Ebreichsdorf

Gemeinde in Österreich
Stadtgemeinde
Ebreichsdorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Ebreichsdorf
Ebreichsdorf (Österreich)
Ebreichsdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Baden
Kfz-Kennzeichen: BN
Fläche: 43,2 km²
Koordinaten: 47° 58′ N, 16° 24′ OKoordinaten: 47° 57′ 40″ N, 16° 24′ 17″ O
Höhe: 202 m ü. A.
Einwohner: 11.084 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 257 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2442, 2483
Vorwahl: 02254
Gemeindekennziffer: 3 06 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
2483 Ebreichsdorf
Website: www.ebreichsdorf.at
Politik
Bürgermeister: Wolfgang Kocevar (SPÖ)
Gemeinderat: (2020)
(33 Mitglieder)
16
5
5
4
2
1
16 
Insgesamt 33 Sitze
Lage von Ebreichsdorf im Bezirk Baden
AllandAltenmarkt an der TriestingBad VöslauBadenBerndorfBlumau-NeurißhofEbreichsdorfEnzesfeld-LindabrunnFurth an der TriestingGünselsdorfHeiligenkreuzHernsteinHirtenbergKlausen-LeopoldsdorfKottingbrunnLeobersdorfMitterndorf an der FischaOberwaltersdorfPfaffstättenPottendorfPottensteinReisenbergSchönau an der TriestingSeibersdorfSooßTattendorfTeesdorfTraiskirchenTrumauWeissenbach an der TriestingNiederösterreichLage der Gemeinde Ebreichsdorf im Bezirk Baden (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Rathaus Ebreichsdorf
Rathaus Ebreichsdorf
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Ebreichsdorf ist eine südlich von Wien gelegene Stadtgemeinde mit 11.084 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Verwaltungsbezirk Baden im Industrieviertel Niederösterreichs.

GeographieBearbeiten

Ebreichsdorf liegt mitten im Wiener Becken, im so genannten Steinfeld. Durch Ebreichsdorf fließen die Piesting und die Fischa; der Kalte Gang entspringt hier.

GemeindegliederungBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst folgende vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl, Stand 1. Jänner 2019[1]):

Die Stadtgemeinde (Stadtrecht seit September 2001) besteht aus den 4 Katastralgemeinden:

  • Ebreichsdorf
  • Unterwaltersdorf
  • Schranawand
  • Weigelsdorf

NachbargemeindenBearbeiten

Trumau (BN) Münchendorf (MD) Moosbrunn (BL),
Mitterndorf an der Fischa (BN),
Reisenberg (BN)
Oberwaltersdorf (BN)   Seibersdorf (BN)
Pottendorf (BN)

GeschichteBearbeiten

 
Ebreichsdorf und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Der Name leitet sich vom Ritter Eberich ab (Ebreichsdorf) und wird das erste Mal in einer Urkunde des Bischofs Ulrich von Passau genannt. Der Platz des heutigen Ortes dürfte aber auf Grund von Ausgrabungen schon in frühchristlicher Zeit besiedelt worden sein. Außerdem dürfte schon früher in der Nähe von Ebreichsdorf eine große römische oder von den Römern besetzte keltische (boische) Siedlung bestanden haben. Später unter den Babenbergern war die Besiedlung in der für diese Zeit in sogenannten Angerdörfern. Bereits 1120 wurde das frühere Schloss in Schranawand (früher Schranabatten), einer kleinen Bauernsiedlung, erwähnt.[2] Von diesem Schloss sieht man nichts mehr. Nur die Kirche, die auch schon unter den Babenbergern erbaut wurde, steht heute noch.

