Elfenbeinspecht

Art der Gattung Campephilus

Der Elfenbeinspecht (Campephilus principalis), auch als Herrenspecht bezeichnet, war der zweitgrößte Specht Nordamerikas. Ihm nahe verwandt ist der etwas größere Kaiserspecht (Campephilus imperialis), der in Hochlandwäldern Mexikos seinen Lebensraum hatte. Es wird davon ausgegangen, dass beide Arten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorben sind, obwohl immer wieder Sichtungen gemeldet werden, die sich allerdings nie eindeutig verifizieren ließen.

Elfenbeinspecht

Illustration von John James Audubon aus Birds of America, 1827–1839

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
Gattung: Langhaubenspechte (Campephilus)
Art: Elfenbeinspecht
Wissenschaftlicher Name
Campephilus principalis
(Linnaeus, 1758)
Präparat im Natural History Museum in London

MerkmaleBearbeiten

Der Elfenbeinspecht war schwarz-weiß-gemustert und hatte eine rote, spitze Haube und einen elfenbeinfarbenen Schnabel. Er war zwischen 48 und 53 cm groß und hat eine Flügelspannweite von etwa 76 cm. Das Gewicht eines Elfenbeinspechts betrug 450–570 Gramm. Elfenbeinspechte wurden etwa 15 Jahre alt. Sein Lebensraum war das Totholz in Wäldern, oftmals auf sumpfigem Grund. Die Männchen hatten einen roten Schopf am Kopf, während die Weibchen einen schwarzen Schopf hatten.

LebensweiseBearbeiten

Er hatte eine kräftige, trompetende Stimme, die man in einer Entfernung von bis zu einem Kilometer hören konnte, ertönte meist am frühen Morgen. Der Elfenbeinspecht ernährte sich von Insekten, vor allem von Borkenkäfern und deren Larven sowie von Obst, Nüssen und Pflanzensamen.

FortpflanzungBearbeiten

In der Brutzeit verteidigte das Paar sein Brutrevier von 15 km² oder mehr energisch gegen fremde Artgenossen. Das Nest wurde in einem Baumstamm in einer Tiefe von bis zu 1 Meter vom Ausflugsloch angelegt. Der Bau der Nisthöhle nahm bis zu 2 Wochen in Anspruch, dabei schlugen sie bis zu 18 Zentimeter lange Späne aus dem Stamm heraus. Den Großteil der Arbeiten übernahm dabei das Weibchen. Das Nest wurde von den Vögeln meist über mehrere Jahre verwendet. Die 3–4 weißen Eier legte das Weibchen auf eine Unterlage aus Holzspänen. Am Brutgeschäft waren beide Elterntiere beteiligt, wobei das Weibchen meist die Tagschicht und das Männchen die Nachtschicht übernahm. Nach etwa 14 Tagen schlüpften die Jungen. Die Jungen wurden mit Insekten und deren Larven gefüttert. Im Alter von 4 Wochen verließen die Jungen das Nest. Sie wurden danach noch 2 weitere Wochen von den Altvögeln versorgt, ehe sie dann ihrer eigenen Wege gingen.

