Fahrradfahren

Fortbewegung auf einem Fahrrad

Der Ausdruck Fahrradfahren – auch Radfahren oder Radeln, schweizerisch Velofahren – bezeichnet die Fortbewegung auf einem Fahrrad, sei es als Verkehrsmittel oder zudem als Transportmittel, im Radverkehr oder als Radsport, die als Freizeitbeschäftigung, zur Erhaltung der Gesundheit oder als sportlicher Wettkampf bis hin zum Leistungssport betrieben wird.

Radfahrer in den Niederlanden
Radrennfahrer nahe Aviano in Italien
Fahrradkurier in London

PhysikBearbeiten

DynamikBearbeiten

Ohne Eingriffe durch den Fahrer würde ein Rad innerhalb kürzester Zeit umfallen. Der Fahrer hält das System Fahrrad/Fahrer mit kleinen Lenkausschlägen im Gleichgewicht.

GeschwindigkeitenBearbeiten

Die Durchschnittsgeschwindigkeiten beim Fahrradfahren liegen für gewöhnlich bei 10 bis 25 km/h. Ein Fahrrad mit limitierter Tretunterstützung („Pedelec“) unterstützt den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h, bestimmte Modelle sogar bis 45 km/h (S-Pedelec). Bei der Tour de France liegt die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit eines Fahrers bei 41 km/h. Bei Abfahrten werden teilweise Geschwindigkeiten über 100 km/h erreicht. Ohne Höhenunterschiede werden höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten erreicht: Der Stundenweltrekord für normale Fahrräder liegt seit 2005 bei 50 km/h, mit besonders aerodynamischen Fahrrädern bei 56 km/h. Der Geschwindigkeitsweltrekord, der in Bergabfahrt auf einem speziell angefertigten Mountainbike ohne Hilfsantrieb erreicht wurde, liegt bei 223,3 km/h.[1]

Der allgemeine Stundenweltrekord für ausschließlich mit eigener Muskelkraft betriebene Fahrzeuge liegt deutlich über dem Rekord mit einem klassischen Rennrad. Die Französin Barbara Buatois fuhr mit einem vollverkleideten Liegerad am 19. Juli 2009 im US-amerikanischen Romeo eine Strecke von 84,02 km, womit sie als erste Frau eine Strecke von mehr als 80 km in einer Stunde mit einem Liegerad zurücklegte. Den aktuellen Stundenweltrekord der Männer hält der Schweizer Francesco Russo; er fuhr am 26. Juni 2016 im deutschen Klettwitz 92,43 km.[2]

UmweltbedingungenBearbeiten

Neben den sich aus den rechtlichen Aspekten ergebenden Problemen, wie der Radwegebenutzungspflicht und antiquierten Ausrüstungsvorschriften, haben Radfahrer vor allem mit den nachfolgenden Faktoren zu tun:

WetterBearbeiten

Von jeher stellt vor allem das Wetter ein Hauptproblem für den Radfahrer dar. Im Gegensatz zu den Benutzern geschlossener Fahrzeuge ist er dem Wetter ungeschützt ausgesetzt. Zwar gibt es eine große Auswahl an speziellen Wetterschutzbekleidungen, jedoch müssen diese unter Umständen zusätzlich zur normalen Kleidung mitgeführt werden. Die folgenden Witterungseinflüsse machen dem Radfahrer Probleme:

