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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Esterwegen
Esterwegen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Esterwegen hervorgehoben
Koordinaten: 53° 0′ N, 7° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Emsland
Samtgemeinde: Nordhümmling
Höhe: 13 m ü. NHN
Fläche: 49,58 km2
Einwohner: 5390 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner je km2
Postleitzahl: 26897
Vorwahl: 05955
Kfz-Kennzeichen: EL
Gemeindeschlüssel: 03 4 54 011
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Poststraße 13
26897 Esterwegen
Website: www.esterwegen.de
Bürgermeister: Hermann Willenborg (UWGE)
Lage der Gemeinde Esterwegen im Landkreis Emsland
NiederlandeLandkreis CloppenburgLandkreis Grafschaft BentheimLandkreis LeerLandkreis OsnabrückAndervenneBawinkelBeestenBockhorstBörgerBreddenbergDersumDörpenDohren (Emsland)EmsbürenEsterwegenFrerenFresenburgGeesteGerstenGroß BerßenHandrupHaren (Ems)HaselünneHeede (Emsland)HerzlakeHilkenbrookHüvenKlein BerßenKluse (Emsland)LähdenLahn (Hümmling)Langen (Emsland)LathenLehe (Emsland)Lengerich (Emsland)Lingen (Ems)LorupLünneLünneMeppenMessingenNeubörgerNeuleheNiederlangenOberlangenPapenburgRastdorfRenkenbergeRhede (Ems)SalzbergenSchapenSögelSpahnharrenstätteSpelleStavernSurwoldSustrumThuineTwist (Emsland)VreesWalchumWerlteWerpelohWettrupWippingenKarte
Über dieses Bild

Esterwegen ist eine Gemeinde und der Sitz der Samtgemeinde Nordhümmling im Landkreis Emsland, die sich im westlichen Niedersachsen in Deutschland befindet.

Die Gemeinde mit rund 5200 Einwohnern hebt sich von den übrigen Gemeinden des freien Hümmlings ab, da in Esterwegen ein Gutshof bestand, die Bauern also zwar nicht leibeigen, aber von einem Gutsherrn abhängig waren.

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich auf dem Gelände der Gemeinde das KZ Esterwegen, in dem u. a. Carl von Ossietzky für einige Zeit interniert war.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung des NamensBearbeiten

In Esterwegen, alte Form Hesterwede oder Hesterwed um 1233, bedeutet das Grundwort witu, wede, auch später zu wege oder wehe entstellt: Holz im Allgemeinen, auch Gestrüpp oder Baum, auch trockenes Holz. In dem Bestimmungswort scheint ein altes Wort zu stecken, das im Nordischen oft vorkommt: hestr für Pferd, im Plattdeutschen des anliegenden Friesisch-Oldenburgischen noch erhalten für Fohlen, z. B. in dem Sprichwort: „He sprink as'n Haister“. Esterwegen ist somit der Name für Gestrüpp, zwischen dem Pferde weideten.

Ein anderer Erklärungsansatz geht von „Heister-wede“ für „Schößlingswald, Knüppelholzwald“ aus. Dabei handelt es sich um einen Wald, in dem junge Schösslinge gezogen werden, die von der Bevölkerung genutzt wurden.[2]

GeschichteBearbeiten

ErsterwähnungBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung von Esterwegen fand im Jahre 1223 statt. Graf Balduin von Bentheim schenkte seine Güter in Hesterwede (Esterwegen) dem heiligen Johannes zum Heil seiner Brüder und Eltern Seele. Der in Esterwegen ansässige Johanniterorden gründete direkt im Anschluss einen Konvent und fing mit dem Bau der Kapelle an, die später zerstört wurde. 1227 willigte Bischof Otto von Osnabrück in die Schenkung des Zehnts an die neu gegründete Kommende ein.

