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Eberhard Cold

deutscher Historiker, Orientalist und Religionswissenschaftler
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Eberhard Cold (* 29. September 1921 in Pinneberg; † 24. Dezember 1988 in Nidda) war ein deutscher Historiker, Orientalist und Religionswissenschaftler, der als Gymnasiallehrer, Kalligraf, Buchdrucker und Verleger gearbeitet hat.

Inhaltsverzeichnis

BiografieBearbeiten

Eberhard Cold wurde als der ältere von zwei Söhnen des späteren Landesbaurats der Provinz Schleswig-Holstein, Otto Cold, Dipl. Ing. für Straßen- und Brückenbau, geboren.

SchulzeitBearbeiten

Cold besuchte ab 1928 die Grundschule Pinneberg, ab 1932 das Humanistische Gymnasium Christianeum in Altona a.d.Elbe, ab 1935 das Matthias-Claudius-Gymnasium in Wandsbek und ab 1938 die Kieler Gelehrtenschule, wo er 1942 das (Kriegs-)Abitur erlangte.

HitlerjugendBearbeiten

Cold wurde 1932 Mitglied der bündischen „Nordmark-Jugend“ unter Hubert Koch-Etz[1], die 1933 in die Hitler-Jugend überführt wurde. Dort wurde er 1934 zunächst Pimpfenführer im Deutschen Jungvolk, 1937 Gefolgschaftsführer in der HJ in Kiel. 1940 trat er aus der Hitler-Jugend aus, weil für ihn „nach Schirach das organisierte Proletentum unerträglich geworden war“[2].

Als Jugendlicher unternahm Cold verschiedene Fahrradtouren zusammen mit seinem Freund und Lehrer Hubert Koch:

und zusammen mit seinem Bruder Henning:

KriegsdienstBearbeiten

Während des Krieges wurde Cold zunächst 1939/40 als Verwalter eines Bauernhofes in Surendorf an der Eckernförder Bucht eingesetzt. 1941 war er zeitweilig Ortskommandant über 2.800 aus Kiel evakuierter Kinder und ihrer Lehrer in Sellin auf Rügen.

Am 1. August 1941 kam er als Fahnenjunker zum Pionier-Lehr-Bataillon 2 in Dessau-Roßlau und wurde 1942 beim Sturm-Pionier-Bataillon 22 auf der Krim eingesetzt. Dort wurde er durch eine Mine schwer verwundet und nach Lazarettaufenthalt nicht mehr eingesetzt.

StudiumBearbeiten

1938 lernte Cold durch einen Schmiedegesellen der Howaldtswerke, mit dem zusammen er eine Zeitlang die Kieler Fliegergefolgschaft geführt hatte, die Reclam-Übersetzung des Tao Te King kennen. Nach Kriegsdienst und schwerer Verwundung nahm er 1943 das Studium der Geschichte (u. a. bei Karl Brandi), Germanistik, Philosophie und der Vergleichenden Religionswissenschaften in Göttingen auf. Er studierte ab 1945 in Schleswig (Auslagerung Uni Kiel), ab 1946 in Kiel und Bonn (bei Gustav Mensching) sowie ab 1947 in Marburg (u. a. bei Friedrich Heiler, Edmund Ernst Stengel, Max zu Solms). In Marburg wurde er mit einer Arbeit über die Bedeutung von Götterkampf-Mythen zum Dr. phil. promoviert. 1949 erhielt er ein Forschungsstipendium der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. 1951 begann er ein erneutes Studium an der Universität Kiel und belegte nun die Fächer Evangelische Theologie, Germanistik, Vorgeschichte und Indologie. 1954 legte er sein Erstes Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen ab.

BerufstätigkeitBearbeiten

1947 arbeitete Cold zunächst als Schriftsetzer-Volontär in einer Druckerei in Holzminden. Ab 1949 hielt er religionswissenschaftliche und literarische Vorlesungen an der dortigen Volkshochschule. Von 1952 bis 1954 beteiligte er sich an Ausgrabungen steinzeitlicher Siedlungen im Auftrag des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte unter der Leitung von Hermann Schwabedissen.

1953 wurde er Hilfslehrer an der Volks-Oberschule in Preetz und 1954 zunächst Studienreferendar an der Kieler Gelehrtenschule, ab Herbst am Staatlichen Gymnasium Wyk auf Föhr. Seine Assessor-Arbeit „Über den Unterricht der Allgemeinen Religionsgeschichte in den Oberklassen der höheren Schulen“ wurde abgelehnt.[4] Angesichts des nun drohenden Scheiterns im Zweiten Staatsexamen wurde Cold an das Katharineum zu Lübeck versetzt und schrieb dort seine zweite Assessor-Arbeit über die Mystik des Ackermann aus Böhmen – mit buddhistischen Parallelen. Er bestand sein Zweites Staatsexamen in Lübeck und wurde als Studienassessor zunächst an die Kieler Gelehrtenschule versetzt.

Von 1958 bis 1962 unterrichtete er der Reihe nach an der Frauen-Fachschule Kiel, am Alten Gymnasium Flensburg und an der Holstenschule Neumünster. 1960 musste er sich zweier Operationen an seiner Kriegsverletzung unterziehen. Aus der Lektüre des Rekonvaleszenten wurde eine systematische Arbeit, die der Bayerische Rundfunk als Vortragsfolge systematischer religiöser Geistesgeschichte senden wollte, die zum Ziel haben sollte, „das Gesetz der Depravation“ darzustellen: „den unverkennbaren biologischen und psychischen Substanzverlust, den das Menschengeschlecht mit jedem zivilisatorischen Gewinn erleidet“.[5] Die geplante Sendereihe kam wegen der Szczesny-Affäre nicht zustande.

Im Jahr 1962 wurde Cold wegen Aberkennung der Lehrbefähigung im Fach Religion aus dem Schuldienst entlassen.[6] Für eine dauerhafte Weiterbeschäftigung als Gymnasiallehrer musste er aber mindestens zwei anerkannte Fächer nachweisen. Cold klagte dagegen erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht[7], wurde aber nicht wieder eingestellt.

