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Indisches Paar bei der Hochzeit

Ein Familienfest ist ein Fest, mit dem die Familie als Institution bestätigt, gestärkt und gefeiert werden soll. In allen Kulturen werden die Drehpunkte im Zyklus des Entstehens, Wachsens und Vergehens von Familie zelebriert oder rituell begleitet: Familiengründung, Geburt, Elternschaft und Tod. Meist – aber nicht immer – handelt es sich um Übergangsriten.

Inhaltsverzeichnis

FamiliengründungBearbeiten

Jüdische HochzeitstraditionBearbeiten

 
Eine israelische Braut wird von ihren Eltern zur Chuppa begleitet.

Die Vorgehensweise für eine Heirat ist im Judentum grundlegend in der Halacha festgelegt, deren Verschriftlichung in der Tora spätestens um 440 v. Chr. begann. Die Eheschließung gliedert sich danach in zwei Stufen: kiddushin (Verlobung) und nisu'in (Heirat). Traditionell lag zwischen beiden Stufen ein Zeitraum von einem Jahr, in dem der Mann sich dem Torastudium widmen sollte. Laut Tora kann die Verlobung auf dreierlei Weisen erfolgen: durch ein Geldgeschenk an die Frau, durch eine schriftliche Absichtserklärung an die Frau oder durch sexuellen Verkehr; die letztere Praxis wurde durch die Rabbiner allerdings einmütig geächtet.[1] Traditionell erhielt die Frau am Ende der Verlobung vom Mann auch einen unverzierten goldenen Ehering.[2] Dann wurde der Ehevertrag (ketubah) verlesen.[3] Mit großem zeitlichen Abstand folgte die eigentliche Heiratszeremonie, nach der das Brautpaar auch sexuelle Beziehungen aufnehmen durfte.

Seit dem 12. Jahrhundert sind Verlobung und Heirat in einem einzigen Ritual zusammengefasst. Dabei werden die Brautleute von ihren Eltern einander zugeführt und vollziehen unter der Chuppa, dem traditionellen jüdischen Traubaldachin, unter der Moderation eines Rabbiners oder Kantors das mehrteilige Hochzeitsritual. Dieses umfasst unter anderem ein siebenmaliges Herumgehen der Braut um den Bräutigam, die ihren Mann künftig ja behüten soll, das gemeinsame Trinken von Wein, das Anstecken des Eheringes an den Finger der Braut und das Zerbrechen eines Weinglases.[1] Spätestens als Rabbi Aaron ben Jacob ha-Kohen sein einflussreiches Werk Orḥot Ḥayyim schrieb (vor 1327), war es üblich, dass beide Brautleute weiße Kleidung trugen. Noch heute trägt die Braut Weiß.[4] Bereits in der Mischna (3. Jh. n. Chr.) wird von dem Brauch berichtet, dass die Braut ihr Gesicht mit einem Schleier bedeckt.[5] Bevorzugte Orte für jüdische Eheschließungen sind traditionell das Haus der Eltern des Bräutigams oder die Außenanlage der Synagoge; in heutiger Zeit heiraten viele jüdische Paare auch im Saal eines Hotels.[6]

Christliche HochzeitstraditionBearbeiten

 
Murillo: Die Hochzeit zu Kana (um 1672)

Römische Kirche und KatholizismusBearbeiten

Die christliche Heiratstradition mit ihrer Zweigliederung von Verlöbnis und Hochzeit hat sich aus der jüdischen Tradition entwickelt. Die Hochzeit zu Kana, die im Neuen Testament eine herausragende Position einnimmt, weil Jesus von Nazareth hier sein erstes Wunder vollzogen hat, war eine jüdische Hochzeit gewesen.[7] Auch unter den Jüngern waren Verheiratete gewesen, darunter Simon Petrus (Matthäus 8,14–15 EU).

Die frühen Christen räumten, dem überlieferten Vorbild ihres Religionsstifters und dessen Täufers Johannes entsprechend, im Hinblick auf das bereits zu den eigenen Lebzeiten erwartete Reich Gottes jedoch dem Zölibat einen hohen Stellenwert ein und sahen die Ehe nur als nachrangige Alternative für solche Gläubige, denen sexuelle Entsagung nicht möglich sei (1 Kor 7,6–9 EU). Um 160 n. Chr. entstand die Bewegung der Montanisten, im frühen dritten Jahrhundert formulierte Tertullian in seiner Schrift De exhortatione castitati umfassende Anweisungen für ein keusches Leben,[8] und um 320/325 gründete Pachomios die ersten christlichen Klöster.