15. und 16. JahrhundertBearbeiten

Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Esterwegen eine unruhige Geschichte: Auf Betreiben des Komturs Heinrich von Hövel wechselte Esterwegen ab 1574 mehrfach das Besitztum: an Margarethe Kottigk, Johannes Schultz, dem Schwiegersohn von Heinrich von Hövel, und ab 1589 an Amos Crumminga zu Loga und Weener. Die Crummingas gehörten zu dieser Zeit zu den bekanntesten Familien des Rheiderlandes. Es handelte sich um eine Herschopp-Familie, die teils den Häuptlingen gleichgeachtet wurden. Es folgten diverse Streitereien, Gerichtsprozesse und sogar der Einsatz der Werlter Schützen, zum Teil unter Mitwirkung des damaligen Drosten des Emslandes, Hermann von Velen sowie des Hümmlinger Richters Bernhard von Langen.

17. und 18. JahrhundertBearbeiten

1625 bot die Witwe Crumminga Esterwegen der münsterischen Regierung zum Kauf an. Allerdings fiel der Besitz teils durch Heirat der Tochter Ida Juliana mit Wilhelm Reinhard von Scheffert, genannt Weisweiler, Erbe und Kauf an die Familie von Scheffert. Im Jahre 1671 wurde Esterwegen an das Erbkämmeramt des Stifts Münster verkauft, begründet 1663 durch Bischof Christoph Bernhard von Galen, und ging 1677 rechtskräftig über. Zugleich wurde das Recht auf Gerichtsbarkeit über Esterwegen übertragen inklusive Todesstrafe. Neben juristischen sind im 17. Jahrhundert besonders die zugleich stattfindenden konfessionellen und kriegerischen Auseinandersetzungen im Dreißigjährigen Krieg zu erwähnen. 1738 erfolgte durch Erbschaft ein Besitzwechsel von Franz Ferdinand von Scheffert auf die mit seiner Magd Adelheid Memering, einer Tochter des Esterwegener Jägers und Waffenmeisters Memering zu Bockhorst, gezeugte Tochter Bernhardine Franziska, später zu einer „von Lixfeldt“ durch Heirat mit dem fürstlichen Thurn- und Taxisschen Oberpostmeister Anselm von Lixfeldt. Alsdann folgten als Eigentümer 1782 die Familie Wüllenweber, 1808 wieder die Familie Scheffert und 1814 Josephine von Exterde.

19. JahrhundertBearbeiten

Am 25. Februar 1803 bekam Esterwegen durch den Reichsdeputationshauptschluss als neuen Landesherrn Ludwig Engelbert von Arenberg. Dieser wurde mit für Gebietsverluste links des Rheins entschädigt. Bereits 1811 wurde das ganze nordwestliche Deutschland dem Kaiserreich Frankreich eingegliedert. 1815 fiel es an das Königreich Hannover, 1866 an das Königreich Preußen. Dem Herzog von Arenberg wurden seine Standesherrschaft zugebilligt und das ehemalige Amt Meppen in die vier „Herrlichkeiten“, stark autonome Gebiete, Aschendorf, Hümmling, Haselünne und Meppen aufgeteilt. 1837 wird Esterwegen urkundlich als Gemeinde erwähnt. Eine Volkszählung im Jahre 1885 ergab für Esterwegen mit Bockhorst und Heidbrücken 240 Wohngebäude mit 1002 Personen, davon 614 Männer und 588 Frauen. 1837 wurde gemäß der Hannoverschen Kommunalverfassung erstmals ein Gemeindevorsteher gewählt.

Das Lager EsterwegenBearbeiten

 
Gedenkstätte Esterwegen

Im Sommer 1933 wurde das KZ Esterwegen im Emsland als eines der ersten Konzentrationslager unter nationalsozialistischer Herrschaft eingerichtet. Das Lager war als Doppellager (Lager II und III) für 2000 politische „Schutzhäftlinge“ konzipiert und zeitweilig nach Dachau das zweitgrößte Konzentrationslager im Deutschen Reich. Das KZ Esterwegen, das ab 1935 von Emeran Schmid geleitet wurde, wurde im Sommer 1936 aufgelöst. Das Lager wurde bis 1945 als Strafgefangenenlager weitergenutzt, in dem auch politische Häftlinge und Nacht-und-Nebel-Gefangene inhaftiert waren.

Nach 1945 diente Esterwegen bis Juli 1947 als Internierungs-/Gefangenenlager der britischen Besatzungsmacht. Von 1953 bis 1959 war es ein Flüchtlingsdurchgangslager; alle ehemaligen Lagergebäude wurden abgetragen. Von 1963 bis 2001 wurde auf der Lagerfläche und dem Vorfeld ein Bundeswehr-Depot betrieben.