Cold gründete 1965 in Kronshagen einen eigenen Buchverlag und veröffentlichte sein erstes Widerstandsbuch unter dem Titel Der Dienst der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat, weil für den vorgesehenen Titel Ich protestiere! Ich klage an! Widerstand gegen den Missbrauch der Staatsgewalt in der Bundesrepublik die Zeit noch nicht reif war. Dieser Titel wurde erst möglich nach den Studenten-Revolten von 1968/69.[8]

In den Jahren 1969 und 1970 unternahm Cold mehrere Versuche, wieder als Gymnasiallehrer angestellt zu werden, jedoch ohne Erfolg.

1969 erschien das Buch Christus oder Was ist Auferstehung. Die großen Symbole der Evangelien religionsvergleichend erklärt[9], mit 85 Abbildungen und 2 Falttafeln unter Wiederholung zweier Aufsätze von Friedrich Pfister[10] und Arnold Ehrhardt[11].

In den Jahren 1970 bis 1972 erhielt Cold (bis zum Einspruch der Kieler Kirchenleitung) einen Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule Kiel für Religionswissenschaften. Cold ging daraufhin für zwei Jahre als „Pfarrer“ an die „Unitarische Freie Religionsgemeinde, Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Frankfurt“, und siedelte mit seiner Familie in den Taunus um.

In den Jahren 1981–1983 schrieb er den Entwurf einer „Deutschen Reichsverfassung“ mit ausführlicher geistesgeschichtlicher Begründung. Dabei fällt die Nähe seiner Vorstellungen zu dem Blüherschen „Modell einer spezifisch männerbündischen Adelsaristokratie“ auf.

1982 installierte Cold eine komplette Druckerei-Werkstatt als Handpresse (Sophia-Presse) mit der Jessen-Fraktur als einzigem Schrifttyp. Dort stellte er in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie einer Papierherstellerin (Susan Hostetler), einem Buchbinder und einer Einbandherstellerin (Angela Ringer) zwei besondere bibliophile Werke her (s. Veröffentlichungen: Bert Brecht; Basil McFarlane), die er auf der Frankfurter Buchmesse präsentierte. Sie wurden von bibliophilen Abteilungen niederländischer Museen erstanden.

In den Jahren 1984 und 1985 erschienen die Beiträge „Das schöne Buch. Einige Bemerkungen zur heutigen Buchkultur“ in der Zeitschrift Illustration 63.

Im Frühjahr 1986 schrieb Cold „Die Realdistinktion in der Quantenphysik“.[12] Darin erbrachte er den von ihm seit 1945 erstrebten „Konvergenz-Beweis“ bzw. „Identitäts-Beweis“ durch die Einführung des Wortes „Dynamis“ (aus der hellenistischen und christlichen Mysteriensprache) als Oberbegriff für alle physikalischen, biologischen, psychischen Energien.

Am 24. Dezember 1988 verstarb Cold in Nidda. Ein großer Teil seines wissenschaftlichen Nachlasses ist in der religionswissenschaftlichen Sammlung der Universität Marburg hinterlegt.

VorträgeBearbeiten

1955

1956

  • „Das Heilige“, Vortrag auf dem 6. Religionswissenschaftlichen Kongress in Bremen[14]

1957

  • Drei Vorträge über „Moderne und avantgardistische religiöse Dichtung“, Internationale School for Wijsbegeerte in Amersfoort in den Niederlanden.[15]

1959

1963

  • Teilnahme am Deutschen Kongress für Religionsgeschichte in München. Fahrt nach Elea-Velia in Süd-Italien, der Stadt des Parmenides.
  • „Die Kategorie des Religiösen und die Wirklichkeit der Auferstehung“, vor der Evangelischen Akademie in Ratzeburg[14]

1967

  • Teilnahme am 27. Internationalen Orientalisten-Kongress in Ann Arbor/ Michigan/ USA. Der vorbereitete Vortrag über „Die naturwissenschaftlichen und religionswissenschaftlichen Voraussetzungen einer Übersetzung des Lao Tse Tao Te Ching“ konnte wegen Überfüllung der Sektion nicht gehalten werden.[17]

1969

  • „Der Zen-Buddhismus - gestern, heute, morgen“ vor der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Kiel.[14]

1972

1974

  • „Die Fülle des Nichts. Eine zen-buddhistische Definition der Wirklichkeit“ vor der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Kiel.[14]

1975

1982

  • „Der stiergehörnte Gott“ auf dem Deutschen Kongress für Religionsgeschichte in Tübingen.[14]

FamilieBearbeiten

1949 heiratete er Annelise Friederike Eleonore Martha Medem, die älteste Tochter des ehemaligen Generalleutnants der Pioniere der Heeresgruppe Kurland, Gerhard Hans Medem[19]. 1950 wurde die Tochter Imme geboren, 1965 die Tochter Gyde.

HobbysBearbeiten

Cold machte 1965 den B-Schein für „küstennahe Seeschifffahrt“ und erwarb 1966 den dänischen Spitzgatter „Hela“ mit 2 Kojen, mit dem segelnd die dänische Südsee durchkreuzt und im Winter von Bord aus gejagt wurde. Kenntnisse in historischen Kunsthandwerken wie Keramik, Kalligrafie, Bucheinband, Buchdruck; Archäologie.

Kritische BeurteilungBearbeiten

Eberhard Colds jugendliche Ideale wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in Anspruch genommen, strapaziert und verletzt. Er hielt auf preußische Tugenden, glaubte an Recht und Gerechtigkeit und wurde bitter enttäuscht. Sein umfassendes Interesse an der Komplexität der Zusammenhänge von Geist und Physis waren während der Studienzeit geweckt worden. Er suchte den Kontakt zu den Physikern seiner Zeit, um die Konvergenz zwischen wissenschaftlichem Denken und mystischer Erleuchtung beim Entdecken des „theoretischen Ortes in der Transzendenz“ zu beweisen. So schrieb er über seine eigene persönliche Entwicklung:

„Was auf meine wenigen Göttinger Kriegssemester folgte, – alles, was ich später betrieben und möglicherweise auch geleistet habe, war in diesen letzten Monaten des Deutschen Reiches angelegt. Wesentlich neue Impulse habe ich nicht mehr empfangen, wohl aber habe ich noch manches hinzugelernt in Verfolg meines Zieles: die Antwort zu finden auf die Frage nach Macht und Weisheit.“[20]

