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Der Verlag Ernst & Sohn ist eine Tochter der Verlagsgruppe Wiley-Blackwell mit Sitz in Hoboken (New Jersey). Ernst und Sohn wurde 1851 von Wilhelm Ernst und Heinrich Korn in Berlin gegründet und zählt zu den führenden Fachverlagen für Bauingenieure im deutschsprachigen Raum. Standort des Verlags ist seit der Gründung Berlin. Zum Programm gehören 10 Fachzeitschriften, 4 davon in englischer Sprache, sowie Sonderhefte und zahlreiche deutsch- und englischsprachige Bücher und verschiedene Datenbanken und Websites. Seit 1988 wird der Ingenieurbaupreis für herausragende Leistungen der Baukunst vergeben.

Inhaltsverzeichnis

ProdukteBearbeiten

BücherBearbeiten

Der Beton-Kalender, Jahrgang 1906, ist das bedeutendste Werk der Verlagsgeschichte. Das Buchprogramm hält, in print und elektronisch, zu allen Bereichen der Bauingenieurspraxis Fachinformation bereit: Stahlbeton- und Stahlbau, Tragwerksplanung und -berechnung, Bauphysik, Geotechnik, Bau-Management und Normung ebenso wie zu "Spezialisten" wie Verkehrs- und Sportstättenbau oder Wasserbau.

Bekannt sind neben dem Beton-Kalender auch die anderen jährlichen Publikationen wie der Mauerwerk-Kalender, der Stahlbau-Kalender und der Bauphysik-Kalender, mehrbändige Standardwerke wie das Holzbau-Taschenbuch und das Grundbau-Taschenbuch sowie Monografien zu Einzelthemen. Eines der bekanntesten englischsprachigen Werke ist Neuferts Architects' Data, das 2012 bereits in der 4. Auflage erschien.

Langjährige Kooperationen mit Gesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik (DGGT) oder der International Federation for Structural Concrete (fib) führen zu Gemeinschaftsprojekten wie den Titeln fib Model Code for Concrete Structures 2010, EA Pfähle – Empfehlungen des Arbeitskreises Pfähle, Empfehlungen des Arbeitsausschusses Ufereinfassungen (EAU), Empfehlungen des Arbeitsausschusses Baugruben (EAB) und EBGEO – Recommendations for Design and Analysis of Earth Structures using Geosynthetic Reinforcements oder Titeln aus der ECCS-Reihe wie z. B. Design of cold-formed steel structures. Von 1877 bis 1998 erschien im Verlag die vom Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) herausgegebene Buchreihe Berlin und seine Bauten.

ZeitschriftenBearbeiten

Zeitschriften-Klassiker wie die Bautechnik und Beton- und Stahlbetonbau prägen die Branche bereits seit über 100 Jahren. Heute gehören 10 Fachzeitschriften zum Programm. Sie präsentieren ausschließlich wissenschaftlich begutachtete Beiträge und sind seit 2007 ISI-zertifiziert.

Die englischsprachigen Zeitschriften Geomechanics and Tunnelling, Steel Construction –Design and Research, Structural Concrete sowie Mauerwerk – European Journal of Masonry richten sich an Fachleute aus aller Welt. Vier Zeitschriften erscheinen in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Verbänden: Structural Concrete (offizielles Organ der fib International Federation for Structural Concrete), Steel Construction (Mitgliederzeitschrift der ECCS – European Convention for Constructional Steelwork), geotechnik (Organ der DGGT – Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V.) sowie Geomechanics and Tunnelling (Mitgliederzeitschrift der ÖGG, der Österreichischen Gesellschaft für Geomechanik). Mehr als 27.000 Aufsätze und Berichte aus allen Zeitschriften seit 1967 hält die Artikeldatenbank von Ernst & Sohn bereit. Diese und weitere Beiträge sind darüber hinaus in die Datensammlung von John Wiley & Sons, Wiley Online Library (WOL), eingebettet. WOL ist eine interdisziplinäre, wissenschaftliche Sammlungen mit Zugang zu mehr als 4 Millionen Artikeln aus mehr als 2000 Werken. Die Website momentum ist an ein breites Publikum adressiert und beinhaltet sowohl Fach- als auch Panorama-Artikel.

GeschichteBearbeiten

Wilhelm Ernst & Sohn, Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, wurde 1851 in Berlin von Wilhelm Ernst (1814–1894), der 1850 den Reimarus Verlag und die Buch- und Kunsthandlung von Gropius in Berlin und Potsdam übernahm, und Heinrich Korn (1829–1907), der eine Druckerei einbrachte, gegründet. Korn verließ 1880 die Teilhaberschaft. Die 1827 gegründete Gropiussche Buchhandlung gehörte zur Künstler- und Architektenfamilie Gropius. Die Gründer waren die Brüder Carl, Ferdinand und Friedrich George Gropius, deren Vater mit Karl Friedrich Schinkel befreundet war.