  • Wind: Während zur Fahrtrichtung von hinten wehender Wind (Rückenwind) als angenehm und hilfreich empfunden wird, stellt er sich aber als Problem dar, sobald er aus einer anderen Richtung weht. Vor allem Gegenwind wird als sehr störend empfunden, weil der Radfahrer hier je nach Windstärke sehr viel Energie nur zur Überwindung dieses Windes aufwenden muss. Auch Seitenwind ist ein Problem, weil er geeignet ist, die Fahrspur des Radfahrers entlang der Windrichtung zu verschieben. Besonders bei plötzlich auftretenden Böen kann das sehr gefährlich sein.
  • Kälte: Kälte wird auch von Nichtradfahrern als unangenehm empfunden. Bei Radfahrern kommt jedoch das Problem der zusätzlichen Auskühlung durch den Fahrtwind hinzu, der sog. Windchill. Es genügt nicht, sich nur „warm anzuziehen“. Durch die körperlichen Anstrengungen beim Fahren neigt man zum Schwitzen, die so nassgeschwitzte Kleidung kühlt dann beim Anhalten sehr stark aus. Es besteht die Gefahr von Gesundheitsschädigungen. Zudem behindert dicke Kleidung die beim Radfahren nötige Bewegungsfreiheit. Erst moderne Funktionskleidung schützt den Radfahrer hier effektiv, ohne ihn einzuengen.
  • Nässe (Regen): Regen ist von jeher der „natürliche Feind“ des Radfahrers. Vor allem in Zeiten, in denen Kleidung noch vorwiegend aus Wolle bestand, war die Nässe das Hauptproblem des Radfahrers. Die Kleidung saugte sich mit Wasser voll, wurde schwer, im Falle von Wolle auch sehr kratzig, und durch die Nässe trat noch ein Auskühleffekt ein. Außerdem kann man in nasser Kleidung schlecht am beruflichen oder sozialen Leben teilnehmen. Frühe Versuche von Regenschutzbekleidung (gummierte Kleidung, Ölzeug) waren nur mäßig radfahrtauglich, da die durch die körperliche Anstrengung produzierte Körperwärme ebenso wie der so produzierte Schweiß nicht entweichen konnten. Man hatte also nur die Wahl zwischen regen- oder schweißnasser Kleidung. Auch behindert eine umfängliche Regenschutzbekleidung die nötige Bewegungsfreiheit. Dies kann durch moderne Funktionsbekleidung zwar behoben werden, doch müssen auch modernste Fasern und Membranen einen Kompromiss zwischen Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit eingehen. Das Ergebnis wird von Radfahrern oft als unbefriedigend angesehen.
  • Hitze wird i. d. R. weniger als Problem angesehen, da durch das Radfahren selbst ja ein kühlender Fahrtwind erzeugt wird. Allerdings ist Hitze ein Problem für Berufspendler, die eine bestimmte Arbeitskleidung tragen müssen. Hier ist es nötig, eine der Witterung angepasste Kleidung auf dem Rad zu tragen und die nötige Berufskleidung zusätzlich mitzuführen oder am Arbeitsplatz vorzuhalten.

TopographieBearbeiten

Auch das Bewältigen von besonderen Geländeformen bereitet dem Radfahrer Probleme. Ein einmal in Bewegung versetztes Rad lässt sich in der Ebene leicht und effizient vorantreiben.

  • An Steigungen jedoch muss der Radfahrer sehr viel Kraft aufwenden, um diese Steigung mit dem Gesamtgewicht aus Rad, Fahrer und ggf. Gepäck zu überwinden. Eine Gangschaltung soll dieses Problem lösen, indem sie mittels einer anderen Übersetzung den Kraftaufwand mindert. Jedoch muss dafür schneller getreten werden, was ebenfalls eine gewisse körperliche Leistung abverlangt.
  • Gefälle auf der anderen Seite verlangt von Radfahrer ein hohes Maß an Fahrzeugbeherrschung, da das Rad sehr schnell werden kann. Bei professionellen Radsportveranstaltungen wie etwa der Tour de France erreichen die Radfahrer bei Abfahrten aus dem Gebirge bisweilen Geschwindigkeiten jenseits von 100 km/h. Neben Geschick beim Lenken des Fahrrades sind bei Gefällefahrten also auch gute Bremsen vonnöten. Vor der Erfindung des Freilaufs hatten Radfahrer hierbei noch das zusätzliche Problem, bei schnellen Abfahrten stets die starr mitlaufende Tretkurbel mittreten zu müssen.

GesundheitBearbeiten

GrundlagenBearbeiten

In den letzten Jahren wurden durch die Zunahme des Radfahrens auch vermehrt die medizinischen Aspekte des Fahrradfahrens untersucht. Generell gilt Fahrradfahren als sehr gesund (Herz- und Kreislauftraining)[3] und gelenkschonend.[4][5] Dabei kommt es aber darauf an, eine gute Ergonomie für den gesamten Körper herzustellen. Nicht alle Arten des Radfahrens erreichen dies in gleicher Weise. Untersuchungen unter anderem des ADFC haben ergeben, dass die Haltung auf dem sogenannten Reiserad bei richtiger Rahmengröße und richtigem Sattel die Haltung ist, die der menschlichen Anatomie am stärksten entgegenkommt.[6]

