Eberstein (Kärnten)

Gemeinde in Österreich

Eberstein (slowenisch Svinec[1]) ist eine Marktgemeinde mit 1230 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2022) im Bezirk Sankt Veit in Kärnten.

Marktgemeinde
Eberstein
Wappen Österreichkarte
Wappen von Eberstein
Eberstein (Kärnten) (Österreich)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: St. Veit an der Glan
Kfz-Kennzeichen: SV
Fläche: 65,24 km²
Koordinaten: 46° 48′ N, 14° 34′ OKoordinaten: 46° 48′ 29″ N, 14° 33′ 36″ O
Höhe: 580 m ü. A.
Einwohner: 1.230 (1. Jän. 2022)
Bevölkerungsdichte: 19 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9372
Vorwahlen: 0 42 64
Gemeindekennziffer: 2 05 04
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Unterer Platz 1
9372 Eberstein
Website: www.eberstein.at
Politik
Bürgermeister: Andreas Grabuschnig (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2021)
(15 Mitglieder)
9
5
1
Insgesamt 15 Sitze
Lage von Eberstein im Bezirk St. Veit an der Glan
AlthofenBrücklDeutsch-GriffenEbersteinFrauensteinFriesachGlödnitzGurkGuttaringHüttenberg (Kärnten)Kappel am KrappfeldKlein Sankt PaulLiebenfelsMetnitzMicheldorfMölblingSankt Georgen am LängseeSankt Veit an der GlanStraßburgWeitensfeld im GurktalKärntenLage der Gemeinde Eberstein (Kärnten) im Bezirk Sankt Veit an der Glan (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Eberstein
Eberstein
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

GeographieBearbeiten

Die Gemeinde liegt im mittleren Görtschitztal am Fuße der Saualpe. Sie ist Teil der Norischen Region.

GliederungBearbeiten

KatastralgemeindenBearbeiten

Die Gemeinde ist in zehn Katastralgemeinden (Baumgarten, Eberstein, Gutschen, Hochfeistritz, Kaltenberg, Kulm, Mirnig, Rüggen, St. Oswald, St. Walburgen) gegliedert.

OrtschaftenBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2022[2]):

ZählsprengelBearbeiten

Für statistische Zwecke werden zwei Zählsprengel unterschieden:

  • 000 Eberstein (umfasst die Ortschaften Eberstein, Kulm, und den nördlichen Teil der Ortschaft Gutschen)
  • 001 Eberstein-Umgebung (umfasst die Ortschaften Baumgarten, Hochfeistritz, Kaltenberg, Mirnig, Rüggen, St. Oswald, St. Walburgen, und den südlichen Teil der Ortschaft Gutschen)

NachbargemeindenBearbeiten

Klein Sankt Paul Wolfsberg (WO)
Kappel am Krappfeld

Sankt Georgen am Längsee

  Griffen (VK)
Brückl Diex (VK)
 
Ehemaliger Galgen in Gutschen

GeschichteBearbeiten

Das heutige Gemeindegebiet war, wie Funde belegen, schon in der Römerzeit besiedelt. So sind beispielsweise in die Fassade des Schlosses Eberstein römische Grabsteine aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. eingebettet. Funde römischer Meilensteine belegen, dass von Hüttenberg aus durch das Görtschitztal und somit durch das heutige Gemeindegebiet von Eberstein eine Nebenstraße zum Transport des für das Römische Reich wichtigen Norischen Eisens (Ferrum Noricum) geführt hat.

Im 11. Jahrhundert wurde die Burg Hocheberstein erbaut und das Dorf Eberstein zur Versorgung der Burg gegründet. Erstmals urkundlich erwähnt wird das heutige Schloss Eberstein im 12. Jahrhundert als untere Burg. Ihre Besitzer, Dienstleute der Grafen von Görz-Tirol, wurden 1152 erstmals genannt. Die Herren von Eberstein starben im Jahr 1457 aus, ihr Erbe trat Moritz Welzer an, der damit den landespolitisch wichtigen Kärntner Zweig der Familie begründete. Diese emigrierten im Zuge der Gegenreformation in deutsche Gefilde, so dass im Jahr 1630 Burg und Herrschaft an die Grafen Christalnigg übergingen.

Der bereits 1474 als Markt bezeichnete Ort erlangte ab dem Spätmittelalter Bedeutung durch Hammerwerke, die ab dem 17. Jahrhundert von den Grafen Christalnigg mit Erzen aus Hüttenberg und Lölling beliefert wurden. Die Eisenverarbeitung wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingestellt, der Eisenabbau am Hüttenberger Erzberg erst 1978.

Der 1850 gebildeten Ortsgemeinde wurden 1871 die Gemeinde Hochfeistritz und 1887 die Katastralgemeinde St. Walburgen angeschlossen. Das Recht zur Führung der Bezeichnung Marktgemeinde wurde Eberstein 1956 bestätigt.

Bürgermeister der Gemeinde Eberstein waren

  • Franz Bein († 1868), Bürgermeister 1850–1853?
  • Bartlmä Nußdorfer (1818–1904), Bürgermeister 1853?–1891
  • Leopold Tschemernigg (1858–1896), Bürgermeister 1891–1896
  • Jakob Talakerer (1852–1909), Bürgermeister 1896–1909
  • Georg Kraschitz (1861–1945), Bürgermeister 1909–1919
  • Lorenz Sortschan (1869–1955), Bürgermeister 1919–1920
  • Anton Groier (1861–1935), Bürgermeister 1920–1924
  • Anton Godl (1887–1974), Bürgermeister 1924–1934 und 1939–1945
  • Anton Godl (1898–1975), Gemeindeverwalter 1934–1936, Bürgermeister 1936–1948
  • Josef Kanz (1883–1958), Gemeindeverwalter 1938–1939[3]

1928 wurde die vielleicht bis ins Mittelalter zurückreichende Ebersteiner Commune, eine bürgerliche Vereinigung, aufgelöst und durch die politische Gemeinde übernommen. Bis zuletzt hatte die Commune sich um die Friedhofsverwaltung, Wasserversorgung, Straßenbeleuchtung, Forstwirtschaft und den Wirtschaftsausschuss gekümmert. 1934 kommt es rund um den Putschversuch der Nationalsozialisten zu Gefechten im Gemeindegebiet.[3]

Während der deutschen Besetzung Österreichs im Zweiten Weltkrieg wurden die Zeugen Jehovas der Gemeinde verfolgt: Leonhard Rutter wurde als Wehrdienstverweigerer ins KZ Dachau deportiert und dort getötet, Johann Obweger jun. wurde ins KZ Dachau deportiert, Johann Obweger sen. und Franz Obweger wurden inhaftiert. Des Weiteren kam Hermine Obweger in ein Umerziehungsheim nach Waiern/Feldkirchen, weil ihre Eltern sich geweigert hatten, sie nach nationalsozialistischen Prinzipien zu erziehen.[4] Ab 1944 sind Partisanen im Gemeindegebiet aktiv.[3]

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Die Gemeinde hatte von 1981 bis 1991 und auch weiter bis 2001 eine leicht positive Geburtenbilanz, aber die Wanderungsbilanz war so stark negativ, dass die Bevölkerungszahl insgesamt zurückging. Seit 2011 sind beide Bilanzen negativ, die Geburtenbilanz mit −84 deutlich stärker als die Wanderungsbilanz mit −4.[5]

Staatsbürgerschaft, ReligionBearbeiten

Laut Volkszählung 2001 hatte Eberstein 1.505 Einwohner, davon besaßen 96,9 % die österreichische Staatsbürgerschaft. 88,0 % der Bevölkerung bekannten sich zur römisch-katholischen und 2,0 % zur evangelischen Kirche, 6,6 % waren ohne religiöses Bekenntnis.

