Eraclea

italienische Gemeinde

Eraclea ist eine italienische Gemeinde mit 12.224 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) in der Region Venetien. Der Urlaubsort liegt an der Adria in der Metropolitanstadt Venedig. Bis zum 4. November 1950 hieß die Stadt Grisolera. Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters erfolgte die Umbenennung per Dekret des italienischen Staatspräsidenten Luigi Einaudi in Eraclea, welches der Name einer antiken römisch-byzantinischen Siedlung war, die am Rande des Gemeindegebietes liegt.

Eraclea
Eraclea (Italien)
Staat Italien
Region Venetien
Metropolitanstadt Venedig (VE)
Lokale Bezeichnung Eraclea
Koordinaten 45° 35′ N, 12° 41′ OKoordinaten: 45° 35′ 0″ N, 12° 41′ 0″ O
Höhe m s.l.m.
Fläche 99,05 km²
Einwohner 12.224 (31. Dez. 2019)[1]
Postleitzahl 30020
Vorwahl 0421
ISTAT-Nummer 027013
Bezeichnung der Bewohner Eracleensi
Schutzpatron Santa Maria Assunta
Website Eraclea

GeschichteBearbeiten

Das frühmittelalterliche HeracleiaBearbeiten

Das antike Heracleia wurde erst in den 1980er Jahren wiederentdeckt. Das archäologische Areal misst 1200 mal 600 m und befindet sich zwischen dem heutigen Eraclea und San Donà di Piave. Die Struktur der Stadt weist Ähnlichkeiten zum heutigen Venedig auf. So durchzog ein etwa 50 m breiter zentraler Kanal die zunächst für eine Stadt gehaltene Anlage; davon abzweigende Nebenkanäle verbanden die Inseln, auf denen sich Heracleia erstreckte. Zu Ehren des oströmischen Kaisers Herakleios nannte man die Stadt Heracleia.

Mit der Zuwanderung der Flüchtlinge aus Oderzo, das die Langobarden 639 erobert und zerstört hatten, wuchs die Siedlung erheblich an, doch bestand sie wohl weiterhin aus einer Reihe von Inselorten, die keine geschlossene Siedlung bildeten, wie dies später Rialto tat. Kriege, vielleicht die Pest, aber auch Überschwemmungen, zwangen die Bewohner schließlich, Heracleia als Herrschaftszentrum der byzantinisch gebliebenen Lagune von Venedig aufzugeben. So zogen die wichtigsten Familien nebst dem Dogen nach Malamocco. Wenig später verließen die letzten Bewohner Heracleia, das zunehmend verlandete.[2]

In Heracleia wurde Orso Ipato, der wohl erste Doge Venedigs geboren (die Legende behauptet, auch der erste Doge Paulicius stamme von dort und sei dort auch zum Dogen ausgerufen und beerdigt worden). Zu Orsos Zeit kam es immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen den Bewohnern der Inseln und den Nachbarn in Jesolo. Unklar ist, ob der Doge ermordet wurde, weil er sich zu einseitig auf die Seite seines Geburtsortes gestellt hatte. Während in der Lagune nacheinander fünf magistri militum herrschten, unter denen der Hauptort der Lagune nach Malamocco verlegt wurde, erlangte um 742 der Sohn des ermordeten Dogen, Diodato Ipato, den Dogenstuhl. Doch wurde die Residenz nicht wieder nach Eraclea zurückverlegt, sondern 810/11 nach Rialto.

GrisoleraBearbeiten

 
Anfang 1918 zerstörte Kirche in Grisolera nebst Glockenturm

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts lagen 70 % von Grisolera unter Wasser. Ende des 18. Jahrhunderts wurden erste Versuche unternommen, die Sümpfe trockenzulegen, was ab 1900 mit dem Consorzio di Bonifica (Genossenschaft zur Trockenlegung) institutionalisiert wurde. Schleusen, Kanäle und Pumpen sind heute charakteristisch für die Landschaft um Eraclea.[3]

Tourismus (seit den 1950er Jahren)Bearbeiten

 
Sandstrand

Der seit den 1950er Jahren aufkommende Tourismus spielt sich fast ausschließlich im Strandbad „Eraclea Mare“ ab, an einem drei Kilometer langen Strand, der in einen Pinienwald eingebettet ist. An der Gemeindegrenze zwischen Jesolo und Eraclea liegt die Laguna del Mort, eine von allen Seiten mit Dünen und Pinien umgebene Lagune, die ein Refugium für Vögel bildet.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Pierluigi Tozzi: La scoperta di una città scomparsa, Eraclea veneta, Edizioni New Press, 1984.
  • Pierluigi Tozzi, Maurizio Harari: Eraclea Veneta. Immagine di una città sepolta, Grafica Step cooperativa, 1984.

WeblinksBearbeiten

Commons: Eraclea – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Bilder des Ersten Weltkriegs aus Grisolera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

BelegeBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2019.
  2. Roberto Bianchin: Scoperta la Città-Madre di Venezia, in: La Repubblica, 2. September 1984.
  3. Comune di Eraclea, Il paesaggio della bonifica