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Dreieinigkeitskirche (Eschweiler)

Kirchengebäude in Deutschland
Die Dreieinigkeitskirche um 1900

Die Dreieinigkeitskirche ist die evangelische Hauptkirche für die Stadt Eschweiler (Nordrhein-Westfalen).

Dreieinigkeitskirche, 2018

Die Kirche liegt am Martin-Luther-Platz, am Ende der Marienstraße, Ecke Moltkestraße. Neben der Kirche befindet sich ein Gedenkstein für die ehemals benachbarte Synagoge in der Moltkestraße, die in der Reichspogromnacht 1938 niedergebrannt wurde. Die Kirche mit benachbarten Gemeindezentrum Martin-Luther Haus bildet den Mittelpunkt evangelischen Lebens in Eschweiler. Bis 1957 hieß die Kirche Lutherkirche, danach wurde sie in Dreieinigkeitskirche umbenannt. 1973 wurde die Dreieinigkeitskirche in die Liste der Baudenkmäler des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

BaugeschichteBearbeiten

Nachdem durch Sammlungen und Spenden die notwendigen Mittel bereitstanden, konnte 1890 der Grundstein für die Kirche gelegt werden. Am 4. Februar 1892 wurde die Kirche eingeweiht. Die Dreieinigkeitskirche ist durch den Architekten August Albes (* 1842 in Hannover), einem Schüler Conrad Wilhelm Hases, in neugotischen und historistischen Formen nach dem Eisenacher Regulativ errichtet worden. Außer der Dreieinigkeitskirche erbaute Albes noch die Presbyterkirche in Köln-Kalk (1951 Reste gesprengt) und die Luther-Kirche in Köln-Nippes (heute Kulturkirche).

BaubeschreibungBearbeiten

 
Innenraum (2017)

Die Dreieinigkeitskirche ist eine Hallenkirche mit Abseiten, d. h. nicht voll entwickelten Seitenschiffen. Den Westen schließt ein Querbau ab, in dessen Mitte der Tum aufragt.[1] Im Osten schließt der Bau mit einem dreiteiligen Chor nebst Chorumgang an der Mittelapsis ab. Den Dreiecksgiebel über dem Haupteingang durchbricht ein großes, spitzbogiges Fenster. Im nächsten Geschoss findet sich ein hohes schlankes Fensterpaar. Die darauf folgende Zone mit den Schallfenstern für die Glocken geht vom quadratischen zum achteckigen Grundriss über. Die nach oben sich verjüngenden Strebepfeiler sind diagonal auf die Ecken gesetzt und begleiten auch das Achteck des obersten Geschosses und enden in Fialen.[2] Diese, die Krone im oberen Bereich des Turmhelmes, und die vier dreieckigen Ziergiebel über den Schallfenstern fielen dem Zeitgeschmack bei der Renovierung 1968 zum Opfer. Auch das Kircheninnere wurde im Zuge der Renovierung 1968 beträchtlich verändert und weiß gestrichen, Bänke und der ornamentale Fußbodenbelag wurden entfernt. In einer weiteren Renovierung 1990 wurde die ursprüngliche Backsteinsichtigkeit der Säulen, Kapitelle, Kreuzrippen und Bögen wiederhergestellt. Gleiches gilt für die dezente ornamentale Bemalung.

AusstattungBearbeiten

FensterBearbeiten

Ursprünglich hatte die Kirche eine neugotische Bleiverglasung. Nach den Kriegszerstörungen wurde die Kirche mit Kathedralglas notverglast. 1948 lieferte die Glasmalerei Oidtmann aus Linnich das mittlere Chorfenster. Pfingsten 1956 wurden die beiden flankierenden Chorfenster von der Glasmalerei Derix, Kaiserswerth eingesetzt. Alle drei Ornamentalfenster wurden von der Künstlerin Maria Katzgrau entworfen und enthalten Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. 1961 wurden die restlichen Fenster eingebaut.

GlockenBearbeiten

„Seid fröhlich in der Hoffnung – Seid geduldig in Trübsal – Haltet an am Gebet“, lauteten die Inschriften der ersten drei Glocken (nach (Röm 12,12 EU)). Sie wurden im Laufe des Ersten Weltkrieges zum Einschmelzen abgegeben.

Am 6. Juli 1925 konnten bei der Glockengießerei Pfeifer, Kaiserslautern, für 11.094 Goldmark vier neue Bronzeglocken in Auftrag gegeben und am 1. November 1925 eingeweiht werden. Die größten drei Glocken tragen die gleichen Namen wie ihre Vorgänger.

  • 1. Glocke „Seid fröhlich in der Hoffnung“, Ton e’, 1096 kg
  • 2. Glocke „Geduldig im Trübsal“, Ton fis’, 734 kg
  • 3. Glocke „Haltet an am Gebet“ Ton gis’, 513 kg
  • 4. Glocke „Drei Schwestern rief herab die ehr’ne Zeit, dem Vaterland zu Schirm und Wehr geweiht. Uns vier hat heil’ger Opfersinn erneut“ Ton h’, 312kg.[3]

1942 mussten auch diese Glocken zum Einschmelzen abgegeben werden, lediglich die kleinste Glocke verblieb im Turm. Im November 1945 wurde festgestellt, dass die drei abgegebenen Glocken in einem Holzlager in Stolberg (Rheinland) lagerten und somit noch vorhanden waren. Auch die im Turm verbliebene kleinste Glocke hatte den Krieg, trotz Brand der Kirche, überstanden. So erklingen die Glocken seit dem Weihnachtsfest 1945 wieder.

OrgelBearbeiten

 
Die Beckerath-Orgel von 1990

Insgesamt wurden drei Orgeln für die Dreieinigkeitskirche gebaut.

Die erste Orgel wurde 1893 durch die Firma Walcker (Ludwigsburg) mit 16 Registern auf zwei Manualen gebaut. 1944 wurde diese Orgel durch Kriegseinwirkung völlig zerstört. Das zweite Instrument, ebenfalls mit 16 Registern, wurde 1951 von der Firma Peter (Köln) gebaut.

Als im Laufe der Jahre immer mehr Verschleißerscheinungen auftraten, entschied sich das Presbyterium 1987 zum Bau eines neuen Instrumentes durch die Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath Orgelbau (II/26). Die Orgel wurde am 30. Mai 1990 in Dienst gestellt. Die Orgel ist dem „Norddeutschen Orgelbarock“ verpflichtet. Die Erweiterung (III/41) erfolgte durch die Erbauerfirma Rudolf von Beckerath Frühjahr 2019. Die Erweiterung zielte in erster Linie auf eine größere Auswahl an „romantischen“ Klangfarben aus der Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts. Dafür wurde ein schwellbares „Auxiliairewerk“ als drittes Manual hinzugefügt. Auch das Pedal wurde um einige Stimmen ergänzt, die dem Instrument mehr Gravität verleihen.[4]

I Hauptwerk C-g3
Bourdon 16′
Prinzipal 08′
Hohlflöte 08′
Oktave 04′
Spitzflöte 04′
Nasat 0223
Oktave 02′
Mixtur V 0113
Trompete 08′
Cymbelstern00
II Schwellwerk C-g C-g3
Violprinzipal 08′
Gedackt 08′
Oktave 04′
Rohrflöte 04′
Waldflöte 02
Sesquialtera II
Quinte 0113
Scharf IV 01′
Dulzian 16′
Oboe 08′
Tremulant
III Auxiliaire C-g3
Gambe 16′
Viola da Gamba00 08′
Flute harmonique 08′
Voix Célèste 08′
Fugara 04′
Flute traversière 04′
Flageolett 02′
Cornett V 08′
Bombarde 16′
Trompette harm. 08′
Cromorne 08′
Tremulant
Pedal C-g1
Violon 16′
Subbass 16′
Quintbass 1023
Prinzipal 08′
Gedacktbass 08′
Choralbass 04′
Rauschwerk IV
Posaune Akustik00 32′
Posaune 16′
Fagott 16′
Trompete 08′
  • Koppeln:
    • mechanische Koppeln: II/I, II/P, I/P
    • elektrische Koppeln: III/I, III/II, III/P,III/I 16' + 4, III/II 16' + 4,III/P 4' (Super und Subkoppeln)
  • Spielhilfen: Elektronische Setzeranlage mit 5.000 Kombinationen, Midi-Out