 
Eine katholische Trauung in Indien

Unter dem Einfluss von Augustinus (354–430), der auch erste Grundlagen für ihre Sakramentalisierung schuf, begann die Ehe im Christentum erneutes Ansehen zu gewinnen.[9] Zum Abschluss kam dieser äußerst langwierige Prozess allerdings erst über drei weitere Stationen: das Zweite Laterankonzil (1139), das Konzil von Verona (1184) und das Konzil von Trient (1545–1563).[10] Mit seinem Prinzip der Freiwilligkeit der Ehe basierte das katholische Eherecht auf dem Römischen Recht;[11] Verlöbnis und Ehe kommen grundlegend dadurch zustande, dass beide Brautleute der Vermählung zustimmen.[12] Noch im Mittelalter heirateten die weitaus meisten Paare dem örtlichen Brauchtum entsprechend und ohne kirchliche Mitwirkung. Erst auf dem Konzil von Trient wurde verbindlich festgelegt, dass der Ehekonsens durch einen Priester oder Diakon in Anwesenheit von zwei oder drei Zeugen erfragt werden muss.[13] Während sich in den Ostkirchen die Auffassung durchgesetzt hat, dass das Ehesakrament durch den Priester gespendet werde, gehen katholische Theologen heute davon aus, dass die Brautleute sich das Sakrament vielmehr selbst spenden und der Priester nur ein qualifizierter Zeuge sei.[14] Das von Bräutigam und Braut gegebene Jawort bildet seitdem den Mittelpunkt des christlichen Trauritus.[15] Katholische Trauungen finden meist im Rahmen einer Heiligen Messe mit Eucharistiefeier statt, in der die Brautleute gemeinsam auch die Kommunion nehmen.[16]

Vieles Brauchtum, das mit kirchlichen Trauungen ebenfalls in Verbindung gebracht wird, hat keinerlei christliche Wurzeln. Trauringe und Brautschleier stammen aus der jüdischen Tradition, der Hochzeitskuss hat seinen Ursprung im römischen Vertragsrecht, und weiße Brautkleider kamen weltweit en vogue, nachdem die britische Königin Victoria 1840 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit „ganz in Weiß“ geheiratet hatte.[17] Kein bloßes Brauchtum, sondern von grundlegender kirchenrechtlicher Bedeutung ist hingegen der Vollzug der Ehe in der Hochzeitsnacht. Da die katholische Kirche in ihrem Gesetz (Codex Iuris Canonici) als primären Zweck der Ehe die Erzeugung und Erziehung von Nachwuchs festgeschrieben hat,[18] liegt eine Ehe im vollen kirchenrechtlichen Sinne erst vor, wenn zwischen den Eheleuten auch Geschlechtsverkehr stattgefunden hat.[19]

Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare sind in der katholischen Kirche aufgrund des geltenden Kirchenrechts nicht möglich. In Deutschland hat der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode im Januar 2018 angeregt, über die Möglichkeit einer Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nachzudenken; durchgeführt wurden solche Segnungen bis heute nur in seltenen Einzelfällen.[20]

 
Eine protestantische Trauung in Finnland

ProtestantismusBearbeiten

Seine abweichende Auffassung zur Ehe ist einer der wichtigsten Gründe, warum Martin Luther sich von der römischen Kirche distanziert hat. Neben der Hervorbringung von Kindern und der Kanalisierung des sexuellen Begehrens hat Ehe im Protestantismus daher zentral auch den Zweck, dem Menschen einen Gefährten und Gehilfen zu geben.[21] Da im Neuen Testament die Ehe nirgendwo als göttlicher Gnadenakt beschrieben wird, bezweifelte Luther ihren sakramentalen Rang.[22]

