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Eisenbahnunfall auf der Storebæltsbroen

Eisenbahnunfall in Dänemark im Januar 2019
Ambox current red.svg Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.
Karte; der Unfall ereignete sich auf der Westbrücke
Fahrbahn auf der Westbrücke, Richtung ONO, im Hintergrund die Hochbrücke

Der Eisenbahnunfall auf der Storebæltsbroen ereignete sich am Morgen des 2. Januar 2019 gegen 07:30 Uhr (nach Angaben der Danske Statsbaner (DSB; Dänische Staatsbahnen) um 07:45 Uhr)[1] bei heftigem Wind (Sturm Alfrida)[2] auf der Eisenbahn- und Straßenbrücke zwischen Fünen und Sprogø, die den Westteil der über den Großen Belt führenden Storebæltsbroen bildet.[3]

Bei dem Eisenbahnunfall wurden acht Menschen getötet und 16 weitere verletzt.[4] Der Straßen- und Zugverkehr wurde eingestellt, ab 10:52 Uhr wurde die Straßenverbindung wieder freigegeben. Für den Personenverkehr verkehrten Ersatzbusse. Um 16 Uhr erfolgte eine kurzfristige Sperrung der Fahrbahn Richtung Westen, da sich lange Schlangen mit Neugierigen gebildet hatten. 40 Autofahrer erhielten vor Ort eine Geldstrafe, weil sie mit Mobiltelefonen Fotos von der Unfallstelle gemacht hatten.[5]

Nach Angaben der DSB wurde der Zugbetrieb am 3. Januar 2019 mit dem IC 833, der Østerport um 08:20 Uhr verließ, im Bereich der Unfallstelle gegen 10 Uhr eingleisig wieder aufgenommen.[4] Gegen 17 Uhr sollte der tagsüber eingleisige Betrieb wieder auf beiden Gleisen durchgeführt werden.[6][7]

Es handelt sich um den schwersten Eisenbahnunfall in Dänemark seit dem Eisenbahnunfall von Sorø am 25. April 1988.[8]

Inhaltsverzeichnis

UnfallhergangBearbeiten

Der InterCity-Zug ICL 210[9] von Aarhus H nach Kopenhagen Flughafen – bestehend aus zwei Garnituren der Baureihe MG (IC 4) – auf dem Weg von Fünen nach Seeland wurde von einem oder mehreren Gegenständen eines entgegenkommenden Güterzuges von DB Cargo Scandinavia getroffen, der Waren der Brauerei Carlsberg sowie einen leeren Lkw-Anhänger transportierte.[10] Nach ersten Ermittlungen wurde der Personenzug entweder von durch den starken Wind vom Güterzug herunterfallender Ladung getroffen oder fuhr in bereits auf dem Gleis liegende Ladung hinein. Bo Haaning von der Havariekommission erklärte dem Dänischen Rundfunk, dass eine Aufarbeitung der Unfallursache noch Wochen bis Monate andauern könne.[8] Am 3. Januar wurde berichtet, dass ein leerer Auflieger des Güterzuges in den Fahrweg des entgegenkommenden Personenzuges geraten sei.[11]

Der Chef des Ermittlungsteams, Martin Puggaard, erläuterte, dass Daten der Black Box ausgewertet werden.

An Bord des Personenzuges befanden sich 131 Reisende und 3 DSB-Mitarbeiter.

Schäden an der StreckeBearbeiten

Neben den Personen- und Fahrzeugschäden wurde die Oberleitung des vom Reisezug befahrenen Gleises auf einer Strecke von 500 m und die des anderen Gleises auf 200 m beschädigt.[12]

WindbedingungenBearbeiten

Hinsichtlich der Windbedingungen zur Zeit des Unfalles erläuterte Kim Agersø Nielsen, der Technische Leiter der Betreiberfirma der Brücke, Sund & Bælt, dass es wegen des Windes keine Einschränkungen gab, da die Windgeschwindigkeit auf der Westbrücke unter 21 m/s lag. Hätte die Geschwindigkeit 21 m/s überschritten, hätte die Geschwindigkeit des Zuges auf 80 km/h reduziert werden müssen. Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 25 m/s hätte der Zug die Brücke nicht überqueren dürfen.[13] Für Kraftfahrzeuge, die über die östliche Hochbrücke fahren müssen, gelten andere Richtwerte.

