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Ernst von Simson

deutscher Jurist und Politiker
Arthur von Weinberg (Cassella)Carl Müller (BASF)Edmund ter Meer (WEILER-ter MEER)Adolf Haeuser (HOECHST)Franz Oppenheim (AGFA)Theodor Plieninger (GRIESHEIM-ELEKTRON)Ernst von Simson (AGFA)Carl Bosch, Vorstandsvorsitzender (BASF)Walther vom Rath (HOECHST)Wilhelm Ferdinand Kalle (KALLE)Carl von Weinberg (CASELLA)Carl Duisberg, Aufsichtsratsvorsitzender (BAYER)
Ernst von Simson (zweiter von links) im Aufsichtsrat der I.G. Farben, 1926

Ernst von Simson (* 7. April 1876 in Berlin; † 7. Dezember[1] 1941 in Oxford) war ein deutscher Jurist, Diplomat und Unternehmer.

Ernst von Simson war ein Sohn des Juristen August von Simson (1837–1927) und der Beate, geb. Jonas, sowie ein Enkel Eduard von Simsons. 1901 heiratete er Martha Oppenheim (1882–1971), eine Tochter Franz Oppenheims und Urenkelin Martin Wilhelm Oppenheims. Das Paar hatte sechs Kinder, darunter Dorothea von Simson (1910–1998), die den Juristen Erckhinger von Schwerin heiratete, den Kunsthistoriker Otto von Simson (1912–1993) und die Malerin Vita Petersen (1915–2011).

Leben und WerkBearbeiten

Ernst von Simson durchlief zunächst eine Karriere im Justizdienst bis zum Landrichter und wechselte 1908 ins Reichsjustizamt, wo er bis zum Vortragenden Rat aufstieg. 1911 wurde er zum ersten Generalsekretär der im selben Jahr gegründeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften bestellt. Ab 1918 war er im neu gegründeten Reichswirtschaftsministerium, ab 1919 im Auswärtigen Amt tätig, zunächst als Ministerialdirektor und Leiter der Rechtsabteilung. In dieser Funktion unterschrieb Ernst von Simson am 10. Januar 1920 das Protokoll der Ratifikation des Versailler Vertrages. 1921/1922 war er Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Er nahm an der Londoner Konferenz 1921, an der Konferenz von Genua 1922 und an den Verhandlungen teil, die zum Vertrag von Rapallo führten.

1922 ließ sich Ernst von Simson in den vorläufigen Ruhestand versetzen und arbeitete fortan für die Agfa und die I.G. Farben. Zu den Mandaten, die er in diesem Zusammenhang wahrnahm, zählte unter anderem die Mitgliedschaft im Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Im November 1929 leitete Ernst von Simson die deutsche Delegation, die mit der französischen Regierung – letztlich ergebnislos – über eine vorzeitige Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland verhandelte.[2] Im selben Jahr trat er der Gesellschaft der Freunde bei. Von 1928 bis 1933 war er Mitglied des Senats der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

1937 wurde Ernst von Simson zur Niederlegung seiner Ämter gezwungen. Im folgenden Jahr emigrierte er nach Großbritannien, wo er seine unvollendet gebliebenen Lebenserinnerungen verfasste. Von Simson besaß eine Bibliothek von ca. 4000 Bänden, die nach seiner Flucht auseinandergerissen wurde. Ein Band aus dieser Bibliothek wurde in der Privatbibliothek von Martin Bormann gefunden.[3]

 
Gedenkstein für Ernst von Simson auf dem Friedhof Dahlem in Berlin, links vom Grabdenkmal des Sohnes Martin Eduard

Ernst von Simson starb 1941 im Alter von 65 Jahren in Oxford. Ein Gedenkstein in Form einer Grabstele erinnert an ihn auf dem Friedhof Dahlem in Berlin. Als Inschrift wurden Verse von Achim von Arnim aus dessen unvollendetem Werk Die Kronenwächter gewählt:

Gib Flügel dann und einen Hügel Sand,
Den Hügel Sand im lieben Vaterland,
Die Flügel schenk dem abschiedschweren Geist,
Dass er sich leicht der schönen Welt entreisst.

Der Gedenkstein steht links vom Grabdenkmal für den früh verstorbenen Sohn Martin Eduard von Simson (1909–1928). Das von Theodor Georgii geschaffene Kalksteinrelief an der Vorderseite zeigt ein Elternpaar, das Abschied von seinem Sohn nimmt.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Georg Simson, Singuna von Simson (Hgg.): Ernst von Simson (1876-1941). Erinnerungen, Berlin: Jonas'sche Familienstiftung 2009.
  • Dieter Neitzert: Das Amt zwischen Versailles und Rapallo. Rückschau des Staatssekretärs Ernst von Simson. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 60, 2012, S. 443–490.
  • Norbert Gross: Ernst von Simson: im Dienste Deutschlands: von Versailles nach Rapallo (1918–1922), Karlsruhe: Verlag der Gesellschaft für Kulturhistorische Dokumentation 2013 (Schriftenreihe des Rechtshistorischen Museums Karlsruhe; 28) ISBN 978-3-922596-93-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ernst von Simson in der Online-Version der Edition Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik
  2. Doris Pfleiderer: Deutschland und der Youngplan. Die Rolle der Reichsregierung, Reichsbank und Wirtschaft bei der Entstehung des Youngplans. Diss., Universität Stuttgart 2002. S. 260.
  3. Charlet Flauaus: Der NS-Funktionär und seine private Bibliothek. Die Bücher des Reichsleiters Martin Bormann in der Universitätsbibliothek Mainz. In: Bibliotheksdienst, Jg. 52, 2018, Heft 6, S. 455–480, hier: S. 473–474.
  4. Hans-Jürgen Mende, Debora Paffen: Friedhof Dahlem und St.-Annen-Kirchhof. Ein Friedhofsführer. Edition Luisenstadt, Berlin 2007, ISBN 978-3-936242-11-9, S. 46–47.