„Mir konnte mein persönliches Seelenheil gänzlich gleichgültig sein; denn einmal wuchs ich von alleine Gott entgegen, zum anderen kam es mir ja nur darauf an, den allgemeingültigen Beweis dafür zu erbringen, daß das Weltbild und die Psychologie der großen archaischen Mystik objektiv richtig sind und damit unbedingt allgemeinverbindlich. Um diesen Beweis zu erbringen, berichtete ich im Januar 1947 Pascual Jordan bei Gelegenheit seines Vortrags in der Aula der Kieler Humboldt-Schule anderthalb Stunden lang, daß alle großen mystischen Konfessionen in der intuitiven Erkenntnis einer an sich unbenennbaren unpersönlichen Schöpfungskraft übereinstimmen, aus der die ganze Welt und auch die Menschen hervorgegangen seien und mit der die Menschen über den „Weg nach innen“ zu konnektieren vermögen. Ich bat Jordan, mir zu sagen, ob auch die Physik diese einheitliche, allgemeine und umfassende Schöpfungskraft mit ihren Mitteln festzustellen vermöchte. Aber ich hatte keinerlei Erfolg. Jordan charakterisierte zwar seine mathematisch-physikalische Überspezialisierung mit durchaus selbstkritischen Ausdrücken, aber er war zu keiner über das rein Mathematisch-Physikalische hinausgehenden Aussage bereit.“[21]

Heisenberg konnte mit meiner Zuschrift nicht viel anfangen; er kannte, wie er mir später sagte, nur die Lao-Tse-Übersetzung von Richard Wilhelm. Eine wirkliche Verständigung kam noch nicht zustande, und ich blieb weiterhin ohne die Unterstützung eines kompetenten Wissenschaftlers auf dem Wege zu meinem fernen Ziel. Wenn nicht Heinrich A. mich immer wieder in meinem Idealismus bestärkt hätte, wäre es schier zum Verzweifeln gewesen. Denn ich verstand damals noch nicht, weshalb es mich so sehr nach der Unterstützung durch irgendeine wissenschaftliche Autorität verlangte. Heute weiß ich es: Ich war mit 27 Lebensjahren dem, was ich anstrebte, altersmäßig noch nicht gewachsen.“[22]

„Ich trug in wenigen Monaten ein schweres Bündel von Notizen und Auszügen zusammen, auch hatte sich mein Verständnis vom ‚theoretischen Ort in der Transzendenz‘ als richtig erwiesen, aber gewonnen hatte ich bei dieser anstrengenden Sammelarbeit eigentlich nichts anderes als den Eindruck, daß mit Ausnahme erschreckend weniger ahnungsvoller Bemerkungen die ganze bisherige Heraklit-Forschung an der Sache vorbeigegangen war, weil tatsächlich kein einziger von all den zahlreichen Klassischen Philologen und Philosophen, die sich an Heraklit abgemüht hatten, ein Wort von dem Licht, das der Mensch in der Nacht bei sich selber anzündet, und das Wort von dem ‚Ort Gottes‘ verstanden hatte. Nur Karl Joël, der 1906 ein Buch über den ‚Ursprung der Naturphilosophie aus dem Geiste der Mystik‘ geschrieben hatte, ahnte wenigstens, worum es ging, aber auch seine Arbeit reichte an die archaische Weisheit bei weitem nicht heran, weil die Vorstellung von Mystik, die er seiner Gedankenführung zugrundelegte, nur an dem Erscheinungsbild der mittelalterlich-christlichen Mystik orientiert war. [...] Aber so deutlich ich damals das Versagen der Philologie und der Philosophiegeschichte vor Heraklit auch sah, so sehr ich mich andererseits über die Entdeckung des ‚theoretischen Ortes in der Transzendenz‘ und der ‚inneren Methode‘ der systematischen Identifizierung des Fragenden mit dem Befragten als etwas grundsätzlich Wichtigem auch freute, – es besser zu machen als die, die bisher gescheitert waren, vermochte ich nicht. Meine ersten Heraklit-Manuskripte waren durch einen irrtümlicherweise ernst-genommenen Heidegger verwirrte Ovationen für einen Göttlichen, aber keine wissenschaftlichen Arbeiten geworden, weil ich mich noch nicht in der Lage befand, mich von den Begriffen der Philologen und Philosophiehistoriker zu lösen. Den Ort Gottes als den theoretischen Ort und als mein Ziel sah ich vor mir, aber erreicht hatte ich ihn noch nicht. Ich war der Größe Heraklits noch nicht gewachsen und im Material erstickt.“[23]

„Daß es notwendig sein würde, die Weisheit dessen, der vom theoretischen Ort in der Transzendenz auf die Welt herabsieht, in fixen Formulierungen zum allgemeingültigen Gesetz für diejenigen zu erheben, die öffentliche Verantwortung übernehmen wollen, ahnte ich zwar, aber ich wußte all dies noch nicht, weil ich damals noch gar nichts wußte von der Reichweite der notwendigen Verantwortung, weil ich noch so gut wie nichts wußte von dem Maß und dem Gewicht der möglichen, ja notwendigen Macht und erst recht nichts wußte von dem Horizont der notwendig allgemeingültigen Gesetzgebung [...] Ich kannte bislang nur meine ideale Welt, die zwar im Verhältnis zu dem protestantisch-zivilisierten Begriffsgefüge meiner Umwelt unendlich groß war, aber im Verhältnis zu den Anforderungen der Wirklichkeit doch nur keimhaft klein.“[24]

