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Citybügel mit Schaftvorbau
Lenkergriff aus Holz an einem Fahrrad von Laurin&Klement (1890), ausgestellt im Škoda Muzeum

Der Fahrradlenker, schweizerisch auch Guidon, ist (zusammen mit dem Sattel und den Pedalen) einer der drei Kontaktbereiche des Fahrers mit dem Fahrrad. Er hat eine wichtige Funktion bei der Richtungssteuerung, die jedoch keineswegs durch den Lenker allein bewirkt wird (siehe Fahrradfahren).

Der Fahrradlenker besteht im Allgemeinen aus dem eigentlichen Lenkerbügel und einem Vorbau, über den der Lenkerbügel mit der Gabel verbunden wird. Der Lenkerbügel kann mit zusätzlichen Griffpunkten für die Hände erweitert werden, zum Beispiel mit sogenannten Barends. Der Lenkerbügel nimmt neben den Lenkergriffen auch Armaturen (Bremshebel, Schalthebel, Klingel) sowie diverses Zubehör auf (Tacho, Lenkertasche).

Umgangssprachlich ist mit Fahrradlenker oft nur der Lenkerbügel selbst gemeint.

FunktionBearbeiten

Bei der Funktion des Fahrradlenkers ist der Lenkerbügel immer im Zusammenhang mit dem Vorbau zu betrachten. Beide Bauteile überbrücken gemeinsam den Abstand zwischen den Händen des Fahrers und der zu drehenden Fahrradgabel, sind somit für die Sitzhaltung des Fahrers maßgeblich und sollten sich umgekehrt in ihrer Ausführung nach der gewünschten Sitzhaltung richten. Die Form des Lenkerbügels soll dabei ergonomisch korrekte Griffstellen für die Hände ergeben (richtige Lenkerbreite und Winkel der Griffe) und der Vorbau durch seine Abmessungen sicherstellen, dass der Lenkerbügel die richtige Höhe und den richtigen Abstand zum Sattel hat.

 
Das Zusammenspiel von Vorbau und Lenkerbügel …
 
… ergibt Lenker für unterschiedliche Sitzhaltungen und Fahrergrößen

Außer dieser Aufgabenteilung zwischen Lenkerbügel und Vorbau gibt es auch einteilige Fahrradlenker:

  • Aus Kostengründen werden teilweise einfach Vorbau und Lenkerbügel miteinander verschweißt (zum Beispiel bei Den Lenkern einfacher Hollandräder)
  • Aus Gewichts- und Stabilitätsgründen sind hochwertige Fahrradlenker ohne Übergang einteilig gestaltet (zum Beispiel Triathlon-Lenker, sie gibt es komplett aus Kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff „Carbon“)
  • Es gibt auch aus funktionellen Gründen einteilige Fahrradlenker (zum Beispiel verstellbare Lenker).
  • In der Vergangenheit wurden einteilige Fahrradlenker häufig verwendet, vor allem an Tourenrädern.

Lenkereinstellung und KörperhaltungBearbeiten

Bei der Einstellung von Lenker und Vorbau ist zu beachten, dass die richtige Position erst nach längerem Fahren eingeschätzt werden sollte. Unmittelbar erscheint ein hoher, weit vorn positionierter Lenker besonders bequem, weshalb diese Einstellung von vielen Personen bevorzugt wird. Dabei nimmt der Fahrer jedoch eine für den Rücken ungünstige Körperhaltung ein, was sich sekundär auch in Handgelenkschmerzen äußern kann. Zudem wird dabei das Gesäß stark belastet. Ein zu hoch eingestellter Lenker begünstigt die Beckenaufrichtung, die sich beim Radfahren negativ auswirkt.[1] Zudem verringert ein hoher Lenker die Fahrstabilität und damit die Fahrsicherheit. Das Problem besteht insbesondere bei gegenwärtigen Citybikes, deren Rahmengeometrie die ungünstige Körperhaltung zusätzlich unterstützt. Als optimal gilt ein Lenker, dessen Lenkergriffe sich etwa in derselben Höhe wie der Sattel befinden. Ein noch tieferer Lenker ermöglicht zwar eine optimale Kraftentfaltung, jedoch ist dazu eine erhöhte Körperspannung nötig, die nur von trainierten Radfahrern dauerhaft gehalten werden kann.

Bauformen von LenkerbügelnBearbeiten

Der Lenkerbügel stellt die Griffstellen für die Hände zur Verfügung, durch Höhe und Tiefe des Bügels wird im Zusammenspiel mit den Vorbaumaßen aber auch die Höhe und der Abstand der Griffe gegenüber dem Sattel beeinflusst. Man unterscheidet nach (Touren-)Bügeln für eine einzige Sitzhaltung (Holland-, Trekking-, MTB-Lenkerbügel) und Bügeln für mehrere Sitzhaltungen (Rennlenkerbügel, Multifunktionsbügel).

TourenbügelBearbeiten

 
unterschiedliche Lenkerbügel mit jeweils einer einzigen Griffposition („Tourenbügel“)

Bügel für eine einzige Sitzhaltung sind relativ einfach abgewinkelte Stangen mit Griffen an beiden Enden.

  • Bügel für eine sportliche, nach vorn gebeugte Sitzhaltung sind eher gerade und flach. Dadurch vergrößert sich der Abstand zum Sattel, und es wird eine niedrige Höhe über dem Steuerlager beibehalten. Die Handgelenkstellung ist waagerecht, damit die Drucklinie nicht durch den Handballen verläuft, sondern an den Fingeransätzen entlang. Diese Bügel werden oft zu gerade gewählt und erzeugen dadurch Probleme in Schultern und Handgelenken. Ein leichter Winkel sowohl in der Horizontalen als auch vertikal vom Lenkerende hin Richtung Lenkerklemmung leicht ansteigend ist ergonomisch günstiger.
  • Bügel für eine aufrechte Sitzhaltung sind nach oben geschwungen, um einen Höhengewinn zu erzielen. Gleichzeitig sind sie stark nach hinten abgewinkelt, um den Abstand zum Sattel zu verringern. Die Lenkerenden sind leicht abfallend geneigt, damit die Handgelenke in einem entspannten Winkel auftreffen.

Zwischen diesen beiden extremen Lenkerformen finden sich verschiedene Mischformen für die gemäßigten Sitzhaltungen.

MultipositionsbügelBearbeiten

 
Lenkerbügel mit mehreren Griffpositionen: Zwei Multifunktionsbügel und ein Rennlenker (Mitte)

Bügel für mehrere Sitzhaltungen besitzen aufwändigere Biegungen in verschiedene Richtungen und sind meist auf ihrer gesamten Länge gepolstert, damit der Fahrer an jeder beliebigen Stelle greifen kann. Zu dieser Kategorie gehören die klassischen Rennlenker und die aktuelleren Multifunktionsbügel in Form einer liegenden Acht.

Mehrere Griffpositionen sind nicht gleichbedeutend mit unterschiedlichen Sitzhaltungen. Nur diejenigen Griffstellen, die in Richtung der abstützenden Arme liegen, wirken sich auf die Rückenneigung aus (z. B. beim Rennlenker). Liegen die Griffstellen senkrecht zu den Armen (z. B. ein Multifunktionsbügel, der wie ein Autolenkrad montiert ist) ändern sich lediglich die Handgelenk- bzw. die Armstellung, während die Rückenneigung unverändert bleibt.

Bei mehreren möglichen Griffpositionen ist nur eine einzige Position (Hauptposition) mit Armaturen versehen (Bremsen, Schaltung), von allen anderen Stellen aus (Nebenpositionen) muss z. B. zum Bremsen an die Hauptposition umgegriffen werden.

 
Zusätzliche Griffstellen durch Auflieger (links) und Barends (rechts)

Nur selten werden Armaturen über spezielle verzweigte Leitungen mehrfach am Lenkerbügel verteilt montiert.

BügelerweiterungenBearbeiten

 
Zwei Triathleten mit Aerobars

Lenkerbügel können auch durch angeschraubte Zusätze, z. B. die sogenannten Barends, weitere Griffstellen erhalten.

Für extremere Sitzhaltungen sind auch angeschraubte Auflageflächen für die Unterarme üblich.

TriathlonlenkerBearbeiten

Beim Zeitfahren und im Triathlon haben sich seit Mitte der 1980er-Jahre für die Sitzposition auf den Langdistanzen (Ironman-Rennen) die Triathlonlenker mit Aerobars durchgesetzt, die den Athleten mit einer nach vorne gezogenen Verlängerung eine optimale Sitzposition mit weniger Luftwiderstand ermöglichen.[2] Die Arme des Fahrers werden eng zusammengebracht und damit eine noch aerodynamischere Haltung erlaubt. Die Armaturen sind hier im Lenker nach vorne verlegt.

Lenkergriffe/Lenkerband/LenkerbezügeBearbeiten

Für die Hände des Fahrers werden an den vorgesehenen Griffstellen des Lenkers Polsterungen angebracht. Sie verteilen den Druck besser als das blanke dünne Metallrohr, bieten einen sicheren Halt und absorbieren Erschütterungen. Bei einer einzigen Griffstelle werden meist handbreite Griffe aufgeschoben, bei mehreren Griffpositionen über einen längeren Bereich hinweg wird meist gewickeltes Lenkerband oder röhrenförmige Überzüge gewählt.

Lenkergriffe bestehen meist aus Kunststoffen, können jedoch auch, zumindest teilweise, aus Holz, Kork, Schaumstoff oder Leder bestehen. Aufwändigere Exemplare haben Gelpolster-Einlagen. Lenkergriffe mit ringförmigem Querschnitt vergrößern lediglich den Durchmesser des Lenkers. Sie können aber auch oval oder der Handform angepasst sein, um den Druck der Handfläche besser zu verteilen.

Lenkerbänder sind selbstklebende Streifen aus Kunststoff, Textilien, Kork oder Leder, die um den Lenker gewickelt werden. Sie sind in den verschiedensten Farben und Designs erhältlich und oft in ihrer farblichen Gestaltung an das Fahrrad angepasst. Im Profiradsport greifen sie meist das Design des Hauptsponsors auf.

Zum Anbringen des Lenkerbands wird ein kurzes Stück (etwa 5 cm) abgeschnitten, um damit die Klemme des Bremshebels zu verdecken, da dort sonst eine keilförmige Stelle unbedeckt bleibt. Die Wicklung beginnt am offenen Ende des Lenkers, wobei man einen Rand überstehen lässt, der später um die Kante gebogen und mit einem Stöpsel am Lenkerende gesichert wird. Dabei sollte darauf geachtet werden, die Überlappung über die ganze Länge hinweg so gleichmäßig wie möglich zu halten. Um die Bremsgriffe herum wird eine Achter-Schleife gelegt, dann wird zur Mitte hin weitergewickelt.

Die Richtung der Wicklung ist idealerweise so, dass bei einer Rückwärtsdrehung des Lenkers (Zug Richtung Fahrer(in)) das lose Ende der Wicklung eher festgezogen als gelockert wird. Abschließend wird das Ende des Bandes mit Klebeband, zum Beispiel Isolierband, gesichert.

Lenkerbezüge sind meist Schaumstoffröhren, die es in verschiedenen Härten und Oberflächenstrukturen gibt.

Lenkerarten- RennradBearbeiten

Rennradlenker werden zunächst in 3 Grundformen unterschieden: Klassisch, anatomisch und ergonomisch. Der meistverwendete Lenker ist heutzutage der Ergo- Lenker, selten findet man jedoch auch mal die anatomische Variante. Die klassische Version findet man meistens bei Klassikern wie zum Beispiel dem Retro- Rennrad. Bei den Profis ist diese Art von Lenker auch teilweise noch sehr beliebt.

Die drei Grundformen, lassen sich in Weitere Arten unterteilen, wie zum Beispiel dem Kompakt, Track, und dem Randonneur.

  • Klassisch: Er verdankt seinen Namen einer langen Tradition. Meistens wird diese Variante an Rennrädern wie Stahl- oder Retrorennrädern verwendet.
  • Ergonomisch: Die Merkmale von diesem Modell ist zum einen der flachere Drop (Lenkerhöhe) und der weit geöffnete Bogen nach unten hin. Dadurch fördert man eine aufrechtere Sitzhaltung und vermeidet eine Krümmung des Rückens.
  • Anatomisch: Diese Ausführung hat einen gerade ausfallenden Bogen, das soll Komfort bringen, besonders für das Fahren am Unterlenker. Der obere Teil ist sehr flach gehalten und nicht so abgerundet wie gewöhnlich.
  • Kompakt: Seine Eigenschaften sind eine kürzere Reach (Lenkertiefe) und eine niedrigere Drop (Lenkerhöhe). Dadurch wird das fahren am Unterlenker komfortabler und ermöglicht durch seine flache Form eine einfachere Betätigung von Schalt- und Bremshebeln.
  • Track: Diese Lenkerart wurde für die Sitzhaltung von Bahnradfahrern gebaut. Die Mitte am Oberlenker ist hier sehr schmal, weshalb man bei dieser Art von Lenker ebenfalls vorzugsweise am Unterlenker fährt. Diese Variante ist konzipiert um ohne Bremshebel zu fahren, dadurch ist sie auch sehr beliebt bei Fixed- Gear Fahrern.
  • Randonneur: Durch die leichte "U"- Form, wird eine aufrechtere Sitzhaltung ermöglicht und ist besonders gut für lange Strecken geeignet. Früher wurde diese Variante oft in Frankreich bei Tourenrädern genutzt, heute wird sie allerdings nur noch selten genutzt.

MaßeBearbeiten

Lenkerbügelmitte (Manschette)Bearbeiten

Der Manschetten-Durchmesser muss mit dem Maß der Vorbauklemmung übereinstimmen, die den Lenkerbügel festhält. Bei Rennlenkerbügeln sind traditionell, je nach Herstellerfirma, verschiedene Durchmesser ab 25,4 mm aufwärts üblich. Bei allen anderen Fahrradtypen ist ein Durchmesser von 25,4 mm (1 Zoll) vorherrschend, zur Erhöhung der Stabilität haben Mountainbikes auch Durchmesser von 31,8 mm oder 35 mm.

LenkerbügelendenBearbeiten

Der gerade Bereich der Lenkerbügelenden bis zum Beginn der ersten Biegung wird Grifflänge genannt und nimmt alle Armaturen auf (Griffe, Bremshebel, Schalter, Glocke). Allgemein hat sich bei Fahrradlenkern ein Durchmesser von 22,2 mm (7/8") durchgesetzt, der früher übliche Durchmesser von 23,5 mm ist aber weiterhin für Rennbügel Standard.

SicherheitBearbeiten

 
Am Lenkervorbau gebrochener Aluminiumlenkbügel
 
Bruchdetail desselben Lenkbügels

Der Lenkbügel gehört mit zu den sicherheitsrelevanten Teilen am Fahrrad, das heißt, ein Bruch kann (und wird in der Regel) zu schweren Unfällen führen, da das Fahrrad nicht mehr beherrschbar ist. Lenkbügel sind Verschleißteile; um Brüchen vorzubeugen, sollten sie in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden. Dies gilt nicht nur für sportlich genutzte Fahrräder, sondern auch und vor allem für Fahrräder, die im normalen Stadtverkehr genutzt werden. Bei schwergewichtigen Fahrradfahrern sind die Belastungen dort meist höher als bei leichten Sportfahrern. Maximalbelastungen treten auf beim Abbremsen (Gleichlast) und beim Beschleunigen (Wechsellast). Aber schon umgefallene Räder können Kratzer und Kerben in der Lenkeroberfläche erzeugen, die Schwachstellen im Material darstellen und schon bei geringeren Belastungen durch die Folgen der Kerbwirkung versagen. Kerben können auch durch billige und schlecht verarbeitete Lenkervorbauten erzeugt werden.

Um Brüchen vorzubeugen, werden von Herstellern folgende Regeln vorgegeben:

  • Generell sollte beim Lenkbügel nicht auf die Masse geachtet werden. Für den Einsatz in der Stadt und Radeln in der Freizeit ist ein schwererer Stahlbügel auf jeden Fall einem leichten Aluminium- oder Karbonbügel vorzuziehen. Stahl verformt sich bei Überlastung, das heißt, Brüche kündigen sich eher durch Verformungen an. Aluminiumlenkbügel hingegen brechen spröde, das heißt plötzlich und unvorhergesehen.
  • Nicht alle Lenkbügel sind für jeden Einsatz geeignet. Beim Kauf muss deshalb der Einsatzbereich definiert werden.
  • Ein Anbau von Querstreben zur Verstärkung.
  • Keine Kombination von Stahlvorbauten und Aluminiumlenkbügel (Materialmix).
  • Das vom Hersteller angegebene maximale Anziehmoment des Vorbaus darf nicht überschritten werden. Hersteller testen ihre Lenker in der Regel und können für diese Werte die Garantie übernehmen.
  • Beim Transport mit dem Automobil gibt es von Seiten der Hersteller die Empfehlung, Räder nicht kopfüberstehend am Lenkbügel zu befestigen, da die auftretenden dynamischen Kräfte zu Materialermüdung führen können.
  • Bei Beschädigungen müssen Lenkbügel sofort ausgetauscht werden.
  • Strittig ist, ob Lenkerbügel, vor allem in Leichtbauweise, schon nach ~5000 km bzw. zwei Jahren, je nachdem, was früher eintritt, ausgetauscht werden sollen. Seitens der Hersteller und auch Zubehörversender gibt es klare Empfehlungen in dieser Richtung, in der Praxis halten viele Lenkerbügel aus jedem Material problemlos Jahrzehnte. Eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Lenkerbauarten ist angebracht. Der lange Hebelarm eines geraden MTB-Lenkers führt zu höheren Belastungen im Bereich des Lenkervorbaus, als sie bei schmaleren Bauformen auftreten.

Andere sicherheitsrelevante Bauteile am Fahrrad: Sattelstütze, Vorbau, Tretkurbel, Gabel.

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Winkler, Siegfried Rauch: Fahrradtechnik Instandsetzung, Konstruktion, Fertigung. 10. Auflage, BVA Bielefelder Verlagsanstalt GmbH & Co. KG, Bielefeld, 1999, ISBN 3-87073-131-1

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten