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Fahrnau

Ortsteil von Schopfheim, Baden-Württemberg, Deutschland

Das Dorf Fahrnau im Südschwarzwald ist heute ein Teilort der Stadt Schopfheim. Fahrnau liegt nordöstlich der Schopfheimer Innenstadt.

Fahrnau
Wappen von Fahrnau
Koordinaten: 47° 39′ 41″ N, 7° 50′ 16″ O
Höhe: 390 m
Fläche: 5,6 km²
Einwohner: 3285 (31. Dez. 1990)
Bevölkerungsdichte: 587 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 79650

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Holztafel mit Inschrift in der St.-Agathen-Kirche, um 1720

Als erste urkundliche Erwähnung Fahrnaus wird oft die Schenkung des Edelherren Walcho von Waldeck an das Kloster St. Blasien im Jahr 1113 angegeben.[1] Allerdings erscheint der Name, gemeinsam mit Raitbach, auch in einer zwischen 1086 und 1108 datierten Schenkung.[2] Umstritten ist, ob dies als urkundliche Erwähnung gelten kann.[3]

Bereits 1186 ist in Fahrnau eine der heiligen Agatha geweihte Kirche nachgewiesen. Das Kirchspiel Fahrnau unterstand damals dem Bistum Konstanz und umfasste auch Raitbach, Kürnberg und Schlechtbach. Kurz vor der Reformation verlor die Pfarrei Fahrnau ihre Selbstständigkeit und wurde dem Kirchspiel Schopfheim zugeschlagen. Erst 1920 wurde Fahrnau wieder eine selbstständige protestantische Pfarrei.

Obwohl es der Name vermuten lässt, steht das im 15./16. Jahrhundert erbaute Schloss Ehnerfahrnau (nach anderer Schreibung auch Ehner Fahrnau)[4][5] nicht in Fahrnau, sondern am rechten Ufer des Flusses Wiese auf Schopfheimer Gemarkung (alemannisch: ehne - jenseits[6]) . Erbaut wurde es im Auftrag des Klosters St. Blasien. Spätere Eigentümer waren J.B. Pauli, die Familie Grether und die Familie von Roggenbach.

Bis etwa 1500 gehörten die Gemarkungen Kürnberg und Raitbach zur Gemeinde Fahrnau. Danach wurde Raitbach selbständige Gemeinde,[7] mit Kürnberg als zugehöriger Gemarkung.

Im 19. Jahrhundert wurde Fahrnau zum Arbeiterdorf, in dem sich Arbeiter aus Schwarzwalddörfern ansiedelten, die in der lokalen Industrie (Textil, Schuhfabrik Krafft) Arbeit suchten. Die Bevölkerungszahl verzehnfachte sich so von 1813 (ca. 200 Einwohner) bis 1910 (ca. 2000 Einwohner).

Am 1. Oktober 1934 wurde die Gemarkung Kürnberg wieder der Gemeinde Fahrnau angegliedert.[8]

Zum 1. Juli 1971 erfolgte die (freiwillige) Eingemeindung von Fahrnau in die Stadt Schopfheim.[9]

WappenBearbeiten

In Silber ein roter Dreiberg, auf dessen mittlerer Kuppe vier grüne Farnwedel. Es handelt sich bei dem 1905 angenommenen und 1956 modifizierten Wappen um ein sprechendes Wappen, da es auf den vermuteten Ortsursprung („In einer Aue wachsendes Farnkraut“) hinweist.

SiedlungsstrukturBearbeiten

Fahrnau weist die typische Siedlungsstruktur eines ehemaligen Haufendorfs auf. Das historische Zentrum wird durch eine unregelmäßige Bebauung und Straßenführung, seinem Dorf- beziehungsweise Kirchplatz neben der Kirche und einigen verbliebenen Bauernhöfen geprägt. Eine restaurierte Weberei erinnert an die Industriearchitektur um die Wende zum 20. Jahrhundert hin.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BildungBearbeiten

In Fahrnau befindet sich die Grundschule Fahrnau, die als Grundschulfremdsprache Französisch anbietet. Es gibt dort auch mehrere Kindergärten.

VereineBearbeiten

Es herrscht ein reges Vereinsleben in Fahrnau. Neben Sport- und Musikvereinen sind insbesondere mehrere fasnächtliche Vereine in Fahrnau tätig.

BauwerkeBearbeiten

Bei Fahrnau am Fluss Wiese befindet sich ein am 17. Juli 2002 eröffnetes Wasserkraftwerk. Es ist auf eine Leistung von 420 Kilowatt und eine Jahresarbeit von rund 2,2 Millionen Kilowattstunden ausgelegt.

Im alten Ortskern steht die ehemalige evangelische Kirche St. Agathe aus dem 15. Jahrhundert. Südlich befindet sich die moderne Matthäuskirche aus den 1960er Jahren. Die katholischen Gemeindemitglieder bauten in den 1950er Jahren aus einer alten Fabrikhalle die Kirche Unbefleckte Empfängnis Mariä um.

LiteraturBearbeiten

  • Emil Faller: Ein Lichtgang durch die Vergangenheit des Dorfes Fahrnau. Uehlin, Fahrnau 1957.
  • Friedrich Disch: Studien zur Kulturgeographie des Dinkelberges. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1971.

WeblinksBearbeiten

  • Fahrnau, Webpräsenz des Dorfes Fahrnau
  Commons: Fahrnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. so z. B. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, S. 522; für die Urkunde, siehe Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil I: Edition; Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, Urkunde Nr. 95
  2. Badische Zeitung, 12. April 2013: Fahrnau hat kein Jubiläum, die entsprechende Urkunde ist u. a. zu finden bei Johann Wilhelm Braun (Bearb.): Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Teil I: Edition; Teil II: Einführung, Verzeichnisse, Register, Stuttgart 2003, Urkunde Nr. 49
  3. Markgräfler Tagblatt, 18. April 2013: Fahrnau hat doch ein Jubiläum!@1@2Vorlage:Toter Link/www.verlagshaus-jaumann.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Horst Wolfgang Böhme (Hrsg.): Burgen der Salierzeit. Thorbecke, Sigmaringen 1991. ISBN 3-7995-4134-9.
  5. Landesvermessungsamt Baden-Württemberg und Landesfremdenverkehrsverband Baden-Württemberg (Hrsg.): Schlösser, Burgen, Kirchen, Klöster in Baden-Württemberg. Stuttgart, 1993. Keine ISBN.
  6. Post, Rudolf: Alemannisches Wörterbuch für Baden. Karlsruhe 2010. ISBN 978-3765085345.
  7. http://www.schopfheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=282
  8. http://www.schopfheim.de/ceasy/modules/cms/main.php5?cPageId=248
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 498.