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Eignungstest für das Medizinstudium

Studierfähigkeitstest für ein Studium der Medizin
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Der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) ist ein fachspezifischer Studierfähigkeitstest zur Erfassung der Studieneignung für ein Studium der Medizin. Ausrichter des EMS ist das Zentrum für Testentwicklung und Diagnostik (ZTD) an der Universität Freiburg im Üechtland in der Schweiz. Es besteht eine langjährige enge Zusammenarbeit mit dem Entwickler des Tests für medizinische Studiengänge (TMS) in Deutschland, dem Institut für Test- und Begabungsforschung und seiner Nachfolgeeinrichtung ITB Consulting GmbH (Bonn), von welchem der EMS eine Weiterentwicklung darstellt.[1] Von 1998 bis 2006 war und ab dem Jahr 2013 ist wieder der Name „Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz“ (EMS) bzw. Test d’aptitudes pour les études de médecine en Suisse (amS, französisch) und Test attitudinale per lo studio di medicina in Svizzera (amS, italienisch) in Verwendung. Als Abkürzung für beide letztgenannten Bezeichnungen wird AMS verwendet.

Inhaltsverzeichnis

EinsatzBearbeiten

Einsatz als Zulassungskriterium im Rahmen des Numerus clausus (NC)Bearbeiten

Der EMS wird in der Schweiz im Rahmen von universitären Auswahlverfahren als Zulassungskriterium für ein Medizinstudium verwendet. Seit 2001 steigen die Anmeldezahlen für ein Medizinstudium an Schweizer Universitäten einem linearen Trend folgend an. Für Humanmedizin (seit 1998), Veterinärmedizin (seit 1999) und Zahnmedizin (seit 2004) besteht ein Numerus clausus (NC) für Personen, die sich an den Universitäten Basel, Bern, Freiburg oder Zürich angemeldet haben. Über die Zulassung wird nach den EMS-Testergebnissen entschieden. Das gilt im Wesentlichen auch für die Chiropraktik in der Schweiz (seit 2008). In Genf, Lausanne und Neuenburg gibt es keinen Numerus clausus und keinen Test.

Der Test kommt seit 1998 in der Schweiz (aktuell 9 Testorte, dezentrale Durchführung) zur Anwendung und findet Anfang Juli statt.[2] Er wird durchgeführt, wenn eine 20-prozentige Kapazitätsüberschreitung bei den Anmeldungen Mitte Februar vorliegt und keine Umleitungsmöglichkeiten zwischen den Universitäten bestehen. Die Empfehlung an die Kantone erfolgt durch die Schweizerische Hochschulkonferenz Anfang März jeden Jahres. Die Einführung des NC unterliegt dann dem jeweiligen kantonalen Recht und wird je nach Rechtslage durch Regierung oder Parlament beschlossen.[3] Swissuniversities trägt die Verantwortung für das Anmelde- und Zulassungsverfahren.

Von 2006 bis 2012 wurde der EMS auch in Österreich eingesetzt. Bei der dortigen Anwendung als Zulassungsvoraussetzung zum Medizinstudium ergaben sich jedoch nennenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern, nämlich deutlich schlechtere Ergebnisse für (insbesondere österreichische) Frauen, was sich auch auf die Zulassungszahlen auswirkte. Ein solcher Effekt war in der Schweiz und (beim TMS) auch in Deutschland nicht aufgetreten. Dies führte zu Diskussionen und gab Anlass zu einer unabhängigen Evaluierung der Testverwendung in Österreich. Seit 2012 wird in Österreich der MedAT als Test verwendet.[4]