Banedanmark hat festgelegt, dass bei Windgeschwindigkeiten bis 21 m/s im 10-Minuten-Mittel Güterzüge maximal 80 km/h fahren dürfen und keine weiteren Einschränkungen gelten. Ab 27 m/s wird der Güterzugverkehr eingestellt, elektrisch geführte Züge dürfen nur 100 km/h fahren, Dieselfahrzeuge sind nicht beschränkt. Ab 30 m/s wird der Betrieb vollständig eingestellt.[14]

Als Folge dieses Unfalles wurden die Sicherheitsbestimmungen bei Starkwind am 8. Januar 2019 geändert. Bis 15 m/s im 10-Minuten-Mittel gelten keine Einschränkungen, zwischen 15 und 20 m/s dürfen Güterzüge (ausgenommen leer laufende Lokomotiven) maximal 80 km/h fahren. Zwischen 20 und 25 m/s wird der Güterverkehr (ausgenommen leer laufende Lokomotiven) eingestellt. Reisezugverkehr ist bis zu 25 m/s ohne Einschränkung möglich, bei höheren Windgeschwindigkeiten wird der Gesamtverkehr eingestellt.[15]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulykke på Storebæltsforbindelsen. Ulykke på Storebæltsforbindelsen, 2. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019 (dänisch).
  2. Name in Skandinavien, von der FU Berlin André genannt; dieses Tief trug auch zu den schweren Schneefällen im Alpenraum bei – meteorologische Analyse und weitere Sturmfolgen siehe dort.
  3. Sechs Tote bei Zugunglück in Dänemark. In: tagesanzeiger.ch. 2. Januar 2019, abgerufen am 2. Januar 2019.
  4. a b Politiet opjusterer dødstal: Otte er dræbt i togulykken. In: politiken.dk. 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019.
  5. Mark Lindved Norup: Politiet lukkede Storebæltsbroen: Fokuser på vejen og ikke ulykken. In: dr.dk. 2. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019 (dänisch).
  6. Efter ulykke: Vi kan nu igen køre tog over Storebælt. In: dsb.dk. 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019 (dänisch).
  7. Ulykke på Storebæltsbroen. In: bane.dk. 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019.
  8. a b Zugunglück in Dänemark - Zahl der Toten steigt auf acht. In: spiegel.de. 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019.
  9. Kaare Sørensen: Det ved vi om ICL 210 og ulykken, der kostede seks livet. In: TV 2. 2. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019 (dänisch).
  10. Emil Søndergård Ingvorsen: Tog rammer objekt på Storebæltsbroen: Otte lettere tilskadekomne. In: dr.dk. 2. Januar 2019, abgerufen am 2. Januar 2019 (dänisch).
  11. Nach Zugunglück steigt die Zahl der Toten auf acht. In: Deutschlandfunk. 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019.
  12. Togene kører igen over Storebælt i morgen klokken 10. In: bane.dk. 2. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019 (dänisch).
  13. Per Bang Thomsen, Emil Søndergård Ingvorsen und Sophie Brochdorff Himmelstrup: Havarikommissionen: Tog ramte tom lastvognstrailer. In: dr.dk. 2. Januar 2019, abgerufen am 4. Januar 2019 (dänisch).
  14. Banedanmark (Hrsg.): SIN-L – Lokale instrukser. Instruks 1.4 Storebæltsforbindelsen, Sikkerhedsbestemmelser, 2.2.1. Restriktioner ved kraftig vind. 2. Oktober 2017, S. 239 (dänisch).
  15. Banedanmark (Hrsg.): Supplerende Sikkerhedsbestemmelser: SR SSB 106-2019. TIB 1, Storebæltsforbindelsen. Restriktioner ved tværvind. 8. Januar 2019 (dänisch).

Koordinaten: 55° 18′ 4,7″ N, 10° 51′ 40″ O