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Fallersleben ist ein Stadtteil von Wolfsburg in Niedersachsen, der am Bach Mühlenriede liegt. Bevor Fallersleben im Zuge der Gebietsreform 1972 in die Stadt Wolfsburg eingegliedert wurde, war es eine Stadt im Landkreis Gifhorn. Die Stadtrechte wurden 1929 verliehen.

Fallersleben
Stadt Wolfsburg
Stadtteilwappen
Koordinaten: 52° 25′ 8″ N, 10° 43′ 1″ O
Höhe: 74 m
Einwohner: 11.035 (31. Dez. 2015)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 38442
Vorwahl: 05362
Karte
Lage in Wolfsburg

Inhaltsverzeichnis

NameBearbeiten

Der 942 erwähnte Name Valareslebo[1] setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Die im ostfälischen weit verbreitete Endung -leb-o, bzw. heutzutage -leben, geht auf den germanischen Begriff „laiba“ zurück, was so viel wie „Erbeigentum, Grundbesitz“ bedeutet. Der Besitzer dieses Grundes, nämlich „Valares“, steuerte den vorderen Teil für den Namen des Ortes, bzw. der Siedlung, bei.

GeschichteBearbeiten

 
Merian-Kupferstich von Fallersleben 1654
 
Schloss Fallersleben

Die ältesten Spuren einer Besiedlung im Gebiet der heutigen Stadt sind Bodenfunde von etwa 200 v. Chr. Der Ort Valareslebo mit einer St. Michaelskirche wurde 942 erstmals in einer Urkunde König Ottos I. erwähnt.[2] Im 12. Jahrhundert gehörte er den Grafen von Wohldenberg, die ihn vom Erzbischof von Magdeburg zum Lehen erhalten hatten. 1337 übergaben sie ihn samt dazugehörenden Dörfern und dem Gebiet des Papenteich an die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Fallersleben gehörte ab 1539 unter der Herrschaft von Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg 10 Jahre lang zum neu gegründeten Herzogtum Gifhorn, das 1549 aufgelöst wurde. Danach lebte seine Witwe Clara von Lauenburg bis zu ihrem Tod 1576 im Schloss Fallersleben. 1559 gab es bereits eine Befestigung von Fallersleben mit Wall und Graben sowie vier Stadttoren: Westtor, Gröpertor im Osten, Hoftor zur Schlossseite im Süden und Neues Tor im Norden.

In der Merian-Beschreibung von 1654 heißt es zu Fallersleben:

„Es ist dieses Flecken vor Zeiten den Grafen von Woldenberg zuständig gewesen, welche es im Jahr Christi 1337 Herzog Otten und Herzog Wilhelmen zu Braunschweig und Lüneburg verkaufft. […] Daß das jetzige Fürstliche Hauß daselbst von Herzog Franzen zu Braunschweig Lüneburg erst angeleget und gebauet, hernacher von dessen verwitwete Gemahlin Frauen Clara Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, im Jahr 1551.“

Über Fallersleben verlief im 18. und 19. Jahrhundert die Postroute Braunschweig–Calvörde.

Von 1894 bis 1896 wurde an der heutigen Wolfsburger Landstraße eine Windmühle errichtet, deren Flügel jedoch 1936 bei einem Sturm zerstört wurden. Von 1941 bis etwa 1960 war die Mühle nochmals mit Elektroantrieb in Betrieb.[3]

Nahe Fallersleben wurde ab April 1942 das KZ Arbeitsdorf aufgebaut, das jedoch im Oktober 1942 bereits wieder aufgelöst wurde.

Am 1. Juli 1972 wurde die Stadt Fallersleben, die aus dem Landkreis Gifhorn stammt, gemäß dem Wolfsburg-Gesetz in die Stadt Wolfsburg eingegliedert.[4]

 
Fallersleben, Ehmen und Sülfeld um 1892

PolitikBearbeiten

Fallersleben bildet gemeinsam mit dem Stadtteil Sülfeld die Ortschaft Fallersleben-Sülfeld, die durch einen Ortsrat vertreten wird. Ortsbürgermeisterin ist seit 1979 Bärbel Weist (Parteipolitisch Unabhängige Gemeinschaft – P.U.G., bis 1984: CDU).

Organisatorisch zählt ferner die 1938 gegründete Siedlung Ilkerbruch zum Stadtteil. Sie liegt ganz im Norden von Fallersleben, außerhalb der geschlossenen Ortschaft an der Kreisstraße 114 („Nordtangente“) von Wolfsburg nach Gifhorn. Die Siedlung befindet sich zwischen den Naturschutzgebieten Barnbruch und Ilkerbruch.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Schloss Fallersleben ließ Herzog Franz von Braunschweig und Lüneburg im 16. Jahrhundert erbauen. Die Stadt Wolfsburg betreibt darin heute das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum, das das Werk und Leben des Schriftstellers veranschaulicht und auf die Demokratiebewegung in Deutschland zu seiner Zeit eingeht. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ist der berühmteste Sohn Fallerslebens. Er wurde am 2. April 1798 in der Westerstraße 4 geboren. Sein Geburtshaus wird heute als Hotel-Restaurant mit Saalbetrieb (Hoffmann-Haus) geführt und ist im Besitz der Stadt Wolfsburg.
  • Fallerslebens Ortskern ist eine gut erhaltene, von Fachwerkhäusern geprägte Altstadt. Alljährlich wird die historische Altstadt während des sogenannten „Altstadtfestes“ zu einer Festmeile.
  • In Schlossnähe liegt im Schlosspark das Alte Brauhaus (erbaut 1765), das seit den 1980er Jahren ein Lokal ist, in dem Bier gebraut wird.
  • SchwefelBad, eröffnet 1925
  • Feuerspritze der Freiwilligen Feuerwehr Fallersleben aus dem Jahre 1894
  • Alter Wasserturm, heute Sitz des Deutschen Amateur-Radio-Clubs[5]

KirchenBearbeiten

 
Michaeliskirche
 
St.-Marien-Kirche

Die evangelisch-lutherische Michaeliskirche wurde 1805 durch Christian Gottlob Langwagen erbaut, nachdem 1803 ihre Vorgängerkirche größtenteils abgerissen worden war. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen der Landeskirche Hannovers. An der Berliner Straße befindet sich die 1992 eröffnete Kindertagesstätte Michaelis.

Die römisch-katholische Kirche Mutterschaft Mariens, umgangssprachlich auch kurz St. Marien genannt, wurde 1953/54 erbaut. Sie befindet sich an der Herzogin-Clara-Straße (früher Braunschweiger Straße), ihre Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Wolfsburg-Helmstedt im Bistum Hildesheim. Bereits 1929 wurde die katholische Kapelle St. Michael erbaut, sie war das erste katholische Gotteshaus im heutigen Wolfsburger Stadtgebiet nach der Reformation. Sie wurde nach dem Bau der Kirche abgerissen, an ihrer Stelle steht heute das Pfarrhaus mit Pfarrheim. 2005 eröffnete die Pfarrgemeinde eine Kindertagesstätte im Nachbarort Sülfeld.

Die Evangelische Gemeinschaft Fallersleben verfügt über ein von 1981 bis 1983 erbautes Gemeinschaftshaus an der Karl-Heise-Straße, sie gehört über den Ohofer Gemeinschaftsverband zum Bund evangelischer Gemeinschaften. Die Gemeinschaft geht auf das Jahr 1926 zurück. Am 8. Mai 1983 erfolgte die Einweihung des heutigen Gemeinschaftshauses, zuvor besaß die Gemeinschaft ein kleineres Gemeinschaftshaus an der Sandkämper Straße.

Das Christliche Veranstaltungszentrum Wolfsburg befindet sich an der Hafenstraße,[6] es wird von der Oase-Gemeinde Wolfsburg und der Deutsch-Brasilianischen Gemeinde Wolfsburg genutzt.