Obligatorischer nichtselektiver Einsatz in GenfBearbeiten

2010 bis 2012 wurde der EMS obligatorisch, aber nichtselektiv an der Universität Genf eingesetzt. Das heißt, man musste an dem Eignungstest teilnehmen, das Ergebnis entschied aber nicht über die Zulassung. Er war damit eher einem Self-Assessment vergleichbar: Die Studierenden sollten dadurch eine Hilfe zur Selbstbewertung ihrer Studieneignung erhalten und unter Umständen daraus selbstständig Konsequenzen ziehen. Das ZTD beurteilte den Versuch eines obligatorischen nichtselektiven Einsatzes negativ: Die dissuasive (abschreckende) Wirkung im Sinne eines Bewerbungsverzichts bei relativ schlechteren Testergebnissen sei nicht ausreichend gewesen. Auch das Angebot eines Beratungsgesprächs sei kaum in Anspruch genommen worden. Über die drei Jahre Laufzeit verschlechterten sich sowohl die absoluten Testergebnisse als auch die Vorhersagegenauigkeit des Tests. Gemäß der Interpretation der Autoren wurde der Test zunehmend als lästige Pflichtübung wahrgenommen, was sich auch an der geringeren Vorbereitungszeit gezeigt habe; ein Self-Assessment bei freiwilliger Teilnahme ergebe regelmäßig bessere Werte. Ihnen zufolge ermöglicht der EMS bei obligatorischem nichtselektivem Einsatz keine kapazitätsgenaue Zulassung.[5]

Konzept des Tests – Was misst der EMS?Bearbeiten

Der EMS besteht seit 2016 wieder aus neun Aufgabengruppen, die als Eintagesassessment von 9 bis 16 Uhr mit einer einstündigen Pause am Testtag zu bearbeiten sind. Die Belastung gehört mit zum Konzept des Tests, weil Medizinstudium und Beruf eine hohe Belastbarkeit voraussetzen. Im Unterschied zu einer Prüfung kann man den Test genau genommen nicht „bestehen“ oder „nicht bestehen“, er ist ein wettbewerbsorientiertes Reihungsverfahren: Es steht eine bestimmte Studienplatzanzahl zur Verfügung, die Plätze werden unter der Bedingungen eines Numerus clausus an die Testbesten vergeben. Auch für die Vergabe eines Platzes der gewünschten Universität oder eine notwendige Umleitung an weniger ausgelastete Universitäten wird der Testwert herangezogen.

Es sollen diejenigen Personen bevorzugt einen Platz erhalten, die für das Studium am besten geeignet sind und von denen erwartet wird, das sie es in einer angemessen (kurzen) Studienzeit mit guten Ergebnissen beenden können. Die vorhandenen Studienplätze werden entsprechend der Höhe des Testergebnisses zugeteilt.

Der für die Zulassung verwendete Prozentrang (TP) wird direkt aus der kumulierten Häufigkeitsverteilung der Punktwerte aller Personen berechnet, die in einem Jahr am EMS-Test teilnahmen und ist ganzzahlig. Werte unter 10 werden auf 10 gerundet. Er zeigt an, wie viele Prozent aller teilnehmende Personen ein schlechteres oder gleich gutes Ergebnis erreicht haben. Er kann ins Folgejahr übernommen werden. Bei gleichem Testwert entscheidet der durchschnittliche Rangplatz als gemittelter Rangplatz in allen zehn Aufgabengruppen eines Bewerbers.[6]

AufgabengruppenBearbeiten

Die aktuell genutzten neun Aufgabengruppen des EMS sind:

Aufgabengruppe Aufgaben und Dauer Beschreibung
Quantitative und Formale Probleme 20 Aufgaben, 50 Minuten Test zu mathematischen Fähigkeiten im naturwissenschaftlichen Kontext
Schlauchfiguren 20 Aufgaben, 12 Minuten mentaler Rotationstest zu räumlichen Fähigkeiten
Textverständnis 18 Aufgaben, 45 Minuten Test zum Lesesinnverständnis im naturwissenschaftlichen Kontext
Konzentriertes und Sorgfältiges Arbeiten Blatt mit 1600 Zeichen, 8 Minuten Aufmerksamkeitsbelastungstest
Figuren lernen 20 Aufgaben, 4 Minuten lernen, 5 Minuten reproduzieren Test der figuralen Merkfähigkeit
Fakten lernen 20 Aufgaben, 6 Minuten lernen, 7 Minuten reproduzieren Test der verbalen Merkfähigkeit und assoziativen Erinnerungsbildung
Medizinisch-Naturwissenschaftliches Grundverständnis 20 Aufgaben, 50 Minuten Test zu naturwissenschaftlichem Denken
Muster zuordnen 20 Aufgaben, 18 Minuten Test der visuellen Strukturierungsfähigkeit
Diagramme und Tabellen 20 Aufgaben, 50 Minuten Test zum Verständnis und zur Interpretation von Diagrammen und Tabellen

