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Eiskellerberg (Düsseldorf)

Eiskellerberg

Eiskellerberg ist eine Straße am Rand der Düsseldorfer Altstadt, an deren Anschrift es nur ein einzelnes Haus gibt.

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

 
Blick vom „Eiskellerberg“ auf die Kunstakademie

Der Eiskellerberg liegt unmittelbar gegenüber der Kunstakademie Düsseldorf und dem 2003 eingeweihtem Hilarius-Gilges-Platz, auf halbem Weg zwischen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und dem Museum Kunstpalast, am nördlichen Ende der Mühlengasse. Vom Rheinufer aus führen die Ritterstraße und die Eiskellerstraße auf den Eiskellerberg zu.

GeschichteBearbeiten

 
Darstellung der Bastion Eiskeller im Plan de Dusseldorp, 1758
 
Stadtplan von Düsseldorf 1809: Erweiterung des Hofgartens um das Terrain der früheren Stadtbefestigung
 
Darstellung des Sicherheitshafens (rechts) und der als Baumrondell bepflanzten Eiskellerbastion (links) auf einer Illustration von Johann Poppel, 1852

Der Eiskellerberg befindet sich auf dem Gelände einer im 16. Jahrhundert angelegten Bastion, welche auch als die Eiskellerbastion bezeichnet wurde. Paul Clemen schrieb:[1]

„Der neue Mauerring führte im 15. Jh. von dem am Nordwestende der Stadt gelegenen Zollturme bis zu dem am Eiskeller im Nordosten liegenden Turme (die Fundamente im Eiskellerberg erhalten), von diesem zum Turme […].“

Diese ehemalige Stadtbefestigung war baumbestanden und lag am Ende der heutigen Heinrich-Heine-Allee und unmittelbar vor der heutigen Rampe der Oberkasseler Brücke. Zwischen 1797 und 1799 bauten die Franzosen, die in den Wirren der Koalitionskriege Düsseldorf eingenommen hatten, die Stadt als Festung aus und vernichteten den dortigen Baumbestand. Diese Festungswerke begannen hinter den Häusern an der Ostseite der Mühlengasse.

Bei der Entfestigung der Stadt Düsseldorf auf der Grundlage von Art. VI des Friedens von Lunéville von 1801 wurde in dem damals außerhalb der Stadt liegenden Bereich aus dem Schutt der Befestigungsanlagen der Eiskellerberg angelegt.[2] Um 1809 wurde das Gebiet zwischen Eiskellerberg und Ratinger Straße an Bauwillige abgegeben, dies mit der Auflage nur „anständige“ Gebäude zu erstellen.

 
Restauration von Jullius Ahmer, Eiskellerberg Düsseldorf, 1895

Das Gelände lag mit schöner Aussicht etwa fünf Meter über der verlängerten Alleestraße auf einem sich erhebenden Plateau von ungefähr einem Morgen Größe mit Sommerwirtschaft. Hier hatte ein Herr Julius Ahmer um 1895 seine Restauration. Um 1907 hieß es dann Café-Restaurant „Eiskellerberg“ von Alex Ahmer.[3] In einer zeitgenössischen Quelle heißt es:[4]

„Die links von diesem Gebäude [Kunstakademie] gelegene Anhöhe ist der Eiskellerberg mit guter Restauration und einem freien Blick über den Hafen,[5] Rhein und Hofgarten.“

 
Außentreppe zur Galerie

Der Hafen neben der Kunstakademie, Sicherheitshafen genannt, wurde zum Bau der Oberkasseler Rheinbrücke (1897/1898) zugeschüttet.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde am nördlichen Ende der Mühlengasse gegenüber der Kunstakademie Düsseldorf das freistehende Atelierhaus Eiskellerberg errichtet, welches sich recht fremdartig von der übrigen Bebauung abhob. Eigentümer war die Familie von Franz Schoenfeld. Im Untergeschoss wohnte ein Diener und die Räumlichkeiten wurden von der Kunstakademie als Künstlerateliers genutzt.[6] Seit Anfang der 1930er Jahre waren die Erben der Düsseldorfer Familie Tapken Eigentümer und Verwalter des Eiskellerbergs.[7][8] Die Räume im Eiskellerberg haben enorme Raumhöhen und sind mit großen Fenstern ausgestattet, welche sich zum Nordlicht ausrichten und auf das Phoenix-Haus blicken. Noch heute befindet sich unter den Kellerräumen ein weiteres Kellergewölbe, welches auf die ehemalige Nutzung als Eislagerung hinweist. Auf der Westseite des Gebäudes befindet sich eine Galerie, zu welcher eine steinerne Außentreppe aufsteigt. An der Treppe ist das Berggefühl noch erkennbar. Während des Zweiten Weltkriegs wurde 1943 das oberste Geschoss durch eine Brandbombe zerstört.

