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Edouard Wyss-Dunant; Everest-Expedition 1952

Edouard Wyss-Dunant (* 17. April 1897; † 30. April 1983) war ein Schweizer Arzt und Alpinist.[1] Er veröffentlichte eine Reihe medizinischer Abhandlungen und ist Autor mehrerer Bergsteigerbücher. Er führte 1952 die erste Schweizer Expedition zum Mount Everest.

BiografieBearbeiten

Wyss-Dunant hat einen Schweizerdeutschen Vater und eine Mutter aus dem frankophonen Kanton Waadt. Er verbrachte seine Kindheit im Elsass, wo sein Vater eine Chemiefabrik leitete. Anschließend studierte er Medizin in Genf. Nach seiner Promotion in Radiologie in Zürich, ließ er sich in Bern als Radiologe nieder und wurde Mitglied des Akademischen Alpenclub Bern (AACB). Später bezog er eine Praxis in Genf, wo er seine spätere Frau Lucrece kennenlernte und sich dort, bis auf einen Aufenthalt in Nordafrika, für den Rest seines Lebens niederliess.

Wyss-Dunant bestieg während seines Aufenthaltes in Bern alle Hauptgipfel des Berner Oberlandes: Zu den klassischen Routen in seiner damaligen Aufzeichnung gehörte der Mittellegikamm des Eiger, der Nordgrat des Mönch und viele Anstiege in der Kette der Engelhörner. In seinen frühen Zwanzigern durchquerte er die Dent d’Hérens vom Tiefenmatten-Joch zum Col du Lion und machte eine doppelte Traverse, in zwei Tagen sowohl vom Matterhorn als auch den Dent d’Hérens. Er schaffte auch eine Solo-Überquerung des Matterhorns. Zusammen mit Alexander Taugwalder erstieg er das Matterhorn über den als schwierig geltenden Südostgrat, den sogenannten Furggengrat. Er kletterte auch im Mont-Blanc-Massiv mit Marcel Kurz.

Wyss-Dunant nahm auch an mehreren Expeditionen im Ausland teil: Mexiko (1936), Ostafrika (1937), Grönland (1938), Tibesti (Tschad) (1946) und im Himalaya (1947 und 1952). Berichte über diese Expeditionen werden in seinen Büchern festgehalten: Appels des Sommets, Au dela des Cîmes, Sur les Hauts Plateaux Mexicains, Mes Ascensions en Afrique, Mirages Groenlandais und Forets et Cîmes Himalayennes.

Wyss-Dunant war Präsident des Schweizer Alpen-Clubs und des Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIAA). In Anerkennung dieser Verdienste und seiner lebenslangen Tätigkeit als Kletterer wurde er 1963 zum Ehrenmitglied des Alpine Club ernannt.[2]

Frühjahrsexpedition 1952 zum Mount EverestBearbeiten

Als Höhepunkt Wyss-Dunants Karriere als Alpinist war seine Auswahl durch die Schweizerische Stiftung für Alpine Erforschung als Leiter der ersten Schweizer Expedition zum Mount Everest im Frühjahr 1952.

Alle Teilnehmer dieser Expedition kamen aus Genf; sie gehörten fast alle dem exklusiven Kletterclub «L'Androsace» an und kannten sich sehr gut. Die Stadt und der Kanton Genf unterstützten die Expedition moralisch und finanziell, und die Universität Genf stellte das wissenschaftliche Kontingent zur Verfügung.[3] Die Aufgabe, der sich dieses Team stellte, bestand hauptsächlich darin, den Zugang zum South Col, den Khumbu-Gletscher und möglicherweise den Vormarsch zum South Col zu erkunden. Raymond Lambert und Sherpa Tenzing Norgay erreichten auf dem Südostgrat eine Höhe von etwa 8595 m, einen neuen Höhenrekord. Tenzings Erfahrung sollte sich als nützlich für die britische Expedition 1953 mit Edmund Hillary erweisen.[4]

Die Ergebnisse dieser ersten Schweizer Everest-Expedition übertrafen die Erwartungen. Beim ersten Versuch hatte man eine neue Route zum Everest eröffnet und unter schwierigen Bedingungen eine aussergewöhnliche Höhe auf dem Südwestgrat erreicht. Nach Meinung des kritischen Marcel Kurz ist diese Expedition fast mit einem Sieg zu vergleichen. Sie ebnete den Weg für weitere Erfolge anderer Expeditionen.

Wissenschaftliche ForschungBearbeiten

Edouard Wyss-Dunant prägte den Begriff «Todeszone» in einem Artikel über Akklimatisation, veröffentlicht in der Zeitschrift der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung.[5]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. K2: the 1939 tragedy Andrew J. Kauffman, William Lowell Putnam - 1992 "Edward Wyss-Dunant (1897-1983), a radiologist and physiologist, was a resident of Geneva who climbed mostly in the Oberland."
  2. In Memoriam, compiled by Geoffrey Templeman. (PDF; 9.4 MB) In: The Alpine Journal. Alpine Club, abgerufen am 9. August 2019 (englisch).
  3. Excerpt from: Swiss Foundation for Alpine Research, 1939 to 1970. Published in Zurich in 1972. Archiviert vom Original am 18. November 2007. Abgerufen am 9. Januar 2011.
  4. Tenzing Norgay GM. Abgerufen am 21. Juni 2007.
  5. Wyss-Dunant, Edouard: Acclimatisation. (PDF) In: The Mountain World. 1953, S. 110–117. Abgerufen am 10. März 2013.