Fahrrad- und Metallwerke L. Bauer & Co.

Die Fahrrad- und Metallwerke L. Bauer & Co. in Klein-Auheim waren ein Fahrzeughersteller, der von 1922 Fahrräder und ab 1936 motorisierte Fahrzeuge wie die Bauer Saxonette oder das Motorrad Bauer B 100 produzierte.[1][2][3][4][5]

Rahmendetail
Bauer-Fahrrad, 1961–68
Bauer-Motorrad im Zylinderhaus
Bauer-Motorrad
Bauer-Fahrrad 1961-68, Emblem (2017-08-02).JPG

FirmengeschichteBearbeiten

Das Unternehmen wurde 1911 in Frankfurt-Fechenheim als Metallwarenhersteller gegründet. Mit dem Umzug im Jahr 1914 nach Klein-Auheim erfolgte die entwicklungs- und produktionstechnische Ausrichtung des Warensortiments auf Fahrräder und die dazugehörigen Zubehörteile, insbesondere auf Fahrraddynamos und Lampen, sowie ab 1936 auf Motorräder mit Sachs- und ab 1948 mit Ilo-Motoren. 1936 kam die Bauer B 100 auf den Markt, ein kleines Motorrad mit 98-cm³-Sachs-Motor, 2,25 PS, Zweiganggetriebe und Kickstarter.[6] Während des Zweiten Weltkrieges war Bauer wie viele andere Unternehmen Rüstungsbetrieb und stellte Hüllen für Handgranaten und Panzerfäuste her. Unmittelbar nach dem Krieg begann die Produktion von Kochtöpfen und anderen Haushaltswaren wie auch wieder von Fahrrädern, die bei der in Hanau stationierten US-Army Interesse fanden und in größerer Stückzahl in die USA exportiert wurden. Schon 1947 wurden täglich fast 1000 Fahrräder produziert.[7] 1949 wagte sich Bauer auf das „Gebiet der Motorraderzeugung“ mit der Konfektionierung von Zweiradmodellen über 98 cm³ Hubraum, die mit Sachs- und Ilo-Motoren von 123, 147 und 174 cm³ Hubraum ausgestattet waren.[8] 1952 wurde ein Motorrad mit selbstentwickeltem Einzylinder-Viertaktmotor bekannt, 248 cm³ Hubraum und OHV-Ventilsteuerung, das nicht in Serie ging. Die Weiterentwicklung dieser Konstruktion überstieg die finanziellen Möglichkeiten von Bauer und führte 1953 zum Ende der Motorradproduktion.[9][10]

Im Jahr 1968 meldeten die Bauer-Fahrradwerke Insolvenz an und wurden von Rowenta aufgekauft, die etwa ein Drittel der Belegschaft übernahm und bis 1993 in den Betriebsstätten Metallwaren herstellte.[11][7]

SponsoringBearbeiten

Die Bauer-Fahrradwerke traten bis in die 1950er-Jahre hinein als Sponsor eines eigenen Rennstalles auf und konnten mit den von ihnen unterstützten Fahrern Erfolge erzielen. So gelang es beispielsweise bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 1952 Heinz Müller und Ludwig Hörmann, auf Bauer-Rennrädern den ersten und dritten Platz zu belegen.[11][12]

LiteraturBearbeiten

  • Erwin Tragatsch: Motorräder – Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei 1894–1971. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1971, ISBN 3-87943-213-9.
  • Johann Kleine Vennekate: Kleine Maschinen ganz groß. Motorfahrräder Saxonette Kleinkrafträder. 1930–1955. Schrader Verlag. 1. Auflage 1996. ISBN 3-613-87150-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Fahrrad- und Metallwerke L. Bauer & Co. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. motor-lit: Bauer Saxonette brochure ca. 1939. In: motor-lit. Abgerufen am 24. März 2016.
  2. Sven Becker: Vorgeschichte: Die Saxonette 1937 bis 1940. In: Sven Becker. Abgerufen am 24. März 2016.
  3. KFZ der Wehrmacht: Saxonette. In: KFZ der Wehrmacht. Abgerufen am 24. März 2016.
  4. Beform Versteigerungen: Versteigerung Losnummer 350. In: Beform Versteigerungen. Abgerufen am 14. August 2017.
  5. Johann Kleine Vennekate, S. 20.
  6. Johann Kleine Vennekate, S. 21.
  7. a b Heimatpost Hanau. Abgerufen am 14. August 2017.
  8. Erwin Tragatsch, S. 46.
  9. Erwin Tragatsch, S. 47.
  10. Alle Motorradmodelle von Bauer
  11. a b Holger Hackendahl: Kunststücke in der Kantine. In: op-online.de. 21. Juli 2011, abgerufen am 24. März 2016.
  12. Velo Viles: Bauer Weltmeister Klassisches Rennrad 54,5 cm. In: Velo Viles. Abgerufen am 24. März 2016.