European Bank for Financial Services

Kreditinstitut des britischen Finanztechnologieanbieters FNZ Group mit Sitz in Aschheim

Die European Bank for Financial Services (kurz Ebase, Eigenschreibweise in Kleinbuchstaben) ist ein deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Aschheim bei München.[4] Sie ist auf die Vermögensverwaltung spezialisiert und Investmentdepots für Anleger, die von Kooperationspartnern zugeführt werden.[2] Seit 2019 ist das Unternehmen eine Tochtergesellschaft des britischen Finanzdienstleisters FNZ Group.[5][6]

  European Bank for Financial Services GmbH (ebase)
Logo
Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz Aschheim
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Bankleitzahl 700 130 00[1]
BIC EBSG DEMX XXX[1]
Gründung 2002[2]
Website www.ebase.com
Geschäftsdaten 2018[3]
Bilanzsumme ca. 650 Mio. Euro
Einlagen ca. 500 Mio. Euro
Mitarbeiter > 250
Leitung
Aufsichtsrat Frank Strauß (Vorsitzender)
Unternehmensleitung
  • Kai Friedrich (CEO)
  • Jürgen Keller (CFO)

GeschichteBearbeiten

 
Zentrale von Ebase (2017)

Gegen Ende der 1990er Jahre nahm das Interesse an Wertpapieranlagen deutlich zu. Dabei waren sowohl Direktanlagen, beispielsweise in Aktien, aber auch Investmentfonds zunehmend gefragt.[7] Im Zuge dessen gewann auch die Depotverwaltung von Investmentfonds deutlich an Bedeutung. Gleichzeitig wurde in den Investmentgesellschaften eine Diskussion über die eigene Wertschöpfungskette geführt. Im Ergebnis stellte man fest, dass das Führen von Investmentdepots für die eigenen Fonds künftig keine Kernfunktion einer Investmentgesellschaft bleibt.[8]

Vor diesem Hintergrund kündigte 2001 die Allgemeine Deutsche Investmentgesellschaft (ADIG) die Gründung der European Bank for Fund Services (Ebase) an.[9] Das Unternehmen wurde im März 2002 in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Handelsregister eingetragen und befand sich vollständig im Besitz der ADIG.[10] Der Geschäftsbetrieb startete mit dem rechtlichen Übergang der Bereiche Informationstechnologie und Kundendepotverwaltung der ADIG. Man bot die Dienstleistung eines offenen Investmentdepots fortan Dritten außerhalb der ADIG an.[11]

Kernleistung von Ebase war eine Plattform, welche die Beschaffung, Verwahrung und Verwaltung von Fondsanteilen verschiedener Kapitalanlagegesellschaften in einem einzigen Investmentdepot ermöglichte.[11] Zuvor mussten gerade unabhängige Finanzdienstleister die Anlagen ihrer Kunden in den Depots der Gesellschaften verwalten lassen, deren Fonds sie gekauft hatten. Wenn Fonds unterschiedlicher Gesellschaften gekauft wurden, bedeutete dies einen erheblichen Verwaltungsaufwand, da mehrere Depots bei unterschiedlichen Anbietern parallel bestanden. Ebase löste dieses Problem und vereinfachte dadurch die Abwicklung von Käufen und Verkäufen von Investmentfonds unterschiedlicher Gesellschaften in nur einem Depot.[2][12] Ebase kooperierte beispielsweise mit Maklerpools und Versicherungen. Innerhalb von sechs Monaten verzeichnete die Plattform rund 8.000 Vermittler, die über diese Kooperationspartner angeschlossen waren.[13]

Für den wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb der Investmentdepotführung als Fondsplattform und um Skaleneffekte erzielen zu können, sind sowohl die Anzahl der Depots als auch das verwahrte Volumen wesentliche Faktoren. So begann spätestens 2003 eine Phase der Konsolidierung bei kleinen Fondsplattformen. Gleichzeitig entschlossen sich immer mehr Investmentgesellschaften, ihre Depotverwaltung an eine Fondsplattform zu geben.[14] Ebase sicherte sich dabei eine aussichtsreiche Position, das Unternehmen stieg zur Nummer 2 im Markt auf.[15] 2003 übernahm man beispielsweise die Verwaltung der Depots der Siemens Kapitalanlagegesellschaft und von Credit Suisse Asset Management.[15] 2004 übergab auch die Universal-Investment-Gesellschaft ihre Depotverwaltung an Ebase.[16] 2005 wurde Ebase Depotbank für Fondsprodukte von Vontobel.[17]