„Vernünftigerweise hätte ich mich nun mit dem besten wissenschaftlichen Gewissen, das sich irgend wünschen läßt, an die Ausarbeitung meiner Heraklit-Notizen machen können, – aber ich war krank, weit mehr krank, als ich es einstweilen auch nur ahnte. Es vergingen auch noch anderthalb Jahre, bis ich einen Arzt fand, der kompetent genug war, um mir anhand von Illustrationen eines Lehrbuches zu zeigen, daß durch meine Kriegsverletzungen und nicht weniger dadurch, daß ich seit der Entlassung aus dem Lazarett ohne jede Entspannung je länger desto intensiver gearbeitet hatte, meine Nerven so sehr überreizt und erschöpft waren, daß nur eine gründliche Umstellung der Lebensgewohnheiten die Hoffnung auf wirksame Heilung begründen könnte. In dieser körperlichen Verfassung und in meinem Verlangen, die Erfahrungen der archaischen Mystik möglichst allgemeinverbindlich zur Geltung zu bringen, ließ ich mich durch Heisenbergs Wort von dem ‚Grundgesetz der Natur‘ zu dem Versuch hinreißen, dieses ‚Grundgesetz‘ mit den Mitteln einer symbolischen Mathematik darzustellen. Ich bildete mir ein, daß ich den Physikern einen Gefallen damit tun könnte, weil ich das, was die Welt im Innersten zusammenhält, aus eigener innerer Anschauung wie ebenso aus der Übereinstimmung der diesbezüglichen Urkunden der Religionsgeschichte genau kannte. Ich glaubte, daß es nur eines symbolisch-mathematischen Kunstgriffs bedurfte, um den letztgültigen Inhalt aller transsubjektiven Anschauung in seiner Ansichheit aufzeigen zu können. […] Der Direktor der Kieler Gelehrtenschule veranlaßte den Abteilungsleiter im Kultusministerium, mir zur Ermöglichung meiner religionswissenschaftlichen Arbeiten die halbe Unterrichtsverpflichtung zu erlassen; aber da ich noch immer nicht von der Grundgesetz-Idee abgelassen hatte, kam nichts Brauchbares zustande.“[25]

„Vor allem gewann ich in dem Vergleich des Fürsten-Ideals der Bhagavad-Gita, des Buddha Maitreya als des Zieles des zen-buddhistischen ‚Ochsenweges‘, des thronenden Vollkommenen des Dionysos-Mysteriums und des thronenden Christus einen Maßstab für das Verhältnis von Bildhaftigkeit und Unmittelbarkeit des angeblich ‚mythischen‘ Symbols im Christentum der Evangelien und zugleich die Handhabe dafür, daß das Bild vom leidenden Menschensohn und vom thronenden Christus der Ausdruck ist für die höchste Form der allgemein menschlichen Religion der Wandlung zur Vollkommenheit, welches ‚das Christentum‘ nicht etwa über alle anderen Religionen hinaushebt, sondern gerade im Gegenteil in einem bestimmten Verhältnis der psychischen Identität und der historischen Abhängigkeit mit ihnen allen verbindet. Mit diesem Versuch konnte ich zum ersten Mal das schlechterdings allgemeingültige Humanum und damit das höchste Ideal und zugleich die höchste geschichtlich mögliche Wirklichkeit der Humanität aufweisen. Dies schien mir der beste Gewinn meiner bisherigen religiösen Bemühungen zu sein, besonders in Anbetracht der Tatsache, daß es unabdingbar nötig ist, dem globalen naturwissenschaftlich-positivistisch geprägten Intellektualismus der modernen Zivilisation das global gültige Leitbild der Erlösung und damit des gottunmittelbaren ‚absoluten‘ Gewissens entgegenzusetzen. Damit ermächtigte mich dieser Vergleich zu zeigen, daß die mögliche Wirklichkeit der Weltüberwindung in dem Bilde des thronenden Vollkommenen mir die Antwort auf meine Lebensfrage nach dem Verhältnis von Macht und Verantwortung, von Macht und Weisheit, von Macht und Gewissen ermöglichte: In seiner gottvergleichbaren Wahrhaftigkeit und seiner alles übergreifenden Gewissenhaftigkeit ist der von seinem Volke positiv ermächtigte Vollkommene der Repräsentant der allseitigen Gerechtigkeit, welche er ausübt in seiner allumfassenden Barmherzigkeit gegenüber der Schwäche und der Dürftigkeit der Menschen. Das Bild des thronenden Vollkommenen sagt nicht weniger, als daß Gewissen, Verantwortung, Gerechtigkeit und Weisheit zusammen der Gewinn ist ausschließlich der Selbstüberwindung und der Weltüberwindung, – daß andererseits die heutzutage propagierte genossenschaftliche Verantwortlichkeit von ebenso innerlich unfreien wie auch in Religionsdingen kenntnislosen Parteigängern ein Selbstbetrug, ja ein moralisch selbstmörderischer Wahn ist. Dieser Erkenntnisgewinn bedeutete für mich aber ebensosehr eine Belastung wie eine Bestätigung meiner bisherigen Bemühungen; denn die unausweichliche, allgemein-menschliche Verbindlichkeit des Ideals des vollkommenen Menschen verpflichtet mich nicht nur, gegen den Strom der mit Staatsgewalt vorangetriebenen Demoralisierung des Volkes meinen Schülern den Weg zur Vollkommenheit im Zusammenhang des einheitlichen und geschlossenen Kosmos der energetischen und psychischen Fülle aufzuzeigen, sondern vor allem die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ermächtigung eines gedachten Vollkommenen vorzubereiten; denn ich wußte, daß die Möglichkeit der Repräsentanz eines übergreifenden Gewissens, der umfassenden Verantwortung und der allseitigen Gerechtigkeit ungenützt bleibt, solange sie nicht gesetzlich installiert ist. Wie einer der Redner des Konzil von Basel (1431–1449) hatte ich verstanden, ‚daß Tugend ohne Macht lächerlich ist.‘“[26]

VeröffentlichungenBearbeiten

1948

  • Der Götterkampf. Ein Beitrag zur Religionsphänomenologie. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg/Lahn, – maschinenschriftlich, 118 Seiten
  • Über Menschheit und Menschheitsreligion, Die Aussprache, Düsseldorf, 7 (1948) 9–11

1949

  • Lao Tse: Das Buch von Tao und Te. Nach einem unveröffentlichten Manuskript aus dem Jahr 1949. Übersetzt und erklärt von Eberhard Cold[27], Weinheim: Verlag Das klassische China, Manufakturausgabe 2011, 548 Seiten, ISBN 978-3-9811148-5-0

1950

1954

  • Der Johannes-Prolog und Heraklit, in: Eine Heilige Kirche, München 1953/54, Seiten 43–63
  • Vorgeschichtliche Feldforschungen im Raum Kiel, veröffentlicht von Prof. Dr. Herbert Jankuhn: Die vorgeschichtlichen Siedlungen im Kieler Raum, Kiel 1954, Seiten 136, 141, 163, 189

