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Einmal Ku’damm und zurück

Film von Herbert Ballmann (1985)
Filmdaten
Originaltitel Einmal Ku’damm und zurück
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1985
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK ab 12
Stab
Regie Herbert Ballmann
Drehbuch Jürgen Engert
Produktion Herbert Ballmann
Musik Jürgen Knieper
Kamera Ingo Hamer
Besetzung

Einmal Ku’damm und zurück ist ein tragikomischer Spielfilm aus dem Jahr 1983, der die deutsch-deutsche Teilung zum Thema hat. Er wurde am 18. Januar 1985 erstmals aufgeführt und zwei Jahre später am 29. April 1987 im Fernsehen ausgestrahlt. Der englischsprachige Titel des Films lautet Girl in a Boot.

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Ulla, junge Angestellte eines volkseigenen Betriebes in Ost-Berlin verliebt sich in den Chefkoch der Schweizer Botschaft in der DDR, den sie durch Zufall auf der Straße kennenlernt. Obwohl Ulla aus beruflichen Gründen keine Westkontakte haben darf, lässt sich die kess berlinernde Blondine auf eine Affäre mit ihrem schweizerdeutsch parlierenden Verehrer ein. Ihre Mutter ermahnt sie zur Vorsicht, und ihr Vater würde es lieber sehen, wenn sie mit Atze zusammen wäre. Mit Diplomatenpass ausgestattet, wechselt der Chefkoch der Schweizer Botschaft in seinem Wagen fast unkontrolliert zwischen Ost und West hin und her. Was liegt da näher, als Ulla, die West-Berlin erst im Rentenalter besuchen könnte, einfach mal im Kofferraum mit über die Grenze zu schmuggeln?

Der spontan geplante Ausflug zum Kurfürstendamm und zurück gelingt, doch ist Ulla beim ersten Mal im Westen gar nicht wohl. Vermeintlich von jedermann sofort als Ostdeutsche erkannt und womöglich sogar von DDR-Spitzeln verfolgt sowie ohne Westgeld in der Tasche von der allgegenwärtigen Geldschneiderei enttäuscht, fühlt sie sich verunsichert und möchte schnellstens zurück über die Grenze. Kaum wieder im Osten angekommen, bereut sie ihre vorschnelle Entscheidung. Also kommt es zu einer erneuten Spritztour, bei der sie die Annehmlichkeiten der westlichen Konsumgesellschaft zu genießen lernt. Trotz des nachdrücklichen Angebots ihres Liebhabers, doch bei ihm im Westen zu bleiben, lehnt sie aus Verbundenheit zu ihrer Familie konsequent ab.

Auf der Rückfahrt ereignet sich dann ein Verkehrsunfall, bei dem Ulla im Kofferraum liegend durch einen auffahrenden Lastkraftwagen verletzt wird. Sie wird in ein Westberliner Krankenhaus eingeliefert und ihre vorübergehende Flucht aus der DDR zur Staatsaktion. West- und Ostberliner Behörden sowie der Schweizer Generalkonsul werden aktiv und vermuten dahinter einerseits eine von langer Hand geplante Fluchthilfe- und andererseits eine Spionage-Aktion. Während sich Ulla und Thomas daraufhin nicht mehr sehen dürfen, wird Ullas Vater nach Westberlin ins Krankenhaus geholt, um Ulla persönlich zur straffreien Rückkehr in die DDR zu bewegen. Als der von Staatskarossen eskortierte Krankenwagen die Klinik Richtung Grenzübergang Bornholmer Straße verlässt, gelingt Thomas ein letzter Blickkontakt und Zuruf zu Ulla durch das Wagenfenster.

AuszeichnungenBearbeiten

Für ihre Hauptrolle erhielt Ursela Monn 1985 den Ernst-Lubitsch-Preis und das Filmband in Gold des Bundesfilmpreises.

KritikenBearbeiten

  • "(...) nette Unterhaltung mit routinierter Besetzung." (Wertung: 1½ von 4 möglichen Sternen = mäßig)Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“, 1990 [1]

WissenswertesBearbeiten

Wenngleich der Film ausschließlich im Westteil Berlins gedreht werden konnte, ist er ein zeithistorisches Dokument der Teilung Berlins. Das Passieren eines originalen Grenzübergangs wurde mit Teleobjektiv aufgenommen, ferner sind auch Originalanlagen der Berliner Mauer von der Westseite aus sowie einige ostdeutsche Filmrequisiten, insbesondere verschiedenste DDR-Kraftfahrzeugtypen, Uniformen und typische Gegenstände des Alltags, zu sehen.

Vorbild für den Film war der reale Fall Peter und Christa Gross-Feurich: 1975 wollte der Koch der Schweizer Botschaft in der DDR seine Ostberliner Freundin im Kofferraum über die Grenze schmuggeln, wurde aber verraten. Bereits zuvor hatten die beiden ein Wochenende in Westberlin verbracht.[2]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“. Erweiterte Neuausgabe. Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 186
  2. Berliner Zeitung: Der Koch, der aus der Kälte kam, 17. August 1999