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Fadschr Libiya

Islamistische Organisation

Fadschr Libiya (arabisch فجر ليبيا, DMG Faǧr Lībiyā ‚Morgendämmerung Libyens‘; auch Fajr Libya) war ein islamistisch dominiertes Bündnis verschiedenster Milizen in Libyen, das seinen Schwerpunkt in der Küstenstadt Misrata hatte. Im Zweiten libyschen Bürgerkrieg war sie bis Dezember 2015 sie eine der Hauptgruppierungen.

Oftmals wurde die Gegenregierung in Tripolis unter ihren Namen „Morgendämmerung“ zusammengefasst. Im Dezember 2015 löste sich das Bündnis auf. Der Großteil ihrer Streitkräfte schloss sich Fayiz as-Sarradsch an, ein kleinerer Teil der 3. Regierung um Chalifa al-Ghweil.

Krieg in Libyen

Inhaltsverzeichnis

HintergrundBearbeiten

„Morgenröte“ vereinigt als sehr heterogenes Bündnis teilweise völlig gegensätzliche Gruppierungen wie Islamisten der Muslimbruderschaft aus der Partei für Gerechtigkeit und Aufbau, Berber, Ibaditen, Milizen und europäisch orientierte Kaufleute aus der Handelsmetropole Misrata, säkulare Aktivisten aus der Demokratischen Partei Libyens, aber auch radikale Dschihadisten mit Verbindungen zu al-Qaida.[1][2] Sie gruppiert sich um den Neuen Allgemeinen Nationalkongress und erkennt Nuri Busahmein als Staatsoberhaupt an. Der Allgemeine Nationalkongress wurde von Fadschr Libiya nach der Eroberung von Tripolis wieder als „Neuer Nationaler Kongress“ eingesetzt. Sie soll mit der Miliz Ansar al-Scharia verbündet gewesen sein, die ihren Schwerpunkt in Bengasi hat. Allerdings gibt es Anzeichen, dass beide Gruppierungen miteinander gebrochen haben und Ansar al-Scharia sich mit den Ablegern der Terrororganisation „Islamischer Staat“ vereinigt hat. Dafür spricht, dass Morgenröte am 17. März 2015 bekannt gab, den Anführer von Ansar al-Scharia (Tunesien) Al-Tunisi bei den Kämpfen um Sirte getötet zu haben. Gemeinsam kämpften Teile Fadschr Libiya nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi im Oktober 2011 für die Errichtung eines islamischen Staats in Libyen. Im Dezember 2013 hatte das Parlament bereits die Scharia zur Basis des libyschen Rechts erklärt.

Entwicklung seit 2014Bearbeiten

Im neuen Bürgerkrieg gelang es dem Bündnis von Ende Juli 2014 bis Ende August 2014 den Tripoli International Airport, der etwa 20 km von Tripolis entfernt ist, zu erobern.[3] Anfang September 2014 hatte Fadschr Libiya Libyens Hauptstadt Tripolis weitgehend unter Kontrolle. Besetzt wurden unter anderem die Gebäude der verlassenen US-amerikanischen Botschaft.[4] Nach der Eroberung von Tripolis soll sie schwere Menschenrechtsverletzungen an politischen Gegnern begangen haben.[5] In Tripolis setzte sie eine Parallelregierung unter Führung des islamistischen Politikers Omar al-Hassi ein.[6][7] Der zunächst zurückgetretene Ministerpräsident Abdullah al-Thani, seine Regierung und das Parlament flohen in die ostlibysche Stadt Tobruk.[6] Seit Mitte Dezember 2014 kämpft Fadschr Libiya um die Kontrolle des Ölterminals in as-Sidr.[8] Dort gingen zunächst drei, später fünf Tanks in Flammen auf. Bei Kämpfen um das Ölterminal in Ras Lanuf Ende Dezember 2014 gerieten 6 von 19 Tanks in Brand.[6] Ende Dezember 2014 griffen die Milizen Regierungstruppen bei Sirte an, die dort ein Elektrizitätswerk bewachten.[9] Das libysche Militär bombardierte zugleich Misrata.[10] Seit Februar 2015 wurde sie in schwere Kämpfe mit den Ablegern der Terrororganisation „Islamischer Staat“ verwickelt, die Fadschr Libiya aus Sirte vertreiben und die Stadt erobern konnten. Auch aus an-Nufalija konnten die regionalen IS-Ableger „Morgenröte“ vertreiben. Seit März 2015 gibt es schwere Kämpfe zwischen Morgenröte und dem IS und seinen Verbündeten um die Hafenstadt Sirte.[11] Mitte März soll Morgenröte rund 40 000 Kämpfer verfügen.[12]

Das Milizenbündnis erhält nach mehreren Berichten Unterstützung aus der Türkei, Katar und Waffen aus dem Sudan (von der Military Industry Corporation).[13][14][15] Im Februar 2015 trafen sich Vertreter der „Morgenröte“ mit dem Ukrainischen Außenminister Pawlo Klimkin in Kiew.[16] Beobachter gehen davon aus, dass „Morgenröte“ mit ukrainischer Hilfe Mig-23 Kampfflugzeuge aus Gaddafi Zeiten wieder einsatzfähig machen möchte,[17] Bemühungen, die offenbar zum Erfolg führten. Denn die Allianz scheint eigene Luftstreitkräfte aufgebaut zu haben, die im Februar 2015 die Stadt az-Zintan bombardierten.[18] Seitdem wurden verschiedene Luftangriffe auf Stellungen der Regierung geflogen, so etwa in as-Sidr oder Ras Lanuf.[19]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Morgenröte fasst eine unübersichtliche Zahl Konfliktparteien zusammen.
  2. Libya against itself
  3. Islamistische Kämpfer erobern Flughafen von Tripolis, Spiegel.online
  4. Libysche Regierung verliert Kontrolle über Hauptstadt Wochenblatt.de (Memento des Originals vom 31. Dezember 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wochenblatt.de
  5. Tripoli residents face dilemma after Libya Dawn take control of capital, The Guardian, August 2014
  6. a b c Gigantisches Feuer in Öllager
  7. Libya's ex-parliament reconvenes, appoints Omar al-Hasi as PM, Reuters, August 2014
  8. Die Krokodilstränen der Vereinten Nationen
  9. Libysche Öltanks stehen in Flammen
  10. Kampf ums Öl
  11. Bevölkerung flieht vor Kämpfen in libyscher Hafenstadt Sirte Euronews 16. März 2015
  12. Tunisian ISIS Leader Abu Zakariya al-Tunisi Reportedly Killed In Libya Fighting Near Sirte
  13. Extremisten als Spielverderber, NZZ 22. Februar 2015
  14. Dr. Hardy Ostry u. a.: Der Islamische Staat in Libyen, Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2015, Länderbericht Libyen, pdf, S. 3.
  15. Libya accuses Khartoum of flying weapons to Islamist rebels in Tripoli, The Guardian, 7. September 2014.
  16. Rival Libyan Factions Travel to Kiev and Moscow Seeking Support, Newsweek, 6. Februar 2015
  17. Libya’s arms pursuit illustrates geo-political alignments, al-Arabiya 2. März 2015
  18. Islamist Faction in Libya now strikes from the Sky, New York Times 17. Februar 2015
  19. Libyan forces hit oil ports with air strikes Reuters 3. März 2015