Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939

Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939 ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahre 1965 von Egon Monk. Drehbuchautor Gunther R. Lys verarbeitete damit seine eigenen Erfahrungen im KZ Sachsenhausen, wo er bis 1944 einsaß.

Film
OriginaltitelEin Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1965
Länge 90 Minuten
Stab
Regie Egon Monk
Drehbuch Gunther R. Lys
Claus Hubalek
Egon Monk
Produktion Norddeutscher Rundfunk
Musik keine
Kamera Walter Fehdmer
Schnitt Irene Brunhöver
Besetzung

und Gottfried Kramer, Curt Timm, Bruno Vahl-Berg, Reent Reins, Günter Meisner, Ludwig Wühr

HandlungBearbeiten

Frühwinter 1939. Draußen im Freien herrscht schneidende Kälte, die Luft gefriert. Und dennoch müssen sich abgemagerte, dürre Gestalten in dünner Häftlingsbekleidung zum Appell aufstellen. Die „Herrenmenschen“ in ihren tadellosen Uniformen und mit ihren Wachhunden zeigen kein Erbarmen, ein vom Kommandanten festgelegter „Fahrplan“ ist stets minutiös einzuhalten. Der Tatort: ein nationalsozialistisches Konzentrationslager, in dem sich der Schrecken des Vortages jeden neuen Tag wiederholt, von der Ankunft neuer Häftlinge am Morgen bis zur Belegung der Baracken zur Nachtruhe. Im Mittelpunkt der Handlung, die komplett auf (im Kinofilm nicht untypische) künstliche Dramatisierung (etwa durch den Einsatz der Musik als die Handlung unterstreichendes Stilmittel) verzichtet, stehen die monotonen und doch grausamen Abläufe innerhalb von nur 24 Stunden eines im Reichsgebiet befindlichen Lagers mit ihren Konflikten zwischen den Häftlingen, etwa zwischen den „Kriminellen“ und den „Politischen“, aber auch die administratorischen Banalitäten von Lagerleitung und Aufsehern.

Dieser Tag, der 12. Januar 1939, beginnt mit der Feststellung eines „Verlusts“, da in der vorausgegangenen Nacht ein Häftling zu fliehen versuchte. Er wurde erschossen. Sein lebloser, ausgemergelter Körper hängt im Stacheldrahtzaun, der das Lager einfriedet. Ein Blockältester gibt Rapport. Zwei Gefangene haben Lumpen und leere Zementsäcke organisiert, mit denen sie wenigstens die gröbste Kälte von sich fernzuhalten versuchen. Arbeitsbrigaden machten sich auf den Weg zu ihrem Einsatz, und die im Lager verbliebenen Häftlinge sollen eine Grube auf dem Paradeplatz ausheben, ohne dass sie dafür den Grund erfahren. Den Neuankömmlingen werden die Schädel kahl geschoren, und sie erhalten ihre Lagerkleidung. Dann erfolgt die Befragung durch den Blockältesten. Dabei sind harte Schläge auf den Körper und ins Gesicht durchaus üblich. Beim Ausheben der Grube stirbt ein alter Insasse an Erschöpfung. Einer der anderen Gefangenen versucht ihm zu helfen; dessen Mitmenschlichkeit wird mit Einzelhaft bestraft.

Der Lagerkommandant diktiert Briefe. Nebenan verhören zwei politische Gefangene einen Neuankömmling, den sie verdächtigen, als Informant für die Lagerleitung zu arbeiten. Plötzlich wird den Gefangenen befohlen, die gerade ausgehobene Grube wieder zuzuschütten. Offensichtlich war der Aushebebefehl ein Akt purer Schikane und Willkür. Ein KZ-Wächter treibt mit unglaublicher Brutalität den jüdischen Lagerältesten in den Tod. Die anderen Gefangenen können ihm nicht beistehen. Gegen Abend kehrt die Häftlingsbrigade von ihrem Arbeitsaußeneinsatz ins Lager zurück. Mehrere Häftlinge kamen um, gestorben an Entkräftung und Hunger. Beim abendlichen Zählappell werden die heutigen Menschen-Verluste festgestellt. Ein „ganz normaler Tag“ in einem deutschen Konzentrationslager des Jahres 1939.

ProduktionsnotizenBearbeiten

Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939, eine NDR-Produktion, entstand im Winter 1964/65 und wurde am 6. Mai 1965 in der ARD ausgestrahlt.

Klaus Wildenhahn war Monks Regieassistent, Guenter Handke übernahm die Produktionsleitung. Herbert Kirchhoff und Albrecht Becker schufen die Filmbauten, Brigitte Dankwardt die Kostüme.

AuszeichnungBearbeiten

KritikenBearbeiten

Egon Monks im streng dokumentarischen Inszenierungsstil gehaltene Fernsehproduktion ohne jedwede Elemente artifizieller Dramatisierungseffekte (beispielsweise der Verzicht auf den Einsatz von Musik) erhielt durchgehend überragende Kritiken. Nachfolgend drei Beispiele:

Egon Netenjakob schreibt in seinem Fernsehlexikon: „Die Methode des nüchtern wie detailgenauen Dokumentierens ohne künstliche Dramatik führte mit Ein Tag (1965) zu einem der meistgenannten und -geschätzten Filme der Fernsehspielgeschichte“.[1]

„An diesem Report, einer distanzierten Dokumentation von Evidenz und spiritueller Durchsichtigkeit, stimmt jedes Detail. Es ist nicht besser zu machen.“

Walter Jens, zit. n. Netenjakobs TV-Filmlexikon, S. 269

Im Filmdienst heißt es: Der Film zeigt „den Terror, die Schikanen und die Gewalt, der die Häftlinge ausgesetzt sind, sowie die Spannungen zwischen kriminellen und politischen Häftlingen. Ein eindringlicher Bericht aus dem Lagersystem der Nazis, nüchtern und in Schwarz-weiß gedreht, der an die Opfer erinnert und durch seinen präzisen Blick auf Strukturen und Mechanismen des Terrors eine eindringliche Warnung darstellt.“[2]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Egon Netenjakob: TV-Filmlexikon. Regisseure, Autoren, Dramaturgen 1952–1992. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1994, S. 268 f.
  2. Ein Tag – Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 25. Dezember 2020. 

WeblinksBearbeiten