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Lage von Drewer-Nord und -Süd innerhalb der Stadt

Drewer war die Bezeichnung für eine alte Bauerschaft innerhalb des Amtes Marl und ist heute Namensgeber zweier Stadtteile (Drewer-Nord und Drewer-Süd) in der Stadt Marl in Nordrhein-Westfalen im Kreis Recklinghausen. Drewer hat 17.573 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2018).[1]

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Der Stadtteil (Nord und Süd) liegt geografisch in der Mitte der Stadt Marl. Er grenzt im Osten an den Stadtteil Hüls, im Westen an das Stadtzentrum und im Nordwesten an Brassert. Im Norden liegt der Chemiepark Marl und im Süden die Ortslage Steinernkreuz (Teil von Alt-Marl).

GeschichteBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Stadtteils Drewer findet sich etwa ab 1150 (Hof Altrogge) in den Zinspflichtigkeiten des Oberhofes Helderinghausen (bei Recklinghausen) in der Rheinischen Urbare der Reichsabtei Werden (Essen). Da der Oberhof Helderinghausen (im Urtext: Halicgeringshuson ab 900–911) als Schenkung verzeichnet ist, wurden ein höheres Alter der Siedlungsnamen von anhängigen Bauerschaften vermutet, aber nicht gesichert.

Dort ist die Ansiedlung unter dem Namen „Threviri“ verzeichnet. Der Name soll so viel wie „Drei Häuser“ bedeuten. Der Ortsname verändert sich in späteren Jahrhunderten über „De Trivere“ in „Drevere“ bis zur heutigen Schreibweise.

Bereits in Urkunden des 11. und 12. Jahrhunderts wird die Gegend als Bauerschaft bezeichnet, deren Hauptgut sich in der Nähe der heutigen Kirche St.Heinrich befand. Die Familie, die dieses Gut bewirtschaftete, wurde im Laufe der Zeit auch Familie Drewer genannt. Sie verlor ihre Besitzungen mit dem Aufkommen der Feudalherrschaft in Marl durch die Familie von Loë. Gegen 1200 sind die ehemaligen Drewerbesitztümer bereits an die Familie von Loe übergegangen.

Im Jahre 1772 sind in Drewer noch neun Bauernhöfe im Besitz der Nachfahren der Familie von Loe.

Eine Zählung im Jahre 1827 verzeichnet für Marls größte Bauerschaft 86 Häuser, in denen 99 Familien wohnten.

Als 1898 die Zeche Auguste Victoria im Stadtteil Hüls gegründet wurde, hatte dies auch erhebliche Auswirkungen auf Drewer. Da nun Wohnungen für die Bergarbeiter benötigt wurden, entstanden auch hier Siedlungen. Die ersten Wohnungen wurden entlang des Lipper Wegs gebaut, doch in den nächsten Jahrzehnten entstanden weitere Häuser entlang der Bergstraße.

Durch den starken Zuzug von Bergarbeiterfamilien war es nötig, auch mehrere Schulen neu zu bauen. 1908 wurde zunächst die Waldschule an der Grenze zu Hüls errichtet. Ihr folgten die Aloyisiusschule und die Harkortschule am Lipper Weg; nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1960er Jahren, plante Hans Scharoun in einer neuartigen Konzeption die (später sogenannte) Scharounschule Marl.

Da viele Bergleute katholisch waren, es aber keine katholische Kirche in Drewer gab, wurden in den 1920er Jahren immer wieder Forderungen nach einer katholischen Kirche im Stadtteil laut. Schließlich wurde an der Bergstraße die Gemeinde St. Josef gegründet, die zunächst aber ohne eigene Kirche auskommen musste und behelfsmäßig in einem ehemaligen Kinderheim die Gottesdienste abhielt.

1930 wurde an der Straße Langehegge eine Siedlung gebaut.

1935 wurde die sogenannte Widukindsiedlung errichtet, eine Selbstversorgersiedlung, in der Bergleute, entgegen den sonst üblichen Mietwohnungen, Eigentum erwerben konnten und durch großzügige Gärten auch Schweine und Ziegen halten konnten.

VerkehrBearbeiten

Der Stadtteil wird verkehrsmäßig in West-Ost Richtung von Marls Hauptverkehrsstraße, der Bergstraße, erschlossen. In Nord-Süd Richtung ist seit Jahrhunderten der Lipper Weg eine wichtige Verbindung. Diese Straße führte von der Drewermark zur Bauerschaft Lippe und später direkt auf die dort errichteten Chemischen Werke Hüls, den heutigen Chemiepark Marl. Im Laufe der Zeit wurde die zunächst ziemlich unwegsame Straße immer weiter ausgebaut, nicht zuletzt aufgrund der Industrieansiedlungen. Der Haltepunkt an der Bahnstrecke GE-Buer Nord–Haltern wurde 1998 geschlossen.

LiteraturBearbeiten

  • Helmut Madynski: Das alte Marl. Fels Verlag, Marl.
  • Heinrich Schäpers: Bilder aus der Geschichte Marls. Eigenverlag, Marl 1966, S. 25, 64.
  • Rudolf Kötzschke: Rheinische Urbare II, Urbar A § 8. 9.–13. Jahrhundert. Band 2. Droste Verlag, Düsseldorf 1978, S. 33 (Reprint, Original 1906).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerungsstatistik 31. Dez. 2018 Marl. Abgerufen am 8. Mai 2019.

Koordinaten: 51° 38′ N, 7° 8′ O