BedrohungsgeschichteBearbeiten

Bereits um 1880 war er bedroht und schon um 1920 galt er als ausgestorben, wurde aber 1944 in den Wäldern von Louisiana entlang des Tensas River, einem Seitenflusses des Mississippi, gesichtet. Dies gilt als die letzte sicher belegte Beobachtung in den Vereinigten Staaten.[1] Auf Kuba wurde die Art zuletzt 1987 beobachtet. 1994 wurde er von der World Conservation Union für ausgestorben erklärt. 1998 fand eine Expedition in der Sierra Maestra Hinweise auf eine kleine Population, ohne jedoch direkt Elfenbeinspechte beobachten zu können. 2004 beobachtete ein Kanufahrer in einem Naturschutzgebiet in Arkansas den Vogel angeblich erneut. Beweise für die Existenz mindestens eines Vogels im Cache River National Wildlife Refuge (Arkansas), die Forscher der Cornell-Universität im April 2005 vorlegten, waren in der Fachwelt umstritten. Im Mai 2006 wurde ein Preisgeld von 10.000 US-Dollar für denjenigen ausgesetzt, der einen fotografischen Beweis über die weitere Existenz des Elfenbeinspechtes erbringt. Da bis Mai 2007 weitere Suchen der Cornell University erfolglos blieben, befürchten viele Wissenschaftler, dass der Elfenbeinspecht tatsächlich ausgestorben ist. Am 29. September 2021 schlug der United States Fish and Wildlife Service offiziell vor, den Elfenbeinspecht aus der Liste der bedrohten Arten herauszunehmen, da er ausgestorben sei.[1] 2022 veröffentlichte Steven C. Latta mit seinen Koautoren mehrere Indizien für ein Überleben des Elfenbeinspechts in Louisiana.[2]

Bälge des Elfenbeinspechts sind in europäischen Einrichtungen selten, finden sich aber beispielsweise im Museum Heineanum in Halberstadt[3], im Naturhistorischen Museum Wien, im Museum für Naturkunde (Berlin) und im Überseemuseum Bremen. Überdies befindet sich ein Balg in der naturhistorischen Sammlung in Tübingen.

Hauptgründe für den Rückgang der Art sind die Rodungen der Wälder und die Trockenlegung von Sümpfen in ihrem Lebensraum, früher auch die vereinzelte Jagd.

LiteraturBearbeiten

  • J. W. Fitzpatrick, M. Lammertink, M. D. Luneau Jr, T. W. Gallagher, B. R. Harrison, G. M. Sparling, K. V. Rosenberg, R. W. Rohrbaugh, E. C. Swarthout, P. H. Wrege, S. B. Swarthout, M. S. Dantzker, R. A. Charif, T. R. Barksdale, J. V. Remsen Jr, S. D. Simon, D. Zollner: Ivory-billed woodpecker (Campephilus principalis) persists in continental North America. In: Science. 308, Nr. 5727, 2005, S. 1460–1462. PMID 15860589.
  • Katja Schmid: Lebt der Elfenbeinspecht nun noch - oder doch nicht?. In: Telepolis. Zeitschrift der Netzkultur. Bollmann, Köln 14. September 2005. ISSN 1431-9012
  • Tim Gallagher: The Grail Bird - Hot on the Trail of the Ivory-Billed Woodpecker. Houghton Mifflin, Boston 2005. ISBN 0-618-45693-7
  • D. A. Sibley, L. R. Bevier, M. A. Patten und C. S. Elphick: Comment on "Ivory-billed Woodpecker (Campephilus principalis) persists in continental North America. In: Science. Band 311, 2006, 1555a.
  • J. W. Fitzpatrick, M. Lammertink, M. D. Luneau, Jr., T. W. Gallagher und K.V. Rosenberg: Response to comment on "Ivory-billed Woodpecker (Campephilus principalis) persists in continental North America". In: Science. Band 311, 2006, 1555b.
  • Johanna Romberg: Zaubervogel, wo steckst du? In: GEO. 11/2007, S. 140–152, ISSN 0342-8311

WeblinksBearbeiten

Commons: Elfenbeinspecht – Sammlung von Bildern

QuellenBearbeiten

  1. a b U.S. Fish and Wildlife Service Proposes Delisting 23 Species from Endangered Species Act Due to Extinction. In: U.S. Fish and Wildlife Service. 29. September 2021, abgerufen am 30. September 2021 (englisch).
  2. Steven C. Latta, Mark A. Michaels, Don Scheifler, Thomas C. Michot, Peggy L. Shrum, Patricia Johnson, Jay Tischendorf, Michael Weeks, John Trochet, Bob Ford: Multiple lines of evidence indicate survival of the Ivory-billed Woodpecker in Louisiana. April 2022, DOI:10.1101/2022.04.06.487399
  3. Tom Koch in der Magdeburger Volksstimme vom 13. Juli 2007