Nach der Aufgabengruppe „Konzentriertes und Sorgfältiges Arbeiten“ erfolgt eine einstündige Pause. Zwischen den Lernphasen und der Reproduktion bei „Figuren lernen“ und „Fakten lernen“ wird „Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis“ durchgeführt, d. h. mindestens 50 Minuten müssen die Dinge behalten werden.

Mit Hilfe der Faktorenanalyse wurde ermittelt, welche gemeinsamen Komponenten sich in den zehn Aufgabengruppen finden. Etwa 30 % der Varianz der Testergebnisse werden durch einen Faktor „Schlussfolgerndes Denken (Reasoning)“ aufgeklärt, etwa 15 % Anteil hat die „Merkfähigkeit“ und etwa 20 % „Visuelle Fähigkeiten und Konzentrationsfähigkeit“.[7] 35 % der Varianz sind spezifisch für die einzelnen Aufgabengruppen oder andere Anteile.

Der EMS ist ein psychometrisches Verfahren in der Tradition der Klassischen Testtheorie. Die Subtests sind nicht – wie etwa der amerikanische Scholastic Aptitude Test (SAT) bzw. die PISA-Studie nach dem Rasch-Modell konzipiert, d. h. die Subtests sind nicht eindimensional, sondern sollen bewusst komplexe Studienanforderungen („Arbeitsproben“) nachempfinden.

Wie funktioniert der Test?Bearbeiten

Der Test ist auf die Messung der Studieneignung, die optimale Vorhersage des Studienerfolges ausgelegt. Die Zulassung nach dem Testergebnis ist dann gerecht, wenn Personen mit besserem Testergebnis tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit bessere Ergebnisse im Studium erreichen, also das Studium erfolgreich abschließen, und dies zudem möglichst schnell und mit guten Noten.

Eine 2007 veröffentlichte Metaanalyse fachspezifischer Studierfähigkeitstests im deutschsprachigen Raum zeigte, dass insbesondere beim Studienfach Humanmedizin ein hohes, den Schulnoten vergleichbares Niveau an Vorhersagbarkeit des Studienerfolgs erreicht wird. Etwas geringere Werte ergaben sich bei Tiermedizin. Alle anderen untersuchten Kriterien (Eignungsgespräche, allgemeine Tests usw.) waren in ihrer Vorhersage des Studienerfolgs den Schulnoten und den Studierfähigkeitstests unterlegen. Für die medizinspezifischen Tests wurden Einzelstudien zum TMS und EMS in die Metaanalyse aufgenommen, einbezogen waren hier Einzelstudien des ZTD zu den Testteilnehmenden 1998 und 1999. Als Erfolgskriterium dienten im Studium erzielte Noten, im Fall des EMS Noten in der ersten und teilweise auch in der zweiten Vorprüfung (nach einem bzw. zwei Jahren Studium). Dazu gewährleistet der Test eine hohe Vergleichbarkeit der Bedingungen (unterschiedliche Bewertungs-Maßstäbe, unterschiedliche Notenstrenge oder individuelle Bevorteilungen/Benachteiligungen sind praktisch nicht möglich).[8] Ein Bericht des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates von 2016 bekräftigt, dass es sich beim EMS um einen validen Test zur Vorhersage des Studienerfolgs handelt, insbesondere in der Humanmedizin, mit Einschränkungen in der Tiermedizin. Dies gelte jedoch vor allem für das erste Studienjahr, für den Fortgang des Studiums fehlten entsprechende Angaben. Der Wissenschaftsrat empfiehlt weitere Untersuchungen für den späteren Studienverlauf an allen medizinischen Fakultäten.[9]