2011 wurde unter Nutzung von Depotgebäuden auf dem Gelände eine Gedenkstätte für den gesamten Komplex der 15 Emslandlager und ein Kloster eingerichtet.

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Esterwegen liegt zwischen Papenburg und Löningen auf einem teils bewaldeten bis 39 Meter hohen Geestrücken, dem Esterweger Busch. Die Ortschaft ist umgeben von ehemals ausgedehnten Hochmooren im nördlich Teil der Region Hümmling. Wenige Kilometer südlich befindet sich die Hügellandschaft Hümmling.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden sind im Norden die Gemeinde Bockhorst, im Nordosten die Gemeinden Ostrhauderfehn im Landkreis Leer und die Stadt Friesoythe im Landkreis Cloppenburg, im Südosten die Gemeinde Hilkenbrook und die Gemeinde Lorup in der Samtgemeinde Werlte, im Südwesten die Gemeinden Breddenberg und Surwold.

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Rat der Gemeinde Esterwegen setzt sich aus 17 Ratsleuten zusammen. Die Kommunalwahl vom 11. September 2016 brachte folgendes Ergebnis:[3]

Partei Prozent
2016
Sitze
2016
Sitze
2011
CDU 37,5 6 7
UWG Esterwegen 36,2 6 4
SPD 26,3 5 6

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister von Esterwegen ist seit 1996 Hermann Willenborg (UWG Esterwegen), er wurde 2001, 2006, 2011 und 2016 im Amt bestätigt.[4]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
St. Johanneskirche in Esterwegen

KirchenBearbeiten

  • katholische Kirche St. Johannes Esterwegen
  • evangelisch-lutherisches Martin-Luther-Gemeindezentrum

Museen und GedenkstätteBearbeiten

NaturdenkmälerBearbeiten

  • Moorinfopfad[5]

ErholungBearbeiten

  • Erholungsgebiet Erikasee mit Jugendzeltplatz, Wohnmobilstellplatz und Minigolfanlage.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Heinrich Hanneken (* 1. Mai 1931 in Esterwegen; † 1. April 2018 in Osnabrück), römisch-katholischer Geistlicher und Domherr des Doms St. Peter in Osnabrück

LiteraturBearbeiten

  • Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein… Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929–1945. LIT-Verlag, Münster 2004, enthält u. a. Lager Esterwegen.
  • Ernst Förstemann, Hermann Jellinghaus (Hrsg.): Altdeutsches Namenbuch. Band II, 1 und 2: Ortsnamen, Bonn 1913/1916, Nachdruck: Band II, 2, Hildesheim 1967/1983, ISBN 3-487-01733-4.
  • Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes, in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Ferdinand-Schöningh-Verlag, Paderborn 1929.
  • Lehrerverein der Diözese Osnabrück: Der Kreis Lingen. Beiträge zur Heimatkunde des Regierungsbezirks Osnabrück Heft I. Verlag R. van Acken, Lingen (Ems) 1905.
  • Werner Kaemling: Atlas zur Geschichte Niedersachsens. Gerd-J.-Holtzmeyer-Verlag, Braunschweig 1987, ISBN 3-923722-44-3.
  • Christoph Oberthür, Franz Busche, Franz Barth, Heinrich Dünheuft: Heimatkarte des Kreises Lingen mit statistischen Angaben. Verlag R. van Acken, Lingen (Ems) 1953.
  • Bettina Schmidt-Czaja: Esterwegen 1223 bis 1999 – „Moor und Heide nur ringsum…?“ Verfasst im Auftrag der Gemeinde Esterwegen.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Esterwegen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2017 (Hilfe dazu).
  2. Der Ortsnamenforscher. Recherche von Jürgen Udolph auf NDR 1 Niedersachsen.
  3. Esterwegen Gemeindewahl 2016 am 11.09.2016. Samtgemeinde Nordhümmling, abgerufen am 2. Februar 2017.
  4. Mirco Moormann: Willenborg startet in Esterwegen in fünfte Amtszeit. Neue Osnabrücker Zeitung, abgerufen am 27. April 2017.
  5. Internetseite des Moorinfopfades