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Ezcaray

Ort in der spanischen Region La Rioja
Gemeinde Ezcaray
Ezcaray – Ortsansicht
Ezcaray – Ortsansicht
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Ezcaray
Ezcaray (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: La RiojaLa Rioja La Rioja
Comarca: Ezcaray
Koordinaten 42° 20′ N, 3° 1′ WKoordinaten: 42° 20′ N, 3° 1′ W
Höhe: 813 msnm
Fläche: 142,85 km²
Einwohner: 2.027 (1. Jan. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 14,19 Einw./km²
Postleitzahl: 26280
Gemeindenummer (INE): 26061 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Website: Ayuntamiento de Ezcaray www.ezcaray.org/ Ayuntamiento de Ezcaray

Ezcaray ist ein Ort und eine Gemeinde (municipio) am Oberlauf des Río Oja in der spanischen Region La Rioja mit etwa 2027 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018). Zum municipio gehören mehrere kleine Weiler im Umland: Ayabarrena, Azárulla, Posadas, Turza, Urdanta, Zaldierna und andere, die bereits seit Jahren verlassen sind.

LageBearbeiten

Ezcaray liegt an der Einmündung des Río Ciloria in den Río Oja im äußersten Westen der Provinz La Rioja in einer Höhe von etwa 813 Metern. Gut 57 Fahrtkilometer trennen den Ort von der nordöstlich gelegenen Stadt Logroño; Burgos ist gut 80 Kilometer in westlicher Richtung entfernt. Die am Jakobsweg gelegene Kleinstadt Santo Domingo de la Calzada befindet sich knapp 12 Kilometer nordöstlich.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1960 1970 1981 1991 2001 2010
Einwohner 2506 2052 1710 1704 1854 2098

In der 2. Hälfte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte der Ort stets zwischen 2000 und 4000 Einwohner; infolge der Mechanisierung der Landwirtschaft, der Krise der Textilindustrie und des daraus resultierenden geringeren Arbeitskräftebedarfs ist die Zahl der Einwohner seit der Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich zurückgegangen.

WirtschaftBearbeiten

An erster Stelle im Wirtschaftsleben der Gemeinde steht traditionell die Landwirtschaft und hier vor allem Viehzucht (Schafe, Ziegen, Kühe). In geschützten Lagen wurden früher auch Weizen, Gerste, Kartoffeln sowie Gemüse kultiviert. Bereits im 18. Jahrhundert gab es eine Tuchfabrik, deren imposantes Hauptgebäude heute als Herberge dient. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts spielt der Tourismus eine nicht unbedeutende Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt.

GeschichteBearbeiten

Die Region gehörte vor dem Eingreifen römischer Armeen zum Siedlungsgebiet der keltischen Stämme der Autrigonen und Beronen. Von römischen oder westgotischen Ansiedlungen ist nichts bekannt. In der Zeit der islamischen Beute- und Eroberungszüge entvölkerte sich der Landstrich.

Bereits im 10. Jahrhundert betrieben die Könige von Navarra eine Wiederansiedlungspolitik (repoblación). Im 11. Jahrhundert fiel das Gebiet an García III. von Navarra; nach dem Tod Sanchos IV. von Navarra im Jahre 1076 kam es unter kastilische Herrschaft. Im Jahre 1312 erteilte Ferdinand IV. den Orten am Oberlauf des Río Oja diverse Privilegien (fueros); der Zweck mag gewesen sein, das Gebiet stärker mit Siedlern aus Kastilien zu bevölkern um die Grenze zum benachbarten Navarra zu sichern. Weite Teile der Bevölkerung sprachen damals noch baskisch.

Das Tal des Río Oja erlitt in den Jahren der französischen Besetzung und im Spanischen Unabhängigkeitskrieg arge Verwüstungen, die zu einer jahrelangen Verarmung der Bevölkerung führte. Erst im Frühjahr 1813 wurden die Franzosen aus Ezcaray vertrieben; sie starteten im Juni desselben Jahres einen Gegenangriff, der allerdings zurückgeschlagen werden konnte.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Iglesia Santa María la Mayor
  • Die Kirche Santa María la Mayor wurde im 15. Jahrhundert auf den Fundamenten eines romanischen Vorgängerbaus errichtet. Ihre beinahe fensterlosen Mauern und eine – allerdings ausgesprochen dekorativ gestaltete – Brüstung über dem mit einer Verkündigungsszene geschmückten gotischen Tympanon des Südportals vermitteln ansatzweise den Eindruck eines Festungsbauwerks. Der breit ausladende Westteil mit seinem Renaissanceportal könnte etwas später hinzugefügt worden sein; er verstärkt jedoch den wehrhaften Charakter der Kirche. Die beiden Türflügel des Südportals sind kassettiert und mit diversen Figuren (darunter die Apostel Petrus und Paulus) sowie Vasen- und Blumenmotiven beschnitzt. Das dreischiffige Innere mit einem Querhaus zeigt Sterngewölbe und einen mehrteiligen Altarretabel aus dem 16. Jahrhundert.
 
Textilmanufaktur
  • Unter der Herrschaft Ferdinands VI. gründete dessen erster Minister, der Marqués de la Ensenada, im Jahre 1752 in Ezcaray eine Textilmanufaktur, die wenige Jahre später von Karl III. mit dem Titel Compañía Real de San Carlos y Santa Bárbara de la villa de Ezcaray beehrt wurde. Der Ursprungsbau fiel im Jahre 1785 einem Brand zum Opfer; daraufhin wurde ein neuer – weitgehend schmuckloser – Bau errichtet, der bis zum heutigen Tage steht und seit einigen Jahren als Herberge genutzt wird. Ein zweiter völlig gleichgestalteter Flügel beherbergt das Rathaus (ayuntamiento). Als Baumaterial kamen überwiegend Bruchsteine zum Einsatz; nur die Ecksteine sowie die Tür- und Fenstereinfassungen sind aus Haustein. Beide Gebäude rahmen einen Platz im Zentrum des Ortes.
  • Der Palacio del Ángel ist ein repräsentatives Wohngebäude eines adligen Grundherrn aus dem 18. Jahrhundert. In seine Fassade ist eine Nische mit einer Figur des Erzengels Michael eingelassen; darüber findet sich ein steinerner barocker Wappenschild.
  • Ähnliches gilt für den Palacio de Barroeta.
  • Einige traditionelle Fachwerkhäuser mit zurückgestuftem Erdgeschoss sind ebenfalls sehenswert.
  • Zwei Steinkreuze (Cruz de San Lorenzo und Cruz de San Lázaro) bereichern das Ortsbild.
  • Die Ermita de la Virgen de Allende stammt aus dem 17. Jahrhundert und zeigt eine reiche Ausstattung mit mehreren Altarretabeln und dekorativen Deckenmalereien.
  • Die Ermita de Santa Bárbara steht oberhalb des Ortes auf einem Hügel. Der Glockengiebel über der rechteckigen Apsis dürfte eine spätere Zutat sein.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).