Unterwaltersdorf wurde bereits 1304 als Markt erwähnt. Das Schloss Ebreichsdorf dürfte ein Veste (Festung) gegen die immer wieder hereindringenden Ungarn gewesen sein. Genaue Unterlagen über die Entstehung des Schlosses gibt es aber nicht. Im Jahr 1333 ging Ebreichsdorf, das bisher im Besitz des Stiftes Melk war, in den Besitz von Ulrich und Berthold von Pergau über, denen zu dieser Zeit das Schloss gehörte. Seitdem wechselten die Besitzer des Schlosses sehr oft. Es war auch kurz in ungarischer Hand. Auch bei der ersten Türkenbelagerung wurde es, wie alle Orte, stark in Mitleidenschaft gezogen. 1568 kaufte Hieronymus von Beck das Schloss und baute es komplett um mit einem ausgedehnten Park.[3]

In der Zeit danach nahm Ebreichsdorf durch seine Kaisertreue einen Aufschwung. Bei der zweiten Türkenbelagerung blieben sie durch einen Schutzbrief mit einem Treuegelöbnis verhältnismäßig ungeschoren.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden durch die damaligen Schlossherrn starke wirtschaftliche Impulse gesetzt. So entstand eine große Baumwoll- und Schafwollmanufaktur, eine der größten im damaligen Niederösterreich. Der Hauptteil der Gebäude steht heute noch am Hauptplatz. Eine große Mühle entstand. Diese Industrialisierung wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Verwendung der Wasserkraft der Piesting, Kalten Ganges und der Fischa fortgesetzt.

1914 kam es zur Gründung einer Niederlassung des Ordens der Salesianer Don Boscos in Unterwaltersdorf und 1915 konnte das Don Bosco Gymnasium Unterwaltersdorf mit dem Unterricht beginnen.

Ebreichsdorf kam in den 1990er Jahren in den Schlagzeilen, als der Austro-Kanadier Frank Stronach dort das sogenannte Weltkugel-Projekt verwirklichen wollte.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten


GemeindepartnerschaftenBearbeiten

PolitikBearbeiten

 
Bürgermeister Wolfgang Kocevar

Der Gemeinderat hat 33 Mitglieder.

  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 7 ÖVP, 6 Bürgerliste, 4 FPÖ, 1 Interessensgemeinschaft EHZ Weigelsdorf und 1 Ebreichsdorfer Wahlgemeinschaft - Liste Nevlacsil (EWG).
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 8 Bürgerliste, 4 ÖVP, 3 FPÖ, 2 Unabhängig-Unterwaltersdorf-Schranawald (UWS), 1 Interessensgemeinschaft EHZ Weigelsdorf und 1 LIF.[4]
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 Bürgerliste, 11 SPÖ, 3 ÖVP, 2 Grüne, 2 FPÖ, 1 Interessensgemeinschaft EHZ Weigelsdorf und 1 Unabhängig-Unterwaltersdorf-Schranawald (UWS).[5]
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 Bürgerliste, 11 SPÖ, 3 ÖVP, 1 Grüne, 1 Interessensgemeinschaft EHZ Weigelsdorf, 1 Bürger Aktiv und 1 Unabhängig-Unterwaltersdorf-Schranawald (UWS).[6]
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 13 Bürgerliste, 12 SPÖ, 3 ÖVP, 2 FPÖ, 2 Initiative Lebensqualität, Verkehr Stadtgemeinde Ebreichsdorf (ILSE) und 1 Grüne.[7]
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 SPÖ, 9 Bürgerliste, 4 FPÖ, 3 ÖVP und 1 Grüne.[8]
  • Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 SPÖ, 5 ÖVP, 5 Bürgerliste, 4 FPÖ, 2 Grüne und 1 NEOS.[9]
Bürgermeister
  • bis 2010 Josef Pilz (Bürgerliste)
  • seit 2010 Wolfgang Kocevar (SPÖ)

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das Stadtbild wird geprägt vom mittelalterlichen Schloss und dem in Resten als Anger erkennbaren Hauptplatz.