Zur Berechnung eines Testwerts werden zunächst der Mittelwert und die Standardabweichung der Gesamtpunktzahl aller 10 Aufgabengruppen bestimmt. Der Testwert kommt dadurch zustande, dass man von der Gesamtpunktzahl den Mittelwert der Punktzahlen aller Testteilnehmenden subtrahiert und die Differenz durch den Wert der Standardabweichung dividiert. Anschließend wird zur leichteren Handhabung noch mit 10 multipliziert und der Wert 100 addiert. Der mittlere Testwert beträgt dadurch 100 und seine Standardabweichung 10. Der niedrigste vergebene Testwert ist 70, der höchste 130. Ist ein Testwert größer als 100, dann wurde eine überdurchschnittliche Leistung erbracht. Liegt der Testwert unter 100, dann hat er ein unterdurchschnittliches Resultat erzielt – immer bezogen auf die Menge aller Bewerber. Durch diese Standardisierung sind Testwerte zwischen den Jahren vergleichbar und können auch ins Folgejahr übernommen werden.

Bei gleichem Testwert werden die Personen in der Reihenfolge des mittleren Rangplatzes aller Aufgabengruppen berücksichtigt, wenn die Kapazität keine Zulassung aller Personen mit einem Testwert zulässt bzw. für Umleitungen eine Differenzierung notwendig ist. Um auch hier eine Vergleichbarkeit zwischen den Jahren herzustellen, werden die Rangplätze auf jeweils 1000 Personen bezogen umgerechnet. Diese Auswertung wichtet gute Leistungen in schwereren Aufgabengruppen höher als der einfache Punktwert.[10]

Grundsätzlich können in einem Eignungstest als Groß-Gruppentest nur ganz bestimmte Merkmale geprüft werden:

  • Leistungsmerkmale, wo es eindeutig richtige/falsche Lösungen gibt, die Zahl richtiger Lösungen für Eignung steht. Der Richtigkeitsnachweis muss justitiabel sein (z. B. die Trennschärfen werden als Kenngrössen verwendet);
  • nicht verfälschbare Merkmale (z. B. keine Urteile nach der sozialen Erwünschtheit);
  • ökonomisch erfassbare Merkmale, Eignung für Groß-Gruppentestung, automatisierte Auswertbarkeit (z. B. keine Videopräsentationen realistisch);
  • geringe Trainierbarkeit (nicht zu verwechseln mit Notwendigkeit der Vorbereitung) – die empfohlene Selbstvorbereitung muss mit kommerziellen Trainingskursen vergleichbar bleiben.

Mögliche weitere Faktoren, die das Testergebnis beeinflussen:

  • Güte der schulischen Ausbildung als Training der Studierfähigkeit (wahrscheinlich);
  • Motivationale Faktoren bezogen auf Medizinstudium/Medizinalberuf und Testmotivation (sicher);
  • Geübtheit, Vorbereitung (sicher);
  • Belastbarkeit (der Test dauert fast sechs Stunden – diese Anforderung ist allerdings Bestandteil des Testkonzeptes, weil auch der Medizinalberuf in der Regel hohe Belastbarkeit fordert), (sehr wahrscheinlich);
  • Testangst (wahrscheinlich).

