Ernst Schmidheiny (Industrieller, 1871)

Schweizer Industrieller und Politiker

Ernst Schmidheiny, auch Ernst I. (* 1. April 1871 in Heerbrugg; † 15. März 1935 auf der Sinai-Halbinsel) war ein Schweizer Industrieller und Politiker, der zur Familiendynastie Schmidheiny gehört.

LebenBearbeiten

Ernst Schmidheiny wurde im Schloss Heerbrugg als Sohn von Jacob Schmidheiny und der Elise Schmidheiny, geb. Kaufmann aus dem Toggenburg, geboren. Er kam 1935 bei einem Flugzeugabsturz in der Wüste Sinai ums Leben. Zuerst besuchte er die Kantonsschule St. Gallen, im Anschluss die Handelsschule Neuenburg. Er hatte Sprachaufenthalte in Italien und England. Schmidheiny heiratete 1896 Vera Kluster, die Tochter eines Bankier. Mit ihr gebar er zwei Töchter, Vera-Lydia und Marie-Luis, sowie zwei Söhne Ernst Schmidheiny und Max Schmidheiny.

Für Ernst Schmidheiny stand zu Beginn seiner Tätigkeit die Aufgabe der Preisregulierung im Vordergrund. Mithilfe von Kartellierungen der von Schmidheiny geführten Ostschweizer Ziegeleien mit den 1912 zusammengeschlossenen fünf Zürcher Ziegeleien und der Festigung der Berufsorganisation[1]: S. 38 gelang es unter Einfluss des Ersten Weltkriegs ab Mitte der 1910er Jahre, eine Verständigung zu erzielen, die „zwischen den ostschweizerischen und zürcherischen Ziegeleien“[2]: S. 38, so der Wortlaut eines Protokolls der Generalversammlung von 1915, „seit Jahren unter der Leitung weitsichtiger Männer organisiert“ sei. Seit 2012, zum 100-jährigen Firmenjubiläum, heisst die Firma Zürcher Ziegeleien aufgrund ihrer vielfältigen, diversifizierten Beschäftigungsfelder Conzzeta. 1916 trat Ernst Schmidheiny als Delegierter der Zürcher Ziegeleien zurück, da ihn seine Unterhändlertätigkeit mit Handelsverträgen während des Ersten Weltkrieges zu sehr beanspruchte.

WirtschaftBearbeiten

Schmidheiny trat in die väterliche Ziegelei ein, ab 1902 war er Teilhaber. Zusammen mit seinem Bruder Jacob leitete er die Ziegelei seines Vaters. Ernst gründete 1904 die Weinbaugenossenschaft Balgach[3] und begründet damit das Interesse am Weinbau, das bis heute in der Familie angehalten hat.[4] Zusammen mit seinem Bruder gründete er 1906 die Schulgemeinde Heerburrg.[3] Er gründete die rheintalische Zementfabrik Rüthi AG. 1910 war er Mitbegründer des Zementkartell Eingetragene Genossenschaft Portland. Von 1912 bis 1925 war er Vizepräsident des Verwaltungsrats Zürcher Ziegeleien. Präsident der Finanzgesellschaft Holderbank Financière Glarus AG war er 1930.

PolitikBearbeiten

Im St. Galler Kantonsrat saß er von 1905 bis 1918 für die Freisinnig-Demokratische Partei. Im Nationalrat war er von 1911 bis 1919. Leiter des schweizerischen Büros für Kompensation war er von 1914 bis 1917.

Auszeichnungen und TitelBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jakob Bösch: Drei Schmidheiny: Jacob Schmidheiny, Ernst Schmidheiny, Jacob Schmidheiny. (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 32). Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 1979.
  • Walter de Gruyter: Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 9. K.G. Saur Verlag GmbH & Company, 2008, ISBN 978-3-11-096502-5, S. 924.
  • Hans O. Staub: Von Schmidheiny zu Schmidheiny. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 61. Meilen : Verein für Wirtschaftshistorische Studien, 1994, ISBN 978-3-909059-07-2, S. 208.
  • François Höpflinger: Das unheimliche Imperium: Wirtschaftsverflechtung in der Schweiz. Eco-Verlag, 1980, ISBN 978-3-85637-026-8, S. 270.
  • Paul Emil Usteri (1853–1927): Urteile der ersten und oberen Instanz in der Strafsache des Herrn Nationalrat Ernst Schmidheiny in Herrbrugg, Klägers gegen Otto Peter, Kaufmann, in Bukarest, Angeschuldigten wegen Verleumdung und Ehrverletzung, Buchdruckerei E. Löpfe-Benz, Roschach 1919

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jakob Brüschweiler-Wilhelm: Vom Bauernjungen zum Großindustriellen: Kantonsrat Jakob Schmidheiny. Friedrich Reinhardt, Basel, 2. Aufl. 1908
  2. Jakob Bösch: Drei Schmidheiny: Jacob Schmidheiny, Ernst Schmidheiny, Jacob Schmidheiny. (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 32). Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 1979
  3. a b Naturschutzgebiet Höchstern. (PDF) Milly Hug, abgerufen am 23. Dezember 2013.
  4. BESUCH IM WEINGUT SCHMIDHEINY, HEERBRUGG. (PDF) Swiss International Club, 30. August 2013, abgerufen am 23. Dezember 2013.