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Erdekaut

Landschaftsschutzgebiet in Rheinland-Pfalz, Deutschland
Ein Weiher in der Erdekaut

Die Erdekaut, seit 2008 auch Erlebnislandschaft Erdekaut, ist ein Landschaftsschutzgebiet im nordöstlichen Pfälzerwald (Rheinland-Pfalz), das auf der Basis aufgelassener Tongruben eingerichtet wurde und die Nummer 07-LSG 3.020 trägt. Im zentral gelegenen historischen Gebäude der einzigen erhaltenen Grube Riegelstein wird ein Bergbaumuseum betrieben.[1]

Geographische LageBearbeiten

 
Lage der Erdekaut

Das 64 Hektar große Landschaftsschutzgebiet liegt auf etwa 250 m ü. NHN zwischen Eisenberg und Hettenleidelheim in der hügeligen Talaue südlich des Eisbachs und zum Großteil östlich der Bundesstraße 47.[2] Der Nordteil gehört zu Eisenberg, der Südteil zu Hettenleidelheim. Die Ostgrenze fällt etwa mit dem Schulwiesengraben zusammen, der wenige Meter östlich von links in den Seltenbach mündet, einen rechten Zufluss des Eisbachs.

Die Erdekaut ist erreichbar über die Autobahn 6 (SaarbrückenMannheim), Anschlussstelle 18 Wattenheim, und dann die B 47; die Eistalbahn (GrünstadtEiswoog) hält am Bahnhof Eisenberg.[1]

GeschichteBearbeiten

Das Landschaftsschutzgebiet wurde 1985 eingerichtet. Der Name leitet sich von der pfälzischen Bezeichnung Kaut für „Grube“ her und verweist auf den vormaligen Abbau von Tonerde, der sich über Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. In Spitzenzeiten waren 800 Bergleute beschäftigt.

Im Mittelalter kam das Gelände ins Eigentum des bischöflichen Hochstifts Worms. Dieses betrieb mit dem in der Gegend der Erdekaut gewonnenen Rohstoff im 20 km entfernten Dirmstein, wo sich auch das Sommerschloss des Fürstbischofs befand, von 1778 bis 1788 eine Manufaktur für Dirmsteiner Fayencen.[3] Auch an die Ottweiler Porzellanmanufaktur wurde Material geliefert. Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Französische Revolution auch auf die deutschen Gebiete westlich des Rheins übergriff und diese bis 1815 an Frankreich angeschlossen wurden, wurde das Bistum Worms säkularisiert und 1803 aufgelöst; sein Grundbesitz wurde versteigert. Nach der Entmachtung Napoleons ging das Eigentum an der Erdekaut auf örtliche Unternehmer über. In 30 Gruben wurde bis in die 1980er Jahre Ton abgebaut, dabei wurden etwa 600 Bergleute beschäftigt.[1]

Umwelt und TourismusBearbeiten

 
Schilfbewuchs
 
Natursee
 
Eisvogel

Die Stilllegung der Tongruben förderte die Entstehung von Weihern und Offenland. Eine solche Landschaftsform bietet seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum, insbesondere bestimmten Libellen-, Amphibien- und Vogelarten, die unter Artenschutz stehen, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Nachgewiesen wurden neben 16 Orchideenarten u. a. Plattbauchlibelle, Kammmolch, Erdkröte und Gelbbauchunke sowie Wendehals, Eisvogel und Zwergrohrdommel.[1][4][5] Die Unterschutzstellung der Erdekaut im Jahre 1985 verhinderte größere menschliche Eingriffe in das gewachsene Biotop.

Zur Erhaltung und Pflege des Areals wurde 2003 in einem Gemeinschaftsprojekt der Verbandsgemeinden Eisenberg und Hettenleidelheim der Zweckverband Erdekaut gegründet. Dieser übergab am 15. September 2008 das Landschaftsschutzgebiet der Öffentlichkeit zur Nutzung als Erlebnislandschaft Erdekaut.[6] Über das Bergbaumuseum Grube Riegelstein werden Führungen für Gruppen angeboten.[2] Im Sommer 2010 fand in der Erdekaut zum zweiten Mal ein internationales Workcamp statt; diesmal verlegten zehn junge Freiwillige aus mehreren Ländern eine neue Wasserleitung.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Rheinland-Pfalz-Takt: Mit der Eistalbahn ins grüne Paradies. Abgerufen am 27. August 2010.
  2. a b Ökopark „Erdekaut“. (Nicht mehr online verfügbar.) Verbandsgemeinde Eisenberg, archiviert vom Original am 16. Juni 2010; abgerufen am 27. August 2010.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/vg-eisenberg.ionas3.de
  3. Walter Jarosch: Keramik aus Dirmstein. In: Michael Martin (Hrsg.): Dirmstein – Adel, Bauern und Bürger. Chronik der Gemeinde Dirmstein. Selbstverlag der Stiftung zur Förderung der pfälzischen Geschichtsforschung, Neustadt an der Weinstraße 2005, ISBN 3-9808304-6-2, S. 481–497.
  4. Plattbauch-Libelle (Männchen). Fotogruppe der Naturfreunde Rheinland-Pfalz, 11. Juni 2009, abgerufen am 28. August 2010.
  5. Planung vernetzter Biotopsysteme. (Nicht mehr online verfügbar.) Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Januar 1998, S. 95, Fußnote 184, ehemals im Original; abgerufen am 28. August 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.luwg.rlp.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Einladung zur offiziellen Eröffnung der Erlebnislandschaft Erdekaut. (Nicht mehr online verfügbar.) Amtsblatt der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim, 11. September 2008, S. 1 und 5, ehemals im Original; abgerufen am 26. August 2010.@1@2Vorlage:Toter Link/www.vg-h.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Arbeit wird zum Wettbewerb. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Unterhaardter Rundschau. Ludwigshafen 9. August 2010.

Koordinaten: 49° 32′ 52,41″ N, 8° 4′ 28,42″ O