Großblütige Gämswurz

Art der Gattung Gämswurzen (Doronicum)
(Weitergeleitet von Doronicum grandiflorum)

Die Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum), auch Großkorb-Gamswurz genannt, ist eine Pflanzenart der Gattung Gämswurzen (Doronicum) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Großblütige Gämswurz
Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum)

Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Gämswurzen (Doronicum)
Art: Großblütige Gämswurz
Wissenschaftlicher Name
Doronicum grandiflorum
Lam.

MerkmaleBearbeiten

Die ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 40 cm und besitzt einen aufrechten, meist einköpfigen Stängel, sie ist drüsenhaarig. Die Grundblätter sind breit eiförmig und grob buchtig gezähnt mit einem langen, schmal geflügelten Stängel. Die Stängelblätter sind wechselständig, eiförmig bis lanzettlich, den Stängel zur Hälfte umfassend. Die Laubblätter besitzen am Rand neben kurzen Drüsen- und Gliederhaaren oft noch längere, mehrzellige Zottenhaare.

Die Hüllblätter sind dicht drüsenhaarig (daneben auch reichlich drüsenlose Haare). Die Blütenköpfchen werden 4 bis 6 cm breit mit gelben Zungen- und Röhrenblüten. Die Blütezeit reicht von Juli bis August.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 60.[1]

 
Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum)
 
Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum)

VorkommenBearbeiten

Als Standort bevorzugt die kalkstete Pflanze feuchten, lange vom Schnee bedeckten Kalkschutt, Geröll und Karflure in Höhenlagen zwischen 1400 und 3400 Metern. Sie ist eine Charakterart der Ordnung Thlaspietalia rotundifolii.[1] In den Allgäuer Alpen steigt sie von 1880 Metern bis zu einer Höhenlage von 2500 Metern auf.[2]

Die Art ist in den Alpen, Pyrenäen und im nördlichen Balkan verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst die Länder Spanien, Andorra, Frankreich, Korsika, Deutschland, die Schweiz, Italien, Österreich, Liechtenstein, Slowenien und Montenegro.[3]

In Österreich ist sie häufig in den nördlichen (ostwärts bis ins westliche Niederösterreich) und den südlichen Kalkalpen, in den Zentralalpen selten. Sie fehlt in Wien und im Burgenland.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[4]

SystematikBearbeiten

Man kann die folgenden Unterarten unterscheiden[3]:

  • Doronicum grandiflorum subsp. braunblanquetii Rivas Mart., T.E.Díaz, Fern.Prieto, Loidi & Penas: Sie kommt in Spanien vor.[3]
  • Doronicum grandiflorum subsp. grandiflorum.

BesonderheitenBearbeiten

Die Großblütige Gämswurz gehört zum Typus der Schuttstrecker, die sich durch das lose Material durcharbeiten, ohne ihm jedoch erheblichen Widerstand zu leisten. Sie wächst auf Kalk und bildet zusammen mit der Zottigen Gämswurz (D. clusii) auf Silikatgesteinen ein vikariierendes Artenpaar. Kraut, Wurzelstock und die Blüten enthalten einen Süßstoff, weshalb die Pflanze gern von Gämsen, Hirschen und Ziegen gefressen wird (Volksnamen: Hirschwurzen, Zigerchrut). Die Sennen verwenden das Kraut zum Würzen des Kräuterkäses. Da die Pflanze von Gämsen so gerne gefressen wird und diese schwindelfrei sind, erhofften sich zumindest Gämsjäger, Wilderer und Dachdecker vom Verzehr der Wurzel Schwindelfreiheit. Sie sollte darüber hinaus sogar noch kugelsicher machen, wenn sie an einem Freitag bei Neumond und vor Sonnenaufgang gegraben würde. Als Mittel gegen Schlaflosigkeit müsse sie hingegen bei zunehmendem, gegen Schlafsucht bei abnehmendem Mond gegraben werden.

TrivialnamenBearbeiten

Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für diese Pflanzenart, zum Teil nur regional, auch die Trivialnamen Gamsblümli (Glarus), Gamswurz (Tirol), Grasägel (Luzern, Bern) und Grasägli (Luzern, Bern) verwendet.[5]

LiteraturBearbeiten

  • Xaver Finkenzeller: Alpenblumen. München 2003, ISBN 3-576-11482-3.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 950.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 617.
  3. a b c Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & E. von Raab-Straube (ed.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Doronicum grandiflorum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. Doronicum grandiflorum Lam. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 18. März 2021.
  5. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 41, (online)

WeblinksBearbeiten

Commons: Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien