Eine sachliche Romanze

Film von Mike Newell (1995)

Eine sachliche Romanze ist ein britisches Filmdrama von Mike Newell aus dem Jahr 1995.

Film
Deutscher TitelEine sachliche Romanze
OriginaltitelAn Awfully Big Adventure
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 112 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Mike Newell
Drehbuch Charles Wood
Produktion Hilary Heath
Philip Hinchcliffe
Musik Richard Hartley
Kamera Dick Pope
Schnitt Jon Gregory
Besetzung

HandlungBearbeiten

Im Liverpool des Jahres 1941 erlebt das Mädchen Stella die Bombardierung der Stadt und klatscht begeistert in die Hände, da sie die Zusammenhänge nicht versteht. Sechs Jahre später lebt sie bei ihrem Onkel Vernon und ihrer Tante Lily. Sie nimmt Sprechunterricht und will Schauspielerin werden. Die 16-Jährige hat noch nicht viel erlebt, keine Erfahrung mit Männern und ist von einer naiven Direktheit. Sie spricht bei Meredith Potter vor, dem exzentrischen Leiter eines heruntergekommenen Liverpooler Theaters, der sie trotz fehlenden schauspielerischen Talents als Lehrling einstellt. Stella hilft bei den Bühnenbauten, säubert nach den Vorstellungen die Garderoben und erledigt für Potter, in den sie sich verliebt, Botengänge, darunter an Potters scheinbar große Liebe Hillary.

Stella erlebt die kleinen Intrigen und großen Tragödien hinter der Bühne. Sie erfährt vom fast schon legendenumwobenen Schauspieler P.L. O’Hara, der sich von der Bühne zurückgezogen hat, seit er einst eine junge Frau schwängerte, die verschwand und die er nie wiederfinden konnte. Sie sieht die Probleme der alkoholkranken Darstellerin Dawn, die schließlich von Potter entlassen wird. Und sie wird von einem Reporter begehrt, kann mit seinen Annäherungsversuchen jedoch nichts anfangen und ist irritiert und verstört. Gleichzeitig beginnt sie zu ahnen, dass Potter auf junge Männer steht und der versucht, Lehrling Geoffrey zu verführen. Der lehnt seine Annäherungsversuche zunächst ab, verfällt Potter dann jedoch, nur um von ihm ignoriert zu werden. Geoffrey beginnt, unter der unerwiderten Liebe zu leiden.

Bei einer Aufführung bricht sich der Hauptdarsteller das Bein. Als Ersatz vor allem für das nächste Stück Peter Pan, in dem der nun verletzte Darsteller die Rolle des Captain Hook übernehmen sollte, wird auf Anraten von Theater-Buchhalterin Rose P.L. O’Hara ans Theater geholt. O’Hara ist von Stellas Anblick gefesselt, glaubt er doch, sie bereits gesehen zu haben. Er küsst sie eines Abends und beide schlafen miteinander, wobei O’Hara Stella „Stella Maris“ nennt – ein Name, den sich seine nun verschollene Geliebte einst selbst gab. Stella macht vor O’Hara klar, dass sie Potter liebt, sieht die Beziehung zu O’Hara aber sachlich als gut an, da sie so Erfahrung in Liebesdingen sammeln kann. O’Hara ist ob ihrer Direktheit und Unbekümmertheit immer wieder verblüfft.

Von Kollegen darum gebeten, stellt O’Hara Potter wegen seines Verhaltens gegenüber Geoffrey zur Rede, den er besser in Ruhe lassen solle. Potter droht O’Hara damit, dass Unzucht mit Minderjährigen (gemeint ist Stella) viel schwerwiegender sei. O’Hara macht Stella klar, dass Potter kein Mann für sie ist, da er junge Männer benutze, so habe er auch Hillary, einen 18-Jährigen vom Theater, schnell fallengelassen. Stella wirft O’Hara vor, eifersüchtig zu sein und Potter nur schaden zu wollen.

O’Hara sucht Onkel Vernon auf und erfährt von ihm, dass Stellas Mutter die Familie vor dem Krieg verlassen hatte und schwanger zurückkehrte. Sie gab das Kind ab und verschwand erneut. Niemand wisse, wo sie sei. O’Hara erkennt in Fotografien seine verschollene Geliebte – Stella ist seine eigene Tochter, obwohl er stets dachte, dass er Vater eines Sohnes sei und so seine eigene Geschichte weitergehen werde. Verzweifelt fährt O’Hara zum Hafen. Er stürzt, fällt ohnmächtig ins Meer und ertrinkt. Im Theater springt Potter als Captain Hook ein; bald macht die Rede von O’Haras Tod die Runde. Potters Assistent Bunny findet in O’Haras Zimmer einen Brief, in dem O’Hara Potter anklagt und ankündigt, gegen dessen Verhalten Geoffrey gegenüber tätig zu werden. Er zerreißt den Brief. Obwohl Potter dagegen ist, wird Rose wiederum alles an die Presse bringen, da es gut fürs Geschäft sei.

Am Ende sieht man eine geistig verwirrte Stella, die in einer Telefonzelle die Zeitansage anruft und ihr alles beichtet. Es stellt sich heraus, dass ihre Mutter einst einen Wettbewerb gewann und damit die Stimme dieser Ansage ist.