1955

  • Königtum und Adel nach dem Lao Tse Tao Te King und den Aussprüchen des Heraklit[28], a) Atti dell‘ VIII Congresso Internazionale di Storia delle Religioni, Firenze 1956, Seiten 307–309; b) in der holländischen Übersetzung von Dr. Herko Groot in: Mens en Kosmos, Deventer, 11 (1955) 193–204; c) der vollständige Text mit zwei Faltplänen als Privatdruck, Kiel 1957
  • Allgemeine Religionsgeschichte als Universalgeschichte, a) Atti dell‘ VIII Congresso Internazionale di Storia delle Religioni, Firenze 1956, Seiten 479–481; b) NUMEN International Review for the History of Religions, Leiden, 2 (1955) 217–227; c) der korrigierte Text als Privatdruck, Kiel 1957

1956

  • Das Heilige. Seine Realität und seine Aspekte. Vortrag auf dem Deutschen Kongreß für Religionsgeschichte in Bremen, a) Privatdruck, Kiel 1957; b) wieder abgedruckt in: Carsten Colpe (Hg.), Die Diskussion um das „Heilige“ (Wege der Forschung Band CCCV), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1977, Seiten 431–446[29]

1957

  • Moderne und avantgardistische religiöse Dichtung. Drei Vorträge in der Internationale School voor Wijsbegeerte in Amersfort/ Holland, a) hundert Hektographien für die Teilnehmer, 45 SM-Seiten; b) gekürzt in: Mens en Kosmos, Deventer, 14 (1958) 28–36

1962

  • Ein Vergleich zwischen dem buddhistischen Weg des Ochsenhirten, dem Dionysos-Zeus-Mysterium und dem Christus-Mysterium als Redaktionsschema des Markus-Evangeliums, in der japanischen Übersetzung von Prof. Asuma mit einem Kommentar von Prof. Tsujimura, Köichi, in: F.A.S.-Zen-Institute, Kyoto 1962, Nr. 51/52.
  • Die „Grundsätze der evangelisch-lutherischen Kirche“, in: Eberhard Cold: Der Dienst der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat, Kronshagen 1965, 336 Seiten, hier Seiten 54–57.
  • Der „christliche Grundcharakter“ der öffentlichen Schulen und das Glaubensbekenntnis der Kieler Lehrer. Eine Umfrage. In: Eberhard Cold: Der Dienst der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat, Kronshagen 1965, 336 Seiten, hier S. 98–189.

1963

  • Die Verfassungswidrigkeit des schleswig-holsteinischen Staats-Kirchen-Vertrags, in: Eberhard Cold: Der Dienst der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat, Kronshagen 1965, 336 Seiten, hier S. 190–296.

1964

  • Entwurf eines verfassungsgerechten Staats-Kirchen-Vertrags, in: Eberhard Cold: Der Dienst der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat, Kronshagen 1965, 336 Seiten, hier S. 297–308.

1965

  • Der Dienst der Kirche im freiheitlichen Rechtsstaat, dargestellt anhand von Prozeßakten, Kronshagen: Daimon-Verlag März 1965. Weitere Titel desselben Buches: a) Widerstand und Neuordnung. Prozeßschriften zur zweiten Reformation, Kronshagen: Christus-Verlag Mai 1965. b) Ich protestiere! Ich klage an! Widerstand gegen den Mißbrauch der Staatsgewalt in der Bundesrepublik, Kronshagen: Morgenland Verlag 1969.

1969

  • Christus oder Was ist Auferstehung. Die großen Symbole der Evangelien religionsvergleichend erklärt ... mit 85 Abbildungen und zwei Falttafeln, unter Wiederholung zweier Aufsätze von Friedrich Pfister und Arnold Ehrhardt, Kronshagen 1969, 202 Seiten

1974

  • Über die Vollkommenheit des Menschen. Antrittsrede ... Unitarisches Mitteilungsblatt Nr. 4–5, Frankfurt 1974.

1975

  • Herausgeber von Hisamatsu, Hoseki Shinichi: Die Fülle des Nichts. Vom Wesen des Zen. Günther Neske Verlag Pfullingen, 68 Seiten

1976

  • Eberhard Cold über die Fülle des Nichts. Hisamatsu, Hoseki Shinichi, angeblich herausgegeben von Eberhard Cold. Einige Bemerkungen über die Glaubwürdigkeit des Großmeisters und den Mißbrauch der Zen-Meditation durch die römisch-katholische Mission. Im Juni 1976 in 38 Exemplaren als Manuskript veröffentlicht

1981

  • Haikai op Platt (Japanische Kurzgedichte auf Plattdeutsch) Plattdütsch Land un Waterkant. Ruutgeven for den Vereen „Quickborn“ in Hamborg, 58. Jahr 1981, Heft 2, Seiten 34/35.

1982

  • Basil McFarlane: Jacob and the Angel/ Jacob und der Engel. Textkritik, Übersetzung, Handsatz und Handpressendruck von E.C. in der Sophia-Presse zu Königstein im Taunus auf handgeschöpftes Büttenpapier von Susan Hostetler in der Görbelheimer Mühle bei Friedberg in Hessen, gebunden in Nürnberg von Angela Ringer in dasselbe, von ihr eigens hierfür marmorierte Papier. 55 Exemplare. ISBN 978-3-923570-03-4.

1983

  • Bert Brecht: Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration. Franz Ringseis (d. i. Prof. Dr. Anton Neuhäusler in München): Die Gschicht, wia s zu dem Buach vom Tao und vom Te kemma is, wo da Lao Tse gschriem hot, wiar a ausgwandert is. Markus Loop (d. i. E.C.): Dat Vertelln vun de Oat un Wies, wo dat Book vun Tao un Te tostann keem, äs Lao Tse na West günn. Handsatz und Handpressendruck auf handgeschöpftes Udagami-Japanpapier, mit Übersetzungen von zwei Versen des chinesischen Originals und den Nachzeichnungen zweier altchinesischer Tuschzeichnungen von E.C. Dazu vier kalligraphische: Vignetten und zwei Seiten chinesischer Text. Als Blockbuch in indische Rohseide gebunden von Frank Weber in Frankfurt am Main. 111 Exemplare. ISBN 978-3-923570-04-1.