 
Kapelle mit Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau in Hochfeistritz
 
Pfarrkirche Heilige Walburga in Sankt Walburgen

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das im Ortsteil Gutschen westlich des Bahnhofs gelegene Felsentor diente als Richtstätte, vom unweit davon gelegenen Galgen sind die beiden Pfeiler erhalten und stehen unter Denkmalschutz.
Die im Talmuseum Lachitzhof aufliegende Chronik berichtet, dass am 23. Mai 1747 Philipp Lackner wegen Viehdiebstahls am Strang erhängt wurde.
Am 26. Juni 1826 wurde die Barschaft von Barbara Schöffmann am Landgericht Eberstein hinterlegt. Sie wurde des Kindsmordes angeklagt und soll dann auch hingerichtet worden sein, wofür es aber keine Belege gibt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Dolomitabbau

In der Gemeinde ist neben der Land- und Forstwirtschaft auch der Fremdenverkehr, größtenteils im Sommer als Sanfter Tourismus, mit etwa 15.000 Nächtigungen (Stand 2017) pro Jahr von wirtschaftlicher Bedeutung.[6]

Der für die Kies- und Schottergewinnung bedeutsame Dolomit wird seit Jahrhunderten im Tagbau direkt über dem Ort abgebaut. In geologischer Hinsicht ist dieser Berg mit dem Kathreinkogel in Schiefling am Wörthersee verbunden, wo auch Dolomit aus dem Berg gebrochen wurde.

Der Kärntner Caritasverband betreibt in Eberstein das Pflegeheim Anna mit 49 Pflege- und Betreuungsplätzen in 34 Einzelzimmern und acht  Doppelzimmern.[7]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern.

BüergermeisterBearbeiten

Direkt gewählter Bürgermeister ist Andreas Grabuschnig (ÖVP).[8]

WappenBearbeiten

Das Wappen der Herren von Eberstein ist auf Siegeln von 1319 und 1321 überliefert. Kaiser Friedrich III. verlieh nach deren Aussterben ihr Wappen 1458 an Moritz Welzer von Eberstein, das damals als von Silber und Rot geviert mit einem wachsenden schwarzen Eber als Helmzier beschrieben ist. Da bei Gemeindewappen keine Helmzier vorgesehen ist, wurde der Eber auf einem Fels als Herzschild eingefügt; es erfüllt somit auch die Funktion eines „redenden“ Wappens.

Die heraldische Beschreibung des Wappens lautet: „Hauptschild geviert von Rot und Silber. Mittelschild: in Gold auf schwarzem Felsen ein nach rechts gewandter schwarzer, silber bewehrter, rot gezungter Eber.“[10]

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 16. April 1968 verliehen. Die Fahne ist Rot-Gelb-Schwarz mit eingearbeitetem Wappen.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Mit der Gemeinde verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Eberstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Ortsnamenverzeichnis (Memento des Originals vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.volksgruppenbuero.at (PDF; 146 kB), abgerufen 27. Februar 2014.
  2. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2022 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2022) (ODS)
  3. a b c Walter Wohlfahrt: Eberstein und seine Bürgermeister von 1850 bis 1950. in: Carinthia I, 1992. S. 269ff.
  4. Gerti Malle: Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht. Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus in Kärnten. Kitab, Klagenfurt, 2011.
  5. Statistik Austria, Ein Blick in die Gemeinde Eberstein, Bevölkerungsentwicklung. Abgerufen am 14. Februar 2019.
  6. Statistik Austria, Ein Blick auf die Gemeinde Eberstein, Übernachtungen. (pdf) Abgerufen am 23. Juni 2019.
  7. Caritas Kärnten, Pflegeheim Haus Anna. Abgerufen am 23. Juni 2019.
  8. a b Amt der Kärntner Landesregierung (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ktn.gv.at, abgerufen 17. März 2015
  9. Gemeinderatswahl 2021. Land Kärnten, abgerufen am 7. November 2021.
  10. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 78
  11. Siegl, Karl. In: www.parlament.gv.at. Abgerufen am 17. November 2021.