Der Trauritus kann sich zwischen verschiedenen Bekenntnisgemeinschaften und auch von Gemeinde zu Gemeinde in den Einzelheiten unterscheiden; wie in der katholischen Kirche steht jedoch auch in einer protestantischen Trauung die Feststellung des Ehekonsens vor Priester und Trauzeugen im Mittelpunkt (Jawort, Eheversprechen).[23] Die niederländischen Remonstranten waren 1986 die erste protestantische Gemeinschaft, die gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen erteilte.[24] Seither sind Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare auch in vielen deutschen evangelischen Landeskirchen sowie in einigen Schweizer reformierten Landeskirchen möglich geworden. 2013 wurde in Deutschland ein schwules Paar in einer evangelischen Kirche erstmals auch mit kirchlicher Beurkundung getraut.[25]

 
Eine orthodoxe Trauung in Tschechien

Orthodoxe KirchenBearbeiten

In den orthodoxen Kirchen gilt die Ehe als heiliges Mysterium, was etwa dem katholischen Sakrament entspricht.[26] Grundlage der orthodoxen Position zur Ehe ist Epheser 5:21–33 EU, wo das Verhältnis von Mann und Frau dem Verhältnis zwischen Christus und Kirche gleichgestellt wird: Ebenso wie Christus sich ganz der Kirche hingibt, soll der Mann ganz für die Frau leben; so wie die Kirche sich Christus unterordnet, soll die Frau sich dem Manne unterordnen. Den Kern des orthodoxen Trauritus bildet die Krönung der Brautleute durch den Priester; die Krone hat hier eine doppelte symbolische Bedeutung: einerseits steht sie für die Nachfolge Jesu, die das sich aneinander hingebende Paar antritt (in seinem Martyrium trug Christus die Dornenkrone), andererseits verweist sie aber auch auf Christi Königreich, an dem das Brautpaar durch seine Hingebung teilhat.[27] Eine größere Bedeutung als im Katholizismus hat in der orthodoxen Theologie der Ehe auch die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12 EU), denn Christi Anwesenheit und Wunderwirken wird hier als Heraushebung der im Grunde alltäglichen Tatsache einer Eheschließung aus dem Profanen und als ihre Heiligung verstanden.[28] Anders als im Katholizismus und Protestantismus hat die Ehe in den orthodoxen Kirchen keinerlei Vertragscharakter, sondern ist eine Segnung der Liebe in Gott; darum geben die Brautleute in der Zeremonie auch kein Jawort oder Gelübde.[29] Die orthodoxen Kirchen stufen Homosexualität als Sünde ein und lehnen Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare daher ab.[30]

Die zivile Eheschließung im christlich geprägten KulturraumBearbeiten

Das erste Land, das in der Neuzeit die zivile – also nicht religiös, sondern gesetzlich begründete – Ehe einführte, war 1792 die Erste französische Republik.[31] 1874 folgten Preußen und die Schweiz, 1875 das gesamte Deutsche Reich, 1938 – unter der deutschen Besetzung – schließlich auch Österreich.[32] Seit dem Konzil von Triest waren die Kirchen verpflichtet gewesen, Eheregister zu führen.[33] Mit der Einführung der Zivilehe wurden Standesämter bzw. Zivilstandsämter eingerichtet, die seitdem die verpflichtend gewordene zivile Eheschließung nicht nur registrieren, sondern die Trauung auch selbst durchführen. Der größte Nutzen der Säkularisierung der Ehe für die Bürger bestand zunächst darin, dass interkonfessionelle Ehen möglich wurden; noch im Jahre 1987 waren mehr als 84,5 % aller Westdeutschen Mitglied einer christlichen Kirche. Seit 2017 können in Deutschland auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten; Österreich folgte 2018; in der Schweiz besteht bisher nur die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft (seit 2007).

Die standesamtliche Trauung ist eine sachliche Zeremonie, in der der Standesbeamte die Personalien aufnimmt, eine Traurede hält, die Verloben fragt, ob sie einander heiraten wollen, das Protokoll der Heirat verliest und das Brautpaar um die Unterzeichnung der Heiratsurkunde bittet; vor der Verlesung des Protokolls können nach Wunsch auch die Trauringe gewechselt werden. Trauort ist gewöhnlich ein Saal im Standesamt; in zunehmendem Umfang wird aber auch die Möglichkeit in Anspruch genommen, die Trauung an einem Ort eigener Wahl vornehmen zu lassen.[34]

 
Amerikanische Paare können ihre zivil­recht­lichen Heirats­papiere beim Priester unter­zeichnen.