1984

  • Das schöne Buch. Einige Bemerkungen zur heutigen Buchkultur. Illustration 63. Zeitschrift für die Buchillustration, 1. Folge im 21. Jahrgang, Heft 3, November 1984, Seiten 79–87.

1985

  • Das schöne Buch. Einige Bemerkungen zur heutigen Buchkultur. Illustration 63. Zeitschrift für die Buchillustration, 2. Folge im 22. Jahrgang, Heft 1, April 1985, Seiten 24–30.

VerweiseBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Otto Voß (Pseudonym): Die Sophia-Presse Dr. Eberhard Cold, in: Illustration 63. Zeitschrift für die Buchillustration, 21. Jahrgang, Heft 2, August 1984, Seiten 65–67
  • Eberhard Cold: Curriculum vitae, 1988 (unveröffentlichtes Manuskript im Familienbesitz)
  • Eberhard Cold: Scripta, 1988 (unveröffentlichtes Manuskript im Familienbesitz)
  • Eberhard Cold: Lebenslauf, in: Lao Tse: Das Buch von Tao und Te. Nach einem unveröffentlichten Manuskript aus dem Jahr 1949. Übersetzt und erklärt von Eberhard Cold, Weinheim: Verlag Das klassische China, Manufakturausgabe 2011, 548 Seiten, ISBN 978-3-9811148-5-0
  • Eberhard Cold: Verzeichnis der Schriften und Vorträge, in: Lao Tse: Das Buch von Tao und Te. Nach einem unveröffentlichten Manuskript aus dem Jahr 1949. Übersetzt und erklärt von Eberhard Cold, Weinheim: Verlag Das klassische China, Manufakturausgabe 2011, 548 Seiten, ISBN 978-3-9811148-5-0

