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EAM (Energieversorger)

Kommunales Energieversorgungs-Unternehmen
EAM GmbH & Co. KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1929 (Rückbenennung 2013)
Sitz Kassel, Deutschland
Leitung
  • Georg von Meibom
  • Thomas Weber
Mitarbeiterzahl 1.200
Branche Energie
Website https://www.eam.de

Die EAM GmbH & Co. KG ist ein regionales Energieversorgungsunternehmen mit Geschäftssitz in Kassel. Das Geschäftsgebiet hat eine geografische Fläche von mehr als 13.000 Quadratkilometer und erstreckt sich über weite Teile Hessens, Südniedersachsen und Teile von Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Das Leistungsspektrum der EAM-Gruppe umfasst neben dem Betrieb von Strom-, Gas- und Wassernetzen den Vertrieb von Ökostrom- und Erdgasprodukten. Außerdem treibt sie den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region voran, bietet energiewirtschaftliche Dienstleistungen an und ist im Geschäftsfeld Telekommunikation aktiv. Die EAM beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 20 Standorten.[1]

GeschichteBearbeiten

Unter dem Namen Energie-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) wurde das Unternehmen am 6. September 1929 durch den Zusammenschluss mehrerer kommunaler Stromversorgungsunternehmen und der damaligen Preußischen Elektrizitäts AG (heute E.ON SE) gegründet. 2002 übernahm die damalige E.ON Energie AG, die bis dahin 46 Prozent des Aktienkapitals gehalten hatte, weitere EAM-Aktien von kommunalen Anteilseignern und erhöhte ihren Anteil auf 73,34 Prozent. Die restlichen Anteile hielten weiterhin die Stadt Göttingen und zwölf Landkreise. Im Jahr 2005 wurde die EAM in E.ON Mitte AG umbenannt. Im Dezember 2013 haben die kommunalen Anteilseigner sämtliche Geschäftsanteile von E.ON zurückerworben, so dass die Gesellschaft seither zu 100 % kommunal ist. Sie tritt seit dem 28. März 2014 wieder unter dem alten Firmennamen EAM auf.[2][3] Grund für den Rückkauf der Geschäftsanteile war die Bestrebung, die erwirtschafteten Überschüsse nicht an den Mutterkonzern E.ON fließen zu lassen, sondern in der Region zu behalten.[4] Geschäftsführer der EAM sind Georg von Meibom und Thomas Weber.

StrukturdatenBearbeiten

Kommunale Gesellschafter der EAM waren von Beginn an zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen (sortiert nach der Höhe der Beteiligung)[5]:

  • Landkreis Northeim (inkl. Stiftungen)
  • Stadt Göttingen
  • Landkreis Kassel
  • Schwalm-Eder-Kreis
  • Landkreis Hersfeld-Rotenburg
  • Landkreis Göttingen
  • Lahn-Dill-Kreis
  • Landkreis Marburg-Biedenkopf
  • Werra-Meißner-Kreis
  • Main-Kinzig-Kreis
  • Landkreis Eichsfeld
  • Landkreis Höxter
  • Landkreis Waldeck-Frankenberg

Im Dezember 2014 beteiligten sich 109 Städte und Gemeinden mit insgesamt 35,3 % an der EAM. Damit verfügte die EAM ab Dezember 2014 zunächst über insgesamt 122 Eigentümer. Im Dezember 2015 wurde die letzte Stufe des Rekommunalisierungsprozesses vollzogen: Weitere neun Städte und Gemeinden aus Hessen und Südniedersachsen sowie zusätzlich neun Ortsgemeinden aus dem Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz übernahmen über Sammel- und Vorschaltgesellschaften zum Jahresende 2015 Anteile an dem Unternehmen. Die EAM hatte damit insgesamt 126 Anteilseigner.[6] Im September 2019 ist ein Anteilseigner ausgeschieden. Damit hat die EAM 125 Anteilseigner. Das sind zwölf Landkreise aus Hessen, Südniedersachsen, Ostwestfalen und Westthüringen sowie die Stadt Göttingen, die zusammen über 62,89 % der Anteile verfügen.[7] Die restlichen 37,11 % der Anteile halten 111 Städte und Gemeinden sowie der Zweckverband EAM Beteiligung im Landkreis Altenkirchen, dem 30 Ortsgemeinden aus Rheinland-Pfalz beigetreten sind.

NetzbetriebBearbeiten

Das Netzgeschäft der EAM wird seit Juni 2014 von der EnergieNetz Mitte GmbH verantwortet. Das Strom- und Erdgasnetz der 100-prozentigen Tochtergesellschaft erstreckt sich über eine Länge von rund 50.000 Kilometer. Zu den Versorgungseinrichtungen im Stromnetz gehören 71 Umspannwerke und mehr als 6.300 Schalt- und Ortsnetzstationen sowie im Erdgasnetz 71 Übernahmestationen und 280 Gas-Bezirksregelanlagen. Weiterhin bietet das Unternehmen ein breites Spektrum energienaher Dienstleistungen und Services an, beispielsweise im Bereich der Straßenbeleuchtung oder der Planung und Betriebsführung von Versorgungsnetzen sowie bei der Wasserver- und Abwasserentsorgung.[8]

Strom- und GasvertriebBearbeiten

Über ihre Tochtergesellschaft EAM Energie GmbH bietet die EAM ihren Kunden seit Juli 2014 Ökostrom-, Heizstrom- und Erdgasprodukte an. Die EAM Energie GmbH ist ein gemeinsames Unternehmen der EAM und der Städtische Werke AG, Kassel, die beide jeweils 50 % der Anteile halten. Alle Stromprodukte stammen zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen. Dies wird von der Bundesnetzagentur zusammen mit dem Umweltbundesamt regelmäßig überwacht. Die EAM Energie ist mit 16 Servicebüros in ihrem Geschäftsgebiet vertreten und berät Kunden direkt vor Ort.[9]

WindenergieBearbeiten

Im Geschäftsfeld „Windservice“ projektiert die EAM Windparks von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung. Die Kooperationspartner sind im Wesentlichen Kommunen und regionale Energiegenossenschaften. Größere, bereits in Betrieb befindliche Windparks sind der Windpark Lahn-Dill-Bergland Mitte (Landkreis Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill-Kreis)[10],der Windpark „Die Gleiche“[11] mit sechs Windkraftanlagen in den Kommunen Ottrau und Schrecksbach (Schwalm-Eder-Kreis) und der Windpark Schwarzenberg im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit neun Windkraftanlagen.

