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Familienserie

Fernsehserie, bei der sich eine ganze Familie in ihr wiederfindet

Eine Familienserie ist eine besondere Form der Fernsehserie. Die Handlung ist dabei immer so abgestimmt, dass sich eine ganze Familie, also alle Altersgruppen in ihr wiederfinden und sich für die Thematik interessieren.

Inhaltsverzeichnis

DefinitionBearbeiten

Familienserien wie auch im literarischen Ursprung Familienromane erlauben es dem Zuschauer oder Leser, Vergleiche mit der eigenen Familiensituation anzustellen, da immer eine Familie im Mittelpunkt der Handlung steht. Ein Unterschied zum Familienroman ist, dass die Familienserie in den meisten Fällen Kinder und das Interesse von Kindern mit einbezieht. Vorbilder oder lebensnahe Situationen bieten der Familie damit ein hohes Maß an Identifikation. Serien, die nur das Interesse von Kindern ansprechen, sind somit Kinderserien.

ThemenBearbeiten

Biographisch erleben die meisten Menschen die Familiensituation als ein ursprünglich vorhandenes und immer weiter ausuferndes Geflecht von Abhängigkeiten und Unterstützungsformen (Biographie). Die Familienserie gibt gewollt oder ungewollt eine Orientierung, indem typische Konflikte, Krisen und Lösungswege aufzeigt werden. Typische Inhalte sind demnach Bildungsthemen wie Kindergarten-, Schulbesuch (Schulpflicht, Klassengemeinschaft, Konflikt mit Lehrern), Arbeitsaufnahme (Lehre), Familienzuwachs wie Geburten von Geschwistern, (Taufen) oder andere Lebensabschnitte wie sexuelle Beziehungen, Berufstätigkeit, die Hochzeit, aber auch Krankheit, Sterben und Tod.

Die typischen Themen lassen sich in Gruppen darstellen: normative Ereignisse, also Schulabgang oder Hochzeit; zeitgeschichtliche Ereignisse wie Regierungswahlen oder konjunkturelle Phasen und ihre Folgen auf die Gesellschaft (Wirtschaftswunderzeit); kritische Lebensereignisse wie unerwartete Richtungswechsel durch Scheidung der Ehe oder schwere Erkrankungen.

Die Fernsehsender verfolgen mit der Ausstrahlung durchaus ähnliche Ziele wie bei anderen Fernsehserien: Senderbindung, Werbewirksamkeit und Quote.

Die typische Struktur einer FamilienserieBearbeiten

Eine Fernsehserie ist eine Abfolge von kleinen Filmen, die üblicherweise zur selben Zeit am gleichen Wochentag im Fernsehen ausgestrahlt werden. Eine Familienserie hat, bis auf wenige Ausnahmen (Gast, Stargast, Versuch mit neuer Rolle), eine Reihe von festen Charakteren/Rollen, die in der Serie Abenteuer oder sonstige Erlebnisse haben. Typisch für eine Fernsehserie ist die gleich bleibende Dauer und der offene Ausgang, der Spannung auf die Fortsetzung in einer Woche erzeugt.

In Familienserien steht in den meisten Fällen eine Familie im Vordergrund, wobei diese auch für die Handlung wichtige Tiere haben können wie bei den Klassikern Flipper, Fury oder Lassie. Da Kinder als Zuschauer mit einbezogen werden sollen, werden Familienserien oftmals für das Vorabendprogramm produziert. Der deutsche Klassiker Familie Schölermann lief nach der Nachrichtensendung. Für Kinder oft das Ereignis, zu dem sie länger wach bleiben durften. Durch langjährige Gewöhnung kann auch Abhängigkeit von einer Lieblingsfamilienserie entstehen.

Familienserien in ihrer ZeitBearbeiten

Typische Familienserien in ihrer Zeit
Zeit Titel Besonderes
1950–1960 Familie Schölermann,
Lassie
Bei Lassie steht ein Hund als Tierstar im Mittelpunkt und ist eine amerikanische Produktion, in Deutschland stehen Themen wie Vertreibung, Kriegsgefangenschaft, nachgeholte, verkürzte Bildung oder Ferien im Mittelpunkt.
1960–1970 Familie Hesselbach,
Hucky und seine Freunde,
Die Unverbesserlichen
Es geht um den wachsenden Wohlstand, aber auch die Ost-West-Teilung und den Mauerbau.
1970–1980 Das Haus am Eaton Place,
Unsere kleine Farm,
Eine amerikanische Familie
Viele amerikanische Serien werden zu dieser Zeit übernommen.
1980–1990 Dallas,
Der Denver-Clan,
Lindenstraße,
Diese Drombuschs,
Die glückliche Familie,
Familienbande, Golden Girls,
Kir Royal,
Zwei Münchner in Hamburg,
Forsthaus Falkenau,
Die Schwarzwaldklinik,
Ich heirate eine Familie,
Die Wicherts von nebenan
Neben weiteren amerikanischen Importen entwickelt das ZDF große Familienserien, die wie die Schwarzwaldklinik oder das Forsthaus Falkenau weltweit erfolgreich vermarktet wurden.
1990–2000 Adelheid und ihre Mörder,
Marienhof,
Die Simpsons,
Die Fussbroichs,
Unser Lehrer Doktor Specht,
Aus heiterem Himmel
Die Simpsons laufen bis in die Gegenwart als längste und erfolgreichste US-Serie, sowohl im Zeichentricksektor als auch als Serie überhaupt.
2000–2010 Die Fallers – Eine Schwarzwaldfamilie,
Familie Dr. Kleist,
Unser Charly
Die Zeit der klassischen Familienserie scheint vorbei, andere Formate sollen vermehrt Familien in den Bann ziehen wie Quiz und Ratesendungen, zudem werden ältere Serien weiter fortgesetzt.

LiteraturBearbeiten

  • Hans W. Geißendörfer und Wolfram Lotze (Hrsg.): Lindenstraße - 1000 Folgen in Wort und Bild. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-89602-609-7.
  • Alan Ball, Alan Poul: Six Feet Under. Better Living Through Death - Gestorben wird immer. 2005 Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-641-0
  • Christine Kanz, Thomas Anz: Familie und Geschlechterrollen in der neueren deutschen Literaturgeschichte. Fragestellungen, Forschungsergebnisse und Untersuchungsperspektiven (Teil I). In: Jahrbuch für Internationale Germanistik 32, 2000, H. 1, S. 19–44.
  • Martin Kohli: Soziologie des Lebenslaufs, Darmstadt 1978
  • Rüdiger Peuckert: Familienformen im sozialen Wandel, 5. überarbeitete Auflage, Wiesbaden (VS Verlag) 2004
  • G. Rosenthal: Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibung, Frankfurt am Main 1995

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

Fernsehserie, Soziobiografie