ProduktionBearbeiten

 
Olympia Theatre in Dublin, ein Drehort des Films

Eine sachliche Romanze beruht auf dem gleichnamigen Roman von Beryl Bainbridge. Der Originaltitel von Buch und Film, An Awfully Big Adventure, bezieht sich ironisch auf eine Zeile aus dem Stück Peter Pan, die Peter Pan spricht: „To die will be an awfully big adventure“ („Sterben wird ein schrecklich großes Abenteuer sein“). Die Produktionskosten des Films beliefen sich auf rund 3,2 Millionen Dollar.[1] Die Dreharbeiten fanden in Dublin statt, der Drehort für die Theaterszenen war das dortige Olympia Theatre. Die Kostüme schuf Joan Bergin, die Filmbauten stammen von Mark Geraghty.

Eine sachliche Romanze lief im April 1995 in den britischen Kinos an. In Deutschland kam der Film am 11. Mai 1995 in die Kinos und erschien am 15. November 1995 auf Video.

SynchronisationBearbeiten

Rolle Darsteller Synchronsprecher[2]
P.L. O’Hara Alan Rickman Lutz Mackensy
Meredith Potter Hugh Grant Uwe Büschken
Geoffrey Alan Cox Andreas Fröhlich
Desmond Fairchild Clive Merrison Norbert Gescher

KritikBearbeiten

Der erste Film Newells nach seinem großen Erfolg Vier Hochzeiten und ein Todesfall – die Dreharbeiten zu Eine sachliche Romanze hatten bereits begonnen, bevor sich der große Erfolg abzeichnete[3] – irritierte vielfach Publikum und Kritik. Der Film sei „starker Tobak für Freunde der leichten Unterhaltung, die in dem Briten [Newell] schon den künftigen Komödien-Regisseur gesehen hatten“, schrieb Der Tagesspiegel.[4] Auch die Besetzung von Hugh Grant, der in Vier Hochzeiten und ein Todesfall als Charmeur bekannt wurde, widersprach den Erwartungen: Er spiele „einen launischen Theaterregisseur, der seine Homosexualität hinter einer Maske aus Zynismus versteckt.“[4] „Grant verprellt vorsätzlich seine Fans und spielt einen zynischen, schwulen Theater-Regisseur, der skrupellos die Zuneigung einer verliebten Anfängerin mißbraucht“, schrieb Der Spiegel.[5] „Die den romantischen Hochzeiten folgenden Flitterwochen läßt Newell nun mit Ernüchterung erfüllt sein, und er weiß auch sehr genau, daß er damit Überraschung und Irritation bei seinen Zuschauern auslöst“, so die Süddeutsche Zeitung.[3]

Für den film-dienst war Eine sachliche Romanze eine Verfilmung, die ein „düsteres Bild der […] Theaterwelt zeichnet. Indem er die Schicksale seiner Figuren in der Schwebe hält, verfällt er nicht in Pessimismus“. Der Film sei „[d]ynamisch, aber zurückhaltend inszeniert und schauspielerisch beeindruckend.“[6] „Kauzige Theaterhommage mit perfektem Zeitkolorit“, befand Cinema.[7] Der Film sei eine „verzwickte, schmerzhafte, eine spröde und melancholische Entwicklungsgeschichte über Jung-Stella, die in Liverpool lebt und Schauspielerin werden möchte“, so die Süddeutsche Zeitung.[3]

Der Spiegel nannte den Film ein „Verquastes Künstler-Drama“, das sich „in bedeutungsschweren Details [verzettelt]“.[5] Für den Focus war der Film ein „grauenhaft sentimentale[s] Liebesmelodram“.[8] „Newell versucht mit vielen falschen Mitteln, verschiedene Ebenen seiner weit verzweigten Handlung zu finden. […] Mit augenzwinkerndem Abstand ließe sich die rückwärtsgewandte Schmonzette verkraften. Sonst bleibt sie Humbug, an dem sich Newell schwer verhob“, schrieben die Nürnberger Nachrichten.[9]

AuszeichnungenBearbeiten

Auf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary wurde Eine sachliche Romanze 1995 für den Kristallglobus nominiert. Georgina Cates erhielt 1996 beim London Critics’ Circle Film Award eine Nominierung als Schauspielerin des Jahres.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alan Riding: An Identity Change, Just to Win a Film Role. nytimes.com, 12. August 1995.
  2. Eine sachliche Romanze in der Deutschen Synchronkartei
  3. a b c Birgit Weidinger: Nach vier Hochzeiten eine sachliche Romanze. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Mai 1995, S. 903.
  4. a b Iris Brennberger-Zens: Ein Pessimist ebenso wie ein Clown. Der britische Regisseur Mike Newell („Vier Hochzeiten“) fordert dem Publikum Flexibilität ab. In: Der Tagesspiegel, 27. März 1995.
  5. a b Neu im Kino: Eine sachliche Romanze. In: Der Spiegel, Nr. 19, 1995, S. 217.
  6. Eine sachliche Romanze. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  7. Eine sachliche Romanze auf cinema.de
  8. Die Saison des Schurken ist vorbei. In: Focus, 8. Mai 1995, S. 192.
  9. Herr Potter und seine Spielschar. In: Nürnberger Nachrichten, 12. Mai 1995.