Mit den Titeln Zeitschrift für Bauwesen (ab 1851, Auflage 13.000) und Zentralblatt der Bauverwaltung (ab 1881, Auflage 5.000) hatte Ernst & Sohn die damals führenden Fachzeitschriften für Bauingenieure im Programm.[1] Die Initiative zur Gründung kam von der preußischen Bauverwaltung und dem Architektenverein. Das Zentrum der Bauforschung in Berlin war die Bauakademie von Schinkel und auch der Verlag hatte bis 1877 dort seinen Sitz (danach in der Wilhelmstraße 90 nahe dem Architektenhaus). Hinzu kam die Architekturzeitschrift Architektonisches Skizzenbuch, Die Denkmalpflege (ab 1899) und das Ingenieurs-Handbuch Die Hütte (vom gleichnamigen 1846 gegründeten Verein an der Berliner Gewerbeakademie gegründet), das Ernst und Sohn bis 1971 herausgab.

1891 trat der Sohn von Wilhelm Ernst in den Verlag ein, Georg Eberhard Ernst (1852–1902). Der Verlag hieß daraufhin Wilhelm Ernst und Sohn. Georg Eberhard Ernst übernahm nach dem Tod von Wilhelm Ernst 1894 den Verlag. Stark ausgebaut wurde der Verlag durch Georg Ernst (1880–1950), der 1902 nach dem Tod seines Vaters Georg Eberhard Ernst den Verlag übernahm. Er baute den Verlag besonders auf dem Gebiet des aufkommenden Stahlbetons aus, wobei er mit Friedrich von Emperger, einem Pionier auf diesem Gebiet, zusammenarbeitete. 1904 wurde die 1901 in Wien von Emperger gegründete Zeitschrift Beton und Eisen (später Beton- und Stahlbetonbau) übernommen, 1905 erschien der Beton-Kalender (ebenfalls auf Initiative von Emperger entstanden) und 1908 erschien das Handbuch für Eisenbetonbau. Ab 1910 kamen die Heft des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (damals noch Eisenbeton) hinzu. 1923 erschien das erste Heft der Bautechnik und 1928 von Stahlbau (als Beilage zur Bautechnik und ab 1952 selbständig). Die Bautechnik wurde gegründet, nachdem der Verlag 1922 aufgrund der Inflation und Unstimmigkeiten mit Behörden (die Mitherausgeber waren) die Zeitschriften Zentralblatt für Bauverwaltung, Zeitschrift für Bauwesen und Die Denkmalpflege aufgab. Stattdessen sollte eine neue Zeitschrift alle Aspekte der Bautechnik abdecken.

Schon im 19. Jahrhundert veröffentlichten berühmte Bauingenieure im Verlag (z. B. Johann Wilhelm Schwedler, Heinrich Müller-Breslau, Christian Otto Mohr, Friedrich Engesser, Hermann Zimmermann und August Wöhler).

LiteraturBearbeiten

  • Eva Maria Froschauer: „An die Leser!“ Baukunst darstellen und vermitteln. Berliner Architekturzeitschriften um 1900. Ernst Wasmuth, Tübingen / Berlin 2009, ISBN 978-3-8030-0707-0, S. 44–47, S. 92–96, S. 98–108. Die Autorin untersucht u. a. die Zeitschrift Zentralblatt der Bauverwaltung und geht dabei auch auf die Geschichte des Verlages Ernst & Sohn ein.
  • Karl-Eugen Kurrer: Wiley & Sons, Wiley-VCH und Ernst & Sohn. Eine erfolgreiche Familiensaga der Bauingenieurliteratur. In: Stahlbau, 76. Jahrgang 2007, Heft 1, S. 1–5.
  • Detlef Böhnki, Karl-Eugen Kurrer: 150 Jahre Ernst und Sohn, Stahlbau, Band 70, 2001, Heft 1, S. 1–2
  • Doris Greiner-Mai: 150 Jahre Ernst & Sohn (1851–2001). In: Bautechnik, 78. Jahrgang 2001, Heft 1, S. 1–2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinz Sarkowski: Der Springer-Verlag. Stationen seiner Geschichte. Teil 1 (1842–1945). Springer, Berlin 1992, ISBN 3-540-55221-9, S. 196–197.