Dynamischer Schriftanzeiger

Fahrgastinformationssystem der Deutschen Bahn, das überwiegend auf kleineren Bahnhöfen und Haltepunkten einsetzt wird

Ein Dynamischer Schriftanzeiger (DSA) ist ein Fahrgastinformationssystem, das die Deutsche Bahn überwiegend auf kleineren Bahnhöfen und Haltepunkten einsetzt. Die Geräte zeigen eine einzeilige Laufschrift über eine LED-Anzeige an und sind meist zusätzlich mit Lautsprechern („Akustikmodul“) ausgestattet. Sie sind über GSM mit der DSA Zentrale verbunden, welches die Reisendeninformationen vom zentralen Reisenden-Informationssystem IRIS empfängt.

Dynamischer Schriftanzeiger der DB
DSA im Zeitanzeigemodus

Die Auflösung der LED-Anzeige beträgt 96×8 Punkte (Pixel) in der einzeiligen und 160×32 bzw. 168×32 Punkte in der dreizeiligen Ausführung.[1]

Hauptzweck der Schriftanzeiger ist die Anzeige von „Abweichungsinformationen“ (Abweichungen vom Tagesfahrplan), um die Fahrgäste bei Störungen des Bahnbetriebs zu informieren. Seit dem 10. März 2011 wird zusätzlich, wenn keine Störungen vorliegen, die aktuelle Zeit angezeigt.[2] Die Anzeige der aktuellen Uhrzeit, sofern keine Störungsmeldung vorliegt, erfolgt heute in Ruheschrift, damit aus weiterer Entfernung besser erkannt werden kann, ob eine bahnbetriebliche Beeinträchtigung vorliegt oder nicht. In geraden Monaten (Februar, April, Juni …) steht die Uhrzeit rechtsbündig, in ungeraden Monaten (Januar, März, Mai …) linksbündig.

DSA kommen vor allem an Stationen der unteren Kategorien (5–7) zum Einsatz. Auch an kleineren Stationen der höheren Kategorien ist der Einsatz von DSA vorgesehen.[2] Im September 2018 waren fast 6650 DSA installiert. Um deren Funktionsfähigkeit zu überwachen, betreibt DB Station&Service eine zentrale Leitstelle im Berliner Hauptbahnhof.[3] Rund 4500 der installierten DSA wurden aus den Konjunkturprogrammen des Bundes finanziert.[4] Nach Abschluss des Konjunkturprogramms wurde die DB-Tochter Station&Service seitens des Eisenbahn-Bundesamtes dazu angewiesen, alle Stationen mit Fahrgastinformationssystemen oder Lautsprechern auszustatten. In mehreren Gerichtsprozessen hatte das Unternehmen versucht, Ausnahmeregelungen für schwach frequentierte Halte ohne entsprechende Energie- und Mobilfunkversorgung zu erzielen, ist aber in jeder Instanz gescheitert. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Deutsche Bahn an, bis 2019 alle Halte mit Fahrgastinformationssystemen auszurüsten.[5]

Der Betrieb der Geräte erfolgt vollautomatisch. Akustische Ansagen kommen von einem Sprachgenerator.[6]

Zweiseitiger DSA

Der DSA wird in zwei Ausführungen mit ein- oder zweiseitiger Anzeige hergestellt.[6] Der besseren Sichtbarkeit halber wird er in der Regel quer zur Bahnsteigrichtung montiert; dabei werden an Masten meist zwei einseitige DSA verwendet, die aus entgegengesetzten Richtungen lesbar sind. Bei Montage an einer Gebäudewand kommt häufig die zweiseitige Version zum Einsatz, die dann an einem Auslegerbalken hängt. Diese Bauweise ist auch an ausreichend stabilen Masten möglich.[7]

Dreizeiliger DSA der Erz­gebirgs­bahn im Bahnhof Aue (Sachs) (Januar 2018)

Die Westfrankenbahn entwickelte für ihre Stationen eine dreizeilige Version, auf der auch die nächsten Zugabfahrten angezeigt werden.[8] Seit Ende 2017 sind gleichartige Geräte auch bei der Erzgebirgsbahn, ebenfalls eine Organisationseinheit der DB RegioNetz Infrastruktur GmbH, im Einsatz.

Im Rhein-Main-Verkehrsverbund erhielten die DSA ab September 2018 sukzessive eine Softwareanpassung und zeigen seitdem nicht nur Unregelmäßigkeiten, sondern auch den nächsten planmäßig verkehrenden Zug an.[9] Diese Softwareanpassung ist mittlerweile in allen Bundesländern vorhanden.[10]

Dynamischer Schriftanzeiger plus (Arbeitstitel: DSAplus)Bearbeiten

Am 23. September 2017 wurde von der Deutschen Bahn die nächste Generation der Dynamischen Schriftanzeiger vorgestellt. Diese Geräte sollen über mehrere Anzeigezeilen verfügen und beispielsweise auch Fahrziele und Folgezüge anzeigen.[11]

Am 10. Juli 2021 veröffentlichte die Deutsche Bahn Präsentationsunterlagen für die neuen DSAplus. Diese wurden auf Grundlage der bestehenden DSA von den Herstellern Oltmann und Funkwerk entwickelt.

