Eintracht Mahlsdorf

deutscher Sportverein

Der BSV Eintracht Mahlsdorf ist ein deutscher Fußballverein aus dem Ortsteil Mahlsdorf im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Die erste Herren-Mannschaft spielt in der Saison 2022/23 in der Oberliga Nordost-Nord. Heimstätte des Vereins ist der Sportplatz Am Rosenhag.

Eintracht Mahlsdorf
Vorlage:Infobox Fußballklub/Wartung/Kein Bild
Basisdaten
Name Berliner Sport-Verein Eintracht Mahlsdorf
Sitz Berlin
Gründung 1897
Farben lila-weiß
Website www.eintrachtmahlsdorf.clubdesk.com
Erste Fußballmannschaft
Spielstätte Sportplatz Am Rosenhag
Plätze 2500
Liga Oberliga Nordost
2021/22 8. Platz (bei Abbruch)
Heim
Auswärts

GeschichteBearbeiten

Die Gründungsidee des Vereins soll auf eine Wanderung am Himmelfahrtstag im Jahr 1896 zurückgehen. Daraufhin wurde 1897 der Turnsport-Verein Eintracht gegründet, in dem zunächst vor allem organisiertes Wandern und Turnen betrieben wurde.[1] Der Verein trat der bürgerlich-konservativen Deutschen Turnerschaft bei. Diese wurde jedoch 1908 wieder verlassen und sich stattdessen dem Arbeiter Turner-Bund angeschlossen. In diesem Jahr meldete der Verein 29 Mitglieder. Die erste Fußballmannschaft des Vereins gründete sich 1912. Im Jahr 1915 meldete Eintracht nur noch sechs Mitglieder, 15 weitere waren zum Kriegsdienst eingezogen. Durch den Ersten Weltkrieg kam es zur Einschränkung des Sportbetriebs, der ab 1918 gänzlich eingestellt wurde.

 
Eingang zum Sportplatz Am Rosenhag heute

1920 wurde Mahlsdorf nach Berlin eingemeindet und 1930 an das elektrische S-Bahn-Netz angeschlossen, wodurch auch die Sportler stärkeren Zuwachs erfuhren. 1921 erhielt Eintracht inmitten der großen Streusiedlung der Siedlungsgenossenschaft in Mahlsdorf-Nord eine 22.000 m² große Fläche für die Anlage eines Sportplatzes. Dieser wurde daraufhin von den Mitgliedern in vielen tausend freiwilligen Arbeitsstunden bis 1924 angelegt. Bereits 1922 richtete der Verein sein erstes Sportfest auf dem Gelände Am Rosenhag aus. 1923 wurde eine Handball-Abteilung gegründet. In diesem Jahr schlossen sich die Fußballer dem Arbeiterverein FC Adler Mahlsdorf an. Während der FC Adler laut ATSB-Geschäftsbericht 1926 nur 21 Mitglieder zählte, waren es beim TV Eintracht immerhin 136 Mitglieder zuzüglich 50 Jungen und Mädchen.[2]

1929 nahmen die Eintrachtler am 2. Arbeiter-Turn- und Sportfest in Nürnberg teil. 1931 richtete der Verein zum 35-jährigen Bestehen einen Umzug und große Feierlichkeiten aus. Mit der Errichtung der Nazi-Diktatur wurde der Arbeitersport verboten und unter Polizeiaufsicht musste sich der Verein daraufhin am 19. September 1933 im Restaurant Schliefe auflösen. Einige Sportler schlossen sich dem bürgerlichen DTV Mahlsdorf 1906 an. Die Handball-Abteilung jedoch trat 1935 als Gruppe Mahlsdorf dem TV Jahn Biesdorf bei. Der FC Adler benannte sich 1938 in VfL Mahlsdorf um. Im Sommer 1939 beschloss der Verein, die Kontakte zur NSDAP-Ortsgruppe zu intensivieren.[3] Im Zweiten Weltkrieg wurde die Umkleidekabine des Sportplatzes durch eine Fliegerbombe zerstört.

Nach dem Ende des Faschismus wurde der Sportbetrieb 1946 als Sportgruppe Mahlsdorf unter Aufsicht des Bezirkssportamtes Lichtenberg wieder aufgenommen und 1949 die SG Eintracht Mahlsdorf gegründet. Schrittweise wurden die Abteilungen Turnen, Handball und Fußball aufgebaut. Ab 1951 kam die Sektion Kegeln hinzu.

