frühester Jugend zum Theater hingezogen. Seine militärische Ausbildung in der kaiserlichen Armee betrieb er ernsthaft, wünschte sich jedoch nichts mehr, als Burgtheaterintendant zu werden. Als Erzherzog kam für ihn allerdings dieser bürgerliche Beruf nicht in Frage.

Zu seinem älteren Bruder Franz Ferdinand hegte er guten Kontakt, war allerdings gegen dessen morganatische Ehe mit der aus altem Adel stammenden, aber nicht ebenbürtigen Sophie Chotek und weigerte sich, an deren Hochzeit teilzunehmen. Wie sein Bruder hatte auch er von der Mutter ein Lungenleiden geerbt und musste daher im Oktober 1904 seine militärische Karriere aus Gesundheitsgründen beenden. Er führte zuletzt als Generalmajor das Kommando der 18. Infanterie-Brigade.[1]

Militärische LaufbahnBearbeiten

Ferdinand Karl hatte während seiner militärischen Laufbahn folgende Ränge inne:

EheBearbeiten

 
Ferdinand Karl und Gattin Berta

1902 traf Ferdinand Karl auf dem Wiener Technikerball Berta Czuber (* 5. Dezember 1879 in Prag; † 5. Juli 1979 auf Schloss Rottenstein bei Meran) und verliebte sich in sie. Ihr Vater Emanuel Czuber war Mathematikprofessor an der Technischen Hochschule Wien und kaiserlicher Hofrat. Als Gerüchte über eine feste Beziehung bis zum Kaiser Franz Joseph vordrangen, verlangte dieser von seinem Neffen, sich von seiner Geliebten zu trennen. Um Zeit zu gewinnen, willigte der in sämtliche Forderungen ein, heiratete allerdings am 15. August 1909 bei Chur heimlich seine Geliebte. Die Neuvermählten waren ständig auf Reisen, sodass die Heirat vorerst geheim blieb und auch Familie und Freundeskreis keinen Verdacht schöpften. Der Erzherzog suchte 1911 den Kaiser auf und gestand die heimliche Eheschließung. Daraufhin veranlasste Franz Joseph Ferdinand Karls Austritt aus dem Haus Habsburg, er wurde allerdings weiterhin mit 44.000 Kronen unterstützt. Zu diesem Zeitpunkt litt der Erzherzog bereits an Fieber- und Schwächeanfällen und wurde von seiner Frau gepflegt. Der Kaiser versuchte einen Skandal wegen der Eheschließung zu vermeiden und ließ den Namen Ferdinand Karls aus allen offiziellen Urkunden des Kaiserhauses streichen. Außerdem musste er auf alle Titel im Erzhaus und in der Armee verzichten.

Nach dem Reisepseudonym seines Vaters Karl Ludwig nannte er sich seither Ferdinand Burg und lebte auf ererbten Gütern im heutigen Südtirol, den Ansitzen Schloss Rosenstein und Rottenstein.

Wien betrat er nur noch ein einziges Mal, als er die Erlaubnis erhielt, an den Trauerfeierlichkeiten für das ermordete Thronfolgerpaar, Franz Ferdinand und Sophie, teilzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits vom Tode gezeichnet.

Seine Gattin Berta überlebte ihn um 64 Jahre, sie verstarb im Jahr 1979 im Alter von 99 Jahren. Die Ehe war kinderlos geblieben. Beide sind in einer gemeinsamen Gruft in der Untermaiser Maria-Trost-Kirche in Meran begraben.[3]

AuszeichnungenBearbeiten

VorfahrenBearbeiten

Ahnentafel Ferdinand Karl von Österreich
Ururgroßeltern Kaiser

Leopold II.

(1747–1792)

⚭ 1765

Maria Ludovica von Spanien

(1745–1792)

König

Ferdinand I.

(1751–1825)

⚭ 1768

Maria Karolina von Österreich

(1752–1814)

Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld

(1724–1767)

⚭ 1746

Maria Franziska von Pfalz-Sulzbach

(1724–1794)

Karl Ludwig von Baden

(1755–1801)

⚭ 1774

Amalie von Hessen-Darmstadt

(1754–1832)

König

Ferdinand I.

(1751–1825)

⚭ 1768

Maria Karolina von Österreich

(1752–1814)

König

Karl IV. von Spanien

(1748–1819)

⚭ 1765

Maria Luise von Bourbon-Parma

(1751–1819)

Kaiser

Leopold II.

(1747–1792)

⚭ 1765

Maria Ludovica von Spanien

(1745–1792)

Fürst

Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg

(1768–1816)

⚭ 1788

Luise von Sayn-Hachenburg

(1772–1827)

Urgroßeltern Kaiser Franz II.

(1768–1835)

⚭ 1790

Maria Theresia von Neapel-Sizilien

(1772–1807)

König Maximilian I. Joseph

(1756–1825)

⚭ 1797

Karoline Friederike Wilhelmine von Baden

(1776–1841)

König Franz I.

(1777–1830)

⚭ 1802

Maria Isabel von Spanien

(1789–1848)

Karl von Österreich-Teschen

(1771–1847)

⚭ 1815

Henriette Alexandrine von Nassau-Weilburg

(1797–1829)

Großeltern Franz Karl von Österreich

(1802–1878)

⚭ 1824

Sophie Friederike von Bayern

(1805–1872)

König Ferdinand II.

(1810–1859)

⚭ 1837

Maria Theresia von Österreich

(1816–1867)

Eltern Karl Ludwig von Österreich

(1833–1896)

⚭ 1862

Maria Annunziata von Neapel-Sizilien

(1843–1871)

Ferdinand Karl von Österreich

Weblinks und QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Militär-Zeitung Nr. 38 vom 29. Oktober 1904, Seite 1.
  2. Erzherzog Ferdinand Karl
  3. Der Friedhof Maria Trost - ein Fenster der Geschichte von Mais, Webseite www.meraner.eu; abgerufen am 5. Juli 2018