Im Volksmund wurde das Atelierhaus auch „Hungerturm“ genannt. Dazu geht die Legende um, dass Mütter ihren Kindern zuriefen, sie sollten die Butterbrote verstecken, wenn die „hungrigen Maler“ kämen.

EiskellerBearbeiten

 
Hafen neben der Kunstakademie 1879

Der Name Eiskellerberg verweist auf den historischen Eiskeller, der den Düsseldorfer Fürstenhof mit Eis versorgte. In den tiefen Katakomben der Bastion wurde das im Winter auf dem Rhein geschlagene Eis gelagert, das sich hier bis weit in den Sommer hinein hielt. Dass der Rhein zufror, war früher keine Seltenheit. Das letzte Mal geschah es im Winter 1942. Wegen der beiden Rheinschlingen stapelten sich die Eisschollen besonders am heutigen Parlamentsufer. Der fast jährliche Eisgang, also die Bildung vom Treibeis auf dem Rhein, war zur Gewinnung des kostbaren, natürlichen Haltbarkeitsmittels hervorragend geeignet. Auch der ehemalige Sicherheitshafen an der Kunstakademie, der sich vom Eiskellerberg nach Westen erstreckte, lieferte im Winter das Eis. Wurden in den Eiskellern zunächst die Speisen für den Fürstenhof gekühlt, sicherten sich dagegen später vor allem die vielen Altstadtbrauereien die Dienste der Eiskeller. Noch bis nach 1880 verdienten sich Saisonarbeiter im Winter ihr Geld mit der Ernte von Treibeis aus dem Rhein, welches im Eiskeller der Altstadt gelagert wurde.[9] Der Schriftsteller Hans Müller-Schlösser (1884–1956) konnte sich aus seiner Jugendzeit erinnern, dass Düsseldorfer auch Eis aus den Teichen des Hofgartens schnitten und dann zur Lagerung zum Eiskeller brachten.[10] Hier befand sich auch der Eiskeller der Fleischerinnung, gegründet 1883, von Düsseldorf.[11] Auf dem Eiskeller gab es eine Gaststätte, in der Bier ausgeschenkt wurde, welches unterhalb durch das Natureis kühl und frisch gehalten wurde. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war Natureis zur Herstellung von frischem Altbier unverzichtbar. 1926 brachte der Verwaltungs-Neubau der damaligen Phönix AG dem Düsseldorfer Eiskeller das Ende.

Künstler und Kunst im EiskellerbergBearbeiten

 
Straßenschild
 
Stephan Schoenfeld Künstlerfarben, um 1903

Im Gebäude des Eiskellerbergs, gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts, befinden sich heute Wohnungen und Ateliers sowie zwei Galerien, welche zeitgenössische Kunst vertreten und ein internetbasierter Fernsehsender, welcher Streamclips und redaktionelle Beiträge zu Ausstellungen, Performances und Interviews mit Künstlern, Kuratoren, Galeristen und anderen einflussreichen Personen aus dem zeitgenössischen Kunstbetrieb präsentiert. In den 1970er Jahren war im Eiskellerberg die Galerie von Kiki Maier-Hahn so etwas wie das „Wohnzimmer der Akademiestudenten“.

  • 2012: Konzeptkünstler André Smids (* 1960), Ausstellung seiner Atelierbilder im Treppenhaus des Eiskellerbergs
  • Hans-Günther Cremers (1928–2004), deutscher Maler, wohnte zeitlebens im Eiskellerberg[12]
  • 1976: Galerie Kiki Maier-Hahn
  • 1962: Hannelore Köhler[13] (* 1929), Malerin und Bildhauerin, wohnte im Eiskellerberg[14]
  • 1958: Gunther Lambert, Designer und Einrichter, wohnte bis 1972 im Eiskellerberg
  • 1952: Otto Pankok, Maler, mit Atelier im Eiskellerberg
  • 1952: Willi Köhler (1914–1976), Maler[15][16]
  • 1952: Erwin Eichbaum[17] (* 1928), deutscher Maler und Bildhauer, wohnte im Eiskellerberg 1[18]
  • 1948: Lothar van Helden, (deutscher Maler und Fotograf) Atelier, wohnte bis 1976 im Eiskellerberg
  • 1938: Theodor Meuter, wohnte im Eiskellerberg[19]
  • 1933: Clemens Holzmeister, Architekt, Leiter eines Meisterateliers an der Kunstakademie[20]
  • 1930: Josef Huber-Feldkirch, Professor an der Kunstakademie
  • 1904: Stephan Schoenfeld, Künstlerbedarf[21]
  • 1903: Alex Ahmer (Dekorationsmaler), Eiskellerberg 6
  • 1901: Heinrich Otto (Maler), Eiskellerberg 1[22]
  • 1898: Paula Monjé (1849–1919), Bildnis- und Genremalerin, Atelier im Eiskellerberg 1[23]
  • 1896: Wilhelm Döringer (1862–1926), Maler[24], Atelier im Eiskellerberg 1, von 1908 bis 1926 Professor für kirchliche Kunst an der Kunstakademie [25]
  • 1894–1901: Carl Becker (Marinemaler), Eiskellerberg 1-3[26][27]
  • 1890: Arthur Bambridge, Mitglied der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft, hatte im Jahre 1890 ein Atelier im Eiskellerberg.[28]