Organismus, Kreislauf, GelenkeBearbeiten

Radfahren übt einen positiven Effekt auf den gesamten Organismus aus, insbesondere auf das Herz-Kreislaufsystem. Radfahren als Sport oder Freizeitbetätigung ist in praktisch jedem Alter möglich und auch für Menschen mit körperlichen Einschränkung oft die einzige durchführbare Sportart, da es sehr gelenkschonend ist. Im Gegensatz zum Laufen etwa müssen die Beine, Knie und Hüfte nicht das Körpergewicht tragen, da der Radfahrer ja sitzt. Ärzte empfehlen oft aus den oben genannten Gründen das Radfahren. Radfahren fördert die Fitness: Die körperliche Leistungsfähigkeit lässt sich mit Radfahren erhöhen (vgl. Radsport).

Körperliche BelastungenBearbeiten

Wichtig ist, beim Fahrradfahren eine möglichst gleichmäßige Belastung der Kontaktpunkte des Fahrers mit dem Fahrrad gemäß der natürlichen Anatomie des Menschen zu erreichen.

Der Fuß trägt mit dem Kontaktpunkt Pedal den größten Teil des Körpergewichtes, und der Fuß ist von Natur auch dafür geschaffen, die Körperlast zu tragen. Um die ergonomischste Rückenhaltung zu erreichen, sollte die Sitzhaltung idealerweise so sein, dass die imaginäre Linie zwischen Schulterblatt und höchstem Punkt des Pedals senkrecht ist.[6] Um eine optimale Versorgung der Füße und eine möglichst geringe Belastung der Knie zu erreichen, sollte die Sattelhöhe so eingestellt werden, dass beim Treten der Pedale am tiefsten Punkt das Bein immer noch leicht angewinkelt ist.

 
Sattel mit Mittelfurche und Schlitz zur Entlastung des Perineums

Als zweitgrößte Belastungszone ist der Kontakt zwischen Gesäß und Sattel anzusehen. Dieser Berührungspunkt kann insbesondere daher problematisch werden, da das menschliche Becken mit seinen Sitzbeinhöckern und dem Schambein (bzw. den Schambeinkufen, auch Schambeinkamm genannt) durch den Kippwinkel des Beckens Auswirkungen auf die Biegung der gesamten Wirbelsäule hat. Somit kann eine falsche Beckenhaltung (z. B. um Missempfindungen aufgrund des Sattels zu vermeiden) zu einer starken Belastung der Wirbelsäule führen.[6] Gleichfalls problematisch wird ein falscher Beckenwinkel auf dem Sattel für den gesamten Beckenbereich, da dieser Bereich stark mit Blut- und Nervenbahnen durchzogen ist, die auf der Innenseite der Oberschenkel liegen und die die unteren Gliedmaße zu versorgen haben. Werden diese Versorgungsbahnen durch ein Aufliegen des Schambeins bzw. der Schambeinkufen / des Schambeinkamms auf dem Sattel längere Zeit eingeengt oder gar gequetscht, können dadurch Schädigungen der entsprechenden Gefäße und Versorgungsbahnen entstehen.[3] Daher ist es notwendig, die Hauptbelastung dieses Kontaktpunktes auf die Sitzhöcker zu bringen und möglichst wenig Druck auf den Bereich der Schambeinkufen, des Damms, der Genitalien und der innenliegenden obersten Teile der Oberschenkel auszuüben.[4][3]

Schließlich bilden die Hände mit dem Lenker den dritten Kontaktpunkt zwischen Radfahrer und Fahrrad. Auch hier sind medizinische Aspekte zu beachten, um eine optimale Blut- und Nervenversorgung der Hände und Finger zu gewährleisten. Dabei spielt die Entfernung des Lenkers zum Gesäß genauso eine wichtige Rolle wie die Lenkerform (Biegung) und die Höhe des Lenkers. Die Arme sollten nicht gestreckt, sondern leicht angewinkelt sein,[7] um Bodenunebenheiten besser abfedern zu können. Der Abstand zwischen beiden Händen (gemessen vom kleinen Finger der einen zum kleinen Finger der anderen Hand) sollte nur unwesentlich den Abstand der Schulterblätter übersteigen.[7] Die Hand sollte die gerade Verlängerung des Unterarms bilden und weder nach oben noch nach unten geknickt werden, um so durch das Handgelenk eine permanente und ungehinderte Blutversorgung der gesamten Hand sicherzustellen. Wird das Gewicht gleichmäßig auf die drei Kontaktpunkte verteilt, entsteht ein zusätzlicher Druckpunkt an der Wirbelsäule zwischen den Schultern, dort wo die Arme ansetzen.