Viele christliche Paare heiraten erst standesamtlich und anschließend kirchlich. In Deutschland betrug der Anteil der kirchlichen Trauungen im Jahre 2015 22,5 %.[35] Nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern mit obligatorischer Zivilehe (z. B. Benelux-Staaten, Frankreich, Rumänien, Russland) ist die der kirchlichen Trauung vorausgehende zivile Zeremonie zwingend.[36]

In anderen Ländern dagegen genügt eine einzige Zeremonie. So sind in den Vereinigten Staaten nicht nur Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung (registrars), sondern auch Rabbiner, kirchliche Amtsträger, Imame und Friedensrichter berechtigt, Trauungen vornehmen, die zivilrechtlich vollumfänglich bindend sind.[37] In einigen amerikanischen Bundesstaaten, z. B. Kalifornien, ist es sogar möglich, eine beliebige Privatperson temporär mit einer Trauungsberechtigung auszustatten.[38] Ähnlich ist die Lage im Vereinigten Königreich, wo außer Priestern und Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung u. a. auch Mitglieder von Humanists UK und freiberufliche Dienstleister (wedding celebrants) trauberechtigt sind.[39] In vielen Ländern der Erde (z. B. Israel[40], Vatikanstaat[41]) erfordert das Heiraten in jedem Falle eine religiöse Zeremonie.

Säkulare Bräuche im christlich geprägten KulturraumBearbeiten

Rund um die christliche Eheschließung existieren in der Westlichen Welt zahlreiche zum Teil sehr alte Hochzeitsbräuche, die mit dem religiösen Kern der Eheschließung wenig zu tun haben. Der Polterabend oder Walgerabend am Vorabend der Hochzeit zum Beispiel ist schon im Spätmittelalter dokumentiert.[42] Der Ausdruck „Flitterwochen“ für die Zeit, in der die Jungverheirateten intensiv verliebt sind, lässt sich im Deutschen mindestens seit dem 16. Jahrhundert nachweisen.[43] Ehejubiläen wie etwa die Goldene Hochzeit zu feiern, wurde in bürgerlichen Familien spätestens im ausgehenden 18. Jahrhundert üblich.[44] Hochzeitsreisen sind im deutschen Sprachraum mindestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen, wobei dieser Brauch als Fortentwicklung der Grand Tour zunächst vor allem für bürgerliche Künstler typisch war.[45]

GeburtBearbeiten

Geburtszeremonien und -feiernBearbeiten

 
Kindstaufe in einer griechisch-orthodoxen Gemeinde

Die Taufe ist ein seit der neutestamentlichen Zeit bestehender christlicher Ritus, der bereits in der Zeit der Kirchenväter ein Sakrament war und seit dem 5./6. Jahrhundert in den meisten christlichen Gemeinschaften als Kindertaufe durchgeführt wird. Im Mittelpunkt der Taufe steht der Taufgottesdienst, an die sich eine meist von den Eltern ausgerichtete weltliche Feier anschließt, oft mit Kaffeetafel.[46] In der Deutschen Demokratischen Republik entstand als säkulare Alternative um 1960 die Namensweihe, die in der Bevölkerung allerdings wenig Resonanz fand.[47] Eine weitere rein säkulare Institution, die im deutschen Sprachraum in den 2010er Jahren Verbreitung gefunden hat, ist das sogenannte Babypinkeln.

Im Judentum werden männliche Neugeborene am achten Lebenstag mit der Brit Mila in die Gemeinschaft aufgenommen; in einigen reformjüdischen Gemeinschaften tritt an deren Stelle die Brit Schalom oder die Brit Atifah (für beide Geschlechter), bei der eine Beschneidung unterbleibt. Muslimische Eltern feiern die Geburt eines Kindes mit einer Willkommenszeremonie namens ʿAqīqa. In arabischen Ländern folgt auf die Geburt bald auch die Chitan; da der Islam von einem Muslim nur den Glauben fordert, tragen jedoch weder ʿAqīqa noch Chitan den Charakter einer rituellen Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft.[48]

Der Hinduismus kennt verschiedene Riten, die vor und nach der Geburt eines Kindes durchgeführt werden, darunter das Willkommensritual Jatakarma und die Namenszeremonie Namakarana.[49] Im Buddhismus wird die Begrüßung eines Neugeborenen sehr uneinheitlich gehandhabt.[50] In China, das traditionell vom Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus, vom geprägt ist, existieren verschiedene Riten und Zeremonien, die teils vor, teils nach der Geburt durchgeführt werden, wie etwa die die 1-Monats-Zeremonie (满月酒, mǎnyuè jiǔ) am 30. Lebenstag des Neugeborenen.[51]

Viele traditionelle Baby-Riten, darunter die Taufe und die Brit Mila, zählen durchaus nicht darauf, das Neugeborene in der Familie willkommen zu heißen; vielmehr bestätigen sie das Kind als neues Mitglied der Glaubensgemeinschaft. Daneben gibt es jedoch auch reine Familienfeiern; historisch sind diese meist recht jung. Ein Beispiel bilden Feste, die anlässlich der Adoption eines Kindes gefeiert werden.[52]

Christliche GeburtstagstraditionBearbeiten

 
Weihnachtsessen in einer britischen Familie

Traditionen, den wiederkehrenden Jahrestag der Geburt (Geburtstag) individueller Menschen zu feiern, bestehen insbesondere in solchen Kulturen, in denen auch der Geburtstag des jeweiligen Religionsstifters gefeiert wird.

Im Christentum wurde die Geburt des Religionsstifters Jesus Christus als Weihnachtsfest bereits früh gefeiert, nämlich schon in der Zeit Clemens von Alexandrias († um 215).[53] Bis das Weihnachtsfest seine heutige, für Familien besonders ansprechende Form fand, vergingen viele Jahrhunderte. Die erste Weihnachtskrippe wurde in einer Prager Kirche 1562 aufgestellt,[54] und das Aufstellen von Weihnachtsbäumen und Singen von Weihnachtsliedern im häuslichen Kreise verbreitete sich sogar erst vom 18. Jahrhundert an. Die Tradition, sich an Weihnachten zu beschenken, hat ihren Ursprung in Kinder- und Familienbescherungen am Nikolaustag. Vor allem auf den Einfluss von Martin Luther, der die Heiligenverehrung zurückzudrängen suchte, ging die Verlagerung der Geschenktradition vom Nikolaus- aufs Weihnachtsfest zurück.[55] Im Allgäu etwa fand diese erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt.[56] Die vierwöchige vorweihnachtliche Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit und sollte der Buße dienen. Erst 1839 wurde im evangelischen Rauen Haus erstmals ein Adventskranz verwendet, dessen Kerzen auf das Licht hinweisen sollten, dass Christus in die Welt gebracht hat (Joh 1,1–14 EU, Joh 8,12 EU). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Lichterbrauch – nachdem viele katholische Soldaten ihn in protestantisch geführten Lazaretten kennengelernt hatten – auch von der katholischen Kirche übernommen.[57]

 
Geburtstagsfeier in einer venezolanischen Familie (1961)

Ihre eigenen Geburtstage begannen die Gläubigen erst vom 18. Jahrhundert an zu feiern. Dieser rein säkulare Brauch nahm seinen Ausgang von protestantischen bürgerlichen Familien, in denen zunächst vorzugsweise der Geburtstag des Vaters gefeiert wurde; später folgten auch die Geburtstage der Mütter, und im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde, wie Erhard Chvojka aufgewiesen hat, schließlich auch der Kindergeburtstag zu einem Fixpunkt familialer Feierkultur.[58] Besonders spät begann das allgemeine Geburtstagsfeiern bei den Katholiken, die im deutschsprachigen Raum in ländlichen Gegenden noch bis in die 1960er Jahre eher ihren Namenstag als den Geburtstag begingen.[59] Anders als in der stark familienorientierten traditionellen bürgerlichen Gesellschaft sind Geburtstagsfeiern („Geburtstagspartys“) insbesondere von Kindern und jungen Menschen in der Westlichen Welt heute kaum noch Familienfeste, sondern vielfach reine Peergroupfeste, an denen die Eltern bestenfalls noch als Organisatoren und Animateure beteiligt sind.[60] Zum Traditionsgut des Geburtstagfeierns zählt im deutschsprachigen Raum seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Geburtstagskuchen und seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Geburtstagstorte.[61] Geburtstagskerzen sollen an Tauflichter erinnern; sie sind in der deutschsprachigen Literatur seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erwähnt.[62]