LiteraturBearbeiten

  • A. Hofacker: Neuer illustrierter Führer durch Düsseldorf und Umgebung für Einheimische und Fremde. H. Michel, 1895, S. 31
  • Festschrift den Teilnehmern an der 70. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte, Dargereicht von der Stadt Düsseldorf 1898, Gedruckt bei August Bagel. S. 13, S. 14, S. 85

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 1891, S. 56
  2. Landeshauptstadt Düsseldorf - Der Ananasberg
  3. Moment-Orientierungs-Plan der Stadt Düsseldorf, S. 6
  4. A. Hofacker
  5. Napoleon ließ im Norden der Stadt einen neuen Sicherheitshafen anlegen, der bis zu seiner Beseitigung nach 1896 napoleonischer Hafen hieß.
  6. Eiskellerberg 1/3, E=Eigentümer, Schoenfeld, Witwe, Pempelforterstr. 60; Busch, Heinrich, Diener U; Ateliers der Kunstakademie, in Amtlich beauftragtes Adreßbuch der Stadt Düsseldorf, 1924, S. 57
  7. Eiskellerberg 1/3 (E=Eigentümer Tapken Erben), in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1933, S. 92
  8. Eiskellerberg 1 (V=Hausverwaltung Tapken, Dr., Grunerstr. 60); 1. bis 4. Etage: Grafiker, Architekten, Bildhauer, Maler und Kunstmaler und Kunstgewerblerin, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1940, S. 107
  9. Hans Seeling: Eiskeller – Kühltruhen von damals, Natureis-Ernten im alten Düsseldorf. In: Das Tor, 1961, S. 33/34, Heft 2, Herausgeber: Düsseldorfer Jonges e.V.
  10. Hans Müller-Schlösser: Die Stadt an der Düssel. 1937, 2. Auflage 1949, Seite 227, Droste Verlag
  11. Eiskellerberg (Früher Eiskeller der Fleischerinnung), 1/3 E. (= Eigentümer) Schoenfeld, Eduard, Wwe., Pempelforterstr. 61, in Adreßbuch für die Stadtgemeinde Düsseldorf und die Bürgermeistereien Benrath, Erkrath und Kaiserswerth: zsgest. nach amtl. Material u. nach e. von d. Polizeibeamten ausgeführten besonderen Aufnahme. Dritter Teil. Einwohnerverzeichnis der Stadt Düsseldorf geordnet nach Straßen und Hausnummern, 1915
  12. Günther Cremers, Website über den Künstler Günther Cremers, abgerufen am 22. Februar 2016
  13. Hannelore Köhler Biografie
  14. Datenbank Rheinisch-Westfälische Künstler
  15. 1952, Köhler, Willi, Düsseldorf, Eiskellerberg 1, in Datenbank Rheinisch-Westfälischer Künstler der letzten 150 Jahre
  16. Köhler, Wilhelm (Willi) (1914-1976), auf Bestandsliste Malkasten Düsseldorf
  17. Erwin Eichbaum Biografie
  18. Datenbank Rheinisch-Westfälische Künstler (Memento vom 28. September 2009 im Internet Archive)
  19. Meuter, Theodor, Eiskeller 1/3, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1938
  20. Eiskellerberg 1/3, Holzmeister, Clemens, Prof. Dr., Architekt, 1. Etage, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1933, S. 92
  21. Vademecum für Künstler und Kunstfreunde, Stuttgart 1904, Stephan Schoenfeld, Anzeige S. 83
  22. Grosses Landes-Adressbuch des Deutschen Reiches, Stadt Düsseldorf, 1901
  23. Monjé, Paula, Atelier: Eiskellerberg 1, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1898
  24. Wilhelm Döringer, auf Bildindex der Kunst und Architektur, abgerufen am 12. März 2016
  25. Döringer, Wilhelm, Maler, Atelier Eiskellerberg 1, in Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1896
  26. Carl Becker, Adresse Katalog der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast, 1894
  27. Grosses Landes-Adressbuch des Deutschen Reiches, Stadt Düsseldorf, 1901
  28. http://www.wladimir-aichelburg.at/kuenstlerhaus/mitglieder/verzeichnisse/allgemeine-deutsche-kunstgenossenschaft/anno1890/

Koordinaten: 51° 13′ 49″ N, 6° 46′ 31″ O