Als grobe Richtlinie sollten die imaginären Verbindungslinien der drei Kontaktpunkte und des Schulterblattes eine Raute darstellen, deren Seiten möglichst etwa gleich lang sein sollten.[6]

UnfälleBearbeiten

 
Anzahl verunglückter Fahrradfahrer in Deutschland
2003 bis 2013

Das normale Radfahren hat keinerlei negative gesundheitliche Effekte. Allerdings sind solche Effekte möglich durch Nebenerscheinungen: Radfahren birgt im Unglücksfall mit Autos und Straßenbahnen ein erhebliches Verletzungsrisiko. Sturztypische Verletzungen sind Läsionen oder auch Frakturen an Hand, Unterarm, Knien und im Bereich der Hüfte sowie der Schulter (Schlüsselbein). Bei Stürzen über den Lenker oder bei hoher Geschwindigkeit können schwere Kopfverletzungen auftreten. Besonders Unfälle, an denen auch motorisierte Verkehrsteilnehmer beteiligt sind, enden für Radfahrer mitunter tödlich.

Vergleiche mit Gehen und LaufenBearbeiten

Radfahren ist in den meisten Fällen zum Transport des eigenen Körpergewichts bioenergetisch effizienter als Gehen und Laufen. Es wird dabei allerdings ein technisches Hilfsmittel benötigt: das Fahrrad.

Ein weiterer Unterschied beruht auf der Art und Weise, wie die jeweils benötigten Muskeln genutzt werden. Die Beinmuskeln müssen bei diesen Fortbewegungsarten den gesamten Körper in einer aufrechten Position halten, ihn heben und senken sowie die Schenkel beschleunigen und verzögern. Demgegenüber ersparen sich Radfahrer diese Energie weitgehend. Im Grund genommen bewegen sich nur die Knie und Schenkel hin und her, die Füße kreisen meist mit konstantem Tempo. Die mit diesen Bewegungen trotzdem verbundenen Beschleunigungen und Verzögerungen erfolgen sehr effektiv. Das jeweils sich hochbewegende Bein muss nicht angehoben werden, sondern es wird durch das sich herunterbewegende Bein über die Tretkurbeln hochgedrückt. Dies ist zunächst ein rein energetisch begründeter Vergleich. Dieser vernachlässigt gegebenenfalls jedoch wesentliche andere Aspekte.

Radfahren ist auf unebenen Untergründen nur bis zu einem bestimmten Grad möglich und die Bewegungsmöglichkeiten dadurch eingeschränkter. Unter naturgegebenen Verhältnissen, zum Beispiel großen Unebenheiten, steilem Gelände oder losem Untergrund, ist Gehen und Laufen effektiver. Ein Vorteil gegenüber dem Gehen und Laufen ist grundsätzlich, dass das eigene Körpergewicht beim Radfahren zur Fortbewegung gerollt und nicht getragen wird.

Im Vergleich der Transportkosten mit anderen technischen Systemen zeigt sich das Fahrrad häufig überlegen, wenn moderne Massentransportmittel wie Eisenbahnzüge und ähnliches ausgeklammert werden.[8]

Erlernen des Radfahrens durch KinderBearbeiten

Kinder erlernen das Laufradfahren meist ohne weiteres Zutun. Der spätere Umstieg vom Laufrad auf das Kinderrad mit Pedalen fällt in der Regel leicht, da sich Fahrverhalten und Balance entsprechen. Die Verwendung von Stützrädern am Kinderrad wird hingegen nicht mehr empfohlen, da es schwierig ist, zu erlernen, das Rad in Richtung des Kurveninneren zu neigen, wenn bereits die Erfahrung gemacht wurde, dass sich ein Rad mit Stützrädern mit entgegengesetzter Neigung durch eine Kurve fahren lässt.[9]

Ein häufiger Grund für den Sturz mit dem Fahrrad ist, dass Kinder nicht mit dem Verlust der Reifen-Haftung auf sandigem oder geschottertem Untergrund rechnen. Es ist ratsam, dass Fahren auf unbefestigten Wegen zu trainieren, indem die Folgen eines blockierenden und bei Kurvenfahrt ausbrechenden Vorder- oder Hinterrads unter kontrollierten Bedingungen vorgeführt werden.

Sportliche AspekteBearbeiten

Als Radsportler bzw. Velosportler wird ein Radfahrer bezeichnet, der Radsport betreibt, also systematisch trainiert und seine körperliche und fahrtechnische Leistungsfähigkeit mit sportlichem Ehrgeiz steigert.

Es können die folgenden Teilaspekte gezielt trainiert und betrieben werden:

  • Ausdauer: Hierzu eignet sich jede Form des Radfahrens
  • Geschick: Neben dem Kunstradfahren eignet sich hier besonders das Cyclocross und Mountainbiken, da es bei diesen Formen des Radfahrens vor allem auf geschicktes und präzises Pilotieren des Fahrrades ankommt.
  • Kraft: In erster Linie übt das Radfahren einen stärkenden Effekt auf die Beinmuskulatur aus, da diese zum Vortrieb des Fahrzeuges eingesetzt wird. Doch auch alle anderen Muskelgruppen erfahren eine Kräftigung, da sie benötigt werden, um das Fahrzeug in der Balance zu halten (vgl. Geschick).
  • Schnelligkeit: Vor allem Radrennfahrer, die sich als Sprinter betätigen, trainieren Ihre Schnelligkeit. Schnelligkeit wird aber auch von anderen Radfahrern trainiert. So dient Schnelligkeit auch beim Mountainbike oder Cyclocross bspw. zum Überwinden kurzer Hindernisse. Schnelligkeit im übertragenen Sinne als „schnelle Reaktion“ wird beim Radfahren insgesamt trainiert (vgl. Geschick).

AusrüstungBearbeiten

gesetzlich vorgeschriebene Ausrüstung

-> Siehe: Fahrrad#Gesetzliche_Bestimmungen

nicht gesetzlich vorgeschrieben, nicht vollständig

Ein Hosenschutz (auch Hosenklammer genannt) schützt bei langen Hosen die Hosenbeine vor der Verschmutzung und davor, dass diese sich in der Fahrradkette verfangen.

Ein Fahrradhelm (schweizerisch auch Velohelm) ist ein Kopfschutz für Radfahrer, der bei einem Unfall die auf den Schädel des Radfahrers einwirkenden Kräfte verringern soll, um so Verletzungen zu verhindern oder abzumildern. Eine Helmpflicht besteht in Deutschland nicht, in Australien, Finnland, Malta, Neuseeland und Südafrika hingegen schon. In weiteren Ländern gibt es zumindest eine teilweise Helmpflicht (z. B. außerorts oder für Kinder).[10]

Eine Warnweste oder sonstige reflektive Bekleidung verbessert die Sichtbarkeit bei ungünstigen Lichtverhältnissen.

KostenBearbeiten

Das Fahrrad als Individualverkehrsmittel birgt gegenüber dem Automobil ein enormes Kostensparpotenzial. Neben dem erheblich geringeren Anschaffungspreis besteht ein erhebliches Sparpotenzial durch die geringen Betriebskosten. Rein theoretisch wäre es möglich, zum Preis einer Tankfüllung eines Kraftwagens der oberen Mittelklasse ein Fahrrad zu erwerben und dieses jahre- bis jahrzehntelang zu betreiben. In der Praxis aber wird dem Vielfahrer oder Berufspendler ein solches Billigrad nicht genügen. Auch muss davon ausgegangen werden, dass ein solches Rad in der täglichen Fahrpraxis nicht die erwünschte jahrzehntelange Haltbarkeit aufweisen wird. Auch wird (vgl. Abschnitt Wetter w.o.) der Vielfahrer vergleichsweise teure Spezialkleidung kaufen wollen, die ihn und/oder die für den Beruf und/oder das Sozialleben notwendige Kleidung vor Witterungseinflüssen zu schützen. Doch auch bei Berücksichtigung dieser Kostenfaktoren verbleibt dem Radfahrer ein erhebliches Sparpotenzial gegenüber einem Kraftfahrzeug: Ein Mittelklassewagen der sogenannten „Golfklasse“ kostete im Jahre 2008 in Deutschland um 30.000 €. Ein Fahrrad der Mittelklasse etwa 800 €, mit 100 € für Spezialkleidung wären dies also 900 €, was in diesem idealisierten Beispiel also nur 3 % des Anschaffungspreises des PKW entspricht. Die weitere, ebenfalls erhebliche Einsparung ergibt sich im Betrieb: Während für das Auto Steuern, Versicherung sowie Kraftstoff und andere Betriebsstoffe gekauft werden müssen, entfällt dies beim Fahrrad gänzlich. Auch sind keine besonderen kostenpflichtigen Untersuchungen des Fahrzeuges (Abgasuntersuchung, TÜV) wie beim Kraftfahrzeug vorgeschrieben. Weitere durch den Betrieb anfallende Kosten, wie etwa durch den Austausch von Verschleißteilen oder Reparaturen, liegen ebenfalls im Bruchteilbereich der Aufwendungen, die für ein Kfz anfallen: Zum Ersten sind die Ersatzteile (s. Anschaffung) erheblich billiger, zum Zweiten unterliegen sie einem geringeren Verschleiß als beim Kfz, da ein Fahrrad mit geringeren Geschwindigkeiten bewegt wird und nur ein Bruchteil eines Kfz wiegt (Rad: 20 kg / PKW: 1.000 kg), wodurch sich geringere mechanische Belastungen ergeben.