TaufgeräteBearbeiten

 
Taufgeschirr, datiert 1758

Das silberne Taufgerät besteht aus einer Schale mit einem Durchmesser von 45 cm und einer Kanne von 30 cm Höhe. Beides sind Arbeiten des Rokokos aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Rückseite der Schale und die Vorderseite der Kanne tragen das eingravierte Wappen und den Namen der Stifterin: Joh. Maria von Recklinghausen WB R V R Hugonis 1758.

AbendmahlsgerätBearbeiten

 
Abendmahlsgeschirr von 1710

Das Abendmahlsgerät aus getriebenen Silber besteht aus einer Kanne, einem Kelch und einem Hostienkasten. Die Abendmahlskanne ist 40 cm hoch und wurde 1847 von Friedrich Stoltenhoff der Gemeinde gestiftet. Der älteste Teil ist der Kelch, der etwa aus der Zeit um 1600 stammt. Auf drei ovalen Feldern, versehen mit reichem Schmuckwerk, befinden sich eingravierte Inschriften mit Worten aus Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirt“ – „Der Herr bereitet mir einen Tisch“ – „Gottes Güte und Barmherzigkeit werden mir folgen“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein zweiter Kelch angefertigt, der eine genaue Nachbildung des älteren ist. Auf dem Hostienkasten befinden sich Wappen und Initialen von Charlotte von Grevenberg, die den Kasten stiftete, sowie an der Innenseite des Deckels die Jahreszahl 1710.

KronleuchterBearbeiten

 
Kronleuchter

Im Zuge der Bemühungen um die Rekonstruktion der Dreieinigkeitskirche wurden in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt drei Kronleuchter im historistischen Stil bei der Firma Buck/Bielefeld in Auftrag gegeben. Möglich wurde die Anfertigung der Leuchter durch das Vermächtnis des Ehepaars Rusch, dessen Namen auf die Kugeln der Leuchter eingraviert wurden.

GemeindeBearbeiten

Die Evangelische Gemeinde umfasst die Stadt Eschweiler, ausgenommen die Stadtteile Weisweiler-Dürwiß. Sie gliedert sich in zwei Pfarrbezirke mit jeweils einem Pfarrer und einer Kirche. Die Anfänge der Gemeinde reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert. Anfänglich wurden Gottesdienste, teils heimlich, auf den umliegenden Adelssitzen von Pallandt, von Broich und von Drimborn gefeiert. In der Wollenweberstraße entstand 1788 das erste evangelische Kirchengebäude in Eschweiler. Nachdem im Laufe des 19. Jahrhunderts der evangelische Bevölkerungsanteil von 5 % auf über 10 % anwuchs, wurde ein Kirchenneubau notwendig. Nach dem 2. Weltkrieg erhöhte sich die Gemeindemitgliederzahl wiederum erheblich durch Vertriebene und Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten und der DDR auf etwa 8500. Im Jahr 1961 wurde der Bereich Weisweiler-Dürwiß ausgepfarrt und ist seitdem selbständige Kirchengemeinde. 1962 wurde im 2. Pfarrbezirk Pumpe-Stich die Friedenskirche errichtet. Nach Entwidmung der Friedenskirche zu Pfingsten 2015 nutzt die Gemeinde neben der Dreieinigkeitskirche die katholische Kirche St. Barbara in Pumpe-Stich als zweite Gottesdienststätte. Zur Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler gehören ca. 5100 Gemeindeglieder.

LiteraturBearbeiten

  • 100 Jahre Evangelische Dreieinigkeitskirche Eschweiler, Eschweiler 1992

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ev. Kirchengemeinde Eschweiler: Gemeindegruß 17-02, S. 4
  2. Ev. Kirchengemeinde Eschweiler: Festschrift 100 Jahre Dreieinigkeitskirche S. 30
  3. Ev. Kirchengemeinde Eschweiler: Festschrift 100 Jahre Dreieinigkeitskirche , S. 48
  4. Orgelerweiterung 2018