Spätestens seit der Mitte des 18. Jahrhunderts wird gelegentlich auch der wiederkehrende Jahrestag der Taufe („Tauftag“) gefeiert.[63] Eine ganz junge Entwicklung, mit der bisher nur in einzelnen katholischen Gemeinden Versuche unternommen worden sind, ist die Entstehung eines Patentages.[64]

Geburtstagstraditionen in anderen ReligionenBearbeiten

 
Upsherin: an das Haar eines jüdischen Mädchens wird zum erstenmal eine Schere angelegt.

Das Judentum hat keine eigene Tradition des Geburtstagfeierns; insbesondere orthodoxe Juden lehnen diesen Brauch oft gänzlich ab.[65] Auch der Geburtstag Moses’, der kalendarisch mit seinem Todestag zusammenfällt (Siebenter des Adar), wird nur von sehr strenggläubigen Juden geehrt, und auch dies ausschließlich durch Fasten.[66] Jedoch sind viele bestimmte Altersstationen im Leben individueller Menschen mit speziellen Riten oder Verantwortungen verknüpft. Wenn das Kind z. B. drei Jahre alt ist – nach jüdischer Tradition wird es dann auch abgestillt –, werden ihm zum ersten Mal die Haare geschnitten (Upsherin), und im Alter von fünf Jahren beginnt es mit dem Studium der Bibel.[67] Auch Muslime kennen traditionell keine Geburtstagsfeiern; jedem Gläubigen ist es aber selbst überlassen, ob er seinen Geburtstag feiern möchte oder nicht.[68] Auch wird der Geburtstag des Religionsstifters, Mohammed (geboren zwischen 570 und 573), als Maulid an-Nabī nur in Teilen der muslimischen Gemeinschaft gefeiert; während dieser Tag in Indonesien z. B. Staatsfeiertag ist, werden entsprechende Feiern in Saudi-Arabien abgelehnt.[69]

Viele Hindus folgen bei der Feier ihres Geburtstages heute westlichen Gepflogenheiten. Traditionell bedeutet der Geburtstag, der nicht nach dem gregorianischen, sondern nach dem indischen Kalender datiert wird, für Hindus jedoch eine religiöse Verpflichtung, die u. a. die Bitte um den elterlichen Segen, ein rituelles Bad (Abhyanga Snana) und bestimmte Gebete einschließt.[70] Hindus feiern alljährlich auch den Geburtstag Krishnas (Janmashtami), für dessen Anhänger dieser Gott die Inkarnation des Höchsten ist. Buddhisten feiern den Geburtstag ihres Religionsstifters Siddhartha Gautama (Buddha); das Vesakhfest ist ihr höchster Feiertag im Jahr. Wie im Hinduismus, der dieselben Wurzeln hat wie der Buddhismus, ist für die Gläubigen auch ihr eigener Geburtstag – sofern sie ihn überhaupt beachten – in erster Linie eine religiöse Verpflichtung; er wird dann mit Meditation, Gebeten, dem Besuch eines buddhistischen Tempels und Wohltätigkeit begangen.[71] In China wird traditionell Konfuzius’ Geburtstag gefeiert (孔子誕辰 / 孔子诞辰, Kǒngzǐ Dànchén). Viele moderne Chinesen haben heute westliches Brauchtum übernommen, traditionell wurden die Jahrestage der Geburt jedoch nicht als Anlässe empfunden, die viel Beachtung verdienen. Noch heute wird in China oft nur der 30. Lebenstag, der 1. und der 6. Geburtstag gefeiert; eine alljährliche Geburtstagsfeier erlauben viele Chinesen sich erst vom 60. Lebensjahr an.[72]

Elternschaft, Verpflichtung gegenüber der FamilieBearbeiten

 
Eine chinesische Familie verbrennt am Qingming-Fest Papiergeschenke für die verstorbenen Vorfahren.

Das chinesische Qingming-Fest ist ein vor dem Hintergrund des chinesischen Totenkults zu verstehendes Totengedenkfest, an dem die Lebenden ihrer Vorfahren gedenken. Auch das Chinesische Neujahrsfest wird traditionell gefeiert, um neben den Gottheiten auch die verstorbenen Vorfahren zu ehren.

Weitere Feste, mit denen die Elternschaft gefeiert wird:

TodBearbeiten

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WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Familienfest – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Familienfest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Kiddushin -- Betrothal. Abgerufen am 16. Juni 2019. Wedding Rituals for Parents. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  2. Halachic Requirements for the Wedding Band. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  3. The Kutubah -- Marriage Contract. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  4. Why Do Jewish Brides Wear White? Isn’t It a Non-Jewish Thing? Abgerufen am 17. Juni 2019.
  5. Why Does a Jewish Bride Wear a Veil on Her Face? Abgerufen am 17. Juni 2019.
  6. The Location of a Jewish Wedding. Abgerufen am 16. Juni 2019.
  7. How do we know that the Marriage at Cana was Jewish? Abgerufen am 17. Juni 2019.
  8. Über die Aufforderung zur Keuschheit. Abgerufen am 18. Juni 2019 (Onlinetext in deutscher Übersetzung).
  9. Augustinus: Marriage and Virginity. New City Press, Hyde Park, NY 1999, ISBN 1-56548-104-6, S. 18 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Theodor Nikolaou: Ehe. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Herder, Freiburg i.Br. 2007, ISBN 978-3-451-29500-3, S. 291 (Spalte). Das Sakrament der Ehe. Abgerufen am 18. Juni 2019.
  11. Joseph N. Perry: The Canonical Concept of Marital Consent: Roman Law Influences. Abgerufen am 18. Juni 2019 (The Catholic Lawyer, Band 25, Sommer 1980, Heft 3).
  12. K. Köhler: Luther und die Juristen. Zur Frage nach dem gegenseitigen Verhältnis des Rechtes und der Sittlichkeit. Rud. Besser, Gotha 1873, S. 41 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. Konzil von Trient Session XXIV, Dekret Tametsi
  14. Theodor Nikolaou: Ehe. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Herder, Freiburg i.Br. 2007, ISBN 978-3-451-29500-3, S. 291 (Spalte). Das Sakrament der Ehe. Abgerufen am 18. Juni 2019.
  15. The True and Catholic Doctrine, Touching the Sacrament of Order [...]. Abgerufen am 19. Juni 2019 (Decree on Reformation, Chapter 1).
  16. Nuptial or Wedding Mass. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  17. Why so many brides wear white on their wedding day. In: CNN. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  18. zitiert nach: Markus Schulze: ‚Coniugium‘ und ‚Matrimonium‘. Zur theologischen Sinnbestimmung von Ehe und Familie bei Thomas von Aquin. In: George Augustin, Ingo Proft (Hrsg.): Zum Gelingen von Ehe und Familie. Ermutigung aus Amoris laetitia. Herder, Freiburg, Basel, Wien 2018, ISBN 978-3-451-38057-0, S. 125–154, hier S. 140 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Canon Law and Consummating a Marriage. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  20. Bode: Über Segnung homosexueller Paare nachdenken. Abgerufen am 20. Juni 2019. Der Wetzlarer Sündenfall. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  21. Martin Luther on Marriage and the Family. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  22. Marriage is not a sacrament for Protestants and why that matters to LGBT Christians. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  23. Evangelische Trauung – Heiraten in der Kirche. Abgerufen am 19. Juni 2019. Protestant Wedding Ceremony Script. Abgerufen am 19. Juni 2019.
  24. „Ehe für alle“: Homosexualität ist normal und darum auch die Homo-Ehe. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  25. Mehr als nur ein Segen. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  26. The Sacraments. Abgerufen am 22. Juni 2019.
  27. The Symbolism of Wedding Crowns in a Greek Orthodox Wedding. Abgerufen am 22. Juni 2019.
  28. It happened in Cana of Galilee. Abgerufen am 23. Juni 2019.
  29. Marriage. Abgerufen am 23. Juni 2019.
  30. Stances of Faiths on LGBTQ Issues: Eastern Orthodox Church. Abgerufen am 25. Juni 2019.
  31. La révolution du mariage civil. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  32. Preußen führt die Zivilehe ein. Abgerufen am 20. Juni 2019. Zwischen Ehesakrament und Liebesbeziehung - Zur Geschichte der Ehe in der Schweiz. Abgerufen am 20. Juni 2019. Zivilehe eingeführt. Abgerufen am 20. Juni 2019 (Deutsches Reich). Gesetz zur Vereinheitlichung des Rechts der Eheschließung und der Ehescheidung im Lande Österreich und im übrigen Reichsgebiet. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  33. Parish Registers. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  34. Die standesamtliche Trauung: Kosten und Ablauf. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  35. Eheschließungen in Deutschland (1953-2015). Abgerufen am 20. Juni 2019.
  36. Weddings in France: What type of weddings are possible? Abgerufen am 21. Juni 2019.
  37. Who Can Perform a Wedding? Abgerufen am 22. Juni 2019. Finding a Wedding Officiant. Abgerufen am 22. Juni 2019.
  38. Deputy Commissioner for a Day Program. Abgerufen am 22. Juni 2019.
  39. What is a wedding celebrant? And is the marriage legally binding? Abgerufen am 22. Juni 2019.
  40. U.S. Embassy in Israel: Marriage. Abgerufen am 24. Juni 2009.
  41. Destination Catholic Weddings at the Vatican City, Rome. Abgerufen am 24. Juni 2019.
  42. Der Polterabend in Deutschland. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  43. Johannes Mathesius: Von Ehestand und Hauswesen. 15 Hochzeitspredigten. Johann vom Berg, Ulrich Neuber, Nürnberg 1563, S. 36 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  44. Goldenes Ehejubiläum eines Veteranen-Ehepaares. In: Streit und Zimmermann (Hrsg.): Schlesische Provinzialblätter. Band 4. Gottlieb Löwe, Breslau 1786, S. 589 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  45. Ludwig Pietsch: Wie ich Schriftsteller wurde. In: Fritz Mauthner, Otto Neumann-Hofer (Hrsg.): Das Magazin für Litteratur. Band 60. S. & P. Lehmann, Berlin 1891, S. 77 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). Hochzeitsreise im Ngram Viewer von Google Books. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  46. Taufe. Abgerufen am 13. Juni 2019.
  47. Gerd Dietrich: Kulturgeschichte der DDR. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018, ISBN 978-3-525-30192-0, S. 879 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  48. Koran, Sure 2:138
  49. Hindu baby rites. Abgerufen am 13. Juni 2019.
  50. Rites of passage. Abgerufen am 13. Juni 2019.
  51. Chinese birth rituals. Abgerufen am 13. Juni 2019.
  52. PARENTS 12 Families Share The Sweet Ways They Celebrate Adoption Anniversaries. Abgerufen am 15. Juni 2019.
  53. Wann wurde Jesus wirklich geboren? Abgerufen am 14. Juni 2019.
  54. Die schönsten Weihnachtskrippen in Prag. Abgerufen am 14. Juni 2019.
  55. Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr: Feste, Gedenk- und Feiertage im Geschichte und Gegenwart. C. H. Beck, 2005, ISBN 978-3-406-47585-6, S. 200 f.
  56. Berthold Büchele: Weihnachten im Allgäu. Sutton, Erfurt 2014, ISBN 978-3-95400-384-6, S. 136 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  57. So entstand der Adventskranz. Abgerufen am 14. Juni 2019.
  58. Erhard Chvojka: Geschichte der Großelternrollen: vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2003, ISBN 3-205-98465-X, S. 261 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  59. Der Namenstag: Eine katholische Tradition. Abgerufen am 14. Juni 2019.
  60. Beta Weymann: Wie gestalte ich meinem Kind eine tolle Geburtstagsparty? Abgerufen am 14. Juni 2019.
  61. Geburtstagskuchen und Geburtstagstorte im Ngram Viewer. Abgerufen am 14. Juni 2019.
  62. Wilhelm Kroll: Antiker Aberglaube. Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1897, S. 36 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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