Unterschiede zum deutschen TMSBearbeiten

Der EMS basiert auf dem Konzept des Tests für Medizinische Studiengänge (TMS). Die Unterschiede sind:

  • ein veränderter Konzentrationstest (der nun auch in den neuen TMS Eingang fand);
  • eine neue Aufgabengruppe Planen und Organisieren, die aufgrund einer neuen Anforderungsanalyse für das Medizinstudium aufgenommen wurde und Planungskompetenz erfassen soll war bis 2015 im Einsatz. Sie musste zugunsten der jährlichen Verwendbarkeit neuer Aufgaben aus Kostengründen eingespart werden.[11]
  • ein Verzicht auf Einstreuaufgaben; damit ist die Aufgabenanzahl im Vergleich zum TMS in den meisten Aufgabengruppen um vier reduziert und der EMS trotz der zusätzlichen Aufgabengruppe in etwa gleich lang;
  • die Verwendung des gemittelten Rangplatzes über die Aufgabengruppen, der hohe Punktzahlen in schwierigeren Aufgabengruppen höher gewichtet als in leichteren, als Entscheidungskriterium für die Zulassung bei gleichem Testwert;
  • äquivalente Testformen in den (Landes-)Sprachen der Schweiz: Deutsch, Französisch und Italienisch.
  • Ab 2014 die Verwendung des Test-Prozentranges (TP) für die Zulassung, der direkt aus der Verteilung der erreichten Punktwerte berechnet wird. Dieser löst den bisherigen Testwert ab und gewährleistet eine höhere Differenzierung.[12]
  • Der EMS darf wiederholt werden, jedoch höchstens einmal im Jahr; das letzte Test-Ergebnis ist gültig.

Verschiedene SprachversionenBearbeiten

Bedingt durch die Mehrsprachigkeit der Schweiz wird der Test in deutscher, italienischer und französischer Sprache entwickelt. Dabei werden die Aufgaben hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Wirkung in den verschiedenen Sprach- und Länderversionen mit Hilfe des sog. Differential item functioning (DIF-Analyse) überprüft. Für Fragen, die in der französisch- oder italienischsprachigen Version im Vergleich zur Erwartung aufgrund der deutschsprachigen Version deutlich schwerer sind, werden den dadurch möglicherweise testbedingt benachteiligten Teilnehmern (Zehntel-)Bonuspunkte gutgeschrieben.

Studieneignung, Berufseignung und soziale KompetenzBearbeiten

Man hat sich beim Zulassungstest bewusst auf Kompetenzen der Studieneignung beschränkt, weil vor Einführung des NC 50–60 % der Personen Prüfungen nicht bestanden und das Studium abbrachen. Medizin ist und bleibt ein anspruchsvolles Studium hinsichtlich der geforderten mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Verlagert man das Gewicht des Tests zu sehr auf soziale Kompetenzen (die weniger prüfungsrelevant sind), besteht die Gefahr, dass die Zulassung nicht mehr nach der Erfolgsaussicht geschieht und dass die Abbruchraten wieder ansteigen. Wurde die Zulassung begrenzt, würde die Ausbildungskapazität vor allem im Fachstudium dann nicht mehr optimal genutzt.

Die Studieneignung als „Studierfähigkeit“ (sich neues Wissen effektiv aneignen) wird allerdings auch als Kernkompetenz der Berufseignung gesehen, vor allem im Hinblick auf Modelle der zunehmend geforderten kontinuierlichen lebenslangen Weiter- und Fortbildung in der Medizin.

Bezüglich der Sozialkompetenz ist die Suche nach einem verfälschungssicheren Paradigma mit Eignung für den Zulassungstest beständig (und erfolglos) weiter erfolgt: Die „Situational Judgement Tests“ (SJT) erfüllten die Hoffnungen nicht.[13] Eine Darbietung auf Papier hat in Belgien keine ausreichende Vorhersage für kognitive oder soziale Studienerfolgskriterien erlaubt; eine Darbietung per Video wäre aussichtsreicher, ist aber aufgrund des Aufwandes und der technischen Voraussetzungen nicht realistisch. Aufgrund eines ausführlichen Workshops in Wien wurde auf eine Pilotstudie mit einer Papierversion verzichtet. Andere auf Selbstbeurteilung beruhende Paradigmen sind allenfalls für das Self Assessment geeignet – nicht aber für einen wie oben charakterisierten Zulassungstest (auch wegen der Verfälschbarkeit und Trainierbarkeit).