Verwertung von BiomasseBearbeiten

Die EAM betreibt in Kirchhain-Stausebach (Landkreis Marburg-Biedenkopf) ein hochmodernes Biomassezentrum.[12] Jährlich werden dort rund 30.000 Tonnen Bio- und Grünabfälle und mehr als 5.000 Tonnen holzige Biomasse verwertet. In einer separaten Nassvergärungs-Anlage für nachwachsende Rohstoffe werden pro Jahr rund 15.000 Tonnen Mais-, Gras- und Ganzpflanzensilage vergärt. Das in beiden Anlagen erzeugte Biogas wird am Standort auf Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist.[13]

ElektromobilitätBearbeiten

Die EAM setzt sich konsequent für den Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität ein, indem sie E-Ladesäulen in der Region aufbaut. Insgesamt betreibt das Unternehmen 51 Ladesäulen. Darunter sind sieben Hochleistungs-Schnellladesäulen, zum Beispiel am Kaufpark in Göttingen, am Kirchheimer Dreieck (Autobahn A4 und A7) sowie am Lohfeldener Rüssel (A7 und A44)[14].

TelekommunikationBearbeiten

Seit dem 1. April 2016 hält die EAM 50 % der Anteile an der Netcom Kassel Gesellschaft für Telekommunikation. Weitere 50 % gehören der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV). Die Netcom Kassel bietet Privat- und Geschäftskunden Telekommunikationsdienstleistungen sowie Festnetz- und Internetprodukte an. Ein wichtiges Ziel ist es, die Infrastruktur für eine flächendeckende Internetversorgung mit hoher Bandbreite für die ländlichen Gebiete in Nordhessen aufzubauen. Das dazu erforderliche Netz wird derzeit in fünf nordhessischen Landkreisen von der Breitband Nordhessen GmbH errichtet. Die Netcom Kassel installiert anschließend die Komponenten für den Betrieb des Breitbandnetzes und bietet ihre Telekommunikationsdienste an.[15]

WirtschaftsdatenBearbeiten

Im Geschäftsjahr 2018 leisteten die Unternehmen der EAM-Gruppe innerhalb ihres Geschäftsgebiets einen Wertbeitrag in Höhe von 238 Millionen Euro, der in der Region verbleibt. Dieser setzt sich im Wesentlichen aus Löhnen und Gehältern, Aufträgen an Firmen im Versorgungsgebiet, Konzessionszahlungen für Städte und Gemeinden, Ergebnisverteilung an kommunale Gesellschafter sowie Gewerbesteuerzahlungen zusammen. Die Umsatzerlöse der gesamten EAM-Gruppe lagen im Jahr 2018 bei 966 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss der EAM GmbH & Co. KG betrug 51 Millionen Euro.[16]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. EAM: Unternehmensporträt: Energie aus der Mitte. Abgerufen am 25. Juni 2019.
  2. EAM GmbH & Co. KG HRA 17324 Neueintragung Handelsregister. In: handelsregister-online.net. Abgerufen am 13. April 2016.
  3. Göttinger Tageblatt, Eichsfelder Tageblatt, Göttingen, Eichsfeld, Niedersachsen, Germany: Eigener Vertrieb geplant – EAM ist wieder da. Abgerufen am 20. Oktober 2017.
  4. Hessische Allgemeine Zeitung (HNA) vom 19. August 2014, „Gewinn soll hierbleiben“
  5. EAM-Anteilseigner: Wem die EAM gehört & wer sich beteiligen kann. Abgerufen am 1. März 2016.
  6. EAM hat nun 126 Anteilseigner. Abgerufen am 2. Oktober 2019.
  7. EAM-Anteilseigner: Wem die EAM gehört & wer sich beteiligen kann. Abgerufen am 1. März 2016.
  8. EnergieNetz Mitte GmbH: Portrait | EnergieNetz Mitte – für eine zuverlässige Energieversorgung. Abgerufen am 8. Oktober 2018.
  9. EAM: EAM-Kundenservicebüros. (eam.de [abgerufen am 25. Juni 2019]).
  10. Lahn-Dill-Bergland Mitte
  11. Die Gleiche
  12. Biomassezentrum Stausebach von EAM in Betrieb genommen | Marburger Rundschau. Abgerufen am 20. Oktober 2017 (deutsch).
  13. EAM Geschäftsbericht | Die EAM auf einen Blick. Abgerufen am 20. Oktober 2017.
  14. Die besten Stromtankstellen 2016 | Elektroauto Blog. Abgerufen am 20. Oktober 2017 (deutsch).
  15. Einstieg von EAM bei der Netcom: „Risiko vergleichsweise gering“. In: https://www.hna.de. 21. Juni 2016 (hna.de [abgerufen am 20. Oktober 2017]).
  16. EAM Geschäftsbericht 2018 - Die EAM auf einen Blick. Abgerufen am 25. Juni 2019.