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Felix Genzmer (Rechtswissenschaftler)

deutscher Jurist, Skandinavist und Germanist
Felix Genzmer (1955)

Felix Genzmer (* 25. März 1878 in Marienburg; † 19. August 1959 in Tübingen) war ein deutscher Rechtshistoriker und Mediävist.

LebenBearbeiten

Felix Genzmer entstammte einer Juristenfamilie. Sein Vater Stephan Genzmer (1849–1917) war Senatspräsident am Preußischen Oberverwaltungsgericht. Sein jüngerer Bruder Erich Genzmer (1893–1970) wurde Professor für Römisches Recht und Bürgerliches Recht an der Universität Hamburg. Sein Sohn Harald Genzmer wurde Komponist.[1]

Nach dem Abitur am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin studierte Genzmer von 1896 bis 1898 Rechtswissenschaft und Staatswissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und der Philipps-Universität Marburg. Er wurde Mitglied des Corps Normannia Berlin (1896) und des Corps Hasso-Nassovia (1897).[2] 1899/1900 diente er als Einjährig-Freiwilliger in der Preußischen Armee. Er war Referendar am Kammergericht und bestand 1905 die Prüfung zum Assessor. Als solcher sammelte er reiche Erfahrungen beim Amtsgericht Charlottenburg und beim Kreis Blumenthal. 1911 wurde er an der Albertus-Universität Königsberg mit einem Beitrag zur strafrechtlichen Kausalitätslehre magna cum laude zum Dr. iur. promoviert.[3][4] 1912 wurde er Regierungsrat in Posen und Lehrbeauftragter für Verwaltungsrecht und Verwaltungslehre an der Königlichen Akademie zu Posen (bis 1914). Am Ersten Weltkrieg nahm er zuletzt als Hauptmann der Reserve im Jäger-Bataillon Fürst Bismarck (Pommersches) Nr. 2 des Landwehrkorps an der Ostfront teil. Nach kurzer Tätigkeit im Reichsministerium des Innern war er ab 1920 Ministerialrat und stellvertretender Bevollmächtigter des Freistaats Preußen im Reichsrat.

Von 1920 bis 1922 war er Professor für Öffentliches Recht an der Universität Rostock.

MarburgBearbeiten

Von 1922 bis 1934 war er Ordinarius an der Universität Marburg. Für das akademische Jahr 1928/29 wurde er zum Rektor gewählt. In der Rektoratsrede befasste er sich mit Staat und Nation.[5] Genzmer saß im Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich. Nach dem Wahlsieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei der Reichstagswahl März 1933 wurde er förderndes Mitglied der SS.[6] Am 11. November 1933 gehörte er zu den Aufrufern für das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. An der Universität sammelte er Unterschriften dafür.[6] Nach der Lockerung der Mitglieder-Aufnahmesperre der NSDAP trat er 1937 der NSDAP bei. Im Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps wurde er Obertruppführer.[6]

TübingenBearbeiten

Seit 1934 Ordinarius an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, wirkte er in den Jahren 1940 bis 1945 als Lehrbeauftragter für Alte, insbesondere Nordische Philologie an der Philosophischen Fakultät.

Seit 1942 arbeitete er bei der Aktion Ritterbusch in der Gruppe Lebensmächte und Wesen des Indogermanentums mit.[6] 1945 trat Genzmer in den Ruhestand. Das Office of Military Government for Germany (U.S.) berief ihn 1947 in den Gesetzgebungsausschuss für die Einführung des Verwaltungsstreitverfahrens. Bis 1953 war Genzmer als Emeritus Lehrbeauftragter für Altnordische Philologie an der Universität Tübingen.

Mit Albert Einstein stand er zeitlebens in engem Kontakt. Diese Briefesammlung ist Bestandteil der Physikalischen Sammlung im Museum der Universität Tübingen.

SchriftenBearbeiten

Öffentliches Recht und Strafrecht waren Genzmers juristische Schwerpunkte. Als Philologe der Germanistik und Skandinavistik wurde er mit der Übersetzung der Edda in die deutsche Sprache berühmt. Sie erschien in der Sammlung Thule (Bd. 1: Heldendichtung, Bd. 2: Götterdichtung und Spruchdichtung, Jena 1912–1920, zahlreiche Neuauflagen). Er übertrug den Beowulf und das Waltharilied.

  • Staat und Gesellschaft in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. 1938.
  • Rache, Wergeld und Klage im altgermanischen Recht. 1939.
  • Germanische Seefahrt und Seegeltung. 1944.
  • Die germanische Sippe als Rechtsgebilde.
  • Vom Übersetzen. In: Wirkendes Wort. Band 9, 1959, S. 65.

EhrungenBearbeiten

Unvollständige Liste

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Fritz Mussehl: In memoriam Felix Genzmer. Deutsche Corpszeitung, Nr. 5 (1959), S. 148 f.
  2. a b Kösener Corpslisten 1960, 5/274; 99/675; 127/1075
  3. Dissertation: Der Begriff des Wirkens. Ein Beitrag zur strafrechtlichen Kausalitätslehre.
  4. Digitalisat
  5. Rektoratsreden (HKM)
  6. a b c d Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, S. 178.