Es liegen außerdem keine ausreichend differenzierten Anforderungsanalysen vor, um Berufseignung für die verschiedenen Medizinalberufe tatsächlich zu beschreiben und nachfolgend mit einem Zulassungstest zu erfassen. Die einzelnen Fachgebiete (z. B. Chirurgie vs. Psychiatrie) und Arbeitsorte (z. B. Labor vs. Praxis) unterscheiden sich beträchtlich. Keines der Merkmale hat die Qualität, dass es als „hartes“ Kriterium für die Zulassung praktisch verwendbar wäre (es sind ggf. Beurteiler notwendig, die unterschiedliche Maßstäbe haben können, erwünschtes Verhalten ist stark trainierbar, einige Merkmale bilden sich erst während des Studiums heraus bzw. sind selbst Ausbildungsziele).

Ergänzendes Self-Assessment für Soft-SkillsBearbeiten

Ergänzend wird zum EMS seit 2010 ein Online Self Assessment zur Erfassung studienrelevanter Persönlichkeitsmerkmale, von Interessen für Medizinstudium und -beruf sowie von Wissen bzw. Erwartungen bezüglich eines Medizinstudiums/Medizinalberufes seit 2010 eingesetzt, um auch Soft Skills in den Entscheidungsprozess für eine Zulassung der Bewerber einzubeziehen.[14]

Trainierbarkeit des EMSBearbeiten

Die Trainierbarkeit des EMS stellt für viele Bewerber ein wichtiges Thema dar, da sie sich auf den Test gut vorbereiten möchten, weshalb es auch einen florierenden Trainingsmarkt in diesem Bereich gibt. Von Seiten der Testentwickler wird zu einer Vorbereitung auf den Test dringend geraten. Der Test ist allerdings kein Wissenstest, wo man aus einem vorgegebenen Inhaltskatalog sich durch Auswendiglernen vorbereiten kann.

Grundsätzlich gilt für den EMS das sogenannte Testing-the-Limits-Paradigma, d. h. dass der Test mit zunehmender Übung und Praxis an Differenzierungsfähigkeit gewinnt und die Werte sich von Testung zu Testung auf einem stabileren Level (der individuellen Leistungsasymptote) einpendeln, da Startvorteile, die in Vorwissensunterschieden oder einer besseren schulischen Ausbildung begründet liegen können, zwischen den Bewerbern ausgeglichen werden. Das heißt, dass die Reliabilität des Messinstruments von Testung zu Testung zunimmt, wie in verschiedenen Untersuchungen bestätigt werden konnte. Das Gleiche gilt auch für Training. Je besser die Trainingsintervention ist, umso schneller erreicht jemand seine individuelle Leistungsasymptote. Übung und Training stellen daher eine Notwendigkeit für die Bewerber dar, weshalb Originalversionen des Tests öffentlich erhältlich sind, die am besten unter Echtzeitbedingungen absolviert werden sollten.

Im Rahmen der Evaluierungen des EMS wurde auch die Auswirkung verschiedener Vorbereitungsarten untersucht. Insgesamt konnte ein Optimum bei einer selbständigen Vorbereitungsdauer von 30 bis 35 Stunden statistisch aufgefunden werden. Außerdem scheint eine positive Wirkung der gemeinsamen Vorbereitung in Gruppen zu bestehen. Positiv auf die Vorbereitung wirkt sich auch das Durchführen eines Tests unter Echtzeitbedingungen aus. In Bezug auf den Erfolg von zusätzlichen Testtrainings konnten keine signifikanten Vorteile von Teilnehmern festgestellt werden. Selbstständige Vorbereitung scheint überdies mehr zu bewirken als die Teilnahme an Kursen, da gezeigt werden konnte, dass jene Kursteilnehmer, die nur einen kurzen Kurs (Dauer < 8 h) besuchten und sich intensiv selbst beschäftigten besser abschnitten als jene, die an einem längeren Kurs teilnahmen (Kurs > 8 h)".[15][16][17]

Im Rahmen einer großangelegten Untersuchung 1982 zeigte Bernhard Deter,[18] dass nicht einmal Unterschiede zwischen Teilnehmern eines Kurses und jenen, die nur eine Testbroschüre erhielten aufgefunden werden konnten, was damals dazu geführt hat, dass die Testinformationsbroschüre eingeführt wurde. Die Kombination von Testbroschüre und Originalversionen heute und die Daten der Evaluierungen lassen vermuten, dass keine Einschränkungen der Testfairness durch Trainingskurse zu erwarten sind.

Ein interessanter Zusammenhang besteht bezüglich der Frage, welche Subtests des EMS sich besonders gut und welche sich besonders schlecht trainieren lassen. Diesbezüglich konnte ein Zusammenhang mit der Faktorenstruktur des Tests gefunden werden, wenn diese Daten mit der groß angelegten Trainingsstudie von Deter (1982) in Verbindung gesetzt werden. Je höher die Ladung des Subtests auf dem Faktor „Schlussfolgerndes Denken“ desto niedriger sind die zu erwartenden Trainingsgewinne. Je höher die Ladung allerdings auf dem Faktor „Visuelle Fähigkeiten“ desto höher ist der zu erwartende Gewinn. In Zusammenhang mit dem Faktor „Merkfähigkeit“ gibt es keinen Zusammenhang mit der Trainierbarkeit der Subtests. Daraus ergibt sich eine Reihenfolge der Subtests hinsichtlich ihrer Trainierbarkeit, auf die auch bei der Vorbereitung im Falle einer Prioritätensetzung geachtet werden kann:

  1. Muster zuordnen
  2. Figuren lernen
  3. Fakten lernen
  4. Schlauchfiguren
  5. Diagramme und Tabellen
  6. medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis
  7. quantitative und formale Probleme
  8. Textverständnis.

Geschlechterunterschiede und GenderfairnessBearbeiten

Geschlechtsunterschiede beim EMS waren immer wieder Gegenstand von Diskussionen, da Testfairness eine Chancengleichheit voraussetzt. Chancengleichheit bedeutet, dass bei gleicher Eignung (hier Studieneignung, s. o.) gleiche Ergebnisse erzielt werden können. Chancengleichheit ist nicht mit Ergebnisgleichheit zu verwechseln (wenn etwa gleiche Mittelwerte für alle Gruppen zwingend erwartet werden), da sich objektiv vorhandene Eignungsunterschiede auch im Ergebnis widerspiegeln müssen. Außerdem sind die Kohorten der Männer und Frauen, die sich für ein Medizinstudium bewerben, nicht repräsentativ für die jeweiligen Altersgruppen und auch miteinander nicht zwingend vergleichbar, weil die Studienwahl jeweils unterschiedlich motiviert sein kann. Besondere Bedeutung hatte diese Diskussion beim Einsatz in Österreich (siehe Genderunterschiede der Ergebnisse in Österreich). In der Schweiz und auch beim Test für Medizinische Studiengänge (TMS) in Deutschland kann aufgrund der empirischen Ergebnisse von einer Chancengleichheit der Geschlechter ausgegangen werden.

Weitere politische DiskussionenBearbeiten

Die sonstigen politischen Diskussion prägen v. a. folgende Themen:

  • Probleme steigenden Ärztebedarfes, ein aktueller Ärztemangel sowie in der Schweiz der hohe Ausländeranteil bei Ärzten könnten durch Abschaffung des NC gelöst werden. Begrenzend für die Zulassung zum Medizinstudium sind die Ausbildungskapazitäten vor allem im Fachstudium, wo entsprechende Klinikkapazitäten vorhanden sein müssen (Betten bzw. Patienten, Technik, Betreuung) – das Medizinstudium ist auch eine Berufsausbildung mit praktischen Anteilen. Dieser Ausbau ist teuer, die Kantone als Träger der Universitäten können zusätzliche Mittel nur begrenzt aufbringen. Die Zahl der Personen, die den Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) absolviert haben, ist in der Schweiz von 670 im Jahr 2000 auf 2363 im Jahr 2012 gewachsen. Um die Nachfrage befriedigen und die gleiche Studienqualität wie im Jahr 2000 ohne NC aufrechterhalten zu können, hätte man 11 Universitäten wie Basel oder 6 wie Zürich zusätzlich benötigt.[19] Nachfrage nach Studienplätzen und sinnvoller Kapazitätsausbau sind zwei verschiedene Fragen geworden.
  • Die Sinnhaftigkeit von Zulassungsbegrenzungen wird infrage gestellt, sowie ein freier Hochschulzugang gefordert. Dies ist damit auch eine politische Entscheidung, die nichts mit dem Test selbst zu tun hat.
  • Die Begründung der Verwendung eines Eignungstests wird hinterfragt. Nicht zuletzt deshalb wird die Vorhersagefähigkeit des Prüfungserfolges laufend evaluiert. Auch im Vergleich mit anderen Zulassungskriterien (Abiturnote, Aufnahmegespräche, Sozialpraktika, intrauniversitäre Selektion nach dem ersten Jahr) hat der Test aber Vorteile (siehe FAQ unter Weblinks).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. unifr.ch - EMS Aufbau
  2. Es ist in der Regel der erste Freitag – liegt dieser wegen der Maturitätsprüfungen zu früh, wird auf den zweiten Freitag gewechselt.
  3. Die gesetzlichen Grundlagen für NC und Eignungstest finden sich auf der Website von Swissuniversities.
  4. Auf einer Seite des Österreichischen Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung finden sich die Evaluationsstudie von Christiane Spiel und anderen zum Thema sowie Stellungnahmen der Schweizer Rektorenkonferenz und des ZTD.
  5. Bericht über den Testeinsatz in Genf (PDF; 184 kB)
  6. Aufbau des EMS ab 2016, Materialien des ZTD
  7. Bericht 13 des ZTD, S. 84 (PDF-Datei; 1,23 MB)
  8. Benedikt Hell, Sabrina Trapmann, Heinz Schuler: Eine Metaanalyse der Validität von fachspezifischen Studierfähigkeitstests im deutschsprachigen Raum. In: Empirische Pädagogik, Jg. 21 (2007), Heft 3, S. 251–270, online. Die einbezogenen Primärstudien des ZTD finden sich in Hänsgen/Spicher (2001): Bericht über die Durchführung und Ergebnisse 2001 = Bericht 7 (2001), ab S. 40 (online).
  9. Schweizerischer Wissenschafts- und Innovationsrat (SWIR): Zulassungsverfahren für das Medizinstudium an den Universitäten mit Numerus clausus. Bericht zuhanden der Schweizerischen Hochschulkonferenz. Bern, 21. Januar 2016. PDF, S. 3 und 20.
  10. Erklärung der Auswertung des EMS, aus Bericht 19 des ZTD (PDF; 113 kB)
  11. Neues im EMS 2016 vom ZTD
  12. Dokumente des ZTD: Aufbau des EMS, Seite 3
  13. Konzeptpapier des ZTD zum SJT (Memento vom 3. September 2011 im Internet Archive)
  14. Projektseite Self Assessment Medizin, abgerufen am 2. Juli 2016.
  15. Vorbereitungsreport 2005 (PDF-Datei; 345 kB)
  16. Vorbereitungsreport 2004 (PDF-Datei; 213 kB)
  17. Vorbereitunsreport 2003 (PDF-Datei; 159 kB)
  18. Deter, B.(1982). Zum Einfluss von Übung und Training auf den Test für Medizinische Studiengänge. Braunschweig: Agentur Pedersen.
  19. Analyse Studienerfolg an Universitäten mit und ohne NC in der Schweiz