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Der Etzer Bund ist 1920 von 28 schulentlassenen und unverheirateten jungen Etzern unter der Leitung vom Etzer Dorfschullehrer Hubert Koch gegründet worden: http://www.etzer-bund.de/
  2. Eberhard Cold, Curriculum vitae, 1988, S. 2.
  3. Cold: „Mit Hubert Koch 1936 durch Estland, Livland und Kurland. Von allen baltischen Adeligen akzeptiert, bin ich selbstverständlich auch ‚Deutscher Herr’ – mit estnischen Freunden bis heute. Ein anderes Erziehungsmuster als das des preußischen Deutschherren bietet sich gar nicht an.“ (Cold, Curriculum vitae, 1988, S. 2.)
  4. Deren erste Sätze lauten: „Der Unterricht der Allgemeinen Religionsgeschichte muss sich so nahtlos und zielgerecht in den gesamten Religionsunterricht einfügen wie der Religionsunterricht sich seinerseits einfügen muss in das Erziehungsprogramm der höheren Schule, welches der lebendige Ausdruck des idealen Staatsethos sein muss, da der Staat das Schulmonopol innehat. Diese gedachte Ordnung kann aber nur dann sinnvoll sein, wenn das Staatsethos prinzipiell religiös ist. Religiös aber ist allein dasjenige Staatsethos, welches fordert: Sorge für das Volk, dann für den einzelnen Menschen im Namen und in der Stellvertreterschaft Gottes. Das religiöse Staatsethos ist monarchisch, und zwar existenziell wie institutionell. Das religiöse Staatsethos heißt: ‚Gott ist König’, und dann: ,Der vollkommene Mensch, der wie unser Vater im Himmel vollkommen ist (Mt 5,48), sei König bei uns’. Also ist das Ziel aller Erziehung: Der vollkommene Mensch. Er erfährt seine erste Ausbildung auf der Schule. Im Religionsunterricht hört er von der Wirklichkeit und der Größe, von der Ferne und der Gegenwart, vom Zorn und von der Gnade Gottes und von dem Weg, der zur Vollkommenheit führt. – Um dieses hohe Ziel anzustreben, muss jedes unmittelbar sachdienliche Mittel benutzt werden. Ein wichtiges Mittel ist die Kenntnis der Aussagen der historischen Religionen über die Größe Gottes und den Weg zur Vollkommenheit, wie sie die Wissenschaft der Allgemeinen Religionsgeschichte vermittelt. – Damit ist bereits ausgedrückt, dass der Unterricht der Allgemeinen Religionsgeschichte weder Religionskunde für Missionare noch unverbindliche Religionshistorie für Intellektuelle sein kann, sondern vielmehr ein Mittel zu einer positiven universalen Theologie sein soll.“ Das führte zu dem Urteil des damaligen Fachleiters für Religion am Staatlichen Studienseminar Kiel, „meine Prüfungsarbeit sei ‚glatt fünf‘ und ich brauche mir keine Mühe zu machen, etwa eine neue Arbeit anzufertigen, denn selbst wenn ich sie in einem anderen Fach liefern würde, müsse ich im Mündlichen doch immer von ihm geprüft werden. Er aber würde mich in keinem Falle bestehen lassen, – und indem er einen Vorfall in Württemberg zitierte, erklärte er mir, Gott wolle meinen Dienst nicht, da ich den Schülern Steine vorsetze statt Brot.“ (Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 35 ff.)
  5. Cold: „Vor allem das grundlegende erste Kapitel beschäftigte mich sehr. In ihm mußte ich mit den Mitteln der somatischen Anthropologie und anhand des Fundmaterials der Altsteinzeit nachweisen, daß die Spezialisierung der gleichzeitig nach beiden Seiten ausgreifenden Hände die zunehmende Fähigkeit des Vormenschen hervorbringt, im aufrechten Sitzen den gezielten Blick über zwei Drittel des Umkreises schweifen zu lassen und den Menschen dadurch zum Mittelpunkt eines gewissen Aktionsradius zu machen und damit zum Subjekt je seiner eigenen kleinen Welt. Zudem mußte ich nachweisen, daß diese biologisch angelegte Subjektivität des Menschen die Ursache gleicherweise seines vorsorgenden Eingreifens in seine Umwelt wie seiner inneren Unsicherheit ist, welche ihn zur Menschenfresserei, zu Opfern und anderen Kompensationen in Reaktion auf die wachsende Diskrepanz zwischen sich selbst und dem übergreifenden energetischen Gefüge des Kosmos verleitet. Besonders bei diesem ersten Kapitel kamen mir meine Kenntnisse der Prähistorie und meine Erfahrungen aus den Steinzeit-Ausgrabungen zugute. Ich habe dieses erste Kapitel mit ‚Homo peccator‘ überschrieben, und dieser Titel bezeichnet auch das Leitmotiv der ganzen Ausführungen, deren erste zehn Teile der Bayerische Rundfunk bis April 1962 angekauft hatte.“ (Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 47)
  6. Urteil des zuständigen Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein über den Religionsunterricht Colds in seinem Schreiben vom 24. Juli 1962: „Der ‚Impersonalismus‘, den Sie vertreten, das angeblich ‚einheitliche energetische Weltbild‘, die Auffassung des Menschen als ‚progressiven Sünder‘, der sich zunehmend verinnerlichen soll, sind Elemente, die dem evangelischen Glauben fremd sind. Insgesamt können wir den Gehalt Ihrer Ausführungen über den Religionsunterricht nicht als in Übereinstimmung mit der evangelischen Lehre ansehen.“ (Zitiert bei: Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 198)
  7. Siehe dazu: Lehren des Lehrers. Artikel in der ZEIT vom 25. März 1966 (online auf zeit.de)
  8. Klappentext: „Der Studienassessor Dr. Eberhard Cold wurde aus dem Staatsdienst entlassen, weil er seinen Schülern die zentralen Symbole des Christentums mit Hilfe der vergleichenden Religionswissenschaft erklärte und ihnen solcherweise den Weg vom Glauben zum Wissen und damit zur Nachfolge Christi öffnete. Damit hatte er gegen den Staats-Kirchen-Vertrag verstoßen. In seinen Gerichtsklagen hat Cold die Verlogenheit der kirchlichen Theologie und die Verfassungswidrigkeit der Staats-Kirchen-Verträge nachgewiesen und dabei das Recht des Widerstandes gegen den Missbrauch der Staatsgewalt geltend gemacht, zugleich aber auch Vorschläge zur Neuordnung des Verhältnisses von Staat und Kirche vorgelegt. Diesem Buch müssen in der Reihe „Widerstand“ möglichst bald zwei weitere Bücher folgen, nämlich „Christus ohne Dogma. Eine anthropologische Einführung in die Evangelien“ und „Reichsverfassung. Grundbegriffe des Rechtsstaates“, weil nämlich der Widerstand gegen den Missbrauch der Staatsgewalt sich nicht in der Negierung des ungerechten Regimes erschöpfen darf, sondern notwendig eine tragfähige Neuordnung durchsetzen muss. Eine staatliche Neuordnung ist heute aber nur mehr denkbar in der Dimension des geeinten Reichs Europa und nur sinnvoll in der fortschreitenden Neustiftung der Gerechtigkeit für das Ganze wie für jedermann ohne Ansehung der Person. Da aber die Fähigkeit zur Gerechtigkeit die geistige Souveränität des Gesetzgebers und des Richters, erst recht des Richters als Gesetzgebers voraussetzt, ist das Problem einer konsequenten Rechtsstaatsverfassung in erster Linie das Problem einer Anthropologie der geistigen Person, zugleich der Kritik all der Begriffe und Wertungen, die durch die kirchliche Machtideologie bestimmt sind, vor allem des prototypischen Menschenbildes der Kirche, des Christus. Deshalb zunächst Widerstand 2: Eberhard Cold, Christus ohne Dogma. Eine anthropologische Einführung in die Evangelien, und dann erst Widerstand 3: Eberhard Cold, Reichsverfassung. Grundbegriffe des Rechtsstaates. Möglicherweise aber erscheint schon vorher, um dem allgemeinen Bedürfnis entgegenzukommen, Widerstand 4: Eberhard Cold, Anleitung zum Widerstand für Studenten, Offiziere, Beamte. Morgenland Verlag, 2300 Kronshagen.“
