Eine Frage der Ehre

Film von Rob Reiner (1992)

Eine Frage der Ehre (Originaltitel: A Few Good Men) ist ein amerikanischer Spielfilm des Regisseurs Rob Reiner aus dem Jahr 1992. Er basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Aaron Sorkin, der auch das Drehbuch verfasste. Zwei Marine-Infanteristen werden des Mordes an einem Kameraden beschuldigt und vor Gericht gestellt. Die Hauptrollen sind besetzt mit Tom Cruise, Jack Nicholson, Demi Moore, Kevin Bacon, Kiefer Sutherland und Kevin Pollak.

Film
Deutscher TitelEine Frage der Ehre
OriginaltitelA Few Good Men
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1992
Länge138 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieRob Reiner
DrehbuchAaron Sorkin
ProduktionDavid Brown,
Rob Reiner,
Andrew Scheinman
MusikMarc Shaiman
KameraRobert Richardson
SchnittRobert Leighton,
Steven Nevius
Besetzung

HandlungBearbeiten

Auf dem US-Marineinfanterie-Stützpunkt Guantanamo Bay ist der Soldat William Santiago ums Leben gekommen, nachdem er von seinen Kameraden Dawson und Downey tätlich angegriffen worden ist. Santiago hat als Außenseiter gegolten, während die beiden mutmaßlichen Täter Vorzeige-Marines sind. Zunächst ist unklar, ob es sich bei ihrer Attacke um eine Strafaktion handelt, nämlich um einen sogenannten Code Red, der – obwohl offiziell verboten – von einem Vorgesetzten angeordnet worden sein könnte.

Die gegen die beiden vom Militärstrafgericht erhobene Anklage lautet auf Mord, Verschwörung zum Mord sowie „Verhalten unwürdig eines Marines“. Dawson und Downey wird vorgeworfen, Santiago gezielt ermordet zu haben, um zu verhindern, dass dieser Informationen über ein früheres Fehlverhalten Dawsons an den NIS weiterleitet. Die beiden Angeklagten hingegen stellen den Todesfall als Folge einer von höherer Stelle befohlenen Strafaktion dar und sehen sich somit zu Unrecht angeklagt. Die Anklage in der Verhandlung führt der Marines-Captain Jack Ross. Als Verteidiger stehen den beiden die Navy-Anwälte Lieutenant Junior Grade Daniel Kaffee und Lieutenant Commander Joanne Galloway zur Seite. Galloway rechnet aufgrund ihres höheren Ranges und ihrer theoretischen Kenntnisse mit der Leitung der Verteidigung, zu ihrer Überraschung wird diese aber dem jungen und unerfahrenen Kaffee übertragen. Auch Navy-Lieutenant Sam Weinberg wirkt bei der Verteidigung mit, obwohl er eine tiefe Abneigung gegen Dawson und Downey hegt, die in seinen Augen zu zweit einen Schwächeren angegriffen haben.

Die Prozessstrategie der Verteidigung besteht darin, den vorgesetzten Offizieren nachzuweisen, den Befehl zur Bestrafung mit tödlichem Ausgang gegeben zu haben. Als Schlüsselfigur erweist sich dabei Colonel Nathan R. Jessup, der Kommandeur der Bodentruppen des US-Stützpunkts Guantanamo Bay, der den Code Red befohlen haben könnte. Eine weitere zentrale Rolle spielt der unmittelbare Vorgesetzte der Marines, ihr Zugführer Lieutenant Kendrick. Dieser sagt vor Gericht aus, er habe explizit angeordnet, dass durch die Soldaten seines Zuges keine Gewalt gegen Santiago ausgeübt werden dürfe, obwohl dieser durch wiederholte Fehlleistungen den Zorn seiner Kameraden auf sich gezogen habe. Dawson und Downey erklären im Gegensatz dazu jedoch, Kendrick habe ihnen den Code Red an Santiago befohlen, wahrscheinlich auf Anordnung Jessups.

Zunächst gelingt es Kaffee, seine Klienten in ein positives Licht zu rücken: Er weist nach, dass Dawson in zahlreichen anderen Fällen, in denen bereits ein Code Red gegen Santiago angebracht gewesen wäre, das spätere Opfer unter seinen persönlichen Schutz gestellt hat. Zudem hat Dawson einen unter Arrest stehenden Kameraden gegen die Vorschriften heimlich mit Lebensmitteln versorgt – aus diesem Grund hat Kendrick den ehrgeizigen Dawson nicht zur Beförderung vorgeschlagen. Kaffee bringt Kendrick im Zeugenstand dazu, indirekt zuzugeben, dass Dawson sich daher aus Karriereangst einem weiteren Befehl Kendricks – auch zu einem Code Red – nicht mehr widersetzt hätte.

Die Lage der Verteidigung wendet sich zum Schlechten, als es der Anklage gelingt, Dawson und Downey in einem wichtigen Punkt einer Lüge zu überführen: Ankläger Ross weist nach, dass Downey zum Zeitpunkt von Kendricks Code-Red-Befehl noch auf dem Rückweg von seinem Dienstposten war. Downey gibt schließlich zu, dass er nur von Dawson, nicht aber direkt von Lieutenant Kendrick die Anweisung zur Bestrafung Santiagos erhalten habe – somit erscheint Dawson nunmehr als Urheber des tödlichen Angriffs. Der Fall wird für die Verteidigung nahezu aussichtslos, als sich in der Folge ihr wichtigster Zeuge, Lieutenant Colonel Markinson, der Stellvertreter Jessups, das Leben nimmt. Zuvor hat Markinson sich freiwillig bei Kaffee gemeldet, da er Zeuge gewesen ist, als Jessup Kendrick den Befehl zum Code Red an Santiago erteilt hat. Sein Ehrverständnis verbietet ihm jedoch, sich öffentlich vor Gericht gegen Jessup, mit dem ihn eine lange gemeinsame Dienstzeit verbindet, zu äußern.

Kaffees Strategie besteht nun darin, Colonel Jessup als Zeugen vorzuladen und ihn so herauszufordern, zuzugeben, dass er den Befehl gegeben hat. Dabei riskiert er seine Karriere, da er ohne Markinsons Aussage nichts gegen Jessup in der Hand hat und es eine gesetzliche Vorschrift gibt, die das grundlose Bezichtigen eines vorgesetzten Offiziers unter Strafe stellt. Kaffees Instinkt sagt ihm aber, dass Jessup Code Reds für richtig hält und keine Lust mehr hat, die Wahrheit zu verheimlichen. Kaffee gelingt es schließlich, Jessup während der Befragung so zu provozieren, dass dieser – trotz des Hinweises des Richters, ihn selbst belastende Fragen nicht beantworten zu müssen – schließlich im Zorn zugibt, die Strafmaßnahme an Santiago persönlich angeordnet zu haben.

Jessup und auch Kendrick werden daraufhin verhaftet. Durch sein Eingeständnis, den Code Red befohlen zu haben, hat er die Version von Dawson und Downey bestätigt, wodurch die Mordanklage unhaltbar wird. Die beiden Marines werden daher freigesprochen, jedoch im Anklagepunkt „Verhalten unwürdig eines Marines“ für schuldig befunden und unehrenhaft aus der Armee entlassen. Für den naiven Downey bricht daraufhin eine Welt zusammen – er glaubt weiterhin, nichts Falsches getan zu haben. Dawson macht ihm daraufhin klar, dass Marines die Aufgabe hätten, für Schwächere zu kämpfen.

SynchronisationBearbeiten

Die deutsche Synchronisation entstand im Auftrag der Berliner Synchron GmbH, für die Dialogregie und das deutsche Dialogbuch war Jürgen Neu verantwortlich.[1]

Rolle Schauspieler Deutscher Sprecher
LTJG Daniel Kaffee Tom Cruise Stephan Schwartz
COL Nathan R. Jessup Jack Nicholson Joachim Kerzel
LCDR JoAnne Galloway Demi Moore Katja Nottke
CPT Jack Ross Kevin Bacon Udo Schenk
LT Jonathan James Kendrick Kiefer Sutherland Tobias Meister
LTJG Sam Weinberg Kevin Pollak Helmut Gauß
LCPL Harold W. Dawson Wolfgang Bodison Charles Rettinghaus
PFC Louden Downey James Marshall Andreas Fröhlich
LTC Matthew A. Markinson J. T. Walsh Norbert Gescher
Dr. Stone Christopher Guest Frank-Otto Schenk
CPT West John M. Jackson Jürgen Kluckert
LT Dave Spradling Matt Craven Michael Pan
CPT Whitaker Xander Berkeley Reinhard Kuhnert
CPL Jeffrey Barnes Noah Wyle Dirk Müller
CPL Carl Hammaker Cuba Gooding Jr. Thomas Petruo
Richter COL Julius Alexander Randolph J. A. Preston Joachim Nottke

Richtigstellungen, ProduktionsnotizenBearbeiten

  • „Unwürdiges Verhalten als US Marine“ ist kein Tatbestand nach dem Uniform Code of Military Justice der USA, sondern eine Fiktion, die dem Tatbestand „Unwürdiges Verhalten als Offizier“ nachgebildet ist.
  • Bei den US Marines wird nicht der Begriff Ten-Hut (dt. „Stillgestanden“), sondern der Begriff Attention on Deck (dt. „Achtung an Deck!“) verwendet.
  • Bei den US Marines wird und wurde nie der Begriff Code Red verwendet, stattdessen wurde für diese Art von „Bestrafung“ der Begriff blanket party (deutsch: „Bettdeckenparty“) verwendet.
  • Der Name des Stützpunktes wird im Film mit Roosevelt Roads Naval Station angegeben. Der echte US-Stützpunkt Roosevelt Roads lag jedoch nicht auf Kuba, sondern auf Puerto Rico. Der Name des echten US-Stützpunktes in der Bucht von Guantanamo auf Kuba, auf den sich die Filmhandlung bezieht, ist Guantanamo Bay Naval Base, oder kurz: GTMO.
  • Als Drehort für Guantanamo diente die Naval Air Base Miramar in Kalifornien, wie bereits für den Film Top Gun.[2]
  • Die Produktionskosten betrugen 40 Millionen Dollar, wobei sich die weltweiten Einnahmen auf rund 243 Millionen Dollar beliefen.[3]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Der Film erhielt überwiegend positive Kritiken. Das Filmkritik-Portal Rotten Tomatoes gibt für den Film 83 % positive Rezensionen an und er hat einen Metascore von 62 von 100 bei Metacritic.[4][5]

„Rob Reiner macht aus dem Bühnenstück einen formal und dramaturgisch überzeugenden Gerichtsfilm, in dem es um die Ausleuchtung militärischer Hierarchien geht, um den Unsinn des Kadavergehorsams und die Relativität jeder Rechtsprechung. Der Film verzichtet auf voyeuristische Action-Orgien, lebt von Milieuschilderung, Dialogen und überzeugendem Schauspiel.“

Heyne Filmjahrbuch 1994

„Der Film benutzt Vorgeschichte und Prozeß als geschickt aufgezäumtes Vehikel für die Mobilisierung von Emotionen und für die Parade einer hochkarätigen Schauspielergarde. Kinoübliche Klischees und äußerliche Faszination verstellen der kritischen Hinterfragung militärischer Befehlshörigkeit den Weg.“

„Regisseur Rob Reiner prangert in seinem spannenden Gerichtsdrama überzogenen Militärdrill an, bleibt in seiner kritischen Haltung aber seltsam unentschlossen und verklärt die Army als eine sich selbst reinigende Kraft. Bei dieser Betrachtung militärischer Hierachien konnte Reiner auf eine imposante Darstellercrew zurückgreifen, allen voran Jack Nicholson, der als Colonel Jessup eine seiner bewährten Fieslings-Rollen zum Besten gibt.“

AuszeichnungenBearbeiten

  • Oscar-Nominierungen in den Kategorien „Bester Film“, „Bester Nebendarsteller“ (Jack Nicholson), „Bester Schnitt“ und „Bester Ton“
  • Golden-Globe-Nominierungen in den Kategorien „Bester Film (Drama)“, „Bester Regisseur“ (Rob Reiner), „Bester Hauptdarsteller“ (Tom Cruise), „Bester Nebendarsteller“ (Jack Nicholson) und „Bestes Filmdrehbuch“
  • 1993: American Cinema Editor-Nominierung „Bester Schnitt“
  • 1993: American Society of Cinematographers-Nominierung „Beste Kamera“
  • 1994: ASCAP Film and Television Music Award Top Box Office Film
  • Chicago Film Critics Association Award „Bester Nebendarsteller“ Jack Nicholson
  • 1993: Dallas-Fort Worth Film Critics Association Award-Nominierung „Bester Film“
  • 1993: Directors Guild of America-Nominierung „Beste Regie“ Rob Reiner
  • 1993: Edgar Allan Poe Awards-Nominierung „Bester Film“
  • 1992: Heartland Film Truly Moving Picture Award Rob Reiner
  • 1993: Image Award-Nominierung
    • „Bester Nebendarsteller“ Wolfgang Bodison
  • 1993: MTV Movie Award
    • „Bester Film“
    • Nominierung „Beste Darstellerin“ Demi Moore
    • Nominierung „Bester Darsteller“ Tom Cruise
    • Nominierung „Begehrenswertester Mann“ Tom Cruise
    • Nominierung „Bester Bösewicht“ Jack Nicholson
  • New York Film Critics Circle Award-Nominierung „Bester Nebendarsteller“ Jack Nicholson (Dritter Platz)
  • 1993: People’s Choice Award „Bester Film“
  • 1993: PGA Award-Nominierung „Beste Produktion“
  • 1993: Southeastern Film Critics Association Award
    • „Bester Film“ (7. Platz)
    • „Bester Nebendarsteller“ Jack Nicholson

Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat „wertvoll“.[8]

DVD-/BD-VeröffentlichungenBearbeiten

  • Eine Frage der Ehre. Special Edition. Sony Pictures Home Entertainment 2001 (DVD)
  • Eine Frage der Ehre. Sony Pictures Home Entertainment 2007 (BD)

LiteraturBearbeiten

  • Aaron Sorkin: Eine Frage der Ehre (Originaltitel: A Few Good Men). Deutsch von Gunther Baumann. Rowohlt Theater-Verlag, Reinbek bei Hamburg o. J. [Bühnenmanuskript.]
  • Aaron Sorkin A Few Good Men. French, New York und London 1990, 125 S., ISBN 0-573-69200-9.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Synchronkartei.de
  2. Drehorte zu Eine Frage der Ehre in der Internet Movie Database
  3. Einspielergebnisse zu Eine Frage der Ehre auf Box Office Mojo
  4. Eine Frage der Ehre bei Rotten Tomatoes (englisch)
  5. Eine Frage der Ehre bei Metacritic (englisch)
  6. Eine Frage der Ehre. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 30. August 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet 
  7. Filmkritik zu Eine Frage der Ehre auf Prisma
  8. Eine Frage der Ehre in der Deutschen Film- und Medienbewertung