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Dmitri Nikolajewitsch Jegorow

russischer Historiker

Dmitri Nikolajewitsch Jegorow (russisch Дмитрий Николаевич Егоров; * 14. Oktoberjul./ 26. Oktober 1878greg. in Jelez; † 24. November 1931 in Taschkent) war ein russischer Historiker und befasste sich besonders mit der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Westeuropas.

Inhaltsverzeichnis

SchreibungenBearbeiten

In deutschen Bibliothekskatalogen und der historischen Literatur treten auch die Schreibweisen Dmitrij N., Nik. oder Nikolaevič Egorov und Dmitrij Nikolaus Jegorov auf. Die englische Transkription lautet Dmitri Nikolaevich Egorov.

LebenBearbeiten

Der Mediävist und Kulturhistoriker war bis 1925 Professor an der Moskauer Staatlichen Universität, stellvertretender Direktor der Lenin-Bibliothek in Moskau und wurde 1928 zum Korrespondierenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften. 1930 fiel er einer Säuberung zum Opfer und starb während seiner Verbannung in Taschkent.[1] In der Großen Sowjetischen Enzyklopädie ist als Sterbeort Moskau angegeben.[2]

WerkBearbeiten

Sein Hauptwerk[3] von 1915 über Mecklenburg, 1930 ins Deutsche übersetzt, machte ihn in Deutschland bekannt und verursachte bei deutschnationalen Historikern Kritik. Dies führte zu einer „deutliche(n) Radikalisierung“[4] der mecklenburgischen Landesgeschichtsschreibung. Nach Ansicht von Johannes Papritz, dem Leiter der Publikationsstelle Berlin-Dahlem, war die These, die Binnenkolonisation Mecklenburgs sei durch Slawen erfolgt, „den deutschen Interessen“[5] schädlich. Papritz intervenierte im Juli 1931 und sorgte für die Verurteilung des zweiten Bandes durch den Archivdirektor Hans Witte aus Neustrelitz, der den ersten Band in einer Rezension noch gelobt hatte. 1932 erschien als Nachlieferung ein dritter Band, in dem Witte Jegorovs Buch als „staatlich bestellte politische Arbeit“ bezeichnete; das Reichsministerium des Innern zahlte Witte dafür ein Honorar und übernahm weitere Kosten.[6]

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Kolonizacija Meklenburga v XIII v. Slavjano-germanskija otnošenija v srednie věka. Moskau 1915. Deutsch: Die Kolonisation Mecklenburgs im 13. Jahrhundert. 2 Bände, Breslau 1930
  • Metodika istorii : kurs, chitannyi na M. V. ZH. K. v 1915-16 uch. g, Moskau 1916

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Biografie, automatisch übersetzt, aufgerufen am 2. November 2009
  2. Artikel Dmitri Nikolajewitsch Jegorow in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)http://vorlage_gse.test/1%3D36682~2a%3D~2b%3DDmitri%20Nikolajewitsch%20Jegorow
  3. Gerd Voigt: Otto Hoetzsch (1876–1946) Wissenschaft und Politik im Leben eines deutschen Historikers. Berlin 1978, S. 214
  4. Bernd Kasten: Politik und Landesgeschichte in Mecklenburg 1918–1945. In: Thomas Stamm-Kuhlmann u. a. (Herausgeber): Geschichtsbilder. Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag. Stuttgart 2003, S. 444
  5. Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der „Volkstumskampf“ im Osten. Göttingen 2000, S. 114
  6. Dmitrij Nik. Jegorov (Egorov): Die Kolonisation Mecklenburgs im 13. Jahrhundert. 2 Bände, Breslau 1930. Hans Witte: Jegorovs Kolonisation von Mecklenburg. in: Deutsche Hefte für Volks- und Kulturbodenforschung. Band 1, 1930/31, S. 94–116. Hans Witte: Jegorovs zweiter Band über Prozeß der Kolonisation in Mecklenburg. In: Deutsche Hefte für Volks- und Kulturbodenforschung. Band 1, 1930/31, S. 241–253. Hans Witte: Jegorovs Kolonisation Mecklenburgs im 13. Jahrhundert. Ein kritisches Nachwort. Breslau 1932. Überblick: Ingo Haar: Historiker im Nationalsozialismus. Deutsche Geschichtswissenschaft und der „Volkstumskampf“ im Osten. Göttingen 2000, S. 114 f., ferner Hans-Jürgen Bömelburg: Das Osteuropa-Institut in Breslau 1930–1940. Wissenschaft, Propaganda und nationale Feindbilder in der Arbeit eines interdisziplinären Zentrums der Osteuropaforschung in Deutschland. In: Michael Garleff (Hrsg.): Zwischen Konfrontation und Kompromiss. Oldenburger Symposium "Interethnische Beziehungen in Ostmitteleuropa als historiographisches Problem der 1930er/1940er Jahre. München 1995, S. 52 f.