  9. Cold schreibt in diesem Buch auf Seite 197: „Dieses Buch ist nur ein Protest und ein Programm, – ein Protest gegen die Kirche und ihren Staat, ein Programm für die Bildung und Ausbildung der Führungs- und Fürsorgepersonen in einem zukünftigen unparteiischen Rechtsstaat. Es ist ein Programm für die unabdingbar notwendige Wissenschaft vom Menschen, nämlich für eine Anthropologie der sekundären Subjektität und zugleich für eine Anthropologie der Barmherzigkeit, nämlich der Seelsorge und der Menschenführung. Die Durchführung dieses Programms erfordert die Auflösung der Fakultäten, sonderlich der theologischen, zugunsten von Departements, die sich nach Maßgabe ihrer sachlichen, historischen und methodischen Verwandtschaft um ein zentrales Departement für Anthropologie gruppieren. Denn so wie im Mittelpunkt aller Bemühungen des Staates notwendig der Mensch stehen muss, so muss auch im Mittelpunkt der staatlichen Unterrichtsorgane notwendig der Mensch stehen, der Mensch, der selbstbefangen, unfrei und erbärmlich ist und der seine Freiheit nur gewinnt durch Selbstverzicht in der Nachfolge des Buddha, des Mithras, des Herakles, des Dionysos und des lebendigen Christus“.
  10. Pfister: „Daß der Verfasser des Urevangeliums, das in verschiedenen Fassungen den drei Synoptikern bekannt war, eine kynisch-stoische Heraklesbiographie vor Augen hatte und in enger Abhängigkeit von dieser das Leben Jesu gestaltete, wird man wohl mit Sicherheit behaupten dürfen.“ (Fr. Pfister: Herakles und Christus, in: Archiv für Religionswissenschaft 1937, S. 42–60, zitiert bei E. Cold: Christus oder Was ist Auferstehung, 1969, S. 35)
  11. Arnold Ehrhardt: Ein antikes Herrscherideal, in: Evangelische Theologie 1948/49, S. 102–109.
  12. Cold, Zur Umkehr des Denkens: Die Realdistinktion in der Quantenphysik, 15. April/ 25. Mai 1986. Revidiert im Oktober 1987 und im Juni 1988. Als Nachschlag: Der Zel’dovich-Brief vom 28. Juli 1986 (unveröffentlichtes Manuskript).
  13. Cold, Dienst der Kirche ..., 1965, S. 32.
  14. a b c d e f g h i Cold, Verzeichnis der Schriften und Vorträge
  15. Cold, Dienst der Kirche ..., 1965, S. 42.
  16. Cold, Dienst der Kirche, 1965, S. 46; Cold, Scripta, 1988, S. II. Cold: „Das Dionysos-Zeus-Mysterium ist das Redaktionsschema und das ‚Evangelium‘ in den Evangelien, aber die Evangelien verstehen sich selbst als die Dokumente der Erfüllung der Prophetien Israels. Die gewaltsame Verbindung von aktualisierender Geschichtsreligion und zeitloser Mysterienreligion hat das Mysterienschema verfälscht und zerstört, – aber auch die Erfüllungserwartung hat sich frühzeitig als Wahn und im Munde der Kirche auf die Dauer als Lüge erwiesen. […] Alle Mysterienreligionen, alle Hochreligionen kennen die Gerechtigkeit stiftende Barmherzigkeit in allumfassender Liebe nur als Ideal, das zwar hier und da einmal von einem großherzigen Fürsten in Person annähernd verwirklicht wurde, aber bisher in keinem einzigen Fall in Erfüllung einer konkret formulierten, gemeinmenschlich verbindlichen Norm. Das universale Leitbild der Wandlung durch Selbstüberwindung und Weltüberwindung zur Souveränität, – die psychonomische Voraussetzung der Menschenführung und der Machtkontrolle, – ist nirgends auch nur konzipiert worden, vor allem nicht, weil man in aller Welt nach der faulen Gewohnheit des traditionellen, nämlich immer noch feudalen Denkens alle Seelenführung den Religionen und ihren eigenmächtigen Organisationen überlassen hat und dabei den Staat einen bösen Mann sein läßt. Umfassende, erlösende Gerechtigkeit, nämlich unparteiische Gesetzgebung und unparteiisches, barmherziges Gericht – das erklärte Hochziel der großen, heroischen Mysterienreligionen – ist in Wirklichkeit ausschließlich Sache der Könige, sprich: des Staates. Folglich ist die vornehmste religiöse Aufgabe unseres Zeitalters die Formulierung einer Staatsverfassung, welche Selbstüberwindung und Weltüberwindung zum Prinzip der Elitebildung, nämlich der Bildung und Ausbildung der Gesetzgeber, Richter und leitenden Beamten macht.“ (Cold, Christus oder Was ist Auferstehung, 1969, S. 181 f.)
  17. Cold, Curriculum vitae, 1988, S. 11.
  18. Cold, Scripta, 1988, S. III.
  19. Medem war im Zweiten Weltkrieg u. a. Kommandeur der Pionierschule Dessau-Roßlau. Medem starb 1953 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft aufgrund von medizinischer Unterversorgung seiner Herzkrankheit. Die Bundeswehr benannte 1964 eine Kaserne nach ihm: General-Medem-Kaserne in Holzminden; 2013 wurde sie in Pionierkaserne am Solling umbenannt: Mitteilung online auf deutschesheer.de.
  20. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 15.
  21. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 17 f.
  22. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 21.
  23. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 23 f.
  24. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 26.
  25. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 40 ff.
  26. Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 50 ff.
  27. http://www.das-klassische-china.de/Tao/Ubersicht%20der%20versch%20Ausgaben/unterseite-cold.htm
  28. Cold: „In dem Referat über Königtum und Adel kam es mir nicht nur auf einen philologischen Vergleich zweier gleichrangiger Texte derselben Geschichtsepoche, sondern vor allem auf die Feststellung an, daß Heraklit und Lao Tse in der Beschreibung von vier Stufen der Wandlung des Menschen auf dem Wege zur Vollkommenheit übereinstimmen. Beide zeichnen zuerst den gottfernen, den irrenden Menschen, der im Beharren auf seiner egozentrischen Subjektität eigentlich der Gegner Gottes ist; – sodann den Menschen, der sich nach der Metanoia, der inneren Abkehr von seiner bisherigen Selbstbezogenheit, hinwendet auf den ‚Weg nach oben‘, der ihn zu Gott führt; – drittens die Verschmelzung der Menschenseele mit der Gottheit in der Unio mystica, welche gleichbedeutend ist mit dem vorläufigen Erreichen des theoretischen Ortes in der Transzendenz, – und viertens den Menschen, der nach einer zweiten Umkehr am Ort Gottes selbst sich der Welt wieder zuwendet als der Weise, der zum Hüter geworden ist über die Lebendigen und die Toten, über die Gottnahen und die Gottfernen. Dieser Weise heißt bei Lao Tse: der vollkommene Mensch, der Fürst, der König, – und bei Heraklit: der Beste, der Edle. Lao Tse und Heraklit beschreiben beide diesen idealen Menschen mit denselben Worten.“ (Cold, Der Dienst der Kirche ..., 1965, S. 33)
  29. Zur Aufnahme dieses Beitrages von Cold erklärt Carsten Colpe im Vorwort des Sammelbandes (S. XVII f.): „… ich habe ihn gewählt, weil ich weiß, in wie weiten Kreisen die Begriffe Managehalt und Heiligkeitscharakter zur Vorstellung von elektrischer Hochspannung popularisiert worden sind, und weil der Autor an dieser Stelle immerhin etwas Neues einführt, nämlich den Energiebegriff der Quantentheorie. Aber auch dagegen sei zur Warnung an alle, die im Felde der Elektrizität und der Energiequanten weiterzutreten wünschen, erklärt: Daß das völlige Absehen von verändernden Kräften, wie die aufgezählten historischen Stationen sie eigentlich anzeigen sollten, und das Kurzschließen zwischen Physik und Kultur so nicht angeht, kann sich schon der physikalische wie der religionswissenschaftliche Laie z. B. an Hand der Tatsache klarmachen, daß Stammesräte oder -könige die Tabuierung einer Sache beschließen und ein erklärtes Tabu wieder aufheben, mit der Elektrizität aber so nicht verfahren können. Ein sachgemäßer Wissenschaftsmonismus, dem es um die Übertragung naturwissenschaftlich zu untersuchender Phänomene auf geschichtliche und gesellschaftliche Tatbestände geht, sieht anders aus.“