Namenshistorie
Zeitraum Name
1896 Himmelfahrt Mahlsdorf
1897 TV Eintracht Mahlsdorf
1923 → FC Adler Mahlsdorf (Fußball-Abt.)
1933 Auflösung TV Eintracht
1938 Umbenennung FC Adler → VfL Mahlsdorf
1945 Auflösung VfL Mahlsdorf
1946 Gründung SGr Mahlsdorf
1949 SG Eintracht Mahlsdorf
1955 Fusion BSG Medizin Lichtenberg
1980 BSG Medizin Marzahn
1987 BSG Medizin Berlin 1896
1990 BSV Medizin Berlin
1991 BSV Eintracht Mahlsdorf
1999 SC Eintracht INNOVA Berlin
1999 → BSV Eintracht Mahlsdorf (Fußball-Abt.)

1955 wird die 400 Mitglieder zählende Sportgemeinschaft unter Trägerschaft des Gesundheitswesens gestellt und mit der bereits bestehenden BSG Medizin Lichtenberg fusioniert. In den Folgejahren werden auf dem Sportplatz Am Rosenhag Tennisplätze errichtet und die Sektion Tennis gegründet. 1966 folgt die Gründung der Sektion Gymnastik und 1970 die Sektion Schach. im Jahr 1979 zählt die BSG insgesamt 1111 Mitglieder. In diesem Jahr kam es in Ost-Berlin zur Verwaltungsreform und Mahlsdorf wird Teil des neuen Bezirks Marzahn. Der Verein erhält daraufhin 1980 den Namen BSG Medizin Marzahn. In diesem Jahr gründet sich außerdem die Tischtennis-Sektion. 1982 folgt die Sektion Volleyball. Als 1987 abermals durch eine Verwaltungsreform der Bezirk Hellersdorf gegründet wird, erfolgt die Umbenennung zu BSG Medizin Berlin 1896.

Nach der Wende startete man zunächst als BSV Medizin Berlin[4] und benennt sich auf Veranlassung der Fußball-Abteilung 1991 in BSV Eintracht Mahlsdorf um (Eintragung ins Vereinsregister 1992). Im Jahr 1993 wird der Anspruch als Breiten- und Mehrspartenverein weiter bekräftigt und die Abteilungen Boxen, Schwimmen und Behindertensport gegründet. Nach Auflösung des Eisenbahnersportvereins 1953 treten 1994 viele Mitglieder zum BSV Eintracht über. 1995 wird die Leichtathletik-Abteilung wiedergegründet, die mit dem SC Charlottenburg kooperiert und mit dieser als LG Nike Berlin antritt. Außerdem gründet sich eine Baseball-Abteilung, die sich jedoch mangels Wettkampfplatzes schon 1997 wieder auflöst. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Vereinsjubiläum empfing der Verein 1996 Eintracht Frankfurt zu einem Freundschaftsspiel im Stadion Wuhletal, das vor 2000 Zuschauern mit 0:4 verloren wurde.[5]

Im Jahr 1999 kommt es zur Aufspaltung des Mehrspartenvereins, nachdem der Gesamtverein eine Kooperation mit dem Innova Handelshaus eingeht und die Umbenennung in SC Eintracht INNOVA Berlin beschließt. Da der Berliner Fußball-Verband jedoch Unternehmensnamen als Vereinsbezeichnung untersagte, gründete die Fußballabteilung den eigenständigen BSV Eintracht Mahlsdorf neu. Nach wirtschaftlichen Problemen des Partners Innova nimmt der Gesamtverein 2003 den Namen SC Eintracht Berlin an.[6]

Nach AusgliederungBearbeiten

Lange Zeit zeichnete sich Eintracht als klassischer Breitensportverein aus und konnte im Bereich des Fußballs keine herausragenden Erfolge erzielen. Nachdem die Ausgliederung als eigenständiger Verein erfolgte, etablierte sich die Eintracht in den 2000er Jahren in der Verbandsliga, wurde 2009 sowie 2017 und 2018 Vizemeister und konnte 2021 als Berliner Meister in die überregionale Oberliga Nordost-Nord aufsteigen und hielt 2021/22 als Achtplatzierter die Klasse.

StatistikBearbeiten

Saison Klasse Liga Platz Spiele Tore +/- Punkte
1989/90 V 1. Kreisklasse (Staffel B) 01/14 26 118:24 +94 44:8
1990/91 IV Landesklasse
1991/92 IV Landesliga (Staffel 1) 13/16 30 035:80 −45 13:47
1992/93 V Kreisliga A (Staffel 3) 06/16 30 054:44 +10 36:24
1993/94 VI Bezirksliga (Staffel 1) 13/15 28 044:61 -17 21:35
1994/95 VII Kreisliga A (Staffel 2) 03/16 30 064:39 +25 43:17
1995/96 VII Kreisliga A (Staffel 3) 03/16 30 073:37 +36 56
1996/97 VII Bezirksliga (Staffel 1) 03/16 30 070:32 +38 61
1997/98 VII Bezirksliga (Staffel 1) 02/16 30 074:34 +40 63
1998/99 VI Landesliga (Staffel 1) 12/16 30 041:59 −18 32
1999/00 VI Landesliga (Staffel 2) 05/16 30 060:48 +12 45
2000/01 VI Landesliga (Staffel 2) 04/16 30 063:38 +25 57
2001/02 VI Landesliga (Staffel 1) 04/16 30 060:39 +21 54
2002/03 VI Landesliga (Staffel 2) 02/16 30 074:21 +53 69
2003/04 V Verbandsliga Berlin 11/18 34 045:43 0+2 44
2004/05 V Verbandsliga Berlin 15/18 34 044:62 −18 36
2005/06 VI Landesliga (Staffel 2) 01/16 30 068:32 +36 61
2006/07 V Verbandsliga Berlin 06/18 34 061:58 0+3 53
2007/08 V Verbandsliga Berlin 05/18 34 061:48 +13 55
2008/09 VI Berlin-Liga 02/16 34 065:35 +30 67
2009/10 VI Berlin-Liga 08/19 36 082:54 +28 53
2010/11 VI Berlin-Liga 03/18 34 076:49 +27 60
2011/12 VI Berlin-Liga 04/19 36 087:50 +37 64
2012/13 VI Berlin-Liga 05/18 34 069:38 +31 57
2013/14 VI Berlin-Liga 03/18 34 070:40 +30 64
2014/15 VI Berlin-Liga 04/18 34 083:40 +43 63
2015/16 VI Berlin-Liga 06/18 34 074:41 +33 62
2016/17 VI Berlin-Liga 02/18 34 108:28 +80 78
2017/18 VI Berlin-Liga 02/18 34 098:41 +57 80
2018/19 VI Berlin-Liga 05/18 34 073:50 +23 57
2019/20 VI Berlin-Liga (1) 03/18 22 059:27 +32 44
2020/21 VI Berlin-Liga (2) 01/20 11 030:10 +20 31
2021/22 V Oberliga Nordost (Staffel Nord) 08/19 31 055:38 +17 51
2022/23 V Oberliga Nordost (Staffel Nord)
(1) Saison aufgrund der COVID-19-Pandemie abgebrochen und nach Quotientenregel gewertet.
(2) Saison aufgrund der COVID-19-Pandemie abgebrochen.

ErfolgeBearbeiten

SportplatzBearbeiten

Zunächst nutzte Eintracht ein unbebautes Grundstück an der Hönower Straße/Treskowstraße als Übungsplatz, unmittelbar südlich des Bahnhofs Mahlsdorf. Eine Turnhalle stand allerdings nicht zur Verfügung. Obwohl die Mahlsdorfer Schule an der Walderseestraße (heute An der Schule) seit 1909 über eine Turnhalle verfügte, war Eintracht Mahlsdorf als Arbeitersportverein die Nutzung untersagt.

Später nutzte der Verein den Schulsportplatz zwischen Pestalozzistraße und Fritz-Reuter-Straße (Lage).

Seit 1921 ist Eintracht Mahlsdorf auf dem Sportplatz Am Rosenhag (Lage) beheimatet. Dieser verfügt über einen Naturrasenplatz samt Leichtathletik-Bahn und einen Kunstrasenplatz. Daneben befinden sich drei Tennis-Plätze und ein Beachvolleyball-Feld. Der Hauptplatz bietet Platz für 2500 Zuschauer.

Außerdem nutzt der Verein den Sportplatz Lichtenhainer Straße (Lage) am Melanchthon-Gymnasium in Hellersdorf.

LiteraturBearbeiten

  • Kintscher, Harald: „Bauernverein schlägt Ostgaumeister“. Zur Geschichte des Mahlsdorfer Sportvereins „Eintracht“, heute „Eintracht Berlin“. In: Zwischen Alltag und gesellschaftlichen Wandel. Zur Vereinsgeschichte von Marzahn-Hellersdorf. Beiträge zur Regionalgeschichte, Band 8. Lunow Druckerei, Berlin 2011.
  • Christian Wolter: Arbeiterfußball in Berlin und Brandenburg 1910–1933. Arete Verlag, Hildesheim 2015, ISBN 9-783-942468-49-7.
  • Stein, Gerd: Innovation aus Tradition – Zur Geschichte des Sportclubs Eintracht Berlin e.V. – Eine Chronik. In: Zur Sportgeschichte von Marzahn-Hellersdorf. Beiträge zur Regionalgeschichte, Band 12. Lunow Druckerei, Berlin 2015.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BSV Eintracht Mahlsdorf: Geschichte
  2. Arbeiterfußball.de: ATSB-Geschäftsbericht 1926/27
  3. Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf (Hrsg.): Marzahn-Hellersdorf 1933–1945, eine Chronik. 2013.
  4. Historisches aus Berlin: Vereine Marzahn-Hellersdorf
  5. SunnysVierteHalbzeit: Eintracht-Duell wurde Volksfest
  6. SC Eintracht Berlin: Vereinsgeschichte