Die Vision der Deutschen Bahn war es für jede Station eine wirtschaftlich sinnvolle und eine nach den Kundenwünschen orientierte Fahrgastinformationsanlage für Haltestellen mit 2–4 Halten pro Stunde zu entwickeln.

Daraus resulitiern die beiden Modelle DSAplus Standart mit zwei Zeilen Anzeigefläche und DSAplus Premium mit drei Zeilen Anzeigefläche.

Anders als die bisherigen DSA zeigen die DSAplus die Informationen statisch an und halten dabei immer Informationen zu Gleiswechseln sowie abweichende Abfahrtszeiten zu den nächsten zwei oder drei Zügen bereit. Im Störungsfall können die neuen DSAplus mit aktuellen Informationen bespielt werden, indem die unterste Zeile die aktuellen Informationen, wie bei den aktuellen DSA, in einer Laufschrift zur Verfügung stellt.

Optionale Erweiterungen wie die Installation eines weitern Lautsprechers, eines Tasters zur Wiederholung der Ansagen oder zum Vorlesen des Anzeigeinhalts, eines Digitalen Aushangs zur Baustellenkoordination (DAB), WLAN, Kameras oder weiterer Sensorik wurden berücksichtigt.

Die neuen DSAplus lehnen an das Layout der Anzeigetafeln in größeren Bahnhöfen an und nutzen ebenfalls die neu eingeführten Symbole für Qualitätsabweichungen, wie "H+" für zusätlzicher Halt, "H-" für Haltausfall oder "-=" für Gleiswechsel.

Verspätungen, Ausfälle und Gleiswechsel sowie der stationsbezogene Hinweis werden ab sofort invertiert in Schwarzer Schrift auf weißem Grund dargestellt, alle planmäßigen Informationen werden in weißer Schrift auf schwarzem Grund dargestellt.

Der Probebetrieb der DSAplus Standard Modelle wird an den Stationen Blumberg-Rehhahn, Althüttendorf, Bahnhof Kölleda und Kiebitzhöhe vollzogen.

Der Probebetrieb der DSAplus Premium Modelle wird an den Bahnhöfen Bahnhof Kempen (Niederrhein), Schwabmünchen und Mering St.Afra durchgeführt.[12]

WeblinksBearbeiten

Commons: Dynamischer Schriftanzeiger – Sammlung von Bildern

HerstellerBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dynamischer Schriftanzeiger (DSA) – Elektrotechnik und Elektronik Oltmann GmbH. Abgerufen am 4. September 2020.
  2. a b Peter Kradepohl: Neue DSA-Module. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Mobilitätskonferenz NRW. 20. Mai 2011, ehemals im Original; abgerufen am 30. Juni 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.verkehr.nrw.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  3. Schnelle Hilfe bei Reisendeninformation. In: DB Welt. Nr. 9, 2015, S. 6.
  4. Bauprogramme an Bahnhöfen – Bundesprogramme – Konjunkturprogramm. (Nicht mehr online verfügbar.) Deutsche Bahn AG, archiviert vom Original am 25. September 2015; abgerufen am 24. September 2015.
  5. Deutsche Bahn muss an Haltestellen über Verspätungen informieren. In: Zeit Online, 9. September 2015.
  6. a b DB Netze: Information Dynamischer Schriftanzeiger. In: bad-aibling.de. Deutsche Bahn AG, 29. September 2011, abgerufen am 31. Mai 2021.
  7. Mast mit DSA-Ausleger (YouTube)
  8. Fahrgastinformation wird an kleinen Stationen groß geschrieben. (PDF) In: Kundenmagazin WFB-Takt 01/2016. Westfrankenbahn, 2016, S. 7, abgerufen am 31. Mai 2021.
  9. RB Mitte: Umfassendere Fahrgastinformation an kleineren Bahnhöfen. (PDF) StationsAnzeiger Ausgabe 24. In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn, Dezember 2018, S. 11, abgerufen am 31. Mai 2021.
  10. Oliver Schumacher: Themendienst: Gut informiert auch an kleinen Bahnhofen. In: Deutsche Bahn AG. April 2019, abgerufen am 9. November 2019.
  11. Nächste Generation Dynamischer Schriftanzeiger (DSA). In: DB Blick in die Werkstatt. Abgerufen am 11. Juni 2018.
  12. Neue Anzeiger für kleine Stationen. Abgerufen am 6. September 2021.