Erleuchtungs-Invaliden-Kompanie

Die eigentliche Erleuchtungs-Invaliden-Compagnie, auch Invaliden-Erleuchtungs-Kompanie, wurde 1803 in Berlin aufgestellt[1][2][3][4] und war militärisch organisiert.[5] Die Aufgabe der Kompanie war der Betrieb und die Pflege der Öllaternen der Straßenbeleuchtung.

GeschichteBearbeiten

1803 war ganz Berlin mit Straßenbeleuchtung ausgestattet worden.[2] Die Hauptstraßen hatten dabei genügend Laternen erhalten, die Nebenstraßen nur vereinzelt. Ebenso war die Ölmenge meist so begrenzt, dass gegen Mitternacht die Laternen erloschen.

Anfangs bestand die Kompanie aus 60 Mann,[1] wobei das Durchschnittsalter bei 57 Jahren lag.[5] Der Stab der Kompanie bestand aus einem Feldwebel, fünf Unteroffizieren und einem Offizier, welcher als Direktor die Oberaufsicht hatte. Erster Chef der Kompanie wurde deren Mitinitiator Hauptmann der Artillerie a. D. Karl Neander von Petersheiden (1761–1842). Die jährliche Finanzierung von mehr als 38.000 Taler wurde zu drei Fünftel vom König übernommen. Der Rest wurde durch die Verdopplung der Nachtwächterkosten (Haussteuer), welche durch die Einwohner zu entrichten waren, finanziert.[5][6]

Am Nachmittag überprüften die Unteroffiziere die Lampen und stellten den Zustand der Laternen und den Füllstand des Öls fest.[3] Die Verschmutzung des Glases und der Zustand des Dochtes wurden festgestellt. Mit Beginn der Dämmerung erfolgte das Anzünden durch die jeweiligen Mannschaften. Unterstellt war die Kompanie der Polizei-Intendantur Berlin[7] und die Stadt war in 60 (Laternen-)Reviere aufgeteilt.[2][8] Jeder Unteroffizier hatte die Aufsicht über 12 Reviere, welche eine Korporalschaft bildeten.[3] Die Kompanie hatte ihre Zentrale und das Öllager in der Klosterstraße 75.[7]

Die Kompanieangehörigen trugen eine eigene Uniform u. a. mit einer blauen Jacke mit dunkelrotem Kragen.[2] Die Unteroffiziere trugen einen kurzen Säbel.

Mit der Einführung der Gaslaternen 1826 bestand die Kompanie aus 84 Mann und wurde in die Gas-Erleuchtungs-Compagnie überführt,[4][7] wobei die Unterstellung unter die englische Gasgesellschaft Imperial Continental Gas Assoziation (ICGA) wechselte. Die Kompanie übernahm auch die Betreuung der noch bestehenden Öllaternen.

LiteraturBearbeiten

  • Karl Neander von Petersheiden und Louis von Voß: Tagesordnung, die Erleuchtung von Berlin und die zu diesem Behuf errichtete Invaliden-Compagnie betr. Berlin. 1804.
  • Adolf Streckfuß: 500 Jahre Berliner Geschichte, vom Fischerdorf zur Weltstadt, Geschichte und Sage. Goldschmidt, 1886, S. 572+573.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Landesarchiv Berlin, Heike Schroll: Das Landesarchiv Berlin und seine Bestände. BWV, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2003, ISBN 978-3-8305-0325-5, S. 69 (google.de [abgerufen am 2. Mai 2021]).
  2. a b c d James Hobrecht: Entwickelung der Verkehrs-Verhältnisse in Berlin. Ernst und Sohn, Berlin, 1893, S. 19.
  3. a b c Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin. 1806, S. 604 (google.de [abgerufen am 2. Mai 2021]).
  4. a b Deutsches Technikmuseum Berlin: Feuer und Flamme für Berlin: 170 Jahre Gas in Berlin, 150 Jahre Städtische Gaswerke. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 1997, ISBN 978-3-87584-641-6, S. 39 (google.de [abgerufen am 2. Mai 2021]).
  5. a b c Herbert Liman: Mehr Licht: Geschichte der Berliner Strassenbeleuchtung. Haude & Spener, 2000, ISBN 978-3-7759-0429-2, S. 15 (google.com [abgerufen am 2. Mai 2021]).
  6. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin. 1806, S. 605 (google.com [abgerufen am 3. Mai 2021]).
  7. a b c J. G. Helling: Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von Berlin und seinen nächsten Umgebungen. 1830, S. 403 (google.de [abgerufen am 2. Mai 2021]).
  8. Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 1976, S. 53 (google.de [abgerufen am 2. Mai 2021]).