Fachoberschule im technologischen Bereich

technisch orientierte Oberschule in Italien

Die Fachoberschule im technologischen Bereich, auch Technologische Fachoberschule (TFO), ehemals Gewerbeoberschule (GOB) genannt, ist eine technisch orientierte Oberschule in Italien. Die deutschen Bezeichnungen sind in Südtirol üblich.

Im Zuge einer 2011 umgesetzten Reform des italienischen Schulsystems wurden in der Technologischen Fachoberschule folgende ehemalige Fachoberschulformen zusammengefasst: Istituto Tecnico Industriale (ITI), Istituto Tecnico per Geometri (ITG), Istituto Tecnico Agrario (ITA), Istituto Tecnico Aeronautico (ITAER) und das Istituto Tecnico Nautico (ITN). Soweit bei den genannten Abkürzungen noch der Buchstabe “S” für statale oder staatlich hinzukommt, handelte es sich um staatliche Schulen. Nicht alle diese Formen der Fachoberschule waren in Südtirol vorhanden.

Die Technologische Fachoberschule ähnelt der österreichischen HTL als technisches Bildungszentrum der Höheren Bildung.

BildungssystemBearbeiten

Die Fachoberschule im technologischen Bereich ist neben der Fachoberschule im wirtschaftlichen Bereich (WFO) die zweite Art der Fachoberschule.

Die Fachoberschule läuft vom 9. bis zum 13. Schuljahr und ist in 2 Abschnitte gegliedert. Die ersten beiden Jahre (Biennium) werden von allen Schülern gemeinsam belegt, ab dem 3. Schuljahr (Triennium) erfolgt eine Spezialisierung durch die Wahl der Fachrichtung.

Die Ausbildung schließt mit der staatlichen Abschlussprüfung (Matura) und dem Titel Perito industriale ab; in Südtirol wird amtlich dafür auch die deutsche Bezeichnung „diplomierter Gewerbetechniker“ verwendet.[1] Inhaltlich ist die Qualifikation vergleichbar mit dem eines österreichischen Ingenieurs als Absolvent der HTL. Die staatliche Abschlussprüfung berechtigt zum Studium an allen Universitäten, ermöglicht aber auch direkt den Eintritt in die Arbeitswelt. Nach einem Praktikum und einer weiteren staatlichen Fachprüfung (abilitazione) können sich die Absolventen der Gewerbeoberschule in das Berufsalbum (Albo professionale) der Periti industriali einschreiben lassen und ihren Beruf freiberuflich ausüben.[2] Von diesem Perito industriale abilitato ist der Perito industriale laureato zu unterscheiden, der ein dreijähriges Hochschulstudium absolviert hat.

BienniumBearbeiten

In der ersten und zweiten Klasse werden neben den allgemein bildenden Fächern Grundlagen im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich vermittelt. Praktischer Unterricht findet in Werkstatt, Labor und Computerraum statt.

Das Biennium ist landesweit weitgehend einheitlich, nach dem Biennium kann auch auf verwandte Fachrichtungen in den anderen Schulen umgestiegen werden.

TrienniumBearbeiten

Im Triennium wird dann auf den spezifischen Fachbereich der Schule eingegangen.

FachrichtungenBearbeiten

Die Neuordnung der Fachrichtungen sieht vor:

GeschichteBearbeiten

Die erste Gewerbeoberschule war das ITIS “G. & M. Montani” in Fermo (FM), das 1854 von Conte Girolamo Montani gegründet wurde.

Die erste deutschsprachige Gewerbeoberschule war die Gewerbeoberschule “Max Valier” in Bozen, gegründet 1963.

Ab dem Schuljahr 2011/12 wurden die Gewerbeoberschulen im Zuge der italienweiten Oberschulreform in Technologische Fachoberschule umbenannt.[3]

SüdtirolBearbeiten

In Südtirol gibt es folgende Fachoberschulen mit technologischen Bereich (teils ausschließlich, teils mit wirtschaftlichen FOS oder Gymnasien unter einem Dach, einschließlich der italienischsprachigen Schulen):[4]

5 ehemalige Gewerbeoberschulen

Die angebotenen Fachrichtungen sind:[4]

neu (TFO ab 2011/12) Ort/Schule alt (GOB bis 2010/11) Ort
Maschinenbau, Mechatronik und Energie Bozen/“Max Valier” und “G.Galilei”, Bruneck, Schlanders Maschinenbau Bozen, Bruneck
Transport und Logistik Bozen/“Max Valier”(Lg.) und “G.Galilei”
Elektronik und Elektrotechnik Bozen/“Max Valier” und “G.Galilei”, Bruneck, Meran/“Oskar v.Miller” Elektronik und Nachrichtentechnik Bozen, Meran
Elektrotechnik und Automation Bozen
Informatik und Telekommunikation Bozen/“Max Valier” und “G.Galilei”, Brixen/RG Industrieinformatik Bozen, Brixen, Bruneck, Schlanders
Grafik und Kommunikation Brixen/WFO
Chemie, Werkstoffe und Biotechnologie Bozen/“G.Galilei”(U.B.), Bruneck(U.B.), Meran/FOS(B.S.) Chemie Bruneck(U.B.)
Landwirtschaft, Lebensmittel und Verarbeitung Auer
Bauwesen, Umwelt und Raumplanung Bozen/FOB u. “A.e P.Delai”(B.U.R.), Meran/“Oskar v.Miller” Bauwesen Meran
(U.B.) mit Schwerpunkt Umwelt- und Biotechnologie
(B.S.) mit Schwerpunkt Biotechnologie im Sanitätsbereich, und mit Landesschwerpunkt Ernährung
(Lg.) mit Schwerpunkt Logistik
(B.U.R.) mit zwei Schwerpunkten: Umwelt und Raumplanung, Geotechnik

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Amtsblatt Nr. 38/I-II der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol vom 18/09/2012, S. 138.
  2. LEGGE 2 FEBBRAIO 1990, n. 17, MODIFICHE ALL'ORDINAMENTO DEI PERITI INDUSTRIALI (Pubbl. nella Gazzetta Ufficiale n. 35 del 12.02.1990)
  3. Reform der Oberstufe: Die Schulreform online - Beschlüsse und Informationen. In: Schulamt → Schulrecht → Rechtliche Bestimmungen → Reform der Oberstufe. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, abgerufen am 24. Mai 2011.
  4. a b Liste aller Fachoberschulen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Südtirol macht Schule → Die neue Oberstufe → Fachoberschulen. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, ehemals im Original; abgerufen am 24. Mai 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.schulreform.bz.it (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.