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Ebioniten

Frühchristliche Glaubensgemeinschaft

Ebioniten (hebräisch-aramäisch ebionim, die Armen), auch Ebionäer war eine Selbstbezeichnung von Judenchristen, die eine von der Kirche getrennte Gruppe bildeten. Damit unterschieden sie sich von den sogenannten „Nazarenern“, die ebenso wie sie 66/67 n. Chr. von Jerusalem ins Ostjordanland ausgewandert waren.[1] Die Ebioniten waren zumeist in Transjordanien und Syrien verbreitet. Ob der Ursprung der Ebioniten in der Jerusalemer Urgemeinde liegt bleibt unklar. Mit Ebionim wurden in der Thora die (JHWH-)treuen Israeliten bezeichnet, 1 Sam 2,8 EU, Hes 22,29 EU, Amos 5,12 EU. Ebionim stand für eine ehrenvolle Bezeichnung gottesfürchtiger Israeliten.

Es war Irenäus von Lyon der als erster Autor, der um das 180 n. Chr. eine eigene, von der alten Kirche getrennte, ‚häretische‘ Gruppe der Ebionäer oder Ebioniten erwähnte (Adversus haereses I 26,2; III 11,7). Über die antihäretische Schrift Arzneikasten (panárion) des Epiphanius von Salamis sind bis heute Teile eines Textes überliefert, der als Ebionitenevangelium[2] oder Ebionäerevangelium bezeichnet wird, von Epiphanius allerdings fälschlicherweise Hebräerevangelium genannt wurde. Über die Ebionäer sagte Epiphanius, dass sie nur das Evangelium nach Matthäus benutzten.

Ursprünglich war „die Armen“ ein Ehrenname, hatte Jesus doch die Armen seliggepriesen. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bedeutung zum Negativen, weil die Gruppe Feinde von allen Seiten hatte: Sie wurden von den Juden, obwohl sie sich selbst als Juden betrachteten, aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen, weil sie in Jesus den Messias sahen und weil sie Tieropfer ablehnten, sich gar zu Vegetariern entwickelten. Von den Heidenchristen wurden sie als Ketzer betrachtet, weil sie Paulusgegner waren und Jesu Tod nicht als blutigen Sühnetod interpretierten. Sie feierten das Abendmahl als bloße Erinnerung an Jesus und ersetzten den „Blutkelch“ durch einen Wasserkelch. Von den Römern wurden die Ebioniten wie Juden und Christen als Gruppe potentieller Aufständischer eingestuft und entsprechend beargwöhnt.

Die Ebioniten werden mit anderen jüdischen Anhängern der Jesusbewegung, etwa den Nazarener in Beziehung gesetzt.So versuchte Epiphanius von Salamis, die nicht-‚häretisch‘ betrachteten nasaraioi von den als ‚häretisch‘ betrachteten nazoraioi, oder Ebioniten zu unterscheiden.[3]

Ebionitische PositionenBearbeiten

Für die Ebioniten war Jesus ein Mensch, geboren durch seine Eltern, folglich wurde die Jungfrauengeburt abgelehnt. Gott (JHWH) verlieh ihm durch den Ruach HaQodesh, (hebräisch רוח הקודש ruach ha-kodesh) prophetische Gaben. Er war ein gesetzestreuer Jude, der gemäß der Halacha, die 613 Mizwot (Gebote) achtete.[4] Für die Eboniten hatte die Thora fortwährende Gültigkeit, Jesus als Mensch war für sie ein Prophet Gottes. Sie standen in enger Beziehung zu der Haltung und den Ansichten der Jerusalemer Urgemeinde und waren den paulinischen Vorstellungen gegenüber ablehnend.[5] In den Schriften einiger Kirchenväter wird ihre ‚antipaulinische Haltung‘ erwähnt, so u. a. bei Justin der Märtyrer, Irenäus von Lyon, Hippolyt von Rom, Quintus Septimius Florens Tertullianus, Origenes.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner Kleine: Fragmente, Zitate und Logien Judenchristliche Evangelien, das Thomasevangelium und ein jüdisches Antievangelium. 28. Januar 2011, www.pastoralservice.de, abgerufen am 14. April 2018 [1]
  2. Jörg Frey: Ebionitenevangelium. Andere Schreibweise: Ebionäerevangelium; Gospel of Ebionites (engl.). Erstellt: April 2013, ([2] auf www.bibelwissenschaft.de)
  3. Rainer Riesner: Nazarener. In Manfred Görg, Bernhard Lang (Hrsg.): Neues Bibel-Lexikon. Bd. 2, Benziger, Zürich 1995, Kol. 908–912.
  4. Hyam Maccoby: Der Mythenschmied. Paulus und die Erfindung des Christentums. Übers. und hrsg. von Fritz Erik Hoevels, Ahriman-Verlag, Freiburg 2007, ISBN 978-3-89484-605-3, S. 194–195; 200
  5. Gerd Lüdemann: Paulus, der Heidenapostel: Antipaulinismus im frühen Christentum. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1980, ISBN 978-3-5255-3801-2; S. 17 f.