  • Schloss Ebreichsdorf
  • Schloss Schöngrabern
  • Katholische Pfarrkirche Ebreichsdorf hl. Andreas: Der gotische Sakralbau hat eine romanischer Kernsubstanz. Der barocke vorgestellte dreizonige Westturm mit Zwiebelhelm wurde 1784 errichtet.
  • Katholische Pfarrkirche Unterwaltersdorf hl. Bartholomäus: Die Pfarre wird bereits 1050 als Mutterpfarre vieler Pfarren in der Umgebung genannt.
  • Katholische Pfarrkirche Weigelsdorf hll. Peter und Paul
  • Katholische Filialkirche Schranawand hl. Georg
  • Heimatmuseum Ebreichsdorf

BildungBearbeiten

VerkehrBearbeiten

  • Straße: Verkehrsmäßig ist Ebreichsdorf durch die Südost-Autobahn A 3 und die Ödenburger Straße B 16 sowie die Leitha-Straße B 60 erschlossen. Als Bahnverbindung ist die Pottendorfer Linie zu erwähnen.
  • Durch den Ort Unterwaltersdorf führt die Verbindungsstrecke der Pottendorferlinie zur Ostbahn von Wampersdorf nach Gramatneusiedl. Der ehemalige Bahnhof wurde allerdings aufgelassen und beherbergt heute, unter Denkmalschutz stehend, das Heimatmuseum.

SportBearbeiten

 
Das 2013 eröffnete Sportzentrum

Bekannt ist Ebreichsdorf für seinen Reitclub, Poloclub, sowie den 18-Loch-Golfplatz. Von der Eröffnung 2004 bis 2014 fanden auf der von Frank Stronach errichteten und zur Magna Entertainment Corporation gehörenden Pferde-Rennbahn Magna Racino Pferderennen statt.[10]

Das Volleyteam Roadrunners Ebreichsdorf spielt in der Niederösterreichischen Regionalliga.

Der ASK Ebreichsdorf spielt seit der Saison 2015/2016 in der Regionalliga Ost, der dritthöchsten Leistungsstufe im österreichischen Fußball. Heimstätte des Vereins ist das in den Jahren 2012/13 von der Stadtgemeinde errichtete Sportzentrum, das neben dem Fußballplatz zwei Beachvolleyballplätze, einen Skaterplatz, einem Mehrzweckplatz und einem Erlebnisspielplatz ausgestattet ist. Die Kosten für das neue Sportzentrum betrugen 2,8 Millionen Euro. Damit wurden die geschätzten Baukosten von 2,5 Millionen Euro um 12 Prozent überschritten. Durch die Erfolge des ASK Ebreichsdorf ist das Sportzentrum schon zwei Jahre nach der Eröffnung zu klein geworden, weshalb Bürgermeister Kocevar bereits über eine Erweiterung nachdenkt.[11]

Im Jahr 2013 fanden die Europameisterschaften im Voltigieren in Ebreichsdorf statt und sollen im August 2017 erneut dort ausgetragen werden.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde
Personen mit Bezug zur Gemeinde

LiteraturBearbeiten

  • Herbert Hacker, Elke und Herbert Nagy: Das Werden einer Stadt. Heimat-Verlag, Schwarzach 2003, ISBN 3-9501643-8-3

WeblinksBearbeiten

Commons: Ebreichsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Ebreichsdorf – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV)
  2. Aus der ersten Urkunde des Bischofs Ulrich von Passau. Jänner 1120
  3. Eintrag über Schloss Ebreichsdorf auf Burgen-Austria
  4. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 1995 in Ebreichsdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 30. März 2000, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  5. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2000 in Ebreichsdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 4. Februar 2005, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  6. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Ebreichsdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 4. März 2005, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  7. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Ebreichsdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 8. Oktober 2010, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  8. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Ebreichsdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  9. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Ebreichsdorf. Amt der NÖ Landesregierung, 26. Januar 2020, abgerufen am 6. Februar 2020.
  10. derStandard.at – Stronach dreht Magna Racino den Hahn ab. Artikel vom 30. November 2014, abgerufen am 31. Dezember 2014.
  11. Stadtgemeinde Ebreichsdorf: Sportzentrum – Informationen