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Eugène Étienne

französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung
Eugène Étienne (1914)
Französische Kolonien 1923 (dunkelblau)

Eugène Napoléon Étienne (geboren am 15. Dezember 1844 in Oran (Algerien); gestorben am 13. Mai 1921 in Paris) war ein französischer Politiker aus der Gruppe der heute allgemein als Pied-noirs („Schwarzfüße“) bezeichneten französischen Siedler in Algerien, der viele politische Ämter bekleidete. Er diente seinem Land unter verschiedenen Regierungen und war französischer Innenminister und wiederholt Kriegsminister der Dritten Französischen Republik (1871–1940).

LebenBearbeiten

Er war Mitglied der Alliance démocratique (Demokratischen Allianz) und zusammen mit Auguste d'Arenberg[1] vor dem Ersten Weltkrieg einer der wichtigsten Führer der Parti colonial[2] („Kolonialpartei“), indem er 1892 die Groupe colonial et des affaires extérieures[3] (Gruppe für Kolonial- und Außenanbeziehungen) der Abgeordnetenkammer (Chambre des députés) organisierte.[4]

Der Historiker Herward Sieberg stellt ihn in folgenden historischen Zusammenhang:

„Nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870-71 brauchte die junge Dritte Republik ein Jahrzehnt zur innerpolitischen Stabilisierung und zum wirtschaftlichen Wiederaufbau. Erst danach konnte Frankreich wieder außenpolitisch wirksam auftreten. Dabei richtete es, nicht zuletzt infolge seiner Isolierung in Europa, seine Energien nach Übersee.[5]

Eugène Étienne war Präsidident der Société Gambetta (Gambetta-Gesellschaft), er war auch Chef der Kolonialpartei (Parti colonial), Gründer und Präsident des Comité de l'Asie française, des Comité de l'Afrique française sowie des Comité du Maroc und übte viele weitere Ämter aus.

Er ist auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben.

Port-Étienne (Nouadhibou) und der Étienne-Fjord wurden nach ihm benannt.

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

  • Eugène Étienne: Les Compagnies de colonisation, Paris 1897, Augustin Challamel[6], éd. (Librairie maritime et coloniale) - Digitalisat bei Gallica (Wiederabdruck einer in Le Temps erschienenen Artikelserie über die Kolonialgesellschaften)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Herward Sieberg: Eugène Etienne und die französische Kolonialpolitik (1887-1904). Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen, 1968 (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte Band 4) (Online-Teilansicht)
  • Marc Lagana: Le Parti colonial français : éléments d'histoire, Presses universitaires du Québec, 1991 (Online-Teilansicht)
  • Hendrik L. Wesseling: Teile und herrsche: die Aufteilung Afrikas 1880-1914, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07543-7 (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte; Bd. 76). (Online-Teilansicht)
  • James Cooke: „Eugène Etienne and the Emergence of Colonial Dominance in Algeria, 1884-1905.“ Muslim World, Volume 65, 1975 (doi:10.1111/j.1478-1913.1975.tb03215.x)
  • Marc Laurent Lagana: Eugène Étienne and the Strategy of Capitalist Expansion: Colonialism and Militarism in the Third Republic, 1881-1918. University of Wisconsin–Madison, 1974
  • Jacques Marseille: France et Algérie, journal d'une passion. Paris: Larousse, 2002

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und FußnotenBearbeiten

  1. fr:Auguste d’Arenberg (französisch)
  2. fr:Parti colonial (französisch)
  3. fr:Groupe colonial et des affaires extérieures de la Chambre des députés (französisch)
  4. Marc Lagana (1991:54).
  5. Herward Sieberg (1968, Vorwort, Anfang)
  6. fr:Augustin Challamel (französisch)