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Die Falke war ein deutscher Frachtdampfer. Er wurde 1929 zur Unterstützung einer Revolution in Venezuela verwendet und nahm unter dem Namen Ilse Vormauer 1931 an einem Putschversuch in Kuba teil.

Falke p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
andere Schiffsnamen
  • Triton (1914)
  • Selby Abbey (1909)
  • Swift (1903)
Schiffstyp Frachtschiff
Rufzeichen RDPK
Heimathafen Altona (zuletzt)
Bauwerft Earle´s Co., Hull/England
Stapellauf Dezember 1902
Verbleib vermutlich Oktober 1944 vor Havanna gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
77,6 m (Lüa)
Breite 10,2 m
Tiefgang max. 4,6 m
 
Besatzung 32
Maschinenanlage
Maschine Dampf
Maschinen-
leistung
2.200 PS (1.618 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
14 kn (26 km/h)
Propeller 1

Das Schiff wurde in England als Swift für das Unternehmen Hull & Netherland SS.Co. Ltd. in Hull gebaut und 1903 in Dienst gestellt. 1909 wurde es in Selby Abbey umbenannt und war im Passagierdienst zwischen dem Humber und Rotterdam tätig. Im Januar 1911 geriet sie in einem Orkan vor Hoek van Holland auf Grund; ihre Passagiere wurden abgeborgen. Wann der Dampfer wieder flottgemacht wurde, ist unbekannt. 1914 wurde er an Gerhard & Hay in Riga verkauft und in Triton umbenannt. Anfang August 1914 wurde die Triton von den russischen Behörden als Blockschiff im Hafen von Windau (heute Ventspils) versenkt. Im September 1918 wurde sie von den deutschen Behörden gehoben, in Danzig zum Vermessungsschiff umgebaut und in dieser Funktion bis 1921 verwandt. Danach wurde sie aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und ab 1921 zeitweise verchartert.

1927 ging das Schiff an die Kauffahrtei AG in Hamburg, die es in Falke umbenannte. 1928 übernahm das Unternehmen F. Prenzlau & Co. in Hamburg das Schiff. Die Firmeninhaber Felix Prenzlau und Felix Kramarsky waren seit Jahren im internationalen Waffenhandel und -schmuggel tätig. Sie verkauften den Dampfer nach dem gescheiterten Putschversuch in Venezuela (siehe unten) Ende 1929 an den Reeder Vormauer in Bargteheide.

Angetrieben wurde das Schiff von einer Dampfmaschine mit einer Leistung von 2200 PS, die auf eine Schraube wirkte. Als Frachtschiff befanden sich 32 Besatzungsmitglieder an Bord, als Vermessungsschiff wurde es von 48 Mann bedient.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des "Falke-Zwischenfalls"Bearbeiten

Die Falke, Heimathafen Altona, nahm Anfang August 1929 an einem Revolutionsversuch in Venezuela teil. Ziel war der Sturz des seit 1908 regierenden Präsidenten Juan Vicente Gómez.

Das Schiff transportierte von Deutschland bzw. Polen aus sowohl eine Waffenladung für die Revolutionäre als auch die revolutionäre Junta unter General Román Delgado Chalbaud (1882–1929). Am Ende der Reise stieg eine Truppe von Venezolanern zu, welche vor der Küste des Staates Sucre aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Falke in General Anzoategui umbenannt und führte eine venezolanische Revolutionsflagge.

Am 11. August 1929 lief die Falke in den Hafen von Cumaná, der Hauptstadt des Bundesstaats Sucre, ein. Dort wurde ein Landungskorps abgesetzt, dass aus Venezolanern und einigen als Söldner für die Revolutionsjunta angeworben deutschen Schiffsoffizieren und Matrosen bestand. Die örtlichen Behörden waren bereits zwei Tage vorher durch die Regierung in Caracas vorgewarnt worden und das Unternehmen scheiterte bereits im Ansatz.

Da Gefahr bestand, durch die venezolanische Luftwaffe bombardiert zu werden verließ die Falke fluchtartig den Hafen. Der 1. Offizier der Falke, Martin Esser, wurde in dem Gefecht mit den Regierungstruppen abgeschnitten und tauchte zusammen mit anderen Revolutionären für einige Monate in Venezuela unter. Es gelang ihm Ende des Jahres nach Deutschland zurückzukehren.

Die Besatzung forderte die Schiffsführung zum Anlaufen eines Hafens mit einem deutschen Konsul auf und die Falke lief daraufhin Port of Spain auf der Insel Trinidad an. Dort legten die englischen Behörden den Dampfer wegen des von der Regierung Gómez’ erhoben Vorwurfs der Piraterie an die Kette.

Der Falke-Zwischenfall war einer der größten Skandale der deutschen Seefahrtsgeschichte. Er führte in Deutschland zu mehreren Prozessen gegen die Reeder Prenzlau und Kramarsky sowie die Schiffsführung, die wegen Entführung und Menschenraubs angeklagt wurde. In der venezolanischen Geschichte war das Falke-Unternehmen der Höhepunkt der so genannten Filibusterunternehmen gegen die Regierung Gómez, d. h. der Versuch, die Regierung von See her zu stürzen.

EndschicksalBearbeiten

Die Falke wurde Ende 1929 an den Reeder Ernst Vormauer in Bargteheide verkauft und nach seiner Tochter in Ilse Vormauer umbenannt. Im August 1931 war sie an einem Filibuster-Unternehmen gegen den kubanischen Präsidenten Gerardo Machado beteiligt. Das Expeditionskorps bestand aus 37 Rebellen und einer umfangreichen Waffenladung. Sie verließ am 12. August den Hafen von New York und traf am 17. August 1931 vor dem Hafen von Gibara/Provinz Holguín ein. Offenbar wurde sie von einem kubanischen Kanonenboot gestellt und beschlagnahmt.

Die Ilse Vormauer wurde anschließend als Yunque (spanisch: Amboss) in kubanische Dienste gestellt und war in Baracoa registriert. 1935 wurde sie von der kubanischen Regierung übernommen und in Colombia umbenannt. Ab 1937 führte sie Transporte für die kubanische Marine durch. Sie strandete am 18. Oktober 1944 in einem Hurrikan vor Havanna und wurde zum Wrack.

Literarische VerarbeitungBearbeiten

1935 veröffentlichte der deutsche Schriftsteller Albert Daudistel seinen Roman Der Bananenkreuzer in der Deutschen Verlags-Aktiengesellschaft, Berlin. In dem Werk wurde die Venezuela-Expedition der Falke fiktionalisiert; die Falke trägt hierin den Namen Hektor.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  • Cord Eberspächer/Gerhard Wiechmann: Seeräuber, Söldner, Filibustiere? Die „Piratenfahrt“ des Dampfer FALKE nach Venezuela. In: Schiff & Zeit/Panorama maritim. Nr. 70, Herbst 2009, S. 15–27.
  • Dampfer „Falke“ von Altona. Verstoß gegen die Seeschifferpflichten: Beschlagnahme. Seeamt Hamburg, 4. Juni 1930; Reichsoberseeamt 10. Oktober 1930. In: Entscheidungen des Reichsoberseeamts und der Seeämter des Deutschen Reiches. Band XXV, Heft 9 und 10, Berlin 1931, S. 726–754
  • Samuel Pyeatt Menefee: Piracy, Terrorism and Insurgent Passengers. A Historical and Legal Perspective. In: Natalino Ronzitti (Hg.): Maritime Terrorism and International Law. Dordrecht 1990, S. 43–68
  • Brian S. McBeth: Dictatorship & Politics. Intrigue, Betrayal, and Survival in Venezuela, 1908–1935. University of Notre Dame Press, Notre Dame, IND 2008
  • Jorge Olivárria: Gómez: un enigma histórico. Fundación Olivárria, Caracas 2007
  • Die Menschenräuber vom Dampfer „Falke“ vor Gericht. Deutsche Kulis, das beste Kanonenfutter für die Reaktionäre der ganzen Welt. Die Profitgier des Reedereikapitals geht über Leichen. In: Die Rote Fahne vom 10. April 1930
  • Der maskierte „Falke“. Das Ofenrohr als Kanone. Die Zeugenvernehmung. In: Berliner Tageblatt vom 10. April 1930
  • Enthüllungen im „Falke“-Prozeß. Das internationale Netz der Waffenschmuggler. Deutsches Reedereikapital, deutsche Zollbehörden, Berliner Banken, polnisches Kriegsministerium, afghanische Kriegstreiber und der Henker Tschangkaischek arbeiten sich in die Hände. In: Die Rote Fahne vom 11. April 1930
  • Der Verkauf des „Falke“. „Kriegsschiff“ oder Filmschiff. Kapitän Ziplitt durch den Heizer belastet. In: Berliner Tageblatt vom 11. April 1930
  • Der Menschraub mit dem „Falke“. Weitere belastende Zeugenaussagen. In: Berliner Tageblatt vom 12. April 1930
  • Der „Falke“ im Cumana-Putsch. Schilderungen von Schiffsoffizieren. Die ausgebliebene Schifferflotte. In: Berliner Tageblatt vom 15. April 1930
  • Die vorgetäuschte Film-Expedition. Das „Operationsgebiet“ des „Falke“. Eine Äusserung des Reeders. In: Berliner Tageblatt vom 16. April 1930
  • Federico Vega: Falke. Caracas 2005
  • Rafael Osío Cabrices: La nave de los locos („Das Schiff der Verrückten“). In: El Nacional (Caracas) vom 21. Januar 2006
  • Francisco de Paula Aristeguieta: El diario de la montana. La revolucion del Falke („Das Tagebuch der Berge. Die Revolution der Falke“). Cumaná 1988.
  • Otto Mielke: Frachtdampfer „Falke“. Ein tolles Stück. SOS – Schicksale deutscher Schiffe. Band 58, München 1955 (Titelbild und Illustrationen von Walter Zeeden).
  • Stichwort Triton, in: Hans H. Hildebrand/Albert Röhr/Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, Ratingen o. J. [1984], Bd. 7, S. 111.

WeblinksBearbeiten