Ettenhausen TG

ehemalige Gemeinde der Schweiz
TG ist das Kürzel für den Kanton Thurgau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Ettenhausenf zu vermeiden.
Ettenhausen
Wappen von Ettenhausen
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Frauenfeldw
Politische Gemeinde: Aadorfi2
Postleitzahl: 8356
Koordinaten: 710040 / 259420Koordinaten: 47° 28′ 35″ N, 8° 53′ 55″ O; CH1903: 710040 / 259420
Höhe: 534 m ü. M.
Fläche: 3.34 km²
Einwohner: 1174 (31. Dezember 2009)
Einwohnerdichte: 351 Einw. pro km²
Website: www.ettenhausen.ch
Ettenhausen

Ettenhausen

Karte
Ettenhausen TG (Schweiz)
Ettenhausen TG
ww

Ettenhausen ist eine ehemalige Ortsgemeinde und eine Ortschaft in der politischen Gemeinde Aadorf im Bezirk Frauenfeld des Kantons Thurgau, Schweiz.

Die Ortsgemeinde Ettenhausen gehörte von 1803 bis 1995 zur Munizipalgemeinde Aadorf.[1] 1996 vereinigte sich Ettenhausen mit den Ortsgemeinden Aadorf, Aawangen, Guntershausen bei Aadorf und Wittenwil zur politischen Gemeinde Aadorf.[2]

GeographieBearbeiten

Ettenhausen grenzt nördlich, östlich und südlich an die früheren Thurgauer Ortsgemeinden Aadorf, Guntershausen und Bichelsee, nach Westen an die Zürcher Gemeinden Elgg und Hofstetten (ZH). Die Fläche der früheren Ortsgemeinde von Ettenhausen umfasst 3,34 km². Der Ort liegt auf 543 m ü. M. Der höchste Punkt ist mit 810 m ü. M. der Haselberg, den tiefsten Punkt markiert die Tänikonerstrasse mit 543 m ü. M.

KlimaBearbeiten

Die mittlere Niederschlagsmenge gemessen in der Wetterstation Tänikon beträgt 1180 mm im Jahr. Regen fällt an 158 Tagen im Jahr, davon sind 81 Sommer- und 77 Wintertage. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 8,2 Grad Celsius. Der kälteste Monat des Jahres ist mit einer mittleren Temperatur von −0,6 Grad Celsius der Monat Januar, der Wärmste mit durchschnittlich 16,9 Grad Celsius der Monat Juli.

GeschichteBearbeiten

 
Ettenhausen im Jahr 1927
 
Gemeindestand vor der Fusion im Jahr 1996

Ettenhausen wurde als Oetenhusen im Jahre 1278 erstmals urkundlich erwähnt. Ettenhausen war ursprünglich Reichsgut (Mark Tänikon) und gehörte Ettenhausen als St. Galler Lehen im 13. Jahrhundert den Herren von Bichelsee. Vom 13. bis 15. Jahrhundert erwarb das nahe Kloster Tänikon sukzessive Güter und Herrschaftsrechte. 1424 wurde seine Gerichtszuständigkeit bestätigt. Bis 1798 blieb das nach seiner Offnung im Jahr 1578 unabhängige niedere Gericht Ettenhausen Teil der Herrschaft Tänikon.[1]

Vor der Reformation gehörte Ettenhausen zur Pfarrei Elgg, nach der Restauration Tänikons 1548–1550 und Rekatholisierung der klösterliche Lehenshöfe ab 1566 zur neuen katholische Pfarrgemeinde Tänikon. 1848 wurde die Pfarrei vom Kloster unabhängig. Die Reformierten sind nach Aadorf kirchgenössig.[1]

Über die Jahrhunderte hinweg wurde in Ettenhausen Getreidebau im Dreizelgensystem und Rebbau betrieben. Im 19. Jahrhundert fand der Übergang zu Vieh- und Milchwirtschaft statt. 1951 bis 1959 erfolgte eine Güterzusammenlegung. Das nicht industrialisierte Ettenhausen ist heute ein bevorzugter Wohnort mit einem sehr hohen Wegpendleranteil, v. a. nach Zürich, Winterthur und Aadorf. Nach 1950 entstanden Einfamilienhausquartiere westlich (Rebberg) und nördlich (Kilchberg, Weidli) des Dorfkerns.[1]

ZeittafelBearbeiten

  • 1253: Erste urkundliche Erwähnung von Iltishausen als Hiltishusen
  • 1278: Erste urkundliche Erwähnung von Ettenhausen als Oetenhusen
  • 1320: Ettenhausen kommt zum Kloster Tänikon
  • 1347: Erste schriftliche Erwähnung des Ettenhauser Weins
  • 1512: Dorfrecht zwischen Ettenhausen und dem Kloster Tänikon
  • 1803–1871: Aus der «Gmeind Ettenhausen» entstehen allmählich die Bürgergemeinde als Körperschaft der am Bürgergut Beteiligten und die Ortsgemeinde als Einwohnergemeinde
  • 1827: Gründung der Primarschulgemeinde Ettenhausen
  • 1840: Bau der Wirtschaft «Schmiede»
  • 1871: Güterausscheidung zwischen der Bürgergemeinde und der Ortsgemeinde
  • 1873: Bau des Gasthofs «Hirschen»
  • 1874: Gründung der Feldschützen als ältester Ortsverein
  • 1880: Gründung der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Ettenhausen-Guntershausen
  • 1887: Eröffnung des Postbüros
  • 1896: Einführung des Telefons in Form einer Gemeindesprechstation
  • 1900: Erstellung der Hochdruck-Wasserversorgung und des Reservoirs
  • 1912: Einführung der Elektrizität auf genossenschaftlicher Basis (Elektra Ettenhausen)
  • 1916: Die letzten Weinstöcke im unteren westlichen Rebberg werden ausgerissen
  • 1922: Brand von je fünf Wohnhäusern und Scheunen in der Zehntenstrasse
  • 1947: Die Holzbau-Unternehmung Paul Baumgartner AG wurde gegründet, der bis heute grösste Arbeitgeber
  • 1951–1959: Güterzusammenlegung (Feld, Wald und Entwässerungen)
  • 1959: Erste Ortsplanung mit Baureglement und Zonenplan; Totalrevision 1980
  • 1969: Einweihung der Schulanlage Weidli
  • 1975: Wiederbepflanzung eines Stücks des einstigen Rebberges durch den Männerchor
  • 1979: Gründung der Antennengenossenschaft Kilberg
  • 1983: Inbetriebnahme der neuen Post
  • 1991: Tod der russischen Schriftstellerin Alja Rachmanowa (* 1898)
  • 1991–1994: Gemeindereorganisation mit vier Abstimmungen, wovon zwei Zufallsresultate
  • 1992: Ettenhausen zählt 1000 Einwohner
  • 1996: Zusammenschluss der Ortsgemeinden Aadorf, Aawangen, Ettenhausen, Guntershausen und Wittenwil zur politischen Gemeinde Aadorf[3]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung der Ortsgemeinde[1]
Jahr 1850 1950 1990
Einwohner 321 395 941

WappenBearbeiten

Die Lilie und die Farben des Ettenhausener Gemeindewappens gehen auf das Kloster Tänikon zurück, das eine weisse Lilie auf blauem Grunde führte.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Louis Hürlimann: Ettenhausen. Ein Gang durch seine Geschichte. 1999

WeblinksBearbeiten

Commons: Ettenhausen TG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e André Salathé: Ettenhausen (TG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  2. 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  3. Geschichte. Auf der Webseite des Einwohnervereins Ettenhausen, abgerufen am 4. Januar 2020