UmweltaspekteBearbeiten

Für das Fahrrad spricht, dass für seine Herstellung im Vergleich zu der von Kraftfahrzeugen sehr viel weniger Rohstoffe und Energie aufgewendet werden müssen, also weniger Ressourcen verbraucht werden. Zudem werden zur Fortbewegung mit dem Fahrrad keine weiteren Betriebsstoffe benötigt: Radfahren spart im Schnitt 140 Gramm Kohlendioxid und im Vergleich zu einem Mittelklassewagen mindestens 38 Cent pro Kilometer ein und schont damit gleichzeitig die Umwelt.[11]

Rechtliche AspekteBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

 
Fahrradfahrer bei einer Critical Mass-Fahrraddemo

LiteraturBearbeiten

  • Michael Gressmann: Fahrradphysik und Biomechanik – Technik, Formeln, Gesetze. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-667-11108-1.
  • Sebastian Herrmann: Gebrauchsanweisung fürs Fahrradfahren. Piper, München 2017, ISBN 978-3-492-27692-4.
  • J. Ilundáin-Agurruza u. a. (Hrsg.): Die Philosophie des Radfahrens. Mairisch Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-938539-26-2.
  • Michael Klonovsky: Radfahren. dtv-Verlag, 2006, ISBN 3-423-34289-7.
  • Hans Joachim Schlichting: Zur Gleichgewichtsproblematik beim Fahrradfahren. In: technic-didact. 9/4, 1984, S. 257. (Download 57 kB pdf)
  • Roger Erb: Zum Problem der Stabilität beim Fahrradfahren. In: MNU. 5/54, 2001, S. 279–284. (online)

WeblinksBearbeiten

Commons: Fahrradfahren – Sammlung von Bildern
Wikibooks: Fahrrad fahren lernen – Lern- und Lehrmaterialien
Wiktionary: Fahrradfahren – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Radfahren – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neuer Weltrekord: Eric Barone fährt 223,3 km/h mit dem MTB auf Schnee. In: MTB-News. 30. März 2015, abgerufen am 20. November 2015.
  2. Land – Menś 1 hour standing start (Single Rider). World Human Powered Vehicle Association, abgerufen am 13. September 2016.
  3. a b c V. Huang, R. Munarriz, I. Goldstein: Bicycle riding and erectile dysfunction: an increase in interest (and concern). In: J Sex Med. 2(5), September 2005, S. 596–604. PMID 16422816
  4. a b Radeln bis die Seele jubelt. (Memento vom 22. April 2015 im Internet Archive) auf: orthopaede.com
  5. Fahrrad und Gesundheit. auf: mcgesund.de
  6. a b c d Richtig sitzen. auf: fa-technik.adfc.de
  7. a b Gesunde Bewegung: Fahrradfahren. auf: ahano.de
  8. https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/fachbereich_physik/didaktik_physik/publikationen/fahrradautovergleich.pdf
  9. Auf Stützräder verzichten, Artikel auf der Internetseite ADFC.de des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Abgerufen im März 2021
  10. Fahrradhelm: In welchen Ländern herrscht Helmpflicht? In: Streitlotse. 16. Juli 2018, abgerufen am 16. Juli 2019.
  11. aus: ARD „W wie Wissen“.