Die neuapostolische Gemeinde Wolfsburg-Fallersleben gehört zum Kirchenbezirk Braunschweig der Neuapostolischen Kirche Mitteldeutschland. Ein 1904 zugezogenes Ehepaar waren die ersten neuapostolischen Gläubigen in Fallersleben. 1923 wurde die Kirchengemeinde Fallersleben gegründet, ihre Gottesdienste fanden zunächst in Gaststätten statt. 1929/30 wurde die erste Kirche an der Ehmer Straße errichtet, sie wurde 1972 abgerissen. 1971/72 wurde auf demselben Grundstück hinter der ersten Kirche eine neue größere Kirche erbaut die noch heute besteht.[7]

SchulenBearbeiten

Fallersleben hat eine Grundschule mit zwei Standorten: Am Alten Gut 10 ist der Hauptstandort "Glocke" und am Denkmalplatz 1 die "Eule". In der Glocke befindet sich eine Zweigstelle der Musikschule der Stadt Wolfsburg. Weiterhin gibt es ein Schulzentrum mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium.

VerkehrBearbeiten

  • Die Schifffahrt wird am 1934/35 errichteten Hafen Fallersleben abgefertigt.
  • Im Norden des Stadtteils befindet sich der Bahnhof Wolfsburg-Fallersleben.

Personen und PersönlichkeitenBearbeiten

In Fallersleben geborene PersonenBearbeiten

Mit Fallersleben verbundene PersonenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Konrad Hecht: Vorsfelde und Fallersleben. Zur Frage der Erhaltung und Pflege zweier alter Kleinstädte im Gebiet der heutigen Stadt Wolfsburg. Wolfsburg 1975.
  • Gerhardt Seiffert: Bratjen und Klümpe. Die mundartliche Sprache in und um Fallersleben. Ausdrücke, Sprichwörter und Bräuche. Eine Zusammenstellung der mundartlichen Forschungsarbeiten Hoffmanns von Fallersleben in den Jahren 1821 bis 1823. Fallersleben 1981.
  • Theo Bosse: Die Register und Kataster der Ämter Gifhorn, Fallersleben und Isenhagen ab 1563/64. Gifhorn 1988, ISBN 978-3-929632-02-6.
  • Dirk Riesener: Das Amt Fallersleben. Regionalverwaltung des fürstlichen Staates vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. In: Texte zur Geschichte Wolfsburgs. Bd. 22, Braunschweig 1991, ISBN 978-3-925151-50-7.
  • Stadt Fallersleben (Hrsg.): Häuserchronik der Stadt Fallersleben. Ein Versuch von Dr. Richard Müller. Buchdruckerei Just & Seiffert, Fallersleben 1963.
  • Stadt Wolfsburg (Hrsg.): Fallersleben 1930–1972. Von Otto Wolgast. Buchdruckerei Just & Seiffert, Fallersleben 1974.
  • Stadt Wolfsburg (Hrsg.): Hoffmannstadt Fallersleben. Zeitreise durch ein Jahrtausend. Appelhans Verlag Braunschweig, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-941737-38-9. Digitalisat

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. in loco Valareslebo enthält eine konjugierte Form eines etwas anderen richtigen Namens, vielleicht Valaresleb-e oder ähnlich
  2. Regest der Urkunde Regesta Imperii
  3. Cathérine Fischer: Wolfsburgs flügellose Mühle. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 19. April 2018.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.
  5. Deutschen Amateur-Radio-Club e. V.
  6. Internetpräsenz des Christlichen Veranstaltungszentrums Wolfsburg e. V. www.cvz-wob.de
  7. Neuapostolische Kirche Niedersachsen K.d.ö.R., Kirchengemeinde Wolfsburg-Fallersleben (Hrsg.): Chronik der Neuapostolischen Kirche, Gemeinde Wolfsburg-Fallersleben. Wolfsburg 2013.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Fallersleben (Wolfsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien