Eindeutschung

Angleichung der Schreibung von Fremdwörtern an die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung

Unter einer Eindeutschung – auch (das) Eindeutschen sowie (die) Germanisierung und (das) Germanisieren genannt – versteht man die Angleichung der Schreibung von Fremdwörtern an die deutsche Laut-Buchstaben-Zuordnung.[1][2][3] Unter Verdeutschung hingegen versteht man die Ermittlung deutscher Entsprechungen für Fremdwörter.

Bei Orts- und Familiennamen ist die Eindeutschung ein diachronischer Prozess, bei dem das Fremdwort durch Wegfall, Modifizierung oder Hinzufügen von Lauten den deutschen Silben und Morphemen angepasst wird.

Beispiele für erfolgte EindeutschungenBearbeiten

Allerdings finden sich auch Beispiele für gegenläufige Tendenzen bzw. nicht durchgesetzte Eindeutschungen. So wurden die folgenden Eindeutschungen von der Dudenredaktion oder dem Rechtschreibrat wieder zurückgenommen:

OrtsnamenBearbeiten

Die Siedlungsaktivitäten deutscher Siedler waren von der Eindeutschung bereits bestehender Flur- und Ortsnamen begleitet. Die Ausgangwörter lassen sich auf folgende vier Sprachfamilien aufteilen:[4][5]

SlawischBearbeiten

RomanischBearbeiten

meist vulgärlateinisch oder rätoromanisch

GermanischBearbeiten

eine nicht als Derivat des (Vor)althochdeutschen zu kategorisierende Sprache

VorrömischBearbeiten

meist keltisch oder rätisch

ExonoymBearbeiten

Daneben gibt es noch eingedeutschte Namen von Orten, die nie eine autochthone deutschsprachige Bevölkerung hatten, wie etwa

Aufgrund von deren überregionaler Bedeutung wurden sie aber dennoch eingedeutscht.

FamiliennamenBearbeiten

Bei Familiennamen ist der Prozess schwieriger greifbar. Je früher der Träger des Namens in den deutschsprachigen Raum eingetreten ist, desto stärker zeigt sich die Eindeutschung. Hier spielen auch persönliche Faktoren wie Literalität und Mundart eine Rolle. Es gelten in etwa die selben Kategorien wie bei den Ortsnamen, ergänzt durch altpreußisch, lettisch und litauisch.[6]

In der Zeit des Humanismus kamen antike Sprachen in Mode, sodass es den umgekehrten Prozess gab (siehe Latinisierung der Personennamen).

Rechtliche Möglichkeiten zur Eindeutschung von NamenBearbeiten

In Deutschland bietet seit 2007 der Art. 47 EGBGB Ausländern, die die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, die Möglichkeit, ihre Namen einzudeutschen bzw., wie der juristische Fachbegriff lautet, „anzugleichen“. Damit soll der Umgang im allgemeinen Geschäftsgebaren (z. B. Katalogbestellungen) sowie die Integration erleichtert werden. So können Vornamen wie Aleksandr und Krystyna zu Alexander und Christina, Nachnamen wie Šmok oder Heydebrekt zu Schmock oder Heidebrecht angeglichen werden. Auch die Annahme eines ausschließlich deutschen Vornamens oder eines ergänzenden deutschen Vornamens ist möglich.

Siehe auchBearbeiten

Wiktionary: eindeutschen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelbelegeBearbeiten

  1. Eindeutschung, eindeutschenDuden, Bibliographisches Institut, 2019; im erstgenannten Eintrag mit Verweis auf den Zweitgenannten und im zweitgenannten Eintrag u. a. auch mit „der deutschen Sprache angleichen, anpassen“
  2. Eindeutschung, eindeutschenDWDS, 2020; im erstgenannten Eintrag mit Verweis auf den Zweitgenannten und im zweitgenannten Eintrag, zur Bedeutung, u. a. auch mit „etw. deutsch machen“ sowie, in der dortigen Synonymgruppe, mit „germanisieren“, „ins Deutsche übersetzen“ und „verdeutschen“
  3. eindeutschen, germanisierenWissen.de, abgerufen am 2. Februar 2020
  4. Ines Bose, Ursula Hirschfeld, Baldur Neuber, Eberhard Stock: Einführung in die Sprechwissenschaft: Phonetik, Rhetorik, Sprechkunst. Narr Francke Attempto Verlag, 2016, ISBN 3-8233-7992-5.
  5. Christian Zschieschang: "Das Land tuget gar nichts": Slaven und Deutsche zwischen Elbe und Dübener Heide aus namenkundlicher Sicht. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-58-1.
  6. Konrad Kunze: DTV-Atlas Namenkunde: Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2004, ISBN 3-423-03266-9.