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Straßenschild, Europabrunnen Kaisersteinbruch
Brunnenplastik „Zeus entführt Europa“ von Ferenc Gyurcsek[1]

Das Europa-Symposium Kaisersteinbruch ist ein europaweites Bildhauersymposium, das in Kaisersteinbruch durchgeführt wird.

Die „Europa-Symposien“ für Bildhauer wurden vom Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch 1998 begründet, bis 2007 fortgeführt und 2019 mit Belgien fortgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Im Rahmen der 400-Jahr-Feier im Jahr 1990 veranstaltete der Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch ein Symposium für Steinbildhauerei zur Wiederbelebung des Kaisersteines. Gründer und Organisator war der Österreicher Christoph E. Exler. Er konnte den Ungarn Ferenc Gyurcsek und den Rumänen Alexandru Ciutureanu zur gemeinsamen Arbeit gewinnen.[2] Es entstanden drei monumentale Steinskulpturen. Hiermit wollte sich Kaisersteinbruch auf die 1995 geplante Weltausstellung Wien-Budapest vorbereiten, die nach einer Volksbefragung in Wien und Budapest im Jahr 1991 jedoch abgesagt wurde. Daraufhin änderte das Symposium seine Zielsetzung. Bis 1997 beteiligten sich die Bildhauer an der Beseitigung der immer noch nicht vollständig behobenen baulichen Beschädigungen des Ortes durch den Zweiten Weltkrieg.

Europa-SymposiumBearbeiten

1998 wurde Steinmetzmeister Fritz Opferkuh mit einem Plan für die Fertigstellung des Brunnens in der Dorfmitte beauftragt. Der Brunnen wurde zu Ehren der österreichischen Präsidentschaft in der Europäischen Union Europabrunnen genannt.[3]

An der alten Steinmauer, die sich vom Europabrunnen bis zum ehemaligen Pfarrhof hinzieht, wurden bei den jährlich stattfindenden Symposien Skulpturen von Künstlern aus 27 europäischen Ländern angebracht. Um eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen, mussten die Arbeiten als quadratische Platten bestimmter Größe gefertigt werden. Dies war die einzige Vorgabe an die Bildhauer. Die Teilnahme war unabhängig von einer EU-Mitgliedschaft – die Zugehörigkeit zu Europa war das alleinige Kriterium. Der 2001 angelegte Rosengarten verschönte die „Europa-Wand“, die auch als „Mauer der Einheit“ bezeichnet wurde.

Die Organisation erfolgte ab 2002 gemeinsam mit der Paneuropabewegung Österreich. Zu den Symposiumsfesten waren zahlreiche bekannte Persönlichkeiten wie Otto von Habsburg, Erhard Busek, Günther Nenning, der Außenminister der Republik Moldova Andrei Stratan, Wander Bertoni, Štefan Holčík (Vize-Bürgermeister von Bratislava) und Klara Köttner-Benigni eingeladen. Der Paneuropa-Präsident betonte die Besonderheit des Symposiums in Kaisersteinbruch, da auch Länder ohne EU-Mitgliedschaft wie Rumänien und Kroatien an der „Mauer der Einheit“ vertreten waren.[4] Nenning hob hervor, dass Europa nur durch die Vielschichtigkeit der einzelnen Nationen Identität erhalte und bemerkte, „wie die Berliner Mauer einst ein Zeichen der Trennung Europas war, so soll diese Mauer ein Zeichen der europäischen Einheit sein.“[5]

Für die Präsentation wurden über jedem Steinrelief der 27 Länder die Nationalflaggen aufgesteckt. Als Symbol der Verbundenheit der einzelnen Länder gestaltete Ferenc Gyurcsek aus blau-grünem Stein die Flüsse Europas.

Künstler (Auswahl)Bearbeiten

  • Marek Moderau: Der polnische Künstler stellte als Thema die älteste sich auf die Entstehung des polnischen Staates beziehende polnische Urkunde dar.
  • Georg Miks: In der Planungsphase dieses Symposiums – nämlich einen Bildhauer aus „Österreich“ einzuladen – war nicht absehbar, dass die europäischen Staaten aus politischen Gründen Sanktionen gegenüber Österreich verhängten. Diese Tatsache beeindruckte den jungen Künstler Georg Miks aus Breitenfurt. Bei genauer Betrachtung seines Werkes war (versteckt) ein Hakenkreuz zu erkennen.
  • Hugo Marxer: Der Liechtensteiner Bildhauer gestaltete das Relief "Fürstentum Liechtenstein".[6]
  • Andrey Grabrovec: Der Slowenische Bildhauer ist auch unter dem Pseudonym Gaberi bekannt und wurde von Furch im Januar 2001 in Maribor besucht und zeigte einige seiner monumentalen Werke in der Stadt.
  • Stefan Lyutakov: Gemeinsam mit Benedikt von Nursia waren die hier dargestellten Kyrill und Method die Patrone Europas.
  • Adam Williamson: Adam Williamson gestaltete als vielfach ausgezeichneter Bildhauer beispielsweise aus dem Schieferstein der Länderplatte „Vereinigtes Königreich“ im Auftrage des Prinz of Wales eine Gedenkplatte für die Queen Mother.
  • Robert Rocca: Das Thema des Bildhauers Robert Rocca zu Europa: "Vereinigung".
  • Florijan Mićković: Kaisersteinbruch war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fast gänzlich zerstört. Im Museum hängen Bilder aus dieser Zeit. So sieht es in Mostar jetzt aus, stellte der Bildhauer aus Bosnien-Herzegowina (Mostar) bei der Enthüllung seiner Steintafel fest. Auch wenn das Land noch nicht Mitglied der Europäischen Gemeinschaft war, so sollte damit ein symbolisches Zeichen für die Zugehörigkeit dieses Landes zu Europa gesetzt werden.[7]
  • Andrej Tyrtyshnikov: 2007 kam nach mehrjährigem Bemühen eine Zusage der Teilnahme Russlands an dem Projekt. Der Moskauer Bildhauer Andrej Tyrtyshnikov brachte eine Platte in Stein und Bronze mit, die auf der Grundlage einer Handschrift Höhepunkte der russischen Geschichte darstellte. Am Friedhof fand ein feierlicher religiöser Akt unter der Leitung von Archimandrit Georgi, Abt der russisch-orthodoxen Kathedrale in Wien, statt.[8]

Rosengarten beim EuropabrunnenBearbeiten

GalerieBearbeiten




LiteraturBearbeiten

  • Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. 2. Bd. 2004, S. 513–550. ISBN 978-3-9504555-8-8.
  • Klara Köttner-Benigni: Hier geht es um Reden und um Schweigen, ganz persönlich. Text in [1], Fotos von Walter Benigni.
  • Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, ISBN 978-3-9504555-3-3, darin
    • Josef Wolf: Die Geschichte von Kaisersteinbruch. Nr. 43, August 1996, S. 1–36.
    • Josef Wolf: Ein Kaisersteinbrucher Leben (1892–1966), besonders 1938–1955. Sonderdruck 2005.

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. Martfü Állampolgárok Sajtója: … Die Bürger von Kaisersteinbruch haben sich entschlossen, einen Brunnen mit dem Namen „Europa“ zu errichten. Sie haben den Bildhauer Ferenc Gyurcsek, Munkácsy-Preisträger, eingeladen, eine Brunnenplastik aus Marmor zu schaffen … Zeitung der Bürger von Martfü, Ungarn
  2. Gründung des Internationalen Künstlersymposiums Steinbildhauerei Kaisersteinbruch 1990. Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, 2. Bd., 2004, S. 482ff.
  3. Klara Köttner-Benigni: Vergangenheit und Zukunft beschwörend. Zeichensetzung in zwei burgenländischen Gemeinden, Gols und Kaisersteinbruch. In: Pannonia. Magazin für internationale Zusammenarbeit. 26. Jahrgang, Herbst 1999, S. 38–40
  4. Kaisersteinbruch – Europa in Stein gemeißelt. In: Paneuropa Österreich. Nr. 8/2004, S. 18–19.
  5. Europäische Vereinigung in Kaisersteinbruch. In: Eisenstädter Kirchenzeitung. 29. Juni 2003.
  6. Liechtensteiner Vaterland, vom 19. Juni 2001. Ganzseitiger Bericht auf Seite 7.
  7. Zeichen für Bosnien. In: Paneuropa Österreich. Nr. 10/2005, S. 11.
  8. Schreiben von Ursula und Xaver Klingenstein aus Bayern an den Obmann, Weihnachten 2007

Koordinaten: 47° 59′ 17,5″ N, 16° 42′ 6,5″ O