Gleichzeitig baute Ebase ihr Angebot im Bereich der fondsrückgedeckten betrieblichen Altersvorsorge aus.[18][19] Das Unternehmen forcierte die Entwicklung von Depots für institutionelle Anleger wie Banken und insbesondere für fondsgebundene Deckungsstöcke von Versicherungen.[4] Außerdem entwickelte Ebase weitere Produkte für Privatkunden wie Tagesgeldkonten, um auch die Liquidität der Anleger aufnehmen zu können.[20] Im Zuge dessen beantragte das Unternehmen 2008 die Geschäftserlaubnis als Einlagen-/Kreditinstitut, kurz Vollbank.[21]

Bis 2008 war Ebase in das Asset Management der Commerzbank eingegliedert. Nach einem weitgehenden Verkauf dieser Aktivitäten wurde Ebase 2009 innerhalb des Commerzbank-Konzerns an die Direktbanktochter Comdirect verkauft.[22]

2010 verlegte Ebase ihren Sitz von Haar bei München ins benachbarte Aschheim.[10] Während der Schwerpunkt zuvor auf der Depotverwaltung für Retailkunden lag, wurde das Angebot um Dienstleistungen für institutionelle Kunden erweitert.[23][24][25] Nach der Anbindung neuer ETF-Anbieter wurden auch Sparpläne und vermögenswirksame Leistungen über ETFs zugänglich gemacht.[4] Ebase entwickelte sich zu einem Vorreiter in diesem Bereich, nachdem Fondsanteile mit mehreren Nachkommastellen abgewickelt werden konnten und somit auch kleine Sparraten darstellbar waren.[26] Außerdem wurde das Leistungsangebot durch die Einführung des allgemeinen Wertpapiergeschäfts einschließlich Wertpapierkrediten ergänzt.[27][4]

Um dem deutlich erweiterten Produktspektrum mehr Rechnung zu tragen, erhielt das Unternehmen 2013 den Namen European Bank for Financial Services.[28] Außerdem startete Ebase 2013 als erster deutscher Anbieter einen Robo-Advisor unter dem Namen Fintego.[29] Dabei handelt es sich um eine ETF-basierte vollständig digitale Vermögensverwaltung,[30] die maßgeblich auf einem intelligenten Algorithmus basiert.[31] Nach der Einführung von Fintego schuf Ebase im Jahr 2016 mit Finvesto ein weiteres innovatives digitales Angebot.[32] Der Fondsmarktplatz für private Investoren hieß bis 2016 Cominvest und wurde durch den Relaunch als Partner für die Geldanlage positioniert.[33][34]

Im Juli 2018 wurde bekannt, dass der britische Finanztechnologieanbieter FNZ Group die European Bank for Financial Services für rund 151 Millionen Euro erwirbt.[35] Die Transaktion wurde ein Jahr später erfolgreich abgeschlossen.[36]

Mitte 2020 kündigte Ebase an, das komplette Wertpapiergeschäft der Augsburger Aktienbank zu übernehmen.[37] Die Migration der etwa 180.000 Depots mit einem Volumen von etwa 17 Milliarden Euro sowie der Abschluss der Transaktion sind für Mitte 2021 vorgesehen.[38] Im Zuge dessen übernimmt das Unternehmen auch Mitarbeiter der Augsburger Aktienbank am Standort Augsburg. Dafür wird neben dem bestehenden Standort in Aschheim ein zweiter Standort in Augsburg geschaffen.

UnternehmensstrukturBearbeiten

Ebase ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht. Gegenstand des Unternehmens sind laut Satzung Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen, einschließlich der Annahme fremder Gelder als Einlagen, der Gewährung von Darlehen sowie der Anschaffung und Veräußerung von Wertpapieren auf eigene und fremde Rechnung.[10] Die Geschäftsführung von Ebase besteht aus Kai Friedrich (Sprecher) und Jürgen Keller.[39]

ProdukteBearbeiten

Das Produktspektrum von Ebase umfasst im Kern Angebote für das Vermögensmanagement, also vom Vermögensaufbau über die Vermögensanlage bis zur gezielten Vermögensentnahme. Dazu gehören beispielsweise Wertpapier-, Investment- und Arbeitszeitdepots sowie Verrechnungskonten. Die Angebote sind White-Label-fähig, sodass die angeschlossenen Kooperationspartner die Möglichkeit haben, diese in ihrem eigenen Look and Feel darzustellen.[40][41]

Ebase positioniert sich als Partner und Dienstleister für digitale Lösungen. Zu den Kunden zählen Finanzvertriebe, Versicherungen, Banken, Vermögensverwalter, Unternehmen und FinTechs. In einem zunehmend digitalen und regulatorisch herausfordernden Umfeld werden die Endkundenprodukte Fintego und Finvesto immer wichtiger, weil Ebase daraus Erkenntnisse für das B2B-Geschäft ableitet.[42]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. a b c Matthias Dezes: Fondsgesellschaft Adig gründet Wertpapierhandelsbank Ebase. Händlerplattform für Verwaltung und Beschaffung. In: Financial Times Deutschland. 22. Oktober 2001, S. 18.
  3. Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2016. European Bank for Financial Services GmbH (ebase). In: Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, 20. Februar 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  4. a b c d Unternehmensprofil. European Bank for Financial Services, abgerufen am 20. Oktober 2017.
  5. Andreas Kröner: Onlinebank Comdirect verkauft Tochter Ebase. In: Handelsblatt. 10. Juli 2018, abgerufen am 18. Juli 2019.
  6. Ebase hat neuen Eigentümer. In: Fonds professionell. 17. Juli 2019, abgerufen am 18. Juli 2019.
  7. Patrick Bernau: Warum kaufen die Deutschen keine Aktien? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 13. Juli 2017, abgerufen am 28. September 2017.
  8. Arnd Thorn: Services – der Schlüssel zum Markterfolg. Zukunft gehört Fondssupermarkt – Dienstleistung Depotverwaltung gewinnt zunehmend an Bedeutung. In: Börsen-Zeitung. 10. November 2001, S. 6.
  9. Adig stellt Produkte zur Altersvorsorge vor. In: Handelsblatt. 1. Oktober 2001, S. 40.
  10. a b c European Bank for Financial Services GmbH (ebase). Amtsgericht München, HRB 141740. In: Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 20. September 2017.
  11. a b Adig-Investment gründet Servicegesellschaft. Plattform Ebase startet mit 1,2 Millionen Fondsdepots. In: Börsen-Zeitung. 16. Oktober 2001, S. 18.
  12. Heike Schwerdtfeger: Wettbewerb auf dem Markt: Fonds zum Schnäppchenpreis. In: Handelsblatt. 10. Juni 2007, abgerufen am 20. September 2017.
  13. Portal integriert fünf Applikationen: Die European Bank for Fund Services hat ihre Serviceplattform überarbeitet. In: Computerwoche. 22. August 2003, S. 27.
  14. Barbara Brandstetter: Harter Kampf um Neukunden: Der Markt der Fondsplattformen wird sich mittelfristig konsolidieren. In: Die Welt. 12. Dezember 2003, S. 8.
  15. a b Ebase übernimmt weitere Investmentdepots. In: Handelsblatt. 11. Dezember 2003, S. 22.
  16. Universal lagert an Ebase aus. In: Börsen-Zeitung. 19. Mai 2004, S. 5.
  17. Postbank arbeitet mit Vontobel. In: Börsen-Zeitung. 1. November 2005, S. 4.
  18. Skandia und Ebase vereinbaren Partnerschaft. Lebensarbeitszeitkonten mit geringem Aufwand. In: Börsen-Zeitung. 6. Oktober 2004, S. 3.
  19. Commerzbank holt Fidelity und Pioneer ins Boot. Plattform Ebase steigt ins Riester-Fondsgeschäft ein. In: Börsen-Zeitung. 4. Juni 2008, S. 4.
  20. Ebase steigt ein ins Tagesgeldgeschäft. In: Börsen-Zeitung. 29. Oktober 2008, S. 5.
  21. Service: Geld-Parkplatz. In: Euro-Finanzen. 1. Dezember 2008, S. 118.
  22. Comdirect kauft Ebase. In: Börsen-Zeitung. 9. April 2009, S. 5.
  23. Comdirect setzt auf Dienste für Unternehmen. Finanzchef Diekmann wittert „ein Riesengeschäft“. In: Börsen-Zeitung. 22. Juni 2012, S. 5.
  24. Brigitte Watermann: Dienstleister für die Profis: Das Geschäft mit Vermögensverwaltern ist für Direktbanken ein wichtiges Standbein. In: Financial Times Deutschland. 3. November 2010, S. 4.
  25. Brigitte Watermann: König Geschäftskunde: Warum Direktbanken ihr Augenmerk auch auf Finanzdienstleister und Vermögensverwalter richten. In: Financial Times Deutschland. 31. Oktober 2011, S. 6.
  26. Ali Masarwah: ETFs auch für Vermögenswirksame Leistungen. In: Morningstar. 14. Mai 2014, abgerufen am 9. Oktober 2017.
  27. Brigitte Watermann: Kredit ohne Schufa. Als Alternative zum Dispo wird der zweckungebundene Wertpapierkredit wenig genutzt. In: Financial Times Deutschland. 22. Juni 2012, S. 23.
  28. Neuer Name für Ebase. In: Börsen-Zeitung. 9. Juli 2013, S. 5.
  29. Digitalisierung in der Vermögensverwaltung. In: GoingPublic Magazin. Abgerufen am 9. Oktober 2017.
  30. Rudolf Geyer: Vermögensverwaltung geht auch digital. Bei Bankgeschäften oder der Depotverwaltung agieren immer mehr Anleger online. Nun können sie sich auch für eine internetbasierte Vermögensverwaltung entscheiden. In: Börse Online. 30. Juli 2015, S. 78.
  31. Joachim Herr: „Es dauert einfach, Vertrauen aufzubauen“. In: Börsen-Zeitung. 24. Februar 2015, S. 3.
  32. Uwe Görler: Direktbank: Aus Cominvest wird Finvesto. In: Extra Magazin. 19. August 2016, abgerufen am 20. September 2017.
  33. Ebase beerdigt Marke Cominvest – Neustart als Finvesto. In: Fonds professionell. 22. August 2016, abgerufen am 20. September 2017.
  34. Fondsplattform: Cominvest wird als „Finvesto“ weiterentwickelt. In: Das Investment. 19. August 2016, abgerufen am 20. September 2017.
  35. ebase mit neuem Eigentümer: Erfolgreicher Kurs wird mit der FNZ Group fortgesetzt. ebase, 10. Juli 2018, abgerufen am 8. August 2018 (Pressemitteilung).
  36. ebase-Übernahme vollständig abgeschlossen. In: AssCompact. 16. Juli 2019, abgerufen am 18. Juli 2019.
  37. Iris Bülow: Augsburger Aktienbank verkauft Wertpapiergeschäft. In: Private Banking Magazin. 2. Juli 2020, abgerufen am 6. August 2020.
  38. Ebase übernimmt Wertpapiergeschäft der Augsburger Aktienbank. In: Fonds professionell. 1. Juli 2020, abgerufen am 6. August 2020.
  39. Neue Geschäftsführung bei Ebase. In: AssCompact. 1. April 2020, abgerufen am 6. August 2020.
  40. Rudolf Geyer: Kleine und mittelgroße Banken suchen Partnerlösungen: Das Herz der Service-Industrie für die Finanzbranche schlägt in München. In: Börsen-Zeitung. 18. April 2015, S. 2.
  41. Rudolf Geyer: Zukunftsfähig durch Kooperationen. In: Börsen-Zeitung. 11. September 2014, S. 5.
  42. Geschäftsbericht 2016. (PDF) Comdirect Bank, S. 20, abgerufen am 20. September 2017.

Koordinaten: 48° 8′ 40